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IiilialtsYerzeichiiiss.

Heft 1 : Die Textüberlieferung der Bücher des Origenes gegen Celsus, Pro- legomena zu einer kritischen Ausgabe, von Paul Kötschau. 2: Der Paulinismus des Irenäus von Johannes Werner.

- 3 : Die gnostischen Quellen Hippoly ts in seiner Hauptschrift gegen die

Haeretiker von H. Staehelin. Sieben neue Bruchstücke der Syllogismen des Apelles. Die Gwynn'schen Cajus- und Hippoly tus- fragmente. Zwei Abhandlungen von A. Harnack.

- 4: Die ältesten Quellen des orientalischen Kirchenrechtes. Erstes

Buch: Die Canones Hippolyti von Hans Achelis.

TEXTE UND riNTERSÜCHUNGEN

ZUR GESCHICHTE DER

ALTCHRISTLICHEN LITERATUR

VON

OSCAE VON &EBHAEDT und ADOLF HAMACK.

VI. BAXD. HEFT 1.

DIE TEXTÜBERLIEFERUNG

DER BÜCHER DES ORIGENES GEGEN CELSÜS

IN DEN

HANDSCHRIFTEN DIESES WERKES UND DER PHILOKÄLIA. PROLEGOMENA ZU EINER KRITISCHEN AUSGABE

VON DR PHIL. PAUL KOETSCHAU,

GYMXASIALLEHKER IX JEXA.

h^f^.,

LEIPZIG

J. C. HINEICHS'SCHE BUCHHANDLUNG

1889.

Verlag der J. C. HINRICHS'scben Buchhandlung in Leipzig.

Texte lind üntersucliuiigen zur Geschichte der

Altchristlichen Literatur

von Oscar yoii Grebliardt und Adolf Hariiaek.

I, 1. 2. Die Uebeilieferung der griecliisclien Apologeten des zweiten Jalivhundeits in der alten Kirche und im Mittelalter, von Adolf Harnack. 308 S. 1882. 9 M.

I, 3. 1. Die Altercatio Simonis ludaei et TheopLili Cliristiani nebst Untersuchungen über die antijüdische Polemik in der alten Kirche. Von Adolf Harnaolc. 2. Die Acta Archelai.. und das Diatessaron Tatians. Von Adolf Harnack. 3. Zur hand- schriftlichen Übei'lieferung der griechischen Apologeten. I. Der Arethascodex, Paris. Gr. 451. Von Oscar v. Gebhardt. III, 19G S. 1883. 6 M.

I, 4. Die Evangelien des Matthäus und des Marcus aus dem Codex purpureus Rossanensis, herausgegeben von Oscar v. Gebhardt. Der angebliche Evangelien- commentar des Theophilus von Autiochien, von Adolf Harnack. LIV, 176 S. 1883. 7 M. 50.

II, 1. 2. Lehre der zwölf Apostel, nebst Untersuchungen zur ältesten Geschichte der Kirchenverfassung und des Kirchenrechts von Adolf Harnack. Nebst einem An- hang: Ein übersehenes Fragment der Juiaxn in alter lateinischer Uebersetzung. Mitgetheilt von Oscar v. Gebhardt. 70 u. 204 S. 1884. 10 M. (Nicht nu'hr einzeln zn haben.)

II, 3. Die Oflfenbarung' Johannis, eine jüdische Apokalypse in christlicher Be- arbeitung von Eberh. Vischer. Mit einem Nacliwort von Adolf Harnack. 137 S. 1886. 5 M.

II, 4. Des heil. Eustathius, Erzbischofs von Antiocliien, Beurtheilung des Origenes betr. die Auffassung der Wahrsagerin 1. Könige [Sam.] 28 und die diesbezüg- liche Homilie des Origenes, aus der Müncbener Hds. 331 ergänzt u. verb., mit kritischen u. exegetischen Anmerkungen von Alb. Jahn. XXVII, 75 S. 1886. 3 M. 50; Einzelpr. 4 M. 50.

II, 5. Die Quelle der sogenannten apostolischen Kirchenordnung, nebst einer Unter- suchung über den Ursprung des Lectorats und der anderen niederen Weihen von Adolf Harnack. 106 8. 1886. 4 M.

III, 1. 2. Leontius v. Byzanz und die gleichnamigen Schriftsteller der griechischen Kirche v. Prof. Lic. Dr. Friedr. Loofs. l. Buch: Das Leben und die polem. Werke des Leontius v. Byzanz. VIII, 318 S. 1887. 10 M.

III, 3. 4. Aphrahat's des persischen Weisen Homilien aus dem Syrischen übersetzt und erläutert von Pfarrer Dr. Georg Bert. Die Acten des Papylus xmd der Agathonike. Eine Urkunde aus der Zeit M. Aureis von Ad. Harnack. II, 466 S. 1888. 16 M.

IV, 1. Tatiani oratio ad Graecos rec. Ed. Schwartz. (X, 105 S) 3 M. 60.

V, 1. Der pseudocyprianische Tractat de aleatoribus, die älteste lateinische, christ- liche Schrift, ein Werk des römischen Bischofs Victor I. (saec. IL), von Adolf Harnack. 1888. VI, 151 S. 4 M. 50.

V, 2. Die Abfassungszeit der Schriften TertuUians von Ernst Noeldechen. Fragmente d. Papias, Hegesippus u. Pierius von C. de Boor. 1888. 184 S. 6 M.

V, 3. Das Hebräerevangelium von Lic. Rud. Handmann. 13G S. 1888. 4 M. 50.

VI, 1. Die Textüberlieferung der Bücher des Origenes gegen Celsus in den Hand- schriften dieses Werkes u. der Pbilokalia. Prolegomena zu einer kritische» Ausgabe von Dr. P. Kötschau. VIII, 157 S. m. e. Stammtafel. 1889. 5 M. 50.

Harnack, Prof. Dr. Adf., die Zeit des Ignatius und die Chronologie der Antiochenischen Bischöfe his Tyrannns nach Julius Africanus und den späteren Historikern. Nebst einer Untersuchung über die Verbreitung der Passio S. Polycarpi ini Abendlande. DI, 92 S. 1878. 3 M.

DIE

TEXTÜBERLIEFERUNG

DER BÜCHER DES OßlGENES GEGEX CELSÜS

IN DEN

HANDSCHRIFTEN DIESES WERKES UND DER PHILOKALIA.

PEOLEGOMENA ZU EINER KRITISCHEN AUSGABE

Dr PHIL PAUL KOETSCHAU,

GYMXASIALI.EHEER IX JENA.

LEIPZIG

J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNG.

1889.

SEP 3 0 1357

Vorwort.

Die Notwendigkeit einer neuen, auf gesicherter handschrift- licher Grundlage ruhenden Ausgabe der erhaltenen Werke des Origenes ist längst empfunden und öffentlich ausgesprochen wor- den, neuerdings zugleich mit ^Vorschlägen für ihre praktische Gestaltung von berufenster Seite, durch Paul de Lagarde '). Wenn freilich de Lagarde die Ausführung als nicht eben schwierig be- zeichnet hat, so mag sie das für einen Mann von so umfassen- der Gelehrsamkeit und unerschrockener Arbeitskraft vielleicht nicht sein; aber auch ein solcher würde bei der bekannten Zer- splitterung und dem grossen Umfang des handschriftlichen Ma- terials lange Jahre dazu gebrauchen.

Der Verfasser der vorliegenden Abhandlung kann nicht daran denken, ein so grosses Unternehmen zu beginnen, das zu rascher Förderung weiter und zusammenhängender Reisen bedürfte; doch glaubte er wenigstens durch Vorbereitung einer neuen dringend gewünschten -) kritischen Ausgabe der Bücher gegen Celsus an seinem Teil zur Herstellung einer künftigen Gesamtausgabe des Origenes beitragen zu sollen.

Die erste Anregung zu meinen Origenes-Studien gab mein Freund Karl Johannes Neumann, der für die Wiederherstellung der Streitschrift des Celsus in seinen ,Scriptores Graeci qui Chri- stianam impugnaverunt religionem' meine Mitarbeit wünschte. Eine Reconstruction des .wahren Wortes' muss auf dem Grunde

1) Vgl. ,novae psalterii graeci editionis specimen' p. 0 (in den Abb. der K. Ges. d. Wiss. zu Göttingen bist. phil. Klasse XXXIII, 6. 1S87).

2) Vgl. Overbecks Worte (in Scbürers theol. L.-Z. 1S77. 2. Sp. 477) .Unter den unzäbligen Desiderien der gegenwärtigen Leser der patristiscben Lit- teratur nimmt das einer kritiscben Ausgabe der Streitscbrift des Origenes gegen Celsus nicht die letzte Stelle ein'.

IV Vorwort.

einer kritischen Kecensiou der Bücher des Origenes gegen Celsus ruhen. A'on der Besorgung einer neuen Ausgabe dieses Buches ^ah sich aber Neumann durch litterarische Arbeiten anderer Art abgehalten: so habe ich im Jahre lS83 die Lösung dieser Auf- gabe übernommen und die Vorarbeiten begonnen. Dieselben mussten sicli zugleich auf die Überlieferung der Philokalia er- strecken, da ich nur durch Sichtung und Prüfung des gesamten handschriftlichen Materials derselben einen sichern Massstab zur Beurteilung des überlieferten Textes der Bücher gegen Celsus gewinnen konnte. Mit einer kritischen Ausgabe der Bücher gegen Celsus hoffe ich also die Grundlage für eine Wiederherstellunsr des ^aXrjd-rjg Xoyog^ zu schaffen und zugleich einen Beitrag zu der Gesamtausgabe des Origenes zu liefern.

Ich veröffentliche zunächst an dieser Stelle eine drei Capitel umfassende Untersuchung über die Handschriften ') der Bücher gegen Celsus, über die Handschriften der Philokalia und über den Text der in die Philokalia aufgenommenen Stücke jenes Werkes und hoffe, aus dem Urteil meiner Fachgenossen über diese Vor- arbeit erwünschten Nutzen für die Herstellung meiner Ausgabe ziehen zu können. Ich werde dankbar sein für jede Nachriclit über handschriftliches Material, welches mir unzugänglich ge- blieben ist oder entgangen sein sollte.

Die Zahl der von mir besprochenen Philokalienhandschriften wird, wie ich bestimmt glaube, leicht um einige Nummern ver- grössert werden können; indessen hoffe ich hier wenigstens keine wichtige Handschrift übersehen zu haben. Dies zeigt auch die Vergleichung meines zweiten Capitels mit dem Artikel des Herrn J. Armitage Robinson ,0n the text of the Philocalia of Origen' (im Journal of Philology, vol. XVIII, p. 36—68)-). Da.ss un- sere beiderseitigen, unabhängig von einander gewonnenen Re- sultate in den Hauptsachen übereinstimmen, ist ein gewiclitiger Beweis für die Richtigkeit derselben; und wenn wir in Einzel- heiten, vornehmlich in der Klassifizierung der zu der III. Gruppe

1) Die Verwertung der patristischen Citate aus den Büchern gegen Celsus habe ich mir noch vorbehalten.

2) Da Herr Robinson die Güte gehabt hat, mir bereits Mitte Februar einen Abzug seiner Abhandlung zuzusenden, so war es mir möglich, die- selbe noch an einzelnen Stellen meines zweiten Capitels zu berücksichtigen. Vgl. unten S. 82 f.

Vorwort. V

(x) gehöreuden Hanclsclirifteu, verschieden urteilen, so wird man dies aus den Schwierigkeiten, die mit der Gruppierung von Handschriften auf Grund von Probecollationen und kurzen No- tizen verbunden sind, erklären und etwaige Versehen um so entschuldbarer finden, als durch dieselben die flauptresultate nicht im mindesten beeinträchtigt werden. Meine Ansichten über die Verwandtschaftsverhältnisse der Codices der III. Gruppe würde ich vielleicht in einzelnen Punkten geändert haben, wenn ich den Cod. Par. 940, über welchen Herr Robinson a. a. 0. p. 55 f. eingehender handelt, selbst hätte einsehen und prüfen können: eine vollständige Collation dieser Handschrift wird wohl manches jetzt noch vorhandene Rätsel in den Beziehungen einzelner Handschriften der III. Gruppe zu einander lösen. Da- gegen glaube ich meine im ersten Capitel gewonnenen Ergeb- nisse als im ganzen sicher bezeichnen zu dürfen, da mir zur Klassifizierung der die Bücher gegen Celsus enthaltenden Hand- schritten ausreichendes Material zu Gebote stand. Ich muss des- halb entgegen der von Herrn Robinson a. a. 0. p. 66 f. aus- gesprochenen Annahme, dass dem Cod. Ven. 45 eine selbständige Stellung neben Cod. Vat. 386 und Cod. Par. S. Gr. 616 anzu- weisen sei, an meiner Ansicht, dass Ven. 45 unzweifelhaft von Vat. 386 abgeschrieben ist. festhalten. Abgesehen von dieser erheblicheren Abweichung stimmen die kurzen Aufstellungen des Herrn Robinson a. a. 0. p. 62 68 im ganzen mit den mei- nigen im ersten Capitel überein.

Da ich durch amtliche Thätigkeit in meiner Zeit beschränkt und an weitereu Reisen verhindert bin, so wäre die vorliegende Arbeit noch nicht so weit vorgeschritten, wenn ich nicht von den verschiedensten Seiten freundliche Hilfe und Unterstützung erhalten hätte. Vor allem fühle ich mich dem hohen Staats- ministerium in Weimar und der hiesigen Gymnasialdirektion dafür dankbarst verpflichtet, dass mir zum Zweck handschrift- licher Untersuchungen im Mai 1SS8 ein dreiwöchentlicher Ur- laub für eine Reise nach Italien gewährt worden ist. Nicht geringeren Dank schulde ich der Verwaltung der hiesigen Uni- versitätsbibliothek, welche jederzeit meinen Wünschen in freund- lichster Weise entsprochen hat; dem Präfecten der Vaticanischen Bibliothek, Herrn P. Johannes Bollig, und dem Bibliothekar der ^Marcus-Bibliothek in Venedig, Herrn Grafen Soranzo, die meine

VI Vorwort.

haiidschril'tlicheu Untersuchungen liebenswürdig unterstützten; den Leitern der Bibliotheken in Basel, Göttingen, Leiden, Mün- chen, Paris und Venedig, welche mir. teils direkt, teils durch Vermittelung der Grossherzogl. Regiening in Weimar, Hand- schriften zur Benutzung auf hiesiger UniversitätsbibKothek über- sendet haben. Endlich spreche ich auch an dieser Stelle meinem Freunde Karl Johannes Neumann, sowie den Herren Gundermann, Liebenam, Margoliouth, Mau und Robinson für die Förderung meiner Arbeit durch Probecollationen und Mitteilungen meinen aufrichtigsten und wärmsten Dank aus.

Jena, den 7. April 1889.

Dr. Paul Kot'tschau.

Inlialt.

Seite Erstes Capitel: Die Handschriften der Bücher des ürigenes gegen

Celsus 1

Zweites Capitel: Die Handschriften der Philokalia des Origenes . 78

Drittes Capitel: Die direkte und indirekte handschriftliche Über- lieferung der Bücher des Drigenes gegen Celsus 131

Anhang : Verzeichnis aller erwähnten Handschriften 156

Beigegeben ist ein Stammbaum der Handschriften:

a) der Bücher des Origenes gegen Celsus,

b) der Philokalia.

Erstes Capitel.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen

Celsus.

Von den bisher erschienenen Ausgaben*) der acht Bücher des Origenes gegen Celsus verdienen nur zwei als selbständige Leistungen hervorgehoben zu werden:

1. die editio princeps des griechischen Textes von D. Hoeschel, Augsburg 1605 ,ex bibliothecis Elect. Palat. Boica et Aug.', und

2. die bis jetzt noch massgebende Ausgabe des Benedictiners C. Delarue in dem I. tomus der. von seinem Neffen C. V. Delarue vollendeten Gesamtausgabe des Origenes p. 310 799. Die Aus- gabe von Spencer dagegen -) ist nur em Abdruck der Hoeschel- schen, wie Spencer selbst in der U. praef. p. 3 angiebt. Eine Prüfung hat mir gezeigt, dass Spencer im I Buche 55 am Rand der Hoeschelschen Ausgabe stehende Varianten auf den Rand seiner Ausgabe herübergenommen, 4S andere aber in seinen Text gesetzt und nur 5 Bibelstellen geändert hat. Diese Art und Weise der Benutzung der H.'schen Ausgabe ist wohl auch für die übrigen 7 BB. anzunehmen. Die neueste Ausgabe, die von Lommatzsch (= tom. 18. 19. 20 seiner Gesamtausgabe des Origenes) aus den Jahren 1845. 1846, ist bekaunthch ebenso wie die von Migne in der patrol. gr. nichts anderes als eine Wiederholung derjenigen von Delarue. Lommatzsch hat nicht

1) Sie finden sich aufgezählt bei Fabric.-Harless vol. VII p. 207 ff. 219 f., und bei Delarue, Orig. opera omnia tom. I, Paris 1733, p. IX ff.

2) Origenis contra Celsum libri octo, eiusdem Philocalia Guilelmus Spencerus Cantabrigiensis etc. etc. recognovit etc. Cantabrigiae 1658, zweite Aufl. 1677.

Texte und Untersuchungen VI, i. 1

2 Erstes Capitel.

nur den kritischen Apparat, sondern sogar die Vorreden von De- larue in seine Ausgabe übertragen und im einzelnen sehr wenig geändert •).

Das vorhandene handschriftliche Material ist w^eder von Hoeschel noch von Delarue vollständig herangezogen v^rorden. Hoeschel hat für seine Ausgabe nur drei Handschriften benutzt: 1. den Codex Augustanus Hoeschelii No. 43 (517), jetzt in Mün- chen, als Druckexemplar, 2. den Codex Monacensis No, 64, 3. (und zwar nur in den Noten) den Codex Palatino-Vaticanus No. 309. Diese drei Handschriften gehen aber, wie unsere Unter- suchung zeigen wird, auf einen Archetypus, den noch vorhandenen Codex Vaticanus No. 386 zurück, so dass dieser in letzter Linie als Grundlage des Hoeschelschen Textes gelten kann. Delarue dagegen hat seiner Ausgabe die Collationen von acht Hand- schriften zugrunde gelegt 2):

1. des Codex Regius Par. No. 945,

2. Basil. A. HI 9,

3. Jolianus Par. Suppl. Gr. No. 293,

4. Vaticanus No. 386,

1) Deshalb ist der von Aube (Histoire des persecutions de l'eglise Xlle ed., Paris 1878, p. 277 Anm. 1) erhobene Vorwurf: ,Le dernier editeur allemand d'ürigene, ä n'en pas douter, ne l'a pas eu sous les yeux (sc. den Codex Regius 945) et allegue souvent ä tort son autorite pour plu- sieurs leQons' hinfällig, weil Lommatzsch eben nur den Text, den Apparat und die Noten Delarue's abgedruckt und dies stets durch ein hinzu- gesetztes R. angedeutet hat. Aube selbst sind übrigens bei Mitteilung von Lesarten des Codex Regius hie und da Fehler untergelaufen. So muss es (um von Kleinigkeiten, wie falschen Accenten u. dgl. abzusehen) p. 292 A. 4 des 0. gen. Buches heissen statt Fol. 96 verso: Fol. 96 recto; p. 294 A. 1 statt Fol. 98 rect.: Fol. 98 verso; p. 316 A. 2 statt fol. 166, recto: fol. 165 verso; p. 328 A. 5 a. E. statt txaoxov: kxäaxov; ibid. A. 6 a. E. statt ahßovzeg: oeßovxai; p. 333 A. 1 statt dnoxmioavxoq (als Lesart des Cod. Reg.): -aovxoq; ibidem statt fa anavxa eavxxw (was der Cod. Reg. ,tres-clairement' bieten soll): elx' unavxü tccvxw; p. 335 A. 1 statt fol. 209, verso: fol. 219, verso; p. 337 A. 1 statt Fol. 323, recto: Fol. 223 r. ; p. 349 A. 1 fehlt zwischen xat und t^iv das im Cod. Reg. stehende öixTjv xal; p. 370 A. 1 muss es heissen statt övaaQeoxaxa: övaay^oxaxa; endlich p. 382 A. 1, Z. 1 schreibt Lommatzsch nicht xovxo sondern xovxoiq.

2) Er zählt dieselben in der praefatio (tom. I, p. 315 Anm. a der Ge- samtausgabe) auf.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 3

5. des Codex Vaticanus No. 387,

6. ,, Angl. Bodleianus No. 21,

7. Angl. Oxou. Novi Colleg. No. 146,

8. Angl. Bodleianus No. 36.

Davon werden No. 6. 7. 8 von Delarue als Anglicanus I. II. III. bezeichnet.

Aber auch von diesen acht Codices sind, wie wir sehen werden, fünf, nämlich No. 3. 5. 6. 7. 8. indirekt auf den Codex Vaticanus No. 386 zurückzuführen, und nur der Codex Regius Par. No. 945 und der Codex Basil. bilden mit ihrem, von De- larue nicht gekannten gemeinsamen Archetypus, Codex Par. Suppl. Gr. No. 616, eine selbständige Handschriftengruppe neben dem Cod. Vatic. No. 386 und dessen Abschriften. Darin, dass Delarue diese beiden Handschriftengruppen, allerdings ohne Kenntnis ihres Verwandtschaftsverhältnisses, benutzt hat, liegt bei ihm ein Fortschritt im Vergleich zu Hoeschel. Freilich legt Delarue, wie Aube,^) dem Codex Regius, ferner auch dem Cod. Basil. und Cod. Jolianus zu grossen Wert bei und über- sieht die Wichtigkeit des Cod. Vat. 386, von dem er, ausser im I. Buche, auffällig wenig Lesarten anmerkt. Wenn auch von einem Gelehrten aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts weder eingehende Untersuchungen über das Abhängigkeitsver- hältnis der Handschriften, noch über den Wert der abweichenden Lesarten in denselben zu erwarten sind, so muss mau doch bedauern, dass Delarue seine Collationen allzu unvollständig mitgeteilt, bezüglich angefertigt hat. Aber selbst das Mitgeteilte dürfen wir nur mit Vorsicht verwenden, da sich hie und da Fehler und Ungenauigkeiten schon bei flüchtiger Durchsicht nachweisen lassen '^), deren Zahl durch eine genaue Nachprüfung erheblich vermehrt werden würde.

1) Histoire des pers. de l'egl. p. 277 A. 1 ,Ce manuscrit, , est de gi"ande valeur'.

2) Zum Beispiel mögen folgende Stellen dienen, welche mir gelegent- lich aufgefallen sind:

B. I Cap. 5, Delarue I, p. 324 Anm. b, liest Regius nicht rw u).).u)v sondern tw uD.q).

B. I Cap. 24, Del. I, p. 341 A. e, liest Bas. nicht tiqüjxov raiv dvS-^ai- Ticav sondern TtQCüZwi' v. d.

B. I Cap. 25, Del. I, p. 343 A. f, lesen Reg. und Bas. nicht snel tnl (piXrjßov sondern tTCil (fihjßov.

1*

4 Erstes Capitel.

Da seitdem niemand das gesamte bandschriftliche Material für die Bücher des Origenes gegen Celsus durchmustert hat, so war es meine nächste Aufgabe, diese Untersuchung zu führen.

Die Zahl der meines Wissens vorhandenen, bezüglich iu Handschrifteukatalogen verzeichneten Codices, welche die acht Bücher des Origenes gegen Celsus vollständig enthalten, beläuft sich auf 18, während Bruchstücke des Werkes in 7 Hand- schriften vorliegen. Von diesen 25 Handschriften befinden sich

5 in Rom (Vaticana), 3 in Venedig (Marciana), 4 in Mailand (Ambrosiana), 3 in Oxford (2 in der Bodleiana, 1 in der Bibl. des New College), 2 in München (der Monacensis und der Augustanus Hoeschels), 1 in Leiden, 3 in Paris, 1 in Basel, 1 in Madrid und 2 sind in den von R. Foerster herausgegebenen Katalogen^) als in Konstantinopel und in Rhaedeste (= Bisan- the) befindlich erwähnt.

Abgesehen von den beiden letzten, über deren Vorhanden- sein mir nichts bekannt ist^), enthalten 7 Codd. nur Bruchstücke

B. I Cap. 2G, Del. I, p. 345 A. a, lesen Reg. und Bas. nicht (pi'ioaL xiq äv ovx d&SEt sondern (fi'jaai zig, ovx tld-esl.

B. I Cap. 51, Del. I, p. 367 A. a, lesen Reg. und Bas. nicht /lera zi^v xov Mixaiov sondern fx. z. zov //.ixaicc.

B, I Cap. 63, Del. I, p. 378 A. b, liest der ältere Vatic. nicht ix<pai- vo[itvi]v sondern i//.(paivof/,iv7]v.

B. III Cap. 45, Del. I, p. 477 A. a, ist die Lesart des Reg. nicht viovq MaöL sondern lovafiäö.

B. VI Cap. 8, Del. I, p. 635 A. b, sollen Reg. Bas. Vat. [wohl I , d. h. Nr. 386] lesen iv zw nXüziüvoq ßUo xavz elQrixaoi, aber die 3 codd. lesen iv zw Tc).. ß. xoiairr' tLQtjXaai.

B. YI Cap. 43, Del. 1, p. 665 A. h, ,a mss. codd. recte abest xaza^ aber xazu findet sich nicht nur im Vat, 386, sondern auch im Reg. Bas.

B. VII Cap. 4, Del. I, p. 696 A. c, soll nur Bas. nQoanikavov haben, Bas. liest aber wie Reg. Vat. .386 und alle übrigen codd. nQOuntXaßov, und nur Par. 616 (den Delarue nicht kannte) hat nQoansXavov [v in ras.].

B. VII Cap. 31, Del. I, p. 715 A. c, sollen Vatic. [wohl I] und Bas. lesen zov naQu nXüzwvi, beide haben aber, ebenso wie Reg. Ven. 44. 45, zw naQu 7tX. Andere Fehler werden sich später durch eine Vergleichung meiner Ausgabe mit derjenigen Delarue's leicht nachweisen lassen.

1) In dem Rostocker Univ.-Gratulationsprogramm zum Tübinger Univ.- Jubilävim 1877. 4^. Die Kataloge sind nach Foerster zwischen 1565 und 1575 geschrieben.

2) [Herr Professor F. Blass aus Kiel, der im Frühjahr 18S7 in Kon-

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 5

(die 4 Ambros., 2 Ottobon.- Vatic, 1 Bodl.), die übrigen 16 das Werk vollständig. Von diesen 16 Handschriften habe ich selbst 10 vollständig oder teilweise in Jena verglichen,^) nämlich:

1. Codex Reg. Par. No. 945 (vollständig),

2. Par. Suppl. Gr. No. 616 (vollständig),

3. Basil. A III 9 (vollständig),

4. Venetiis Marc. No. 44 (vollständig),

5. Venetus Marc. No. 45 (vollständig),

6. Venetus Marc. No. 46 (Stellen aus B. I— VIII),

7. Jolianus Par. Suppl. Gr. No. 293 (B. VII und wich-

tige Stellen aus B. I— VI u. VIII),

8. Leidensis No. 17 (B. VII und wichtige Stellen aus

B. I-VI u. VIII),

9. Monacensis No. 64 (B. VII und wichtige Stellen aus

B. I-VI u. vni).

10. Augustanus No. 43 (517) (einzelne wichtige Stellen aus B. I-Vm), von den übrigen 5 habe ich durch die Güte der Herren Dr. Gundermann, Liebenam, Margoliouth, Mau Probecollationen er- halten, nämlich von:

1. Codex Vaticaims No. 386,

2. Vaticanus No. 387,

3. Palatino- Vatic. No. 309,

4. Bodleianus No. 21,

5. Oxon. Nov. Coli. No. 146;

stantinopel war und im Hermes 23, 3 (1888) S. 219 S. Mittheilungen über „die griechischen und lateinischen Handschriften im alten Serail zu Kon- stantinopel" gemacht hat, hatte die Güte, mir am 13. April 1888 Folgen- des zu schreiben : „Wo die Bibliotheken hingekommen sind, die nach der von Ihnen angeführten Schrift" (von Foerster) „in Konstantinopel und Umgegend im 16. Jahrh. vorhanden waren, davon weiss niemand etwas zu sagen; im Serail hat sich jedenfalls nichts davon gezeigt. In Rodosto ist in den letzten Jahren jemand gewesen, um nachzuspüren und hat den Bescheid bekommen, dass die Bibliothek vor einigen Decennien verbrannt wäre. Ich halte das für eine (ganz übliche) Ausflucht, um das Nicht- wissen zu verbergen und den Frager loszuwerden. Selbst bin ich in R., nachdem ich dies gehört, nicht gewesen; denn ohne türkisch zu können, mochte ich nicht in dem fremden Orte herumirren, sicher, doch nichts machen zu können." K. J. Neumann.]

1) Als Collationsexemplar habe ich die Ausgabe von Lommatzsch be- nutzt und führe vol. XVIIl als I, vol. XIX als II, vol. XX als III an.

g Erstes Capitcl.

eudÜLh war es mir selbst im Mai 18SS vergöuut, die 3 Codd. der Vaticaua, Ko. 386. 387. 309 in Rom einsehen und von der wich- tigsten Hdschr., No. 386 wenigstens B. 1—3 und 7—8 ziemlicli vollständig, von B. 4—6 die entscheidendsten Stellen vergleichen zu können. Mein Freund K. J. Neumann hat sich bereit erklärt, die Vergleichung des Cod. Vat. 386 in Kürze zu vervollständigen, bez. nochmals zu prüfen.

Nur von dem Codex Matritensis P. 6 fehlt mir leider jede genauere Nachricht.

Wir beginnen unsere Untersuchung mit einer grösseren Handschriftengruppe, an deren Spitze die zwei Codd. Veneti No. 45 u. 44 stehen, welche mit Cod. Yen. 46 ehemals im Be- sitz des Cardinais Bessarion gewesen sind. Sämtliche zu dieser Gruppe gehörenden Handschriften lassen sich entweder als di- rekte oder indirekte Abschriften des Ven. 44 oder des Ven. 45 erweisen. Die Zugehörigkeit zu Ven. 45 ergiebt sich teils aus einer Dittographie im YH. B. Cap. 6 *), teils aus dem Yorhanden- sein einer Textesverwirrung im Y. Buch, welche durch Yerhef- tung eines Quaternio im Archet\ pus des Cod. Yen. 45 verursacht worden ist, endlich auch aus gemeinsamen Lücken und Fehlern im Yen. 45 und seineu Abschriften.

Demnach ist als Apographon von Yen. 45 zu betrachten: 1. Codex Veiietiis Mareisiims -) No. 46^), saec. XY. in 4" (28 cm. X 19 cm.). Er enthält auf 265 beschriebenen Perga- mentblättern nur die acht Bücher gegen Celsus; Fol. la beginnt mit o fisv öcaTTJQ . . . Fol. 265^ endigt mit . . . fiaQrvQf'/oco- fi£v. Die Handschrift ist mit grosser Sorgfalt vor Bessarions Tode (19. Nov. 1472), wahrscheinlich in der Mitte des XY. saec. von einem geschickten Schreiber, wohl einem jener Graeculi

1) = Lom, III, p. 8 Z. 19, wo im Ven. 45 hinter avzov fälschlich aus Z. 17 f. xaxÖQi^Möiv x<äv dvwv wiederholt ist. Dieser Fehler findet sich weder im Archetypus des Ven. 45 noch in irgend einer andern von Ven. 45 unabhängigen Handschrift.

2) S. Montfaucou, bibl. bibl. I, p. 475 B unter 17 T. Zanetti, Gr. D. Marci bibl. p. 30.

3) In Bessarions Bibliothek: Nr. 52, wie aus der Notiz auf dem 2. Pergament-Vorstossblatt" ersichtlich ist.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 7

esurientes' in Bessarions Umgebung, die durch. Abschreiben von Codices ihren Unterhalt erwarben ^). mit schwarzer Tinte auf rotgezogene Linien, deren sich 28 auf jeder Seite befinden, ge- schrieben und mit schönen Ornamenten und Initialen in Rot ausgeschmückt worden. Auf Fol. 1^ unten ist Bessarions Wappen in Blau und Rot, umgeben von einem grün-goldnen Kranz, ge- malt, ein Umstand, welcher nach Gardthausen -) auf abendlän- dischen Ursprung des Codex hindeutet.

So schön auch diese, in braunrotes Leder gebundene Hand- schrift geschrieben und erhalten ist, so wenig Wert besitzt sie für uns, da sie mit Sicherheit als Abschrift des Cod. Yen. 45 be- zeichnet werden muss. Zwar findet sich hier nicht die oben er- wähnte Textesverwirrung im V. Buch, da der Schreiber des Ven. 46 den Zeichen und hinweisenden Noten des Correctors von Ven. 45 gefolgt ist und dadurch die richtige Blätterfolge herge- stellt hat; dagegen fällt uns

1. die oben erwähnte Dittographie im 6. Cap. des VlI. Buches

(= Lom. in, p. 8 Z. 19 xaroQi^cooiv rcöv avcov hinter avxov un- richtig wiederholt) auf, und, um den Beweis evident zu machen, kann ich

2. mehrere Stelleu im Ven. 46 anführen, die nur dann ver- ständlich werden, wenn man die Vorlage eben Ven. 45 zur Vergleichuug heranzieht. Wie sollte z. B. wohl der Schreiber von Ven. 46 auf folgende Schreibung (^Buch I. Cap. 37 = Lom. I, p. 74 Z. 11) verfallen sein:

yvjcdocöv, wenn ilmi nicht seine Vorlage die Lesart:

yvjtcov geboten hätte? So steht aber im Ven. 45^) von erster Hand. Oder wie sollten wir uns den folgenden Unsinn in Ven. 46 (Buch IV, Cap. 17 = Lom. H, p. 22, Z. 5):

oix, ai\ £0v 0VT03 öiEQS TOP erklären können, wenn wir nicht aus der Lesart des Ven. 45:

1) Die Namen der von Bessarion beschäftigten Abschreiber s. u. a. im Serapeum 1841, II, p. 96 (in dem Aufsatz von Vogel über Bessarions Stiftung).

2) Griech. Pal. S. 65 u. 93.

3) und im Vat. 386; dieser kann aber der genannten Dittographie und der folgenden Stelle wegen nicht Archetypus von Yen. 46 sein.

g Erstes Capitel.

^ ^ ^^ ;.. r.. [1. m.]

ovx ai', 'iov I QS TOP (in mg. IL ni. zii't) deu Ursprung der Verwirrung in Ven. 46 mit der wünschenswertesten Deutlichkeit zu erkennen vermöchten? Ebenso sklavisch ist der Schreiber von Ven. 40 auch an folgenden Stelleu verfahren:

Buch IV, Cap. 47 (= Lom. II, p. 74, Z. 6) schreibt er fc|/)g, wo Ven. 45

f^^V? (^0 corr. aus t$.i]g) hat, und Buch IV, Cap. 43 (= Lora. II, p. 68, Z. 15) giebt er die Correctur des Ven. 45:

ajtoöi](iia folgendermassen wieder:

kjioö'qfila.

Ausser deu angeführten Stellen Hessen sich noch viele an- dere beibringen, an denen die Abhängigkeit des Ven. 46 von Ven. 45 deutlich hervortritt; ferner kehren die Randnotizen von Ven. 45, die teils von L. teils von IL Hand (letztere ist wohl die des Bessarion selbst) herrühren, mit ganz wenigen Ausnahmen im Ven. 46 wieder, und endlich findet sich abgesehen von unbedeutenden Schreibfehlern keine Stelle, wo Ven. 46 von Ven. 45 abwiche oder eine kleinere oder grössere Lücke des Ven. 45 ausfüllte.

Wenn demnach die Abhängigkeit des Ven. 46 von Ven. 45 ^) bewiesen ist, so lässt sich ferner leicht zeigen, dass Ven. 46 als Vorlage des sogen. Codex Johanns gedient hat.

2. Codex Par. SuppL Grec Xo. 293 saec. XVI. exeunt. in Fol. (345 X 24U mm,), chart., der, zuerst im Besitz des Gelehrten Claude Joly, wde die Notiz auf Fol. 2 beweist "-), dann in die Biblio- thek der Notre-Dame-Kirche und von da a. 1756 in die Bibliotheque

1) Bekanntlich ist Bessarions Bibliothek auch sonst durch Abschriften der ursprünglich vorhandenen, aus Byzanz nach Italien herübergebrachten oder von daher erworbenen Codd. erweitert und vermehrt worden. Z. B. hat K. J. Neumann (Juliani imp. libror. contra Christ, quae supers. p. 144 f.) Cod. Ven. Marc. 124 als Abschrift des Cod. Ven. Marc. 123 nachgewiesen. Dieser ist, wie Ven. 45, alt und am Anfang verstümmelt und bombyc, jener, wie Ven. 46, neu (s. XV) und auf Pergam. geschrieben. Vgl. auch Jac. Morellii bibl. ms. gr. et lat. Bassani 1802, tom. I an mehreren Stellen.

2) C Joly M Aug KiüG; vgl. Allg. Encykl. von Ersch und Gruber 2. Sec- tion 22. T. S. 362 f.

Die Handschriften der Bücher des Ongenes gegen Celsus. 9

Rojale 1) übergegangen ist, enthält auf 304 Blättern mit schwarzer Tinte ohne Linien geschrieben nur die 8 Bß. des Origenes gegen Celsus: Anfang: Fol. la o fisr ofjQ xal xg rj[imv . . . Ende: Fol. 304^ . . . iiaQxvQriCo^n^v. TiXot;. Am Anfang des 11. Bu- ches sind zwei Blätter (Foll. 43. 44) etwa 3 cm. am Rand einge- schlagen, und auf dem Rand hat der Schreiber je eine (ausgelassene) Seite nachgetragen. Die Schrift, jüngste Minuskel, meist sehr nach rechts geneigt, ist anfangs sorgfältig, später recht flüchtig, die Initialen sind plump ausgeführt, die Accente und Interpunk- tionszeichen sehr jung, das Iota subscr. ist reichlich vorhanden. Verbesserungen und Randbemerkungen von I. und 11. Hand, teils rot, teils schwarz, finden sich häufig. Am Rand sind vielfach Varianten der Philokalia beigeschrieben.

Dass dieser Codex von I. Hand von dem Codex Venetus Ko. 46 abgeschrieben und nach dem Cod. Ven. 44 und einer Philokalienhandschrift von IL Hand verbessert ist, geht aus fol- genden Stellen hervor:

Buch IV, Cap. IT (= Lom. H, p. 22, Z. 5) hat der Codex Jolianus genau dieselbe Lesart wie Ven. 46, nämlich: ov'x, ai\ lov ovTco ö'ibQsxov -). Diesen Unsinn konnte der Schreiber nur aus dem Cod. Ven. 46, nicht aber aus dessen Archetypus, dem Cod. Ven. 45, abgeschrieben haben. Oder ist es denkbar, dass zwei Abschreiber die Correcturen des Ven. 45 genau in derselben falschen Reihenfolge aufgenommen hätten? Übrigens hat der

Cod. JoL die Randbemerkung: öitovQero (d. h. öieovQtTO ver- bessert zu öuOvQE, was V^en. 44 im Text hat).

Ebensowenig darf man annehmen, dass in der Randnotiz des Cod. Ven. 45 zu Buch IV, Cap. 63 (= Lom. II, p. 98):

jc [== jcegl. £ ist undeutlich geschrieben] jcoqv sich sowohl Veu. 46 wie Jol. in gleicher Weise verlesen hätten, wenn sie übereinstimmend dafür

jc [sie] JcoQVcöv bieten.

Dass ferner der Cod. Jol. nach Ven. 44 verbessert ist. wird

1) S. Inventaire Sommaire des Mss. du Suppl. Gr. de la Bibl. Na- tionale par Henri Omont. Paris 1883, p. VHI zu a. 1756.

2) S. 0. Seite 7.

10 Erstes Capitel.

aus folgenden Stellen ersichtlich. Buch VII, Cap. 58 {= Lom. III, p. 90, Z. \) lesen Ven. 45 u. 46: jtaQ avTcöv, Ven. 44 dagegen:

i-.l'

jtaQ aiTcöv, Joliauus:

Vit'

jcagi' avrcäv. Ferner:

Buch Yll, Cap. 40 (= Lom. III, p. 63, Z. 16) hat Jol. zu- erst die Lesart des Ven. 46 (= Ven. 45) zSv xarsiXeyfitvojv fehlerhaft abgeschrieben und dann nach Ven. 44, welcher rcov jcQoxarsiXsyfiEvcov liest, so verbessert:

Trpo iL

rSv . xareXsyfitvcov.

Ausserdem sind im Joliauus Lücken der Vorlage nachträg- lich uach Ven. 44 ausgefüllt; z. B. finden sich Buch VII, Cap. 22 (= Lom. III, p. 36, Z. 15 18) die in Ven. 46 (und 45) ausge- lassenen Worte: xal jiavTcov ^oXefiioig am Rand mit blasser Tinte ergänzt; diese Worte stehen aber in Ven. 44 im Text.

Dasselbe gilt von den Auslassungen, welche Buch VII, Cap. 43 (= Lom. 111, p. 67, Z. 20 bis p. 68, Z 1) und Buch VII, Cap. 29 (= Lom. III, p. 46, Z. 7 f.), sowie Buch VIII, Cap. 62 (= Lom. III, p. 202, Z. 5) in Ven. 45 und 46, aber nicht in Ven. 44 vor- handen sind. Mit derselben blassen Tinte hat der Corrector auch die, wegen Unlesbarkeit des Archetypus in Ven. 45 (also auch in Ven. 46) leergelassenen Stellen im Codex Joliauus nach dem vollständigeren Ven. 44 ausgefüllt, z. B. Buch VIII, Cap. 71 (= Lom. in, p. 216, Z. 9 f.) haben Ven. 45 u. 46 die lückenhafte Lesart: Ocog:QoOvvTjg .... xai, dagegen Ven. 44: OcotpQOvriöaoa [jv/'öaöa in ras.] xal, und danach Joliauus:

V

öco(pQo^iil>^i]gaaa, y-OLi [sie].

Dass diese Verbesserungen nach Ven. 44 erst, nachdem Cod

Jol. von Ven. 46 vollständig abgeschrieben war, vom Corrector

angebracht worden sind, beweist recht deutlich eine Stelle im

45. Cap. des VII. Buches (= Lom. III, p. 72, Z. 15), wo Cod. Jol.

ebensoviel Raum wie Ven, 45 und 46 nach xdi und

vor avxog (nämlich für etwa 5 litt.) freigelassen, aber aus der Lesart des Ven, 44 {xdi (i-^ [sie] avxog) später so verbessert hat: xal fi'. .... avTog u. s. w. Andererseits sind die aus Ven. 45 durch Ven. 46 in Folge von Dittographie in jenem Codex her-

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 11

tibergenommenen Worte xaroQ&cooiv rcöv dvmv ^) zwar aucli im Jol. vorhanden, aber nach Ven. 44 expungiert.

Die am Rand des Jol. später beigeschriebenen Lesarten der Philokalia stimmen meist mit dem Druck des Tarinus überein. Da eine genauere Untersuchung des Ursprungs derselben bei der grossen Zahl der Philokalienhandschriften sehr zeitraubend und von geringem Nutzen sein würde, so glaube ich hier von einem näheren Eingehen auf diese Frage absehen zu dürfen und füge nur die Yermutimg hinzu, dass die Philokalien-Lesarten wahr- scheinlich aus einem der zahlreichen Pariser Mss. der Philokalia geflossen sind.

Wir müssen demnach die hohe Wertschätzung, welche diese junge, fehlerhafte und an Verbesserungen und Varianten über- reiche Handschrift bei Delarue erfahren hat, als einen Irrtum be- zeichnen und dürfen dem Codex Jolianus ebensowenig wie seinem Archetypus, dem Cod. Ven. 46, einen Platz in dem kritischen Apparat anweisen.

Etwas später als Ven. 46. aber vielleicht noch am Ausgang des XV. saec. ist

3. der Codex Vaticanus Ottoboiiiauiis >o. 387-), bei Delarue ^V^aticauus secuudus' genannt, von dem Codex Ven. 45 abgeschrieben worden. Dieser jüngere Codex Vaticanus in 4" (335 X 230 mm., Schriftbreite 150 und 122 mm.) partim membr. partim, chart. ^) enthält nur die 8 BB. des Origenes c. Cels. auf 177 Blättern (mit 35 Zeilen auf jeder Seite) und ist von einer Hand am Ausgang des XV. oder Anfang des XVI. saec. zwar etwas flüchtig, aber gut und lesbar geschrieben. Das Iota subscr. fehlt, die Interpunktion besteht aus Komma, Kolon, Punkt und Fragezeichen. Subski'iptionen. Überschriften und Initialen (ausser dem Initial 0 auf Fol. la) fehlen, doch ist überall für die Rubra

I

1) S. 0. Seite 6.

2) Wohl = Nr. 280 des im Serapeum XII, 1S51, p. 189 von Prof. Haase in Bi-eslau mitgeteilten alten Verzeichnisses der griech. MSS. in der Yaticana. Vgl. Montfaucon bibl. bibl. I, p. 186 B. Bevor ich selbst Gelegenheit hatte, diesen Codex in Rom einzusehen, habe ich über den- selben dankenswerte Mitteiliingen von den HeiTen Mau und Liebenam erhalten.

3) Foll. 1.51 177 sind von Papier, ebenso einige wenige vorher, die übrigen von Pergament.

12 Erstes Capitel.

Platz (4 7 Zeilen freigelassen. Fol. 1^^ beginnt: 'O (itv dijQ xal xg tßtwv .... Fol. 177a scliliesst mit: ... coq xaXcög eiQTjfJtvoo fiaQTVQf}oo7i/fr : -j- reo ß^em x^Q^? '• H Die Handschrift hat eiuen neuen Pergamenteinband, auf dessen Rücken das Wap])en eines Papstes und darunter das eines Cardinais (wohl des Car- dinais Ottoboni) ') eingepresst ist.

Die naheliegende Vermutung, dass Vat. 387 eine direkte Ab- schrift des älteren Cod. Vat. 386 sei, ist deshalb unstatthaft, weil der Cod. Vat. 387 die Pantherastellen im I. Buch^} (1. Cap. 32 = Lom. I, p. 65, Z. 20 f. 2. ibid. = Lom. 1, p. 66, Z. 1. 3. Cap. 69 = Lom. I, p. 130, Z. 1—3), welche jetzt im Vat. 386 durch Aus- kratzen getilgt sind, sowie die Worte döcööiv (Bucli V, Cap. 7 = Lom. 11, p. 176, Z. 17) und xal tri fBuch V, Cap. 10 = Lom. II, p. 180 Z. 24) , an deren Stelle sich jetzt im Vat. 386 ein Loch befindet, ebenso vollständig wie Ven. 45 und dessen Abschriften •^) aufweist. Da diese fünf Stellen in dem, wie unten gezeigt werden wird, gleichfalls von Vat. 386 abgeschriebenen Cod. Ven. 44 saec. XIV. exeunt. fehlen, so würden wir bei obiger Vermutung zu dem widersinnigen Schluss genötigt, dass der, frühestens am Ausgang des XV. saec entstandene Cod. Vat. 387 älter sei, als Cod. Ven. 44 saec. XIV. exeunt. Vielmehr lässt sich die Abhängigkeit des jüngeren Vaticanus von dem Cod. Ven. 45 dadurch sicher nachweisen, dass im Vat. 387 genau die- selben Lücken wie im Ven. 45 vorhanden sind:

1. Buch VII, Cap. 45 (= Lom. 111, p. 72, Z. 15)

ylvsod^aL avTog

2. Buch VIII, Cap. 2 (= Lom. III, p. 113, Z. 4 f.)

rmV . . . d^BQaJCEVELV

3. Buch VIII, Cap. 62 (= Lom. III, p. 202, Z. 5)

jioieiv Xoyog

1) Ein Heraldiker würde hierüber genaueren Aufschluss geben können.

2) Über dieselben wird unten bei Besprechung der Codd. Ven. 44 u. 45 und des Cod. Vat. 386 ausführlicher gehandelt werden. Delarue's An- gaben sind übrigens auch hier fehlerhaft; vgl. tom. I, p. 350 A. a, und p. 384 A. b.

3) und Cod. Par. GIG mit seinen Abschriften. Aber an die Zugehörig- keit des Cod. Vat. 387 zu dieser Hdschr.-Gruppe kann der unten ange- führten Stellen wegen nicht gedacht werden.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 13

Ausserdem begegnen wir im Cod. Vat. 387 einer Reihe von Marginalien, welche nur Ven. 45 (mit seinen Abschriften) hat i), z. B.

Buch I, Cap. 11 (= Lom. I, p. 32, Z. 5 u. 18) : llmL,cov rj jiioxevmv und ev6oy.ri[oarri] Buch I, Cap. 48 (= Lom. I, p. 89, Z. 20 f.)

: yQ dvTiZaf^ßavof/tvtjg Buch I, Cap. 68 (= Lom. I, p. 127, Z. 17 f.) ßXsjcofisva. Den Hauptbeweis für die Abstammung des Cod. Yat. 387 von Ven. 45 haben wir aber wieder, wie bei Ven. 46, an der Dittographie im 6. Cap. des VIT. Buches 2) (:= Lom. 111, p. 8, Z. 19), welche der Schreiber des Vat. 387 ebensowenig wie der von Ven. 46 anderswoher als aus Ven. 45 übernommen haben kann. Vielleicht ist aber Vat. 387 wie Cod. Jol. eine Ab- schrift des Ven. 46. Gegen diese Vermutung spricht erstens das Alter der beiden Handschriften, denn Vat. 387 ist nur wenig jünger anzusetzen, als Ven. 46, ferner dieThatsache, dass im Ven. 46 die Randnoten des Ven. 45 meistens in den Text aufgenommen sind (z. B. die oben erwähnten Varianten : lljiiCmv i] jiLöxEvmv und £v6oyJi[oavTL\), wälirend der Schreiber des Vat. 387 die- selben in engerem Anschluss an die Vorlage ebenfalls auf den Rand verwiesen hat.

Der Codex Vat. 387 ist, vielleicht aus der Erbschaft des Papstes Alexander VIIL (1689—1691) stammend, später in den Besitz des Cardinais Pietro Ottoboni (Cardinal von 1689—1740) gelangt und nach dessen Tode mit den übrigen Codd. Ottoboni- ani der Vatikanischen Bibliothek einverleibt worden.

Etwas später als Vat. 387 scheint von Ven. 45 abgeschrieben worden zu sein:

4. Codex Leidensis No.17, saec.XVI inFol. (330x235 mm.), chart., in rotem Ledereinband, welcher auf 335 ^) Blättern nur die acht Bücher des Origenes gegen Celsus enthält. Anfang

1) Einige sind von Ven. 45 aus Vat. 386 übeniommen , finden sich aber nicht in dem gleichfalls von Vat. 386 abgeschriebenen Ven. 44.

2j S. oben Seite 6.

3) Ein Fol. vor Fol. 191 und ein Fol. vor Fol. 175 ist nicht numeriert sodass die Zahl der Blätter thatsächlich 337 beträgt.

14 Erstes Capitel.

Fol. 1^ 0 fihv ot/Q xai xg tjficöv . . . Ende: Fol. '6'iö^ . . . fiag- TVQ7](j(of{ei'. Der Schreiber hat ungleichmässig, mitunter flüchtig geschrieben: die Schrift, besonders das Endsigma (g) und Tau (7), die Hiinfigkeit des Iota snbscr., die unverbundenen Accente, die reichliche Interpunktion und die ziemlich schwarze Tinte weisen auf das XVI. saec. hin. Aus dem Wasserzeichen, welches einen, von einem Kreis umgebenen Anker darstellt, darf man auf flan- drischen Ursprung des Papiers schliessen ^). Geschrieben ist der Codex wahrscheinlich in Venedig, da seine Vorlage wie für Ven. 46 und Vat. 387 der Cod. Ven. 45 gewesen ist. Letzteres ergiebt sich schon aus folgender Stelle:

Buch IV, Cap. 39 (= Lom. II, p. 6t, Z. 12) hat Leid, die Variaute im Ven. 45:

jtcoQog in den Text gesetzt und liest:

jtcooQog, während Ven. 46 anfangs dasselbe abgeschrieben, dann aber so verbessert hat:

jtml' Qog. Zugleich liefert diese Stelle den Beweis, dass nicht Ven. 46, sondern dessen Archetypus dem Schreiber des Leid, vorgelegen hat. ßandnoteu in Ven. 45 hat der Schreiber des Leid, bald auf den Band herübergenommen, z. ß. Buch VII, Cap. 3 (= Lom. III, p. 5, Z. 1) die zu dem im Text stehenden ovjico gehörige Rand- note ovTco, bald hat er nach den Randnoten seiner Vorlage den eigenen Text verändert. Sehr deutlich tritt ferner die Ab- hängigkeit des Leid, von dem Cod. Ven. 45 an Stellen zu Tage, wo dieser lückenhaft ist. Zum Beispiel diene folgende Lesart im 30. Cap. des IL Buchs (= Lom. I, p. 183 Z. 11):

1) Vgl. Serapeum VII, 1846, p. 102 (Sotzmann, über Papierzeichen). In dem kürzlich erschienenen Buch von C. M. Briquet (Papiers et Fili- granes des Archives de Genes 1154 ä 1700, Geneve 1888) findet sich das- selbe Zeichen unter Nr. 5 der Abbildungen und aus dem Jahr 1572 datiert. Über das so bezeichnete Papier wird von Briquet Cap. II [, § 4, S. 04 gehandelt. Dasselbe Wasserzeichen ist im Cod. Palatino-Vaticanus Nr. 300 (s. unten) und in der Philokalienhandschrift Cod. I^eid. Voss. Nr. 44 vor- handen.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 15

xa jtaQaxo\\i^;\naxa^) Veu. 45, xa jiagaxö .... [xaxa Leid., während der Schreiber des Ven. 46 aus Vorsicht nur: xa jraga

aufgenommen hat. Da diese Lücke nicht in dem

Archetypus des Ven. 45, dem Vat. 386, und ebensowenig in Ven. 44 vorhanden ist, so bleibt als Vorlage für Cod. Leid, nur Ven. 45 übrig. Den Hauptbeweis für diese Annahme liefert uns aber wiederum die mehrfach erwähnte Dittographie im 6. Cap. des \ll. Buches (= Lom. III, p. 8, Z. 19), durch deren Her- überuahme der Schreiber des Leid, seine Vorlage aufs deut- lichste verraten hat. Dazu kommt ein zweiter ebenso evidenter Beweis, Im V. Buch ist em Quaternio des Archetypus von Ven. 45 (des Vat. 386) derart verheftet, dass die acht Blätter der Lage jetzt nicht in der ursprünglichen Reihenfolge, wie 1 2 3 4, 5 6 7 8, sondern so aufeinanderfolgen: 5 6 7 8, 1234. Ohne diese Verwirrung zu ahnen, hat der Schreiber von Ven. 45 die acht Blätter m der falschen Reihenfolge abgeschrieben, jedoch hat später ein Corrector durch Zeichen und Randnotizen die richtige Folge wiederhergestellt. Während nun die Schreiber des Ven. 46 und des Vat. 387 die Bemerkungen des Correctors im Ven. 45 verstanden und die Textesverwirrung vermieden haben, zog es der Schreiber des Leid, vor, den Text seiner Vorlage, verwirrt wie er war, nebst den dazu gehörigen Randbemerkungen getreulich abzuschreiben. So wenig Klugheit und Einsicht auch dieses Verfahren verrät, so müssen wir doch immerhin die Genauig- keit jenes Abschreibers bei der Wiedergabe seines Originals aner- kennen, um so mehr, als er uns damit den schlagendsten Beweis für die Abstammung des Leid, von Ven. 45 an die Hand gegeben hat. Übrigens finden sich jene Zeichen und Randbemerkungen des Cor- rectors von Ven. 45 nicht ganz vollständig imLeid. vor-). Vielleicht verstand der Abschreiber manches nicht und liess es deshalb weg. Aus demselben Grunde scheint er auch Buch IV, Cap. 17 {= Lom. II, p. 22, Z. 5 das im Ven. 45 übergeschriebene ovxco und das dort am Rand stehende öit'^), sowie Buch IV, Cap. 3 (= Lom. II, p. 4, Z. 21) die Variante ov über txaoxtjg im Ven. 45,

1) Von dem vor ava ist jetzt nur noch der zweite Grundstrich sicht- bar, während der erste nebst dem Aufstrich durch die Rasur zerstört ist.

2) Die geringfügigen Abweichungen sind unten bei der Bespi-echung des Cod. Ven. 45 angegeben.

3) S, 0. S. 8.

16 Erstes Capitel.

welche Ven. 46 in den Text aufgenommen hat, übergangen zu haben. Solche Auslassungen von nicht verstandenen Silben und Worten können uns um so weniger befremden, als jener Ab- schreiber seine Vorlage sogar an Stellen, wo augenfällige Fehler vorlagen, verbessert hat. So schreibt er z. B. Buch 1, Cap. 49 (= Lom. I, p. 93, Z. 4) für das fehlerhafte üiQoöcojcoua des Ven. 45 (und 46) richtig: jcQoöcojiojioua.

Derselbe Ursprung wie für Ven. 45, Vat. 387 und Leidensis ist weiter auch

5. bei dem ,Co(lex Moiiaceiisis No. 64')? vel Hoesclielii', nachzuweisen, dessen genaue Beschreibung wir bei Hardt (cat. codd. mss. bibl. reg. Bav. vol. I, p. 376) finden. Diese Handschrift, von dem bekannten Vielabschreiber Andreas Tarmarius laut Unterschrift auf Fol. 461 geschrieben^;, also dem letzten Drittel des XVI. saec. an- gehörig, in Fol. (325 mm x 235 mm.), enthält 461 beschriebene Papier blätter; au erster Stelle von Fol. 1 bis 327 stehen die 8 BB. gegen Celsus, Anfang und Ende wie in den vorhergenannten Hand- schriften. Dieser Codex Mon. ist, worauf Hardt a. a. 0. hinweist, von Hoeschel für seine Ausgabe a. 1605 benutzt worden 3). Die Schriftzüge sind klar und deutlich, anfangs etwas nach rechts geneigt, von Fol. 327 ab steiler, auch werden die Ornamente und Initialen von Fol. 327a ab reichlicher, als vorher; dennoch ist offen- bar alles von einer Hand, also von Tarmarius, geschrieben. Dass auch dieser Codex von Ven. 45 abzuleiten ist, ergiebt sich aus folgenden Erwäsfunsjen. Wenn auch Tarmarius die Textesverwir- rung im V. Buch an der Hand der Randbemerkungen in seiner Vorlage zu vermeiden gewusst hat, so weist er uns andererseits durch die Herübernahme der bekannten Dittographie im Cap. 6 des VII. Buches (= Lom. III, p. S, Z. 19) den Ven. 45 als seinen Archetypus absichtslos, aber sicher nach. Ferner hat Cod. Mon. dieselben Lücken wie Ven. 45 mit seinen obengenannten Ab- schriften, z. B. Buch VIII, cap. 2 (= Lom. III, p. 113, Z. 4 f.) jtXdovag xwv d-eQajceveiv.^) Endlich ist, um nur eine

1) Erwähnt u. a. schon bei Montfaucon bibl. bibl. I, p. 589 A.

2) Vgl. über diesen: Gardthausen, Griech. Pal. p. 312 f.

3) Am Rand des Mon. sind auch Seitenzahlen der Hoeschelschen Aus- gabe — aber nicht von Hoeschels Hand angemerkt.

4) Ebenso Buch Vlll, Cap. Ü2 (= Lom. 111, p. 202 Z. b) tcoihv

).(\ynQ und Cap. 71 (= Lom. 111. p. 21'i Z. 9 f.) ocu(f:(»oavv?jg .... xfü.

Die Handscliriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 17

Stelle aus vielen herauszugreifen, die Abhängigkeit des Mon. von Veu. 45 ganz offenbar aus folgender Stelle zu erkennen. Buch \T1, Cap. 42 (=^ Lora. III, p. 65, Z. 11) ist nämlich die Lesart des Ven. 45:

oöoTg im Mon. wie im Leid, fälschlich so wiedergegeben:

oö'oig da beide Schreiber das klein und undeutlich geschriebene 6c als Accent mit Spiritus ansahen.

Von dem Cod. Mon. soll nach der Angabe bei Hardt ') abgeschrieben sein:

0. Codex Augnstaims nunc Mouaceiisis No. 517, chartac, saec. XVI. extr., in (21 V3 cm x 16 cm), Foll. 342 (bez. 683 Seiten), dessen 43 Quaternionen früher in einen dünnen Pergament- deckel eingeheftet waren, jetzt aber mit zerschnittenen Heftfaden lose darin liegen. Man sieht auf den ersten Blick an den Rand- bemerkungen, wie ein neu Zeil' oder ein klein sp[atium]' Notizen, welchen der Setzer gewissenhaft nachgekommen ist und an verschiedenen Zeichen im Text, dass dieser Codex das Hand- und Druckexemplar Hoeschels gewesen, also im ganzen identisch mit seiner Ausgabe ist 2). Die Handschrift ist ferner nicht lange vor der Drucklegung, etwa im letzten Jahrzehnt des XVI. saec, und wohl im Auftrag Hoeschels •'; geschrieben worden.

Nun darf man Hoeschel nicht für so thöricht halten, dass er den Cod. Mon. für seine Ausgabe habe abschreiben lassen und dann aus demselben Codex Mon. noch Varianten angeführt hätte. Ausserdem lässt sich klar beweisen, dass als Archetypus des August, wiederum kein anderer Codex gedient hat, als der so viel benutzte Ven. 45. Denn dieselben Umstellungszeichen,

1) Catal. oodd. mss. bibl. reg. Bav. V, p. 275 ,Dav. Hoeschel primum gr. ex cod. Bav. et Palat. edidit [sc. ^!^Qiyn>ovq xccvu Ke/.aov] Aug. Vind. 1605. 40. Hie ergo codex Augustanus apographuin est ex cod. Boico.' Über den von Hoeschel mit benutzten Cod. Palat. s. u. S. 18 ff. Cod. Pa- latino-Vatic. Nr, 309.

2) Eine Vcrgleichung des Druckes mit der Handschrift hinsichtlich der Lesarten, Kandnoten, Bibelcitate u. s. w. lässt nicht den geringsten Zweifel hieran bestehen.

:]) Dass H. die Handschrift nicht selbst abgeschrieben hat. beweist die Verschiedenheit der Schriftcharaktere in den Randnoten, die sicher von H. herrühren, und im Text des Codex.

Texte uud Untersuchuugeii VI, 1. 2

18 Erstes Ciipitel.

die uns schon beim Cod. Leid, eiidgiltig dessen Al\stamniun<ij von Ven. 45 nachgewiesen haben, linden sicli auch im Cod. August. Der Abschreiber hat also ebenso sklavisch wie derjenige des Cod. Leid, den Text, verwirrt wie er war, samt den Randnoten des Correctors von Ven. 45, welcher die richtige Textfolge herstellen wollte, in den Cod. Aug. übertragen, dabei aber von p, ^) 384 ab bis p. 390 die betreffenden Seiten leer gelassen, um vielleicht später die richtige Textfolge herzustellen. So fehlen an dieser Stelle pp. 249 2()0 der H.'schen Ausgabe. Ausser den aus Ven. 45 stammenden Randnotizen und Zeichen findet sich p. 416 des Cod. Aug. auch folgende Notiz Iloeschels: Sucht oben d. 390 blat'. Dass ausser diesem Druckexemplar noch zwei Codd. von Hoe- schel herangezogen worden sind, zeigt das Titelblatt der Ausgabe (Ex bibliothecis Elect. Palat. Hoica et Aug.) und u. a. die Bemer- kung Hoeschels auf p. 668 des August. (= p. 432 Z. 5 v. o. der H'schen Ausgabe) zu ooiro^ welches von Hoeschel im Text des August, aus ooQ zo eorr. ist, ,M.S. uterq. h. 1, coc ro vitiose pro (pExo.' Also ist neben dem unzweifelhaft benutzten Cod. Mon. -) noch ein anderer Codex von Hoeschel verglichen worden. Der- selbe ist ofi'enbar mit

7. dem Codex Palaüiio-Vilticainis No. J]09 identisch, wel- cher, ebenso wie Cod. Oxon. No. 14(), nuchweislicli von Ven. 44 abgeschrieben ist. So bilden diese drei Handschriften die zweite Unterabteilung der Gruppe ,Codices Veneti', deren erste, sechs Handschriften ausser dem Archetypus Ven. 45 umfassende Ab- teilung wir im Vorhergehenden ])ehandelt haben. Der Nachweis der Abhängigkeit des Cod. Pal.-Vat. No. 309 und des Cod. Oxon. No. 146 von Ven. 44 wird uns ebenfalls dadurch erleichtert, dass ein Fehler des Ven. 44, d. h. eine Auslassung von 19 Zeilen in Buch II, Cap. 20 (= Lom. 1, p. 171, Z. 8 bis p. 172, Z. 11), welche keine andere Handschrift ausser diesen dreien aufweist, vom Archetypus Ven. 44 auf seine Abschriften übergegangen ist.

Der Codex Palatino-Vaticanus No. 309 wird von H. Steven- son 3) folgendermassen beschrieben: ,No. 309 Codex chartaceus

1) Die Seiten des Codex, nicht die Blätter sind numeriert.

2) welchen Hoeschel Cod. B 'Boieus] nennt, s. p. 495 zu p. 416 Note und p. 484 zu p. 243.

3) Codd. MSS. Palatini graeci bibliothecae Vaticanae descripti prae- side 1. B. Cardinali Pitra rec. et dig. Henricus Stevenson Senior Romae

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 19

in fol. Exaravit nitidissime Joaimes Mauromates *) die XXIV Januarii a. 1545; fol. 321. S. Gregorii Thaumaturgi in Ori- genem jcQoOcpcovrjtixog: Sermo, quem in Caesarea Palaestina habuit, quum post diuturnam apud eum cioxt/otv reditum in pa- triani pararet. Inc. Ayai^öv n XQf/fici '/ Oiojjifj fol. 1. Origenes contra Celsi ccXr/^y löyov libri VIII f. 18^'. Inscriptioni libri secundi subiiciuntur haec: iiertßh'id^}! y.di di'TeßX/jS-?] fcg dvxi- ■/Qcccpcop Tcöv avTOV i.lQLyivov^ ßißUcov. Ad calcem subscriptio librarii: dog« öo<, o i9^£oc ?jficör, öo^a Ooi agy^/s iarovagiov + iTeXtiod-r) [sie] xo jtaQov ßiß)uoi> ex xeiqoc sfiov lco[ari>]ov imvQoi-täztj.' Zu dieser Beschreibung kann icli nach eigener flüchtiger Durchsicht des Codex hinzufügen, dass das dicke ge- glättete Papier als Wasserzeichen ebenso wie der Codex Leidensis einen Anker hat: auf dem Rand sind von anderer Hand Zahlen beigeschrieben, welche genau mit den Seitenzahlen der Hoeschel- schen Ausgabe ül)ereinstimmeu und wahrscheinlich von Hoeschel selbst herrühren. Jedenfalls hat Hoeschel diesen Codex neben dem Cod. Monacensis benutzt, freilich nur stellenweise und wohl erst während des Druckes. Dies beweist die geringe Zahl der Anführungen des Cod. Pal. in den Noten ^) und der Umstand,

1885. p. 174. Vgl. Serapeum XI, 18.50, p. 180, und [Mieg] Monumenta pie- tatis et literai-ia Virorum in re publ. et literaria illustr., selecta. Frankf. ad M. 1701. 1. Catalog. codd. Graec. MSS. Bibl. Palat. conf. a Friderico S3'lburgio Veterano iussu Electoris Palatini p. 9] Nr. 309. Der Codex ist wahrscheinlich unter Otto Heinrich (1.'302 1.Ö59), welcher die Heidelberger Bibl. durch ital. und franz. MSS. reich vermehrte, nach Heidelberg ge- kommen. Aus dem, auf das Vorstossblatt aufgeklebten Zettel ergiebt sich, dass der Codex mit den übrigen Codd. Palatini von Maximilian von Baiern a. MDCXXlll als .trophaeum' an den Papst Gregor XV. geschickt worden ist.

1) Vgl. Gardthausen, Gr. Pal. S. 327. Hier ist dieser datierte Codex Pal.-Vat. einzufügen.

2) In den Noten zu seiner Ausgabe hat Hoeschel folgende Lesarten des Cod. Pal. angeführt:

1., p. 477 zu p. 140 v. ,j ,i}e6TijTog Ph[ilocalia] et Cod. Pal.' = Lom. 1, p. 305 Z. 10.

2., p. 481 zu p. 225 v. 19 wird eine Randnotiz des Cod. Pal. erwähnt, welche sich im Cod. Ven. 44 und 45 (in letzterem durchstrichen) findet (= Lom. n, p. 130 f. n. 11).

3.. p. 494 zu p. 391 v. 25 (= Lom. 111, p. 112 Z. 19) ,6ov/.evui'Ti'< rni ii)j crtvlöyiog ncd a).).o/ Cod. Pal. = Ven. 44. 45.

2*

•20 Erste« Capitol.

da.ss die 5 von der Haud Hoescliels am Raud des Cod. Augusta- nus eiiiu;etrasjeneii Lesarten des Cod. T'al. /.um Teil in der Aus- gabe fehlen.

Von diesen Varianten des Cod. Pal. stimmen die folgenden nur mit den Lesarten des Cod. Ven. 44 und nicht mit denjenigen des Ven. 45 überein:

1. *xoXiTfvtrai 7A\ IfutoXtravexai des Textes (= Lom. II, p. 31.

Z. 13); die Variaute fehlt in der Ausgabe H.'s.

2. *r(y£X,ua rcöv zu ay/tX^iarojv und "^aytliiaxa zu ayyäX^ara

des Textes (= Lom. 111, p. 166, Z. 18 u. 19).

Einen ferneren Beweis für die Abhängigkeit des Cod. Pal. von Cod. Ven. 44 liefert die von Stevenson angeführte wich- tige Notiz im Cod. Pal. zwischen B. 1 u. 11, welche sich nur in Ven. 44, dessen Archetypus und Abschriften findet. Der Archetypus des Cod. Yen, 44 (Cod. Vat. 386, wie wir unten nachweisen werden) kann aber deshalb nicht die Vorlage für Cod. Pal. gewesen sein, weil er den Anfang des jrQoocfjcorf/rixdg des Gregorios Thaumaturgos in dieser verstümmelten Form auf- weist: jjjlljlll fi XQVfta, während Cod. Pal. übereinstimmend mit Ven. 44 liest:

'Ayad^ov xl IQW^ [P'^^'- S- ^^'- ^^- ^^^* ^W^^k '^'^ JiQÜyna, also ganz verschieden].

Auch die Überschrift über dem 111. Buch: Xöyog ') xqLxoq kann Cod. Pal. (wie Cod. Oxon. 146) nur aus Ven. 44 haben, da dieselbe sich in keinem einzigen der übrigen Codices vorfindet.

Zur Evidenz wird endlich unser Beweis durch die That- sache erhoben, dass die grosse oben erwähnte Auslassung von 19 Zeilen, deren sich der Schreiber von Ven. 44 schuldig ge- macht hat 2), ausser im Oxon. 146, nur im" Cod. Pal. wiederkehrt.

Schon dieser eine Umstand dürfte hinreichend erscheinen, um auch

8. den Codex Oxoniensis Novi Collegii No. 146 mit Sicher-

4., p. 479 zu p. 179 v. 17 ,dXw}:i6(üv\ Cod. Pal.' (= Lom. II, p. 28 Z. 5 f.) und V. 13 ,xwv AXwtwq viviv] Cod. Pal.' (= Lom. II, p. 27 Z. 20 f.). Beide Lesarten des Cod. Pal. stimmen nur mit Ven. 44 überein.

1) Vgl. über löyoq = Buch: Th. Birt, das antike Buchwesen u. s. w., Berlin 1SS2, S. 28 f.

2) Vgl. oben S. 18.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 21

heit als Abschrift des Cod. Ven. 44 zu bezeichnen. Codex Oxon. 146 Avird bei Coxe ^) so beschrieben:

,Collegii novi cod. No. CXLYI (146). Codex chartaceus, in folio, ff. 224, sec. XVI., ex dono Reginaldi Poli cardinaKs MDL VII (1557)-). Origenis Alexandriui contra Celsum opus, libris octo comprehensum, praevia Gregorii Thaumaturgi in Origenis lau- dem oratione, Graece. Tit. orat. rov ajiov rQ?]yoQlov rov &ai\uaTovQ-/ov dg ilQr/ivy]v jrQoOrfcovtjTixog ov sljisv Iv Kai- OaQsia Ttjg IlaZaiOTivr/g [letä rrjv xag avxro xolv^xrj aay.7/oiv (itXXmv ajüaXkarrsGd-ai tjcl ri^v jtazQiöa. Exstat ed. Hoeschel Aug. VindeL 1605 et alibi. In fronte codicis ,Donum Reginaldi Pool, cardinahs et episcopi Cantuar[i]ensis.'

Diese von Coxe richtig beschriebene Handschrift muss vor 1557, dem Jahr, in welchem sie nach Oxford gekommen ist, entstanden sein. Der Charakter der Schriftzüge macht es wahr- scheinlich, dass ihr Entstehen kurz vor 1557 anzusetzen ist ^). Die Schriftzüge sind steil und deutlich, das Iota subscr. mit- unter weggelassen, die gebräuchlichen Abkürzungen häufig an- gewendet. Verbesserungen sind selten, gelegentlich ist von I. Hand ein falsches Wort im Text expungiert und am Rand durch das richtige ersetzt. Auf dem Rand stehen ausserdem Noten und eine teilweise Collation mit einem andern Ms., letztere von sehr junger Hand. Auf jeder Seite befinden sich 37 Zeilen. Auf Fol. la beginnt der Text nach der bei Coxe erwähnten Überschrift mit 'Aya&ov tl ygriia: die erste Übereinstimmung mit Ven. 44 und dessen Apographon, dem Cod. Pal. 309. Fol. 14* beginnt: '0Qr/tv7]g^) y.atd y.tXoov. 'O [iev Otjq xal xg rjficöv . . .

1) Catalog. codd. mss. , qui in coUegiis aulisque Oxoniensibus hodie adservantur, toni. I, p. 55. Vgl. Montfaucon. bibl. bibl. I, p. 6G5D unter 1110 und Bernardus, Catal. codd. Angl. et Hibern. p. 39 a, Codices mss. col- legii novi' Nr. 1110. 14r3.

2) Vielleicht in demselben Jahr ist dem New College von Cardinal Pool auch die Philokalienhdschr. Nr. 1111 geschenkt worden.

3) Durch die grosse Liebenswürdigkeit des Herrn D. S. Margoliouth erhielt ich , ausser verschiedenen anderen wichtigen Mitteilungen . über den Cod. Oxon. so genaue und erschöpfende Auskunft, dass es mir da- durch möglich geworden ist, ein fast ebenso sicheres urteil als nach Autopsie zu fällen. Auch an dieser Stelle sei Herrn Margoliouth der wännste Dank ausgesprochen.

4) 0 ist mit schwarzer Tinte von junger Hand zu i2 corr.

22 Erstes Capitel.

Ende: Fol. 22 1-' .... ojq xcdmg tiQrjfitvm, (iaQzvQi^OOfiev: ^ Das letzte Wort liefert uns den zweiten Beweis für die Ab- hängigkeit des Cod. Oxon. vom Cod. Veu. 44, weil nur dieser den Fehler -oofitr statt -ocoftev aufweist. Ferner findet sich iin Cod. Oxon. wie im Cod. Pal. das Rubrum zwischen B. I u. II (s. o. S. 20) und ebenso die Überschrift ?,6yog zgitog über dem III. Buch. Entscheidend für die Beurteilung des Abhängig- keitsverhältnisses ist aber wieder das Vorhandensein der grossen Lücke zwischen a^iojv und ti t'i[ua()rai ooi [s. o. S. 18). Dieselbe ist von junger Hand im Text mit dem Zeichen /\ und am Rand mit den Worten angedeutet: ^2.tl^\{:i] xoXXa nde tu an ex i)hilo- calia suppleri possit." und gleich darauf: .ita vero, nam pag. BSQ»' ') plena et integra haec habentur, unde deduximus xal jcqoc 'EXItj-

rag 61 ovTcog o Xoyog/ Ausserdem fehlen im Cod. Oxon.

genau wie im Ven. 44 die Pantherastellon im I. Buch, Cap. 152 u. 69, über welche unten ausführlicher zu sprechen ist, und an allen den Stellen, wo der Schreiber des Ven. 44 wegen Unles- barkeit seiner Vorlage Lücken gelassen hat, ist ihm der Schreiber des Cod. Oxon. ganz sklavisch hinsichtlich des Umfangs der Lücke gefolgt: z.B. liest (Lom. 11, p. 176, Z. 16f.) Cod. Oxon. wie Ven. 44 lovöaloi, Tcav fo/dlv . . . wön-, nur dass eine junge Hand die Conjektur övvrjdmöiv an den Rand des Cod. Oxon. gesetzt hat: ebenso finden wir bei Cod. Ven. 44 und Oxon. folgende Stelle in der gleichen lückenhaften Form (B. V, Cap. 10 = Lom. II, p. 180, Z. 24): dg xovg almvag .... oQ^ev xal 6 JiavXog. Etwa noch vorhandene Zweifel an der Richtigkeit des behaupteten Verwandtschaftsverhältnisses dürften endlich bei der Wahrneh- mung schwinden, dass der Schreiber des Oxon. sich anfangs wenigstens auch in der Ökonomie des zu beschreibenden Haumes genau an seine Vorlage, den Cod. Ven. 44 angeschlossen hat. Die Foll. 1 50 enthalten in beiden Handschriften fast

1) nämlich in einer mir unbekannten Philokalienhandschrift. Die Phil.-Hclschr. Cod. Oxon. Coli. Novi Nr. IUI kann deshalb nicht gemeint sein, weil sie nur 244 foll. enthält. Die Zahl 889 a lässt darauf schliessen, ilass in dem betr. Codex der Philo kalia eine andere Schrift vorausging. Dies würde der Fall sein bei Cod. Bodl. XVI. Cl. Nr. 0558, wo vor der Phil. .Aeliani Tactica' stehen (vgl. Montfaucon. bibl. bibl. I, p. (359 C). In der Au.sgabe des Tarinus finden sich die Worte Cap. XXII, p. 354 f., in derjenigen von Lomniatzsch Cap. XXIII, vol. 2') p. 21 5 f.

Die HaDclschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 23

genau das Gleiclie, später jedoch drängt der Schreiber des Cod. Oxon. seine Schrift enger zusammen, wohl um Papier zu sparen, so dass z. B. Fol. 129^ des Oxon. dem Fol. 135b des Ven. 44 ent- spricht. Zuletzt beträgt der Unterschied der Blätterzahl im Ven. 44 und Oxon. 10 Foll.

Wenn wir also bis jetzt das Verwandt-schaftsverhältnis der Codd. Ven. 45. 44 und ihrer Apographa, der Codd. Ven. 46 (mit Cod. Jolianus), Vatic. 3S7. Leid., Monac. 64, Angustanus, Pal. 309 und Oxon. 146 mit ausreichender Sicherheit festgestellt zu haben glauben, so können wir leider bei einer Handschrift nur die Vermutung aussprechen, dass sie ebenfalls zu der Gruppe der Codd. Veneti gehört: es ist dies:

9. Codex Matritensis 0 6. Über denselben heisst es in den ,Notices et Extraits des Mss. etc. XXXI, Paris 1886' p. 59 *) (über Mss. in Madrid, bibl. nacional): .0 6 In folio, en papier. de 688 feuillets, et du XVle siecle,

Fol. 1. Tov fiaxagiov Kvq'lXXov aQ/isjtiox. 4X. rrQoOfpcö- }'7/ua JtQog ßaoi/Ja SeoSdoior.

. Fol. S>'. Saint Cjrille d'Alexandrie tcqo:; tu tov Iv ad^toig iovXiavov^ en dix livres 2).

Fol. 237v. Saint C}Tille d'Alexandrie .-t()6? xaXooiQior ejiio- xojtov TOV l4QOevoiTf]v xara ca'i9Q0j:T0U0Qq:iTcöv.

Fol. 2o9i'. D'une autre ecriture: 'Avaoraoiov iXayJorov fwi'ayov Jt6v7]fia jtegl jtioreojg

Fol. . . . Syuodicum de Sophronius [sicj.

Fol. 382v. Extraits de saint Gregoire sur la Foi.

Fol. 385. Les huit livres d'Origene contre Celse.

A la fin on lit cette souscription, dont une partie est crjpto- graphique: u(pvt. äjiQÜ). u] . L,£(i% ^^'jOipO W l^yd^.v. C'est ä dire le 18 avril 1555. par George Tryphon. FeojQyUo rm Tqv- ffmvog' ^}.

Da Tryphon nachweisbar eine Handschrift (Cod. Monac. 55,

1) Diese und ähnliche literarische Nachweise verdanke icli der Güte des Herrn Prof. Y. Gardthausen.

2) Dieser Codex ist also aus dem a. Ib^f) publicierten Cataloge den a. 18&0 von C. J. Neumann in seinen ,Juliani imper. libror. contra Christi- anos quae supersunt' p. 13s ff. besprochenen Codd. hinzuzufügen.

3) Hier wird verwiesen auf Graux, Essai p. 78.

24 Erstes Capitel.

in Venedig abgeschrieben hat '), so liisst sich vermuten, dass auch die Vorlage des Codex Matrit. aus der Bibliothek zu S. Marco stammte. Unsere Vermutung würde fast zur Gewissheit er- hoben werden, wenn man nachweisen könnte, dass Tryphon noch a. 1555 in Venedig gelebt hat.

Dazu kommt eine zweite Erwägung. Da der Code* Matrit. im ganzen 688 Blätter zählt, so nehmen die Bücher gegen Celsus ;i03 Foll. ein. Diesen Umfang der Schrift finden wir fast genau so nur noch im Cod. Jol., dem Apographon des Ven. 46, wieder, da derselbe aus 304 Blättern besteht. Vielleicht deutet die trrosse Ähnlichkeit der beiden Codd. hinsichtlich ihres Alters (s. XVI.) und der Grösse und Weite der Schrift auf Zugehörig- keit des Cod. Matrit. zu der Gruppe der Veneti hin.

Leider können wir aus der Verwandtschaft der ersten Hälfte des Cod. Matrit. mit Cod. Venetus Marc. 122, Cod. Mon. 65 und Cod. Cheltenham. 1444 = Meerm. 85 -) keine Schlüsse für die Entstehung der zweiten Hälfte ziehen, da beide von verschiedenen Händen herrühren und vielleicht erst später zu dem vorliegenden Sammeloodex verbunden worden sind. Doch dürfte soviel mit Sicherheit behauptet werden können, dass Tryphon für die BB. ofeo-en Celsus eine noch vorhandene Handschrift als Vorlage be- nutzt hat, und dass also der Cod. Matrit. ruhig bei Seite ge- lassen werden kann.

Nachdem wir nun abgesehen von dem später zu behan- delnden Cod. Oxon, Bodl. Auct. E 1. 7 die zu den Codd. Veneti No. 44 u. 45 gehörigen beiden Handschriftengruppen im einzelnen geprüft haben, ist es an der Zeit, die beiden Häupter derselben und ihr Verhältnis zu einander einer genauen Untersuchung zu unterwerfen. Unscheinbarer, aber älter als Ven. 44 ist:

10. Codex Venetus Marciamis No. 45 ^), in 4 " (30 cm x 22 cm), chartac, saec. XIV. extr., in braunem Leder-Tiepolo-Ein-

1) Gardthausen, Griech. Pal. S. 322 unten.

2) Zu diesen .% von Neumann a. a. 0. p. 151 besprochenen Codd. tritt nun als 4. der Cod. Matrit hinzu, welcher des gleichen Inhalts (der I. Hälfte) und der gleichen Reihenfolge der Schriften wegen offenbar enger mit Cod. Cheltenham. U44 als mit Cod. Ven. 122 oder Cod. Mon. ü5 zusammenhängt. Ich vennute deshalb, dass die I. Hälfte des Cod. Matrit. von dem Cod. Cheltenham. 1444 saec. XV. abgeschrieben ist.

:5) S. Montfaucon, bibl. bibl. I [). 474 E. und Zanetti, Graeca Divi Marci bibl. p. .30.

Die Handschriften der Bücher des Hrigenes geg-en Celsus. 95

band. Der Codex enthält auf 337 numerierten ^) Blättern 1) auf Foll. 1 5 (von denen Fol. 1 verstümmelt und beschmutzt ist) ein Stück von dem jcQoO(pcov?jTix6g des Gregorios Thaumaturgos -), 2) von Fol. 6 311a die 8 BB. des Origeues gegen Celsus voll- ständig 3), 3) nach den leeren Foll. 312. 313. 314 von Fol. 315» bis 334a Excerpte aus dem 22. Cap. des V. Buches der K.Gr. des Eusebius. Endlich finden sich auf Foll. 334b bis 335^- von der Hand desjenigen, welcher die Mehrzahl der Randnoten, sowie die Angabe des Besitzers auf Fol. 6^ geschrieben hat^), d. h. wohl von dem Besitzer Bessarion selbst, eine Anzahl vielfach unlesbarer Zeilen, deren Inhalt eine Lobpreisung des Origenes zu sein scheint. Daraus, dass von Fol. 6a ab Quaternionenzahlen bis zum Ende des Codex angegeben sind, muss man schliessen, dass die, wahrscheinlich 10 Blätter im ganzen umfassende Schrift des Gregorius Thaum. dem Codex später vorgesetzt worden ist, nämlich als die Notizen über den Eigentümer bereits auf Fol. 6a niedergeschrieben waren. Trotzdem scheint Fol. 1 334 von einer Hand geschrieben zu sein, und zwar am Ausgang des XIV, saec. Eine zweite Hand hat die Handschrift durchcorrigiert und am Rand Varianten beigefügt ■'). Von einer dritten Hand, wohl der des Besitzers Bessarion, rühren Inhaltsangaben und Conjekturen her. Allerdings sind die zweite und dritte Hand oft schwer zu scheiden, und die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, dass oft da, wo man wegen Verschiedenheit der Schrift eine dritte Hand

1) Zwischen Fol. 198 und 1U9 ist ein Fol. nicht numeriert.

2) Anfang: roiro xal ovx drayxalov [.läd-rjucc üD.u xovzo . . . == Lom. vol. 25 p. 3G1, Z. 9 v. u. Das ist also die kleinere Hälfte (= 559 Zeilen bei Lom.), die grössere erste (= 022 Zeilen bei Lom.) fehlt infolge des Verlustes von ca. 5 Foll.

3) Dieselben sind von mir Ende 1884 hier verglichen worden.

4) Dieselbe lautet (in 2 Zeilen): To;T[og] ).ß' [durchstrichen, darüber: [xi] + oigiysvTjg accra xsXaov: iv zöfioig )]': xxijfjia ßTjOOaQlcjvog xugöijva- ?.8a}q Tov Tojv röox/Mv: [sie] Darunter die lateinische Version:

locus 32 [durchstrichen, darunter: 4.5] horigenes contra celsum: liber B[essarionis] Car[dinalis] Tusculani.

5) Dass Notizen von mindestens 2 verschiedenen Händen am Rande stehen, beweist z. B. die Notiz (Buch II, Cap. 25 = Lom. I, p. 179, Z. 21 ff.): 6ia yug tov O^avürov tov iv xctT7]}J.üyt} »/ (pvaiq zdiv diojv x(ö dtü: (ü. m.). Daneben von einer andern (III.) Hand: Cr[ ov xcc?.(ög olfiai 8§rjyi]9-tv Deshalb fehlt auch die erste Notiz in Ven. 40.

2(3 ?]istes Capitel.

anzunehmen geni'iu:t ist, ebenfalls die zweite Hand, aber vielleicht aus etwas späterer Zeit,, vorliegt.

Während dieser Codex dem Cardinal Bessariou als viel ge- brauchtes Handexemplar gedient zu haben scheint, ist

11. Codex Venetus Marciaims No. 44 ^) eine viel weniger benutzte, besser erhaltene und schöner geschriebene Handschrift, aber jünger als jene. Sie besteht aus 234-) Papier- Blättern in Fol. (41 cm X 29 cm), von denen Fol. 1 13 den jtQOO^ovfjri- x6c des Gregorios Th. vollständig bieten. Dann folgen von Fol. l.[a 234^ (numeriert als 224^) die 8 BB. des Origenes gegen Celsus ■^). Der sehr sorgfältige und geschickte Schreiber, von welchem auch die Philokalienhandschrift Cod. Ven. No. 48 her- rührt, hat. dem Schriftcharakter nach zu urteilen, den Codex am Anfang des XV. saec. geschrieben, als Yen. 45 schon vorhanden war. Ven. 44 ist mit Ven. 45 von Bessarion wohl erst in Italien erworben worden, da in beiden Codices dem Besitzer der Titel Cardinal (in Ven. 45: ß. xaQÖ?]väl8cog xov xcöv roOxXmv^)^ in Ven. 44: ß. xaQÖ7]va?.E(ng vixaiag rov oaßlvcov) beigelegt wird. Jedenfalls sind beide Codd. Veneti nach 1439, in welchem Jahr Bessarion den Cardinalshut empfing, dessen Eigentum gewesen. Die Zahl der Varianten und Correcturen im Ven. 44 ist im Ver- gleich mit Ven. 45 auffällig gering, auch findet sich nur eine grössere Randbemerkung.

Diese beiden Codices Bessarionei erscheinen, im ganzen be- trachtet, einander so ähnlich, wie zwei Söhne desselben Vaters. Denn wenn sie auch in vielen Einzelheiten abweichen, so stimmen sie doch an wichtigen Stellen so offenbar überein, dass an ihrem gemeinsamen Ursprung niclit zu zweifeln ist. Die vielen Über- einstimmungen aber durch Abhängigkeit des jüngeren Ven. 44 von dem älteren Ven. 45 erklären zu wollen, ist deswegen un-

1) S. Montfaucon, bibl. bibl. I, [i. 475B, LjA. und Zanetti, Gr. D. M. Bibl. p. 29, wo fälschlich .inembranaceus' statt ,chartaceus' steht. Auch gehört das Specimen auf Fol. XVI bei Zanetti nicht, wie es dort heisst, zu Ven. 44, sondern zu Ven. 4'.>.

2) Es sind nur 224 infolge der fehlerhaften Wiederholung der Zahlen 130—1:^9 numeriert.

3) Diese sind von mir im Jahre ISSö vollständig hier verglichen worden.

4) Siehe die oben Seite 2.") angeführte Bibliotheksnotiz im Ven. 4J.

I

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 27

möglich, weil Ven. 44 an zahlreichen Stellen den vollständigen Text bietet, wo Ven. 45 lückenhaft ist. Andererseits sind auch die weniger häufigen Auslassungen des Ven. 44 meist ^) nicht im Ven. 45 vorhanden "-). Wenn schon dieses Verhältnis bei son- stigen Übereinstimmungen die Annahme eines gemeinsamen Arche- typus nahe legt, so bilden die Abweichungen der beiden Codd. hierfür kein Hindernis, da sich dieselben teils auf Varianten des Originals zurückführen, teils aus Conjekturen und Ver- besserungen des Schreibers und Correctors von Ven. 45 erklären lassen. Die Stellen der letzteren Art sind ausserordentlich zahl- reich ; bei den meisten kann man aber aus der Grösse der Rasur erkennen, und bei den übrigen mit Grund vermuten, dass die getilgte Lesart der I. Hand im Ven. 45 derjenigen des Ven. 44 gleich war. So bietet Cod. Ven. 45 zugleich ein lehrreiches Bei- spiel dafür, wie Vermutungen eines Correctors, an Stelle der ursprünglichen Lesart eingesetzt, später in die Abschriften über- gehen und als hdschr. Lesarten Geltung gewinnen können.

Den positiven Beweis, dass Ven. 44 und 45 gleichsam Kin- der desselben Vaters sind, liefert uns eine Reihe von Stellen, an welchen die gleiche fehlerhafte Lesart oder Lücke in den beiden Codd. Veneti sich nur durch Annahme eines gemeinsamen Archetypus erklären lässt. Z. B.

1) Buch V, Cap. 36 (= Lom. H, p. 230, Z. 13) außojv (aber

corr. zu ccfificDp) Ven. 44, a/ißcov Ven. 45. Im Archetypus war das fi undeutlich geschrieben und konnte als u (= ß) gelesen werden.

2) Buch V, Cap. 56 (= Lom. 11, p. 275, Z. 6) ev'ioroQfj- x£vat Ven. 44 und 45, aber, in letzterem von IL Hand richtig zu £va löTOQfjxsvaL corrigiert.

3) Buch VII, Cap. 52 (= Lom. III, p. 82, Z. 12) 6^ //t€ Ven. 44. 45 (für ahj zs).

Noch deutlicher tritt das Verwandtschafts Verhältnis zwi-

1) Nur im Buch IV, Cap. 4 (= Lom. II, p. 7, Z. 3 f.) haben beide Veneti die Worte // enccvoQO^ol, welche im Vat. 386 vorhanden sind, des Homoioteleuton wegen ausgelassen.

■J) Im I. Buch, das ich daraufhin genauer durchgesehen habe, er- scheinen in meiner Collation im Ven. 45: 21 Auslassungen, im Ven, 44; 14. Später werden aber die Auslassungen in Ven. 45 viel häufiger. Der Schreiber des Ven. 44 hat also sorgfältiger copiert, als der des Ven. 45.

Os. Erstes Capitel.

sclion Ven. 44 uiul 45 an t'oli^eudi'ii Stellen zu Tage, wo Va- rianten des Archetypus in die beiden Abschriften herüberge-

nommeu worden sind. Z. B.

•iv [I. m.]

4) Bucli W, Cap. 13 {= Lom. II, p. 17, Z. 9) xmvsvGov Ven. 44. 45.

5) Buch IV, Cap. m (= Lom. II, p. 101, Z. 10) jtqoq jiZtj&og Veu. 44. 45, doch hat Ven. 44 noch genauer die Lesart des Arche-

^ « [I. m.]

typus so wiedergegeben: orlrjd-ri.

6) Buch VII, Cap. 3 (= Lom. III, p. 3, Z. 1) haben l)eide

,1'

A'eneti für iv ßQayyJöaig: ev ßgayi ; natürlich stammt diese Ab- kürzung aus einem gemeinsamen Archetypus.

Der Vollständigkeit wegen führe ich noch die gemeinsamen Lücken von Ven. 44 und 45 an.

7) Buch III, Cap. 72 (= Lom. I, p. 348, Z. 22) fehlt vjitg und

8) Buch III, Cap. 73 (= Lom. I, p. 350, Z. 16) fehlt o d^soq in beiden Veueti.

Einige andere Stelleu, au welchen die beiden Veneti mit ihrem Archetypus weniger bieten, als der, dort auf der Philo- kalia ruliende Text von Delarue-Lommatzsch, kommen hier uicht in Betracht, sondern sind unten in Cap. III in anderem Zu- sammenhang zu besprechen.

Wo ist nun das Original der zwei Veneti zu suchen? Ist es noch vorhanden, oder muss es aus den zwei Abschriften wieder- hergestellt werden? Glücklicherweise sind wir dieser Mühe über- hoben, denn der Archetypus von Ven. 44 und 45 ist kein anderer, als Cod. Vat. 386. An den sämtlichen soeben angeführten fehler- haften Stellen bietet nämlich nur d«r Vat. 386 die dort jedesmal vorauszusetzende Lesart des gemeinsamen Archetypus.

Ausserdem haben wir einen zwingenden und unwiderleg- lichen Beweis, wenigstens für die Abstammung des Ven. 45 von Vat. 386, in folgendem Umstand. Der QuaterniofC (= Foll. 124 131) des Vat. 386 ist vom Buchbinder derartig falsch ein- geheftet worden, dass jetzt, da die Foliierung erst nach dem Einbinden gemacht ist. Foll. 124—127. 128-131 statt: 128-131. 124 127 aufeinander folgen. Da, wo der Quateruio iL, ursprüng- lich endigte, d. h. Fol. 127 b unten, steht richtig (wie am Ende

i

der meisten Quaternionen) die Zahlangabe: iCy. Erst nach der

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 29

falschen Heftung. vielleicht hei der Foliierimg, ist auch Fol. 131^ unten, d. h. am jetzigen falschen Ende des Quateruio. die Zahl

i^ von IL Hand hinzugefügt worden. Diesen Fehler des Büch- er binders hat nun der Schreiber von Yen. 45 übersehen und nach

Beendigung des Quaternio i^', dessen letzte Worte im Vat. 3SG lauten^) .... jcaQsXevöovTaf ß-eXofisr -/ag, mit der Abschrift des 5. statt des 1. Blattes der verkehrt gehefteten Papierlage fortgefahren, nämlich mit den Anfangsworten von Fol. 124a-): öoxtovTiz dvai Ztßvtg .... bis Fol. 127 h (nach jetziger Zählung^ . . . . tjrl Tcöv d/ /jj'6/]JtoT& alxiav^), und dann erst die 4 Blätter, welche vor Fol. 124^ hätten stehen sollen, d. h. Fol. 128^ ay.ovsLV Tov eijrovTog . . . . ^) bis Fol. 131^ . . . . jTQooovQa hßv?/, avroi rh'') nachgeholt, so dass sich in Yen. 45 an diese Worte die ersten von Fol. 132 a c'.vag)tQofii7'cor tjil ra dsiov ovofw.rcov . . . /') unmittelbar anschliessen.

Im Yat. 386 hat später ein Corrector (die 11. Hand) zu Fol. 124a und Foh 127b hinzugeschrieben: C^'iTtt efiJCQOoß^ev fiszä (fvXXa 6\ ebenso zu Fol. 131 b g?}T£« 6jiiod-£v jcqo (fvXXcov fj. Diese Notizen waren für jeden verständigen Leser und Ab- schreiber, so für denjenigen des Yen. 44, ausreichend, imi die richtige Reihenfolge wiederherzustellen. Yiel schwerfälliger und umständlicher sind dagegen die Zeichen und Bemerkungen, durch welche der Corrector von Yen. 45 auf die richtige Textfolge hinge- wiesen hat. Auf Fol. ISla hat er Fol. 123^ des Archetypus mit dem Worte JtaQE).£voovTca<^ beendigt {ß-tXo^usv yag ist hier aus- gelassen und Fol. 186 13 übergeschrieben') und fährt fort mit den

Worten: öoy.iovng dvau Xißvsg . . . (= Fol. 124a statt 128a). Der Corrector, vielleicht Bessarion selbst, hat Fol. 181a dazu die Randnotiz geschrieben: L,/]Tai x6 tjiofievov {/Ezä 9' cpvXX.. o:jtov Ofjfisiov a^ [dies findet sich FoL 186^] (f^ rovzo tJisrcu rotg

1) Buch V, Cap. 22 = Lom. II, p. 204, Z. 14.

2) Nach jetziger falscher Zählung, richtig würde Fol. 12Sa sein, = Buch V, Cap. 34 (Lom. II, p. 225, Z. 18.).

3) Buch V, Cap. 45 (= Lom. H, p. 249, Z. 12 f.).

4) Buch V, Cap. 22 (= Lom. II, p. 204, Z. 14). .5) Buch Y, Cap. 34 (= Lom. II, p. 225, Z. 17 f.). (i) Buch \, Cap. 45 (= Lom. II, p. 249, Z. 13).

Erstes Capitel.

fitra /,/ <f {/.).. <'):7oc otjfttiov tf^ avroi rl [stellt Fol. 192 b]'),

feruer auf Fol. ISßb zu airiav- dxoveiv .... gehörig: roiro tjrerai rote jiqo t^ (pvXXmiK vofiiC,(» cog ro tjiofievor tot) /ara jtti'Tt (pvXZa, Öjcov or}[iBiov, '*P und unten am Rand:

i{ tJtl rwr &i tjr öfjjcore aitlav ava^SQOfitvcor tjil tu

dtlov ovofidrcov g/; (/trd (pvXXa j;', oxov OTj/ielov C

Dann steht noch am Rand von Fol. 192 b im Ven. 45:

C?j ro Ijtofitrop jiqo iß' (fvXloji' [d. h. auf Fol. 181^ des Ven.

45j ojtov otjfiHor (f^ öoxtoi'ng tivai 'P' und unten am Rand:

(L JtQO (pvXXcov t^ ro //yov^uevov öjiov ori^tlov C hjcl zcör

öi //vÖTJjiore airlav dva^pbQOfievcov tJii ro dtlov; endlieh Fol.

186'^ im Ven. 45: aitiav dxovsw tov (diese Worte hat Leid, in einer Linie).

Man sieht sofort, dass alle diese Notizen im Ven. 45 unab- hängig von den inhaltlich gleichen des Vat. 386 (s. oben S. 29) und nachträglich von 11. Hand, von einem Corrector hinzugefügt worden sind, welcher die Textesverwirrung und die Ursache der- selben erkannt hatte. Der Corrector des Vat. 386 (II. Hand) ist also jünger als der Schreiber des Ven. 45, aber älter als der- jenige des Ven. 44 anzusetzen, da dieser mit Hilfe jener Hin- weise im Vat. 386 die Textes Verwirrung vermieden hat.

Nun könnte man aus folgenden sechs Stellen zu schliessen geneigt sein. Ven. 44 sei trotz dem Gesagten früher als Ven. 45 entstanden.

1) Buch 111, Cup. 10 (= Lom. 1, p. 264, Z. 1)

jiQog ro, td^EXr/öai Ven. 45,

jcQog zo^ (i?) dv Id^eXijoac Ven. 44.

2) Buch IV, Cap. 91 (= Lom. H, p. 148, Z. 5)

Xm . , ttQya)v Ven. 45, Xdovai ItQymv Ven. 44. 3j Buch VlI. Cap. 45 (= Lom. UI, p. 72, Z. 15)

y.al [i avxog Yen. 45,

xdi //',' avtog Ven. 44.

1) Ven. undVat.:JS7 haben nach diesen Angaben die richtige Abfolge des Textes hergestellt, dagegen hat Leid, die falsche Reihenfolge der Text- stücke mit fast denselben Notizen mechanisch übernommen. Nur die erste Notiz auf Fol. ISüIj des Ven. 4.5 ist im Leid, weggelassen. S. oben Seite l.j.

Die Handsc-hriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 31

4) Buch VllI, Cap. 2 = Loni. 111, p. 113, Z. 4 f.)

jiXelorag rmv {^tQajrtveir Yen. 45.

jt?.tiovag Tcöfi Ev rijjjiTmi' Tov fiEyäP.ovdtQajrtv&ipYeu.A-i.

5) Buch VIIL Cap. 62 (= Lom. Ill, p. 202, Z. 5;

jtoulv . . Xoyog Yen. 45,

jtouiv ov. egal, loyoc, Yen. 44.

6) Buch YIII. Cap. 71 (= Lom. 111. p. 216, Z. 9 f.)

CoD(f)QoovvrjO .... y.al Yen. 45,

ocoffQovt'iOaoa [v/jOaöa in ras.J xal Yen. 44. Indessen ist hier anzunehmen, dass der Schreiber von Yen. 45 es vorzog, fehlerhafte oder undeutlich geschriebene Buchstaben und Worte der Yorlage auszulassen, während der sorgfältigere Schreiber des Yen. 44 auch Unverstandenes genau copiert hat. Denn den spätem Ursprung von Yen. 44 beweisen einmal schla- gend folgende zwei Stellen, welche für den Schreiber des Yen. 45 im Archet}Tius noch lesbar, für denjenigen des Ven. 44 aber schon lückenhaft waren, nämlich:

1; Buch \, Cap. 7 y= Lom. 11. p. 176, Z. 17)

eIömOlv Ven. 45.

.... mOLV Yen. 44. ') und 2) Buch Y, Cap. 10 (= Lom. IL p. 180, Z. 24)

cdcövaq '/.cd In od^ev Yen. 45,

ahövac 6&£v Yen. 44.

Da, wo Yen. 44 eine Lücke angedeutet hat, befindet sich jetzt im Vat. 3S6 (Fol. 1 IS^ und Fol. 1 19^ 2) je ein Loch, welches, wie es scheint, durch Feuer, nach der Abschrift des Yen. 45 und vor derjenigen des Yen. 44 entstanden ist. Damit haben wir zugleich einen unwiderleglichen Beweis dafür, dass als Ori- ginal des Ven. 44 ebenso wie des Ven. 45 der Codex Vat. 3S6 angesehen werden muss.

Ein nicht minder sicherer Beweis liegt zweitens in dem Fehlen der Pantherastellen im Ven. 44. Im Vat. 3S6 sind näm- lich jetzt folgende Worte:

1) Hier las schon Persona iwaiv, denn er übersetzt ,patiantur ad- mittere'; im Vat. .386 steht nämlich: ^Qojo'iv. Also ist dies Loch jedenfalls vor 1481 vorhanden gewesen.

2) Auf Fol. Il8t> und 119^ sind durch das Loch nur wenige und leicht zu ergänzende Buchstaben vernichtet worden.

32 Kiytos Capilel.

1) liiu'h I, Cap. ;V2 (= Lom. 1, p 65, Z. 20 f.)

'xai rixTOVöa axö tivoc OTQaTuöxov HavO^ijQa rovrof/a

2) Ebenda (= Lom. I. p. 66, Z. 1)

xa) Tov IJarO^yQa ;\) Buch 1, Cap. 09 (= Lom. I, p. 130, Z. 1—3)

xai jiiOTSvei avrdv vjro rcroc IJavi^riga (pd-ulgarroc r^/r

üiaQfi^tvov kOJtciQd^ai' wohl von einem Leser, der an dem Inhalt Anstoss nahm, aus frommem Eifer völlig ausgekratzt worden '). Dass die oben an- geführten Worte fri\her an Stelle der Rasuren gestanden haben, beweist nicht nur ihr Vorhandensein im Ven. 45, sondern auch der Umfang der drei Rasuren. Da nun jene drei Stellen im Ven. 44, und zwar ohne Angabe einer Lücke fehlen, so vermute ich, dass der Schreiber von Ven. 44 selbst jene anstössigen Worte, um sie nicht abschreiben zu müssen, vernichtet hat. Ebenso scheint er bei folgender Randbemerkung '^) des Vat. 386 (Fol. lila = Buch IV, cap. 83, Lom. II, p. 130, Z. 11 f.) ver- fahren zu sein:

C.7]' Ötl diaßdXXtrai 6^:i,i,„ coQiytvfjg cog xav roTg aXZoig

xai sig rijv f/srefitpvycoOiv, denn Ven. 45 weist an Stelle der Rasur O^eioTarog auf, ein Bei- wort, welches jener rechtgläubige Absclireiber nicht nur nicht auf- genommen, sondern sogar im Original tilgen zu müssen geglaubt hat. Im übrigen ist derselbe seiner Vorlage auch hinsichtlich der Bücher-Über- und Unterschriften gefolgt. Während die Rubra im Ven. 45 fehlen, stehen dieselben im Ven. 44 fast genau so, wie im Vat. 386; vor allem die wichtige Notiz zwischen Buch I und II ^), welche nun geeignet ist, den Lesarten des Vat. 386 ganz besonderes Gewicht zu verleihen, nämlich: jcQog TOV eJctyeyQafifispov xtXoov aXr/ihrj Xoyov ojQiytvovg, z6/wg a: - ^).

1) Persona kennt in seiner a. 1481 erschienenen lat. tiliersetzung diese Stellen nicht; ihre Entfernung muss also vor 1481 stattgefunden haben.

2) Da dieselbe von II. Hand im Ven. 4.5 durchgestrichen ist, hat sie der Schreiber von Ven. 4<j (und Jol.) weggelassen, der Schreiber des Pala- tino-Vatic. 309 (= des Hoeschelschen Palatinus, s. Lom. II, p. I.'JO, Note 11) dagegen aus Ven. 44 übernommen.

3) S. oben Seite 19.

4) So hat natürlich der wirkliche Titel der Schrift des Origenes ge- lautet.

Die Himd.'^^chi-ii'ten der Bücher des Origenes gegen Celsus. 33

fitztßX/jif^tj xal avTtßXrjd-)} es avTr/Qa^cov rmv avrov ojQiyt- vovQ ßiß?Jcov: - |rot, von I. HaudJ. Ebenso haben beide Co- dices nach dem IL Buch: jtQog ror tJciy&yQafifiti'or yJXoov aXr(9-ri Xoyov, rö^oq ß: ~, nach dem III. Buch: toitoq /"", nach dem IV. Buch: reXoq rov d' rofiov [nur hat Ven. 44 rExctQTOV für d"], nach dem V. Buch: jiqoq rov L x. d. X. röfiog £ , nach dem VI.Buch: ttXog rov txzov To//ot;, endlich nach demVII.Buch: TtXog rov ^ röfiov.

Gegen meinen Nachweis dürfte sich schwerlich ein Einwand erheben lassen, um so weniger, als an einer grossen Zahl von Stelleu wie die Vergieichung des Vat. 386 ergeben hat die Abhängigkeit des Ven. 44 von Vat. 386 offenbar ist. Dem- nach müssen wir sowohl Ven. 45 als auch Ven. 44 nebst ihren Abschriften aus dem kritischen Apparat streichen ^) und dafür einsetzen :

12. den Codex Vaticanus No. 386. Von demselben giebt mir Herr Professor Mau in Rom folgende Beschreibung 2) : ,Cod. Vat. 386 bombycin. saec. XIII— XIV, hoch M. 0,305, breit 0,215, eingebunden in rotes Leder, hinten auf dem Einband ein Wappen, 33 Zeilen auf der Seite.

Fol. la Ruhr.: /,/ yiov yQrjy rov davfiarovQyov dg ojqi-

Orv'

yevr/v jcgoöcpcovririxog ov si'jtsp tv xaiOaQda jiaXca [lara tj/i' xaQ avxcö jcoXvexrj aoxtjöw, fitXXcov djiaXXc(.xTE.od-aL lütl x?/r jiaxQida. (in mg. atram. dwömQOv rov öog)iavov) '■■). Anfang:

1) Nur für das fehlende Fol. 41 des Vat. (an dessen Stelle sich jetzt ein leeres Blatt mit einem Wasserzeichen befindet, welches einen Herd- kessel darstellt und von Briquet a. a. 0. nicht erwähnt wird) sind die Lesarten der beiden Codd. Ven. heranzuziehen. Sonst haben manche Va- rianten derselben nur als Conjekturen einigen Wert.

2) Meine eigenen Beobachtungen füge ich in Klammern [— ] l»ei.

3) Über diesen Besitzer des Vat. 386 vgl. Fabric. Harl. bibl. gr. vol. XI, p. 382 No. 54 (unter den Schriften des Gennadios), wo angeführt wird: j'ETTnäifioq fxuxaQuo OtoSojQo) xm So(fiav(p iv xTj legr: ßovy Bccxo- jttölov xaiptvn, ov fiTtsv iS vnoyvlov b S-sToc avxov rewäöing /uova/bc IV xw xaifho atnxo) xt], ,?7!icf' sxnvc' [= p. Chr. 1457]. Theodoros So- phianos scheint, da sein Oheim Gennadios die Leichenrede gehalten hat, jung gestorben zu sein. Noch vor seinem Tode aber ist wohl Vat. .386 durch Kauf in den Besitz des Papstes Nicolaus übergegangen (S. unten.) , ..

Texte luid Uiitersnclmngen VI, 1. 3

;; j Erstes Capitel.

j, II, T/" YX^'l!'^^ 'I 0((i)JT// tojv Tt aXXmv xoXXoic JtoXXayuc .... bis Fol. 12;» .... '/mX xovtÖ yt näXioxa jccwtcop fiövor tjf/äg ütaQaiivx^ijOtxai. Fol. 12l> weiss. Fol. 13a [obeu Oruamentleiste, rot, dann| ix xaxa xtXoov: 'v? (adscr. m. recentior (aQiyivijc o

/a//.T()oc Anfang: 'O //t'r ö//(> y.ai /)f(cör .... bis Fol. 21 6^^ (letztes Blatt) .... xocxoj ^ dqi'J.ordxax; wg xa?.ojc tiQ^/fth'Oj lucnrvQf'jOOJfitv. xtXoc xov JI xöftov.

[Dann sofort, ohne Zwisclienriinm, von einer 111.. Jüngern Hand, welche vorher einige IJanduoten geschrieben hat, in dicker plumper Schrift ein Stück aus Galen'); Ueberschrift: [jteg'^L xöiv xax' hidoc ajiZcür I^aXrjvov: Anfang: ^ißQoxovor Ü^SQfW}' toxi xui ^fjQOi' xf)2' dvrun'ir . . . bis letzte Zeile von Fol. 2l()^ . . sijQabei ÖS xai Xsjixvrti xal diacpoQtV xui yaQ dXojJcexiag Öa- Ovr&i xcii yoiQudag xcä «jroor^///«T[a| Öi'arp , also mitten im Wort abgebrochen.

Der Codex ist trotz vieler Benutzung -) im ganzen gut er- halten. Freilich ist das Bombycinpapier oft recht weich und mürbe geworden. In Folge davon scheinen die Blätter, beson- ders an den Rändern, beim Gebrauch teilweise be.schädigt zu sein. Derselbe Buchbinder, welcher den Qüaternio iC,' verkehrt eingeheftet hat ;s. oben), dürfte wohl auch die schadhaften Stellen ausgebessert und lose liegende Blätter durch Falze be- festigt haben freilich oft so ungeschickt^), dass ein Teil der Schrift verklebt worden ist. An den Rändern des Codex be- finden sich Wasserflecke, und die Foll. 117. 118. 119 haben jetzt in der Mitte ein wohl durch Feuer entstandenes kleineres Loch*), Fol. 194 dagegen zeigt ein längliches, wahrscheinlich ebenfalls eingebranntes grösseres Loch. Fol. 197 ist durch einen Schnitt in zwei Teile geteilt, Fol. 188 teilweise von Würmern zerfressen und Fol. 186^» mit Tinte befleckt. Fol. 101 ist völlig leer, es fehlt aber nichts im Text, während Fol. 41 verloren

1) Vgl. die edit. Asulana a. 1525 in Fol., vol. II, nfQi zrjg zcüv unXöJv (fic(}fia>{u)v SvvüfjiBojq Buch VI über das ußgöxorov xexavfxivov , und die Galen- Ausgabe von C. ü. Kühn, vol. XI, Lipsiae 1S2G, p. 799 Z. 10 ff. und p. .SOG.

2) Worauf u. a. Spuren von Fingernägeln am Rande hindeuten.

'■'>) Besonders liei Fol. 210a und 211; auf Fol. HTb sind die Randnoten z. T. verdeckt.

4) welches, wie wir oben gezeigt haben, schon vor l-JM vorlumden war.

Die Handschrifteu der Bücher des Origeues gegen Celsus. 35

gegangen^) und durch eiu leeres Blatt ersetzt worden ist. End- lich siud wahrscheinlich erst nachdem die beiden Codd. Ve- neti abgeschrieben waren zwischen Fol 214 und 216 fälsch- lich die mit 211 und 215 bezeichneten Blätter eingeklebt worden, Fol. 211 ist nämlich vor 212 und Fol. 215 vor 204 einzureihen-).] Die Quaternionen sind teilweise numeriert, so steht Fol. 5 1 b

unten (Ende des Quat.): ^'. Fol. 59 ^ unten: //. Fol. 67 ^ unten: U

Fol. 75 b unten: i u. s. w., endlich Fol. 211 ^ unten: xZ . lAus der Gesamtzahl der Lagen ^= 27 müsste sich bis Fol. 211^ eine Gesamtzahl von 216 Blättern ergeben, oder, da mit Fol. 51^ der 7. Quaternio zu Ende ist, so sollte man bis dahin 56 und nicht 51 Blätter erwarten. Demnach fehlen 5 Foll., sei es, dass sie vor Fol. la ausgefallen, oder zwischen Fol. 1 51 herausge- schnitten worden sind.

Die Tinte ist teils verblasst und gelbbraun geworden, teils, vor allem gegen die iVlitte, schwarz und gut lesbar geblieben : auf Fol. 170^ sind viele Buchstaben durch Reibung abgebröckelt. Die Verschiedenheit der Tinte erklärt sich zum grossen Teil daraus, dass die Handschrift von 2 Schreibern geschrieben ist, nämlich Fol. 13— 14la und Fol. 2 15a med. bis 216^ von dem L, das übrige von dem II. (gleichzeitigen) Schreiber. Der I. schreibt eine feinere, kleinere und zierlichere Hand als der H., dessen Schrift oft recht dick und plump aussieht. Auch verschnörkelt der I. im Gegensatz zu dem IL Schreiber die Buchstaben der letzten Zeile nach unten und lässt, anfangs häufiger, später seltener, Gedankenlücken im Text, während der IL die Seiten fast ohne Unterbrechung schreibt.

Beide Schreiber scheinen abwechselnd das Geschriebene corrigiert zu haben, doch so, dass der I. Schreiber hierbei das meiste gethan hat. Bei dieser, während des Abschreibens und offenbar nach dem Original vorgenommenen Revision sind nun

1) Fol. 41 war noch Anfaiig des XV. saec, als Ven. 44 abgeschrieben wurde , vorhanden. Auch dem Persona hat es noch vorgelegen . es ist also erst nach 1481 verloren gegangen.

2) Fol. 21.5 war wohl beim Numerieren übergangen worden. Das lose gewordene Blatt konnte um so leichter die Nummer 215 erhalten und vor 21ij eingefügt werden, da bei der Numerierung die Zahl 2l.j aus- gelassen worden war. Demnach ist die Gesamtzahl der Blätter mit 21<) richtig angegeben, wenn mau das leere Fol. 101 mitrechnet.

3(^) Erstes Capitcl.

nicht nur säintliclie kleineren und grösseren Auslassungen ciuf dem Hand nachgetragen, sondern auch Schreibfehler im Text ver- bessert worden, so dass man behaupten darf, an dem Cod. Vat. 386 ein ziemlich getreues Abbild von dessen Archetypus zu besitzen. Von dieser 1. Hand der beiden Schreiber ist eine IL, wohl dem XIV.— XV. saec. angehörende ' Hand zu unterscheiden, welche mit blasser Tinte plump und eilig Bemerkungen auf den Rand gesetzt hat (z. B. das unten Seite 41 f. erwähnte Scholion). End- lich findet sich eine III. noch jüngere Hand (XV. saec.}, welche in ausserordentlich feinen Zügen Vermutungen zu Textstellen anfügt. Die Schriftcharaktere gleichen ganz auffällig denjenigen im Ven. 45, welche wir vermutungsweise dem Cardinal Bessa- riou zugewiesen haben: vielleicht hat also Bessarion den Arche- typus seiner drei Codd. in Haiiden gehabt. Endlich findet sieh gelegentlich mit blasser Tinte und feinen Schriftzügen C,)]t£l am Rand; ob von I. oder IL Hand, ist ungewiss.

Auf jeder Seite stehen 33 gezogene Linien, von denen die Buchstaben nach unten herab hängen, doch so, dass manche von der Linie noch durchschnitten werden. Die Schriftzüge weisen den Codex der Mitte des XIII. saec. zu, denn sie stimmen am meisten mit der Columne a. 1255 auf Taf. 9 in Gardthausens Gr. Pal. überein. Die Interpunktion besteht aus Komma, Kolon und Punkt. Das Iota subscriptum (z. B. h) ist selten, häufiger zeigt sich das Iota inscriptum (meist in co) und adscriptum (z. B. neben tj). lotacismus kommt gelegentlich vor, z. B. ßsß'iXovg XtQVLTLÖoq yivcopi. Im ganzen sind wenig Abkürzungen , und diese meist nur am Ende der Zeile angewendet.)

Dieser Codex, von welchem alle bisher erwähnten Hand- schriften direkt oder indirekt abstammen, ist derselbe, nach wel- chem a. 1481 Christopliorus Persona, der bekannte dritte Biblio- thekar der Vatikanischen Bibliothek, die erste lateinische Über- setzung der 8 BB. des Origenes gegen Celsus herausgegeben hat'-). Dies beweist der (von Delarue in seiner praefatio wieder

1) Dass die von der II. Hand geschriebenen Kandnoten älter sind, als Ven. 44, beweist u. a. die Randnote Buch IV, Cap. 22 (= Lom. II, p. 32, Z. 22) YQ yvTifg [zu yßVTieg], welche genau so in Ven. 44 wiederkehrt.

2) Von diesem jetzt sehr seltenen Euche habe ich das Göttinger Univ.- Dibl. -Exemplar hier benutzen können. Persona's Übersetzung ist fast un- verändert von Merlin übernoniuifn, später sind beide durch die Über-

Die Handschriften der Büohei- de? Origenes gegen Celsus. 37

abgedruckte) der Ausgabe vorausgeschickte Brief des Theodorus

von Gaza. Wicbtig ist daraus folgende Stelle: ,ut in spem

venerim: posse te et Origenem adversus Celsum traducere: Quem librü: quia elegätissimus est: et in fidei xpianae defensione con- scriptus: Nicolaus pötifex: etsi de se erat novorum operü: et graecorum pcipue cupit^tissimns : meo liortatu Constantinopolini misit g. ad se coemptn deferret: delatumque mox mihi ostedit: dixitque velle se ei quidvis premii polliceri: qui latinü hnc faceret. Et sane ipse id opus aggressus essem ac lubens: nisi me tnc alia gravis traductio poccupasset. Restat igit~ adliuc liber iste in pötificis bibliotheca iutactus: et ut arbitror tibi servatus' (es folgt noch die Aufforderung, das Werk zu übersetzen, wenn auch nicht so grosse Belohnung wie durch Papst Xicolaus in Aussicht stünde).

Dieser Brief ist also nach 1455 (f des Nicolaus V.) und vor 1478 (t des Theodorus von Gaza) geschrieben. Der erwähnte Codex ist natürlich Vat. 386, dessen byzantinischer Ursprung durch den Brief aufs beste bezeugt wird. Wann ist aber der ("odex durch den Abgesandten des Papstes Nicolaus nach Rom nebracht worden? Wahrscheinlich in den Jahren 145U 1455, denn Theodorus von Gaza wurde 1450 von Nicolaus nach Rom berufen ^). Ist diese Zeitbestimmung richtig, so folgt, dass die beiden Codd. Veneti 44 und 45 bereits in Konstantinopel von dem, noch im Besitz des Theodoros Sophianos befindlichen Vat. 386 abgeschrieben und später nach Italien und in den Be- sitz des Bessarion gelangt sind. Der Vat. 386 konnte aber in Konstantinopel leicht entbehrt werden, wenn ausser den Codd. Veneti noch andere Abschriften vorhanden waren, welche die entstandene Lücke der Bibliothek ausfüllten.

Von solchen Abschriften fehlt uns freilich jede Spur. Im Abendland scheint dann der Cod. Vat. 386 keinem Abschreiber

Setzung des Gelenius verdrängt worden, welcher nach dem Codex Reg. Par. 945 übersetzt hat (vgl. Delarue zu B. V, Cap. 8, tom. I, p. 583, Note a). Allerdings ist Persona nicht genau verfahren und hat sich mancher Härten im Ausdruck schuldig gemacht, Schwieriges weggelassen u. s. w. ; aber seine Übersetzung hat doch insofern Wert, als sie sich auf den Archetypus derjenigen Codd. gründet, welche für Hoeschel und De- larue allein oder in hohem Grade massgebend gewesen sind.

1) S. (t. Voigt. Wiederbelebung des klass. Alterth. u. s. w. II 2, p. 145 f.

33 Erstes Capitel.

als Vorliiiie gedient zu liaben ' ; wie immer, so sind auch hier die Abschritten des Vat. 386 diesem selbst, der vielleicht auch zu wenig zugänglich war, von den Schreibern vorgezogen worden. Nur eine einzige Handschrift könnte man geneigt sein, direkt von dem Vat. I3SG abzuleiten, ich meine den

13. Codex Oxoniensis Bodleianus Aiict. E 1. 7 (olim 2275)-) ,chartaceus, ex charta laevigata, in folio, ff. 813, saec. XV.' Von demselben haben mir die Herren Dr. Gundermann und D. S. Margoliouth gütigst folgende Nachrichten gegeben:

,Die Hs., 343 mm. x 245 mm. gross, hat 29 Zeilen auf der Seite und breite Ränder-'), die Blätter sind nicht numeriert. Sie ist in der zweiten Hälfte des XV. saec. von einem Schreiber gut geschrieben. Verschiedene nicht sehr zahlreiche, aber saubere Correcturen einer zweiten gleichzeitigen Hand finden sich am Rand und im Text, selten hier Rasuren. Die zweite Hand giebt auch Variauten , z. B. Anfang des 11. Buches ^) txäd-fjQt am Rand zu dem txa^«()f(Jf des Textes, später '•) Ota/fj- zu OoxpQovi- Zöfit&a. Die Initialen der Bücher sind mit braunroter Farbe gemalt, ebenso das Band über dem Anfange jedes Buches, aber ziemlich kunstlos. Ein Wappen ist nicht vorhanden. Über- schrift: ojQr/tvovg xard 7Ct?Mov: 'v« h^ rofwic h. Fol. 1. An- fang: 0 fdv ar/Q xai xg rj^öJv .... bis Ende .... fmQzvQtj- OcofiEv: fv. Auf dem letzten Blatte steht, von einer Hand aus dem Ende des XV. saec. -Constitit pro descriptione et coUatione fl ^) 23V,." Sonst keine Notiz weiter.'

Dieser Codex stimmt nun an einigen von den für mich nach- gesehenen Stellen mit Cod. Ven. 44, an andern aber mit Cod.

1) Vielleicht stammen die beiden, am Ende dieses T. Cap. erwähnten Bruchstücke in den Codd. Ottoboniano -Vatic. No. 35 und No. 75 vom Vat. 38n ab; s. unten.

2) Bernardus a. a. 0. p. 11 Sa: ,classis sexta E 2 2275. 1. Origenis contra Celsum libri S Graece'. Montfaucon, bibl. bibl. I, p. 056 A. Coxe, catal. codd. mss bibl. Bodl. pars I, p. 631 unter ,Codice8 miscellanei' No. 21. Bei Delarue-Lommatzsch ist der Codex ,Anglicanus primus' ge- nannt.

3) In diesem Punkte würde sie dem Cod. Vat. 387 ähnlich sein.

4) Buch II, Cap. 2 (= Lom. I. p. 138, Z. 9 f.).

5) Buch II, Cap. 6 (= Lom. I, p. 143, Z. 4).

6) Soll wohl fl[oi"inis] = Goldgulden heissen.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen ©elsus. 39

Ven. 45 überein. Die Folgerung liegt nahe, duss er von dem Archetypus der beiden Veneti, dem Ynt. 3S6 abzuleiten sei. Dies ist jedocli deshalb unmöglich, weil der Cod. Bodl. an folgenden Stellen Lücken und Lesarten aufweist, Avelche dem Vat. 3S6 völlig fremd und nur dem Ven. 45 eigentümlich sind.

1. Buch VlI, Cap. 29 (= Lom. III, p. 46, Z. 7 £) haben Cod. Ven. 45 und Bodl. genau dieselbe Lücke zwischen y/jv (Z. 7) und y.al '/caraaxrjvcooovoii' (Z. S). Im Cod. Ven. 44 ist die Aus- lassung zwar grösser (Z. 5 8 xal yijv sind ausgelassen), aber sämtliche Worte sind am Rand von L Hand, offenbar nach der Vorlage (Vat. 386), welche die Stelle vollständig bietet, nach- getragen. Sollte diese Stelle als Bibelcitat nicht für beweisend angesehen werden, so ist die Übereinstimmung zwischen Ven. 45 und Bodl.

2. Buch VlI, Cap. 6 (== Lom. III, p. 8, Z. IS f.) um so augen- scheinlicher. Denn hier hat der Schreiber des Bodl. die nur Ven. 45 und seinen Abschriften eigentümliche fehlerhafte Wieder- holung der Worte: xazoQ&moiv xmv ävojv^) ahnungslos über- nommen. Endlich findet sich

3. Buch VIII, Cap. 62 (= Lom. III, p. 202, Z. 5) kn Bodl. dieselbe Lücke wie im Ven. 45 (freüich dort ohne spatium) zwischen jioiscv und Xöyog. während im Vat. 386 ovxIqeT und im Ven. 44 ov . egsi zwischen den beiden Worten steht. Sollte der Schreiber des Bodl. so ungenau und flüchtig verfahren sein, dass er zwar das ihm (wie dem Schreiber des Ven. 45) unver- ständliche ovxeQti ausgelassen, aber die Auslassung nicht durch ein spatium angedeutet hätte? Wie viel leichter konnte er aber den leeren Raum im Ven. 45, da er dessen Bedeutung nicht be- griff, m der Abschrift übergehen!

Wir schliessen aus den angeführten drei Stellen, dass dem Schreiber des Bodl. für die Bücher VII und VIII der Cod. Ven. 45 vorgelegen haben muss. Dagegen stimmen die mir mitgeteilten Lesarten des Bodl. aus den BB. I IV auffällig mit Ven. 44 überein. Es sind folgende.

1. fehlen die drei Pantherastellen -)

1) S. oben Seite G.

2) S. oben Seite 32. Die Note Delarue's über diese Stellen in den Anglicani (I, jj. 350, Anm. a.) ist durchaus unrichtig.

40 Erstes Capitel.

a) xai TixTovOa rorvoiia

b) rov Jtaj'ih'/Qa xcd

c) xal jtLOrevH tOji/xQ^^ai

im Bodl. ebenso wie im Ven. 44, doch sind b) und c) am Rand von einer zweiten, gleichzeitigen Hand ergänzt. Dem Corrector hig also ein zweiter Codex vor, welcher jene Stellen unversehrt enthielt. Dies kann nur Ven. 45 gewesen sein'); aus Flüchtigkeit ist bei der Vergleichung die erste Stelle übersehen und nicht nachgetragen worden.

2. steht im Bodl. zwischen B. I und II genau dasselbe Rubrum wie im Ven. 44 -), nur dass die 11. Hand im Bodl. (nach Ven. 45) to,moc öevrsQog hinzugefügt hat.

3. Das H. Buch beginnt im Bodl. wie im Ven. 44 mit ,??/, allerdings hat dies die H. Hand nach Ven. 45 verbessert zu ,6m^

4. Buch I, Cap. 32 (= Lom. 1, p. 65, Z. 19) hat Bodl. xvovoa (was von H. Hand am Rand von Vat. 386, Ven. 44 und 45 steht) im Text, dann aber vxo wie Ven. 44, wofür Vat. 386 und Ven. 45 djco lesen. Endlich

5. Buch IV, Cap. 17 ( Lora. II, p. 22, Z. 5 f.) stimmt Bodl. mit Ven. 44 in der Lesart: ovx av ovrcoi^ 6i8Gvq£ top {top in ras.J ai^ararov eig ^vtjrdv (ohne Randnote) überein, während im Ven. 45 hier der Text in Verwirrung geraten ist •') und kaum die Vorlage des Bodl. gewesen sein kann.

Demnach hat der Schreiber des Bodl. für die Bücher I IV den Cod. Ven. 44 benutzt. Diese aus Ven. 44 abgeschriebenen Bücher sind aber, wie die oben unter No. 1 und 3 angeführten Correcturen zeigen ^), mit Ven. 45 verglichen und nach diesem corrigiert worden. Ebenso hat wohl auch der aus Ven. 45 stammende II. Teil des Codex an einigen Stellen durch Ver- gleichung mit Ven. 44 eine Verbesserung erfahren.

Bei der geringen Zahl der mir bekannten Lesarten des Bodl. halte ich es, um meine Behauptung ausführlicher zu begründen,

1) Im Vat. 38() waren ja die Pantherastellen in der II. Hälfte des XV. saec. bereits getilgt, s. oben S. 32 Anm. 1.

2) S. oben Seite 32 f.

3) S. oben Seite 7 f.

4) Auch die oben angeführten Varianten {aurptj- zu rsü)(pQoriC.öi^af^a und kxüf^jjoi zu hnaiyÜQiob) sind Varianten des Ven. 45 und durch den Cor- rector von diesem übernommen.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 41

diesmal für augebracht, auch die Bemerkungen von Delarue über Lesarteu des , Codex Auglicanus primus' heranzuziehen, ohne je- doch zu vergessen, wie wenig zuverlässig im grossen ganzen jene Angaben sind. Dieselben liefern uns folgentles, allerdings nur mit Vorsicht aufzunehmendes Resultat: Anglic. I = Ven. 44: I. Buch 22 Stellen,

II.

ij

9

11

IIL

11

4

IV.

5)

4

11

V.

2

11

VI— VIII.

!?

0

iglic. I

= Ven. 45: I. II.

Buch

1

1

Stelle,

IIL

.,

l

11

IV.

V

0

11

V.

V

1

11

VI.

11

9

Stellen,

VII.

11

2

11

VIII.

?1

4

11

Wenn mau nun auch das unkritische Verfahren Delarue's und die Ungleichmässigkeit im Citieren der Varianten in Rech- nung zieht, so muss mau doch bedenken, das.s diese Fehler in allen 8 BB. hervortreten und das Resultat im ganzen zwar un- sicher, aber in Bezug auf das Verhältnis der einzelnen Bücher zu einander doch annehmbar erscheinen lassen. Ich vermute des- halb, dass der Schreiber des Bodl. für ß. I V den Ven. 44 und für ß. VI VIII den Ven. 45 als Vorlage benutzt hat.

Unsere Beweisführung, dass Cod. Bodl. von Ven, 44 und 45 abstammt, dürfte wohl sicher und überzeugend genug sein. Kur ein Umstand lässt uns nicht zu völliger Gewissheit gelangen. Zu Buch V, Cap. 12 (= Lom. II, p. 186, Z. 10 f. vgl. Note 1)

macht Delarue (I, p. 587, Anm. a) folgende Bemerkung :

,voce öiaxovov ofFensum fuisse posteriorum Christianorum vulgus indicat scholion quod in margine libb. editorum et codicis Angli- cani primi legitur: ///} Ityt öiaxoj^ov o yccQ rov jiaxQog Xoyoq,

avd-evzrjg [av Vat.J rcov tavzov BQymv, aXX ov öiäxovog. rj yaQ öTjfiaoia avTf/ [avrrj Vat.] rasig öovXixij, hVJ ovx avdtvxixtj.^ Dieses Scholion steht, abgesehen von den angemerkten geringen

12 Erstes Capitel.

Abweiclmiitit'ii. u;t'uau so nur') im Vat. 386 Fol. \2{)^. Zwei Fälle sind möglich. Entweder liegt ein Fehler bei Delarue vor. und es mu.ss statt ,Anglicauus' ,Vaticanus' heissen; oder das Scholion .'steht wirklich im Cod. Bodl. In diesem Fall bleibt nur die Annahme übrig, dass der Schreiber oder Corrector des- .selben nachträglich auch den Cod. Vat. 386 eingesehen und aus ihm die Kandnote entnommen hat. In ähnlicher Weise lässt sich auch das Vorhandensein des Scholions in Hoeschels Aus- gabe (p. 246 am Rand, von da hat es Spencer in seine Ausgabe, p. 230. übernommen) erklären. Der Schreiber des Aug. oder ein Bekannter Hoeschels hat wohl das Scholion aus dem Vat. 386 (oder aus dem Cod. Bodl.?) nachträglich abgeschrieben, und Hoeschel hat es an den Rand seiner Ausgabe gesetzt.

Um endlich die Eutstehungszeit des Cod. Bodl. etwas ge- jiauer zu bestimmen, müssen wir uns erinnern, dass die 48 von Bessarion der Republik Venedig vermachten Handschriftenkisteu erst a. 1469 in Venedig angelangt, und die Codices einer beschränk- ten Benutzung zugänglich gemacht worden sind -). Da auch die Schriftzüge des Codex auf das Ende des XV. saec. deuten, so ist der Codex Bodl. wohl in der Zeit zwischen 1469 und 1500 entstanden.

Eine weit selbständigere Stellung als alle bisher besprochenen direkten oder indirekten Abschriften des Vat. 386 nehmen diesem gegenüber die zwei Pariser Handschriften No. 945 und Suppl. Grec No. 616 nebst dem Cod. Basih ein, welche wir unter dem Namen der zweiten Handschriftenfamilie zusammenfassen

1) Der Schreiber (oder Corrector?) des Ven. 44 hat dieses Scholion und ein ähnliches, welches auf Fol. 121b des Vat. 38G steht, übergangen. An die Stelle des ersteren hat er folgende Randbemerkung gesetzt, welche im Vat. 8S(J viel später, auf Fol. I2()a steht und zu Buch V, Cap. 30 (= Lom. II, p. 241. Z. 3 ff.) gehört. Sie lautet im Vat.: d! dl [cd' ui Ven.] xriq aF/g [otjg ofjq Ven.] ao<fiaq. olöfihvoq yuQ htsQü) dvuox£vü'C,eiv, avxoq zf/g avToaXrjd-elag ixTi£7iTa}x[ag]' iv olg yccQ rw xe).ai(o [xeXaw Ven.] ccvzi- xHoe [-xsiaai Ven.] Si'a tijv 7io?.kv&etc(v [nof.v- Ven.], layvong [lox^- ()tög Ven.] ^v airrj x^xQUXTjae [-(Tat Ven.]. rot' b/noov[Giov] ynQ xüj ngi ölt- rffi[(-c] {du'nixec Ven.] JfvTfp^v dvoiiüaug.

2) Vgl. E. G. Vogel, ,Bessarions Stiftung oder die Anfänge der 8. Marcusbibliothek in Venedig' (Serapeuni 1S41. II, p. 9(» ff).

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 43

und jetzt hinsichtlich ihres Verwandtschaftsverhältnisses prüfen wollen.

Wir beginnen unsere Untersuchung mit

14. dem Codex Basileensis A III 9 •,. saec. XVI. in Folio, Foll. 472. Derselbe enthält auf starkem geglätteten Papier 1. die Philokalia-) von Fol. la bis Fol. 14la mit folgender Unter- schrift auf Fol. 141^: tTsXsicö&^f/ zo jiuqov ßißXlor, ovi'tQyda y.cä ß^eov ^^orfO^da- jiaQO. zov svrtXovq KvgiXXov fiovaxov') xara TG, |o/3' trog IvöiXTiovog 7/ [muss vielmehr C heissenj, d. h. a. 1564 in der 7. Indiktion.

2. nach zwei leeren Blättern (142. 143) folgt von Fol. Ul'i- bis 452a Origenes gegen Celsus, doch fehlt am Anfang ein Stück, welches ungefähr dem Umfang eines Quaternio entspricht, denn die ersten Worte lauten: y.al yi'/v 6jieiQ0fitrr]v (Buch I, Cap. 1 1 = Lom. L p. 32, Z. 14): darüber steht von ganz junger Hand: Origenes contra Celsum. Der Schluss des S. Buches ist voll- ständig, das letzte Wort (Fol. 454a) ist ... fmQrvQt]OOJfiEv'^). Dann schliesst sich

3., nur durch eine Ornamentleiste getrennt, von Fol. 452» bis 472b an: ojQiytrovg th [^uqtvqlov jcQOTQSjirixog: [rot]. An- fang: Ol ajtoysyaXaxTiOf/troi .... Ende: xai vjcEQEyovTmv jtccoav ävlvTiv (fvoir löycoi' xai oocpiag &v: ~ No. 2 und 3 sind von derselben Hand geschrieben, welche, nach den Schriftzügen und der Tinte zu urteilen, einige Jahrzehute früher als diejenige des Schreibers von No. 1 (a. 1564), also um die Mitte des XVL saec. angesetzt werden muss.

1) Haenel, (Jatal. libror. etc. Leipz. 1830, p. 640 sq.

2) Die Lesarten derselben stimmen, wie später gezeigt werden wird, mit denjenigen des Cod. Par. Suppl. Gr. 615 auffällig überein.

3) Vgl. Gardthausen, Gr. Pal. p, 319, wo ein Cyrillus aus Naupaktus angeführt ist. Vielleicht ist der Schreiber der Philokalia im Ba.s. mit die- sem identisch.

4) In Basel befindet sich unter der Signatur A Vll 47 eine von dem Prof. S. Battier (1667 1744) angefertigte und wahrscheinlich von J. L. Mosheim in seiner deutschen Übersetzung des Orig. c. Gels, vom Jahre 1745 benutzte (vgl. Vorrede zu der Übersetzung S. 2) Collation der Foll. 144 452 des Basil. auf 126 Blättern. Dieselbe ist aber so flüchtig und unleserlich geschrieben, dass ich der Benutzung derselben eine vollständige Neuvergleichung des Cod. Bas. (i. J. 1SS3) vorgezogen habe.

.11 Erstes Capitel.

Die Philokalia einerseits und Origcnes gegen Celsus und der TTQOTQfJtTixoQ andererseits sind später zusanuuengebunden worden, als von den BB. gegen Celsus schon der Anfang vielleicht auch noch der JTQOOcfojv/jxixdg des Gregorios Th.? fehlte. Wenn nun auch der Schreiber der Philokalia, der Mönch Kyril- los, die BB. gegen Celsus und den jiQOTQtJirmoQ nicht geschrie- ben zu haben scheint, so ist der Schreiber jedenfalls ein nicht ungelehrter griechischer Mönch gewesen. Letzteres deutet an eine, auf Fol. 299'^ (Buch V, Cap. 1 = Lom. II, p. 166, Z. 1—3) befindliche, nach griechischem Ritus segnende Hand, welche der Schreiber selbst gezeichnet hat, ersteres die unten angeführte Randbemerkung desselben über Origenes, worin er einem andern Schreiber das A^erständnis des Origenes abspricht. Der griechisch- morgenländische Ursprung des Codex wird nun durch den Um- stand bestätigt, dass der nachweisbare Archetypus des Bas., der Cod. Par. S. Gr. 616, sich im XVI. saec. noch im Morgenlande befunden hat. Der Codex Basil. stimmt nämlich sowohl mit dem Cod. Reg. 945 als auch mit Cod. Par. S. Gr. 616 an so vielen wichtigen Stellen überein, dass der Codex Basil., als der jüngste der drei Codd., die Abschrift eines der beiden sein muss. Vom Cod. Regius kann aber Cod. Basil. deshalb nicht herstammen, weil verschiedene kleinere und grössere Lücken des Regius im Basil. nicht wiederkehren. Die auffallige Übereinstimmung, die an jeder dieser Stellen zwischen Bas. und Par. 616 obwaltet, sowie die Thatsache, dass Bas. an keiner Stelle mehr Worte bietet, als jener, machen im Gegenteil die Abstammung des Bas. von Par. 616 sehr wahrscheinlich. Überzeugend wird dieselbe bewiesen durch Stellen wie:

1) Buch IV, Cap. 46 (= Lom. II, p. 73, Z. 7) n'iaod^d()i]c,

Par., fuaad-iio?]g Bas. Bas. hat hier das n {== ß) der Vor- lage mit // verwechselt.

' .. [I. m.l

2) Buch VI, Cap. 4 (= Lom. II, p. 305, Z. 2) köoTsg Par.,

tiCöorzEg Bas.

[I. m ]

3) Buch VIII, Cap. 55 (= Lom. IlL p. 191, Z. 5) aiQtl Par.

iaiQei Bas. Der Schreiber des Bas. hat also in Ko. 2 und 3 die Vari- anten des Par. 616 in ganz sinnloser Weise in seinen Text ein- gefügt.

Die Hiindschrit'ten der Bücher des Origenes gegen Celsus. 45

Zur uuumstössliclien Gewissbeit wird aber unsere Aunabme

dadurcb. dass uns im Par. 616 von der Hand des Scbreibers des

Bas. sowohl Conjekturen im Text, als auch Randnoten begegnen.

So hatte Par. 616 ursprünglich: j

I., Buch IV, Cap. 35 (,= Lom. II, p. 53 Z. 4:) iovdauor, :rQ . .

vyiojQ und 2., Buch VI. Cap. 23 (= Lom. II, p. 340 Z. 15 f.) üjio .t^^oo'Jr Tj XaßörTEg.

Aus der ersten Stelle hat der Schreiber des Bas. mit Hilfe von Rasur gemacht: lovÖcucov , jtQog rovg und an der zweiten die Lücke durch seine eigene (hier sehr naheliegende) Vermutung so ausgefüllt: djco JctQOcöv ?} Dj.tjvcov Äat^ovreg. Beidemale hat er den so verbesserten Text des Par. 616 in seine Abschrift übertragen.

Ferner rühren zwei Randnoteu im Par. 616, welche genau so im Bas. wiederkehren, augenfällig vom Schreiber des Bas. her. Die eine Note (zu Buch IV, Cap. 83 = Lom. II, p. 131 Z. 1 12), welche neben der von I. Hand geschriebenen imd von IL Hand ausgestrichenen Xotiz: Ciy ori diaßc'ü.XEzai 6 oo(f6g ojqi- yivriQ coq xdv roig aXXoig xal sig r^jv ftsrefiipvycoOLv: im Par. 616 steht, lautet: oy.aiog rcoorri rig t/g y.al rcöv inQUfjXcov acfvtOra- Qog 6 Tov dvaiTiov xciTr/yogcöi' xal to t//c ^itrii.(xpvycoouog ava- xQtjcovTog 007] övvdfisi öoyfia xal ovrcog djieiv ixQiCcöoai ojtsv- öovrog: öoxtig itoi o Is'^uricöfarog cogr/tri/i' fo) Irvotiv avrdi". Diese Worte sind an den Verfasser der oben angeführten Rand- note der I.Hand^) gerichtet. Die zweite Randnote finden wir Buch IV. Cap. 91 u. 92 (= Lom. II, p. 149 Z. 1—19), sie heisst:

C)j 0001 Tcdg xoQc'jvaig (og jiQOffiiXLOL jcQootyext xal 610Q-

Endlich hat an zwei Stellen (Buch VI, Cap. 2 = Lom. II, p. 301 Z. 4 f. und Buch V, Cap. 41 = Lora. II. p. 242 Z. 16) der Schreiber des Bas. aus Unachtsamkeit genau eine Zeile des Par. 616 aus- gelassen. Wir können also diesen, von Delarue viel benutzten Codex als Apographon des vorhandenen Par. 616 ruhig bei Seite lassen und nun zur Untersuchung des Verwandtschaftsverhält- nisses zwischen Par. S. Gr. 616 und Par. 945 übergehn.

1) welche der Schreiber des Bas. augenscheinlich missverstanden hat.

2) Ein interessantes Beispiel für die Correctur der betrettenden Bibel- ^ teilen nach der xuivi',.

46 Erstes Capitel.

Letzterer ist der von Delarue so viel, uiul von Aube') teil- weise benutzte

15. Codex Regius Parisiuus Gr. 945, alte Signatur: 872 (durchstrichen, darunter: 052) 297G, chartaceus, in 4^ minor. ■^) 21U mm. X 145 mm.), in braunem gepresstem Ledereiubaud mit Goldschnitt. Er enthält auf 326 Blättern

1., ein Stück der Philokalia von Fol. 1 * {IxXoyiiv tj jtaQovoa jiSQLkxet . . .) bis Fol. 47 b (. . . dvca 6ox)j, ösT^ai = Philo kalia Cap. XV. Lom. vol. 25, p. 81 Z. 7), 2., die 8 Bücher gegen Celsus, aber mit der abweichenden Überschrift''): -|- ojQiytPovc. tov oo(fcoTdTov ßißXiov xcnu xtXoov xov d{^£coTc'(Toiy. von Fol. 48 ^ bis 314 b ( . . .

fiaQTVQ1]ÖCOfl8V) ;

3., eine Reihe von Fragmeuten,

a) Fol 315 a 315 b 2 Bruchstücke aus dem jiqotqi^üitixoj:

dq fiagrvQiop; hj Fol. 315 b— 324 b Stücke aus der 2. Hälfte der Philo- kalia, nämlich:

a) aus Cap. XXIU Fol. 315b— 319b (= Lom. vol.

25, p. 202—214) ß) Cap XXIV Fol. 320a— 323b (= Lom. vol. 25,

p. 228-246), y) aus Cap XXVIl Fol. 324 a (= Lom. vol. 25, p. 274 Z. 4 275 Z. 5 v. u.) und FoL 324 a— 324 b (= Lom. vol. 25, p. 277 Z. 10—278 Z. 6, bis Ende der Philokalia . . . xßt rcov yrihor

c) Fol. 324 b 325 a de, ryv ß'iß?.ov xov y.Xifiaxog, tv reo

\) Aulie (bist, des pers de l'egl. u. s. w. p. 277) sagt über diesen Codex: ,Manuscrit petit in 4" relie aux armes de Francjois lei" No. 945 du fond grec de la i5ibl. Nationale, sur parlier de provenance Orientale, ä ce qu'il semble, et datant, comme on croit; du quatorzieme siecle.' Codex Regius ist von mir 1883/1884 hier genau verglichen worden.

2) Vgl. Catal. Codd. mss. bibl. Regiae Par. tom. II (Paris 1740 fol.) pag. 184. Hier fehlt die Angabe der Philokalienfragmente auf Fol. 315b bis 324b des Cod. Reg.

3) Die Abweichungen rühren natürlich von dem Schreiber her, der seiner Verehrung für Origenes und seinem Abscheu gegen den Christen- l'eind Celsus Ausdruck verleihen wollte.

Die Hcindscilnften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 47

avTOv riico: xcu tTj i/tr ^evireia aT£ '//oql~ tovtov

?Jy£iv HC ccjtar ovx i'/j'K Die Scliriftzüge des Codex zeigen, dass Fol. 1 47 und Fol. 48 bis Ende mindestens von zwei, eher dem Ende als der Mitte des XIV. saec. angehörenden Schreibern herrühren. Während die Foll. 1 47 mit ziemlicher Sorgfalt und unter Verwendung von zahlreichen Initialen und augenscheinlich mit sklavischer Nachahmung der Vorlage '; geschrieben sind, weisen die Bücher gegen Celsus zahlreiche Flüchtigkeitsfehler, besonders Auslassungen auf, und die meist plumpen und ungeschickten Buchstaben scheinen auf einen wenig geübten Schreiber oder auf grosse Eile desselben hinzudeuten. Ein Mangel an Regelmässigkeit findet sich schon in der schwankenden Zeilenzahl: es kommen bald 26. bald 28, gelegentlich sogar 20 Zeilen auf die Seite.

Für die Beurteilung der Herkunft und des Wertes dieser Handschrift ist zunächst die subscriptio auf Fol. 325 a wichtig. Dieselbe ist von jüngerer Hand und mit schwärzerer Tinte als die BB. gegen Celsus geschrieben und vielleicht als gleichzeitig mit der Philokalia auf Fol. 1 47 anzusetzen. Sie lautet:

to JiuQor ßiß'/lov. vjcccQytL sjiov xmi avaxid^rjUL tovro, dz Tf)v d^dav jJOVTjv Tov jiafjjir/ioTOV fiov ra^iaQyov^ vjceq ipvyji- y.jjg ÖQg zcöv tficöv yoi'tcov y.al tiiov, tov aiiaQT03/.ov: lojaxda tsQoiiovayog: Darunter steht eine zweite subscriptio von jün- gerer Hand:

doi dh yga/jf^axa tov }i£yaX[ov] gtjTOOQOO: -)

Danach ist der Codex im Besitze eines zum Priester geweih- ten '■') Mönches Joachim gewesen, welcher sein Eigentum der Bib-

1) Dass das Frgm. der Philokalia Fol. 1—47 nicht älter, als das übrige ist, wie man aus den, dem 14., ja dem 13 Jhrh. angehörenden Schrift- charakteren folgern könnte, beweist schon der Umstand, dass die Tinte in der Philokalia viel schwärzer und weniger verblasst, also jünger ist, als diejenige in den BB. gegen Celsus. Der wahrscheinliche Archetypus dieses Philokalien-Bi-uchstücks ist Par. S. Gr. 615, welcher im II. Cap. unserer Abhandlung besprochen werden wird.

2) Für die Erklärung dieser subscriptiones. sowie derjenigen im Cod. Par. S. Gr. G16 verdanke ich wertvolle Winke und Nachweise der Güte meines hochverehrten Freundes Prof. H. Geizer hier.

3) Vgl. Goar, Eucholog. Graec. p. 11 u. 29S die Noten.

4S Erstes Gapitel.

liotlu'k eines Si. Micli!iels-Klu.sters ') veniiaclit liat. Dage<j;'eii i^elit aus der subscriptio nicht hervor, dass .Joachim auch den Codex geschrieben habe, wie die Notiz im CataL codd. mss. bibl Reg. Par. (Paris 1740 in Fol.) p. 184 besagt: ,1s codex manu Joaehimi Hieromonachi decimo quarto, ut videtur, saeculo exaratus est', wennschon den Schriftzeichen nach, trotz der schwärzeren Tinte, die Möglichkeit zugegeben werden kann. Welchem Michaels- Kloster in Konstantinopel (denn an eine andere Stadt ist kaum zu denken) der Codex von Joachim geschenkt worden ist, lässt sich nicht nachweisen, da dieser eine nähere Bezeichnung seines Klosters für überflüssig gehalten hat'-^j.

Der spätere Besitzer nennt sich in der zweiten subscriptio ,0 [liyaa ()f'/rcoQ\ Wahrscheinlich glaubte er durch diesen Titel hinreichend genau bezeichnet zu sein, um von Nennung seines eigentlichen Namens absehen zu können. ■')

Bei der Besprechung des Cod. Par. S. Gr. 6 IG werde ich zu erweisen suchen, dass unter dem ^ityag q/'/tojq' Manuel von

1) Vgl C. S. Hist. Byz. ed Bonn, zu Codinus Gretseri et Goari Com- ment. p. 283 f. (zu p. 48 a.QyiGXQäx7jyoq) ,nam S. Michael ai'chistrategus a Graecis appellatur . . .' und p. 284 ,Michael d(jyiaxQÜxi^yoq. a niilitibus, a vulgo (hoc enim solo nomine plebeculae notus est) xaSiaQ/Tjg salutatus'. Der Mönch Joachim war also wohl von niederer Herkunft, da er sich hier des volkstümlichen Ausdrucks bediente.

2) Bei Banduri (Imperium Orientale, Paris 1711) sind folgende zwei Michaelsklöster in Konstantinopel erwähnt:

1. tom. I, p. 59 A 105 nepl xov SwaUtviov. ri/r f)t ixovijv xov Soja- &tviov xov uQyiaxQäxijyov exxiaev 6 fiiyaq h'coi'oxavxTvog (Nikephor. Kallisti, VII L. Procop. de Aedif. VIII. Du Gange, Cp. Christ. IV, p. 187).

2. I, p. 24 C 64 n8Ql xrjq vmg. tijv fil vlav txxiaf xal xov cpÖQOv xi/r vTiiQayiuv Otoxöxov xa) TL.t'jQov xai xov c'.yiov Jtofit'jdijr BaoiXfioc 6 MaxidcJv. Dazu II, p. 599 Note ,Huius Ecclesiae novae crebrae mentio occurrit apud Scr. Hist. Byz. sub S. Michaelis et 'AQyiax()ax>iyov appel- latione' u. s. w. Ferner spricht Du Gange, Cp. Christ, tom. IV, p. 187, von ,XXXI S. Michaelis, xov 'AQyiaxQaxt/yov <p()ovxiax>j()ior ittQi nov xb xov TlövTov Gxö/xa eig xönov xiva Kaxaaxtnrjv Xsyöfxtvov* u. s. w. Vgl. p. 187 XXXII .... ,et Nicephorus Gregoras [meminit] lib. V, p. 90 xfig nfQc xov BöanoQOv xov 'AQyioxQaTi'iyov i^iovTjg' . . . Eines von den ge- nannten Klöstern dürfte wohl die Handschrift besessen haben.

'■>) Vgl. C. S. Hist. Byz. ed. Bonn. Codinus Guropalates de ofticiis p. 5 P. 3 C }j xexc((JXTj TTfvxäg. An letzter Stelle wird genannt: ,o l>rjxv)Q slg tgjutjvtvtiv xi\g y^uifdg'. Dazu ]i. 1-14 Gretseri und Goari notae.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 49

Korinth, der Besitzer des Cod. Par. 616 zu verstehen ist, und gelie nun zur Klarstellung des Verwandtschaftsverhältnisses zwischen Cod. Reg. Par. 945 und Cod. Par. S. Gr. 616 über.

Dass beide Handschriften eng verwandt sind, zeigen z. ß. folgende Stellen, an welchen Cod. Reg. mit Par. gegen Yat. 386 und dessen Handschriftenfamilie übereinstimmt:

1., Buch IV, Cap. 35 (= Lom. II, p. 53 Z. 4 f.:) :7:() vg

[itv Par. jiQ (äc fihv Reg.

2., Buch VI, Cap. 8 (= Lom. II, p. 314 Z. 4f.:) tjcl z?/

. . Tov veaviöxov Par. und Reg. 3., Buch VI, Cap. 23 (= Lom. II, p. 340 Z. 15 f.:) ajco jtsQOwv rj XaßovTsg Par. (I. m.) und Reg.

i V

4., Buch VI, Cap. 4 (= Lom. II, p. 305 Z. 2:) adoTfg Par.

uöorec Reg. Besonders aufiallig ist: 5., Buch V. Cap. 32 (= Lom. II, p. 221 Z. 19 f.:), wo Reg.

genau wie Par. \) liest: 017 vjroxti rm y.tloco für: or/

vxoxsiooi/sd-a TW yJZoco. Hieraus ist zu folgern, dass Reg. und Par. entweder dieselbe Vorlage gehabt haben, oder dass der eine Codex von dem andern abgeschrieben ist. Die bei der Untersuchung der Handschrifteu- familie des Vat. 386 gewonnenen Resultate lassen die letztere Annahme von vornherein als wahrscheinlicher erscheinen. Durch eine genauere Prüfung lässt sich dieselbe aber sicher beweisen. Denn während der Schreiber von Reg. an sehr vielen Stellen ein Wort oder mehrere ausgelassen hat, welche sich jedesmal im Par. vorfinden, bietet Reg., abgesehen von etwa 18 Stellen, wo ein im Par. fehlender Artikel, eine Conjunktion, Praeposition u. dgl. im Reg. vorhanden ist, au keiner einzigen Stelle mehr, als Par. Im Gegenteil finden sich die Lücken des Par., nur meistens etwas grösser, im Regius wieder -), dazu auch alle Mar- ginalien des Par. von I. Hand.

1) Im Par. GIG bildet vnoy.ei das letzte Wort einer Seite. Der Schreiber vergass beim Umwenden, dass er das Wort noch nicht fertig geschrieben hatte.

2) Z. B. Buch IV, Cap. 35 = Lom. II, p. 53, Z. 4; Buch VI, Cap. S = Lom. II, p. 314, Z. 4; Buch VI, Cap. 23 = Lom. II, p. .340, Z. 15 f.; Buch VIII, Cap. 2 = Lom. III, p. 11.3, Z. 4 f.

Texte und Untersuchungen VI, 1. 4.

f,(» Erstes Capitcl.

Wer also die Abstammung des Reg. von Par. leugnen wollte, müsste erst die Möglielikeit einer, im Verhältnis zu dem grossen Umfang des Weriies geradezu unglaublichen Genauigkeit des Schreibers des Par. erweisen. Par. würde ja dem unbekannten gemeinsamen Archetypus fast genau so gleichen, Avie z. B. der Text von Lommatzsch dem von Dolarue.

Ferner würden wir bei der Hypothese einer gemeinsamen Vorlage genötigt sein anzunehmen, dass der Schreiber des Par. dieselbe nicht nur getreulich Wort für Wort abgeschrieben, sondern auch so sklavisch nachgeahmt habe, dass jede Zeile und jede Seite der Vorlage und der Abschrift sich hinsichtlich des Umfauges genau deckten. Denn wie kiamte man anders den Umstand erklären, dass Buch VI, Cap. 3(i (^ Lom. II, p. 366 Z. 21 f.) Cod. Regius die Worte: vvv o.i'ccöraoiv im Text aus- gelassen (und später am Rand nachgetragen) hat, welche im Par. genau eine Zeile, mit demselben Anfang und Ende bilden? Im Gegenteil dient uns gerade dies Versehen des Schreibers des Reg. zum sichersten Beweis für die Abstammung des Reg. vom Par. In ähnlicher Weise ist auch Buch IV, Cap. 13 (= Lom. 11, p. 17 Z. 15) der Schreiber des Regius fast genau um eine Zeile seiner Vorlage eben des Par. abgeirrt.

Man könnte einwenden, dass im Regius gelegentlich Vari- anten erscheinen, welche der Par. nicht kennt. Dies ist an un- gefähr 11 Stellen der Fall, z. B. Buch 111, Cap. 33 (= Lom. I,

p. 292 Z. 10; hat Reg. rv/j/, Par. dagegen nur: fio'iQa. Indessen wird dieser Einwand durch die Beobachtung beseitigt, dass .sich jedesmal die mit jq versehene übergeschriebene Variante des Reg. im Par. als alleinige Lesart vorfindet. Diese Thatsache lässt keine andere Deutung zu, als dass der Schreiber des Reg, bei seiner auch sonst nachweisbaren Flüchtigkeit ein falsches oder ähnliches Wort geschrieben hatte und durch die übergeschriebene Lesart der Vorlage verbessern wollte. Sonst hat er einfsich das Falsche ausgestrichen imd das Richtige dar übergesetzt, z. B. Buch IV, Cap. 99 (= Lom, II, p. 163 Z. 12) iitXsi yaQ \yi\> durchstrichen, darüber: df], wo Par. fJtXei öh liest. An jenen 11 Stellen dagegen wollte vielleicht der Schreiber seine eigene Vermutung, da sie ihm gut gefiel, nicht wieder tilgen.

Dass er überhaupt Gefallen an eigenen Conjektnren ge-

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 51

fanden hat, beweist schlagend die Stelle in Buch III, Cap. 41 (= Lom. I, p. 305 Z. 14 f.), wo Reg. das diKfioxofiit'tjg des Par. mit dem Vermerk: yeyQaßfiEvoi' 7]v am ßand, im Texle aber seine Verbessenmg dfHpioßt/xofiti'fjg hat. Ahnlich begegnet uns Buch V, Cap. 38 (= Lom. II, p. 240 Z. 3) zu dem x/jXoi\utvcor des Textes (so Par. u. Reg.) am Rand des Reg. von I. Hand:

&eXoviitvo}v und darunter: x/jXovfisrov: offenbare Conjekturen des Schreibers.

Es erübrigt noch, diejenigen Stellen zu betrachten, an denen Reg. von Par. abweicht '). Dieselben lassen sich in folgende Gruppen zerlegen:

I, 1., Buch II, Cap. 30 (= Lom. I, p. 183 Z. 20) eUoi fihv R.

HJtOlflSV P.

2., Buch IV, Cap. 12 (= Lom. II, p. 14 Z. 18) jtsQioöovg

R. JCSQIOÖOI P.

3.. Buch IV, Cap. 16 (= Lom. II, p. 21 Z. 5) ysvo^ävov

R. yirofievov P. 4., Buch IV, Cap. 24 (= Lom. II, p. 32 Z. 25) yäg R. av P. 5., Buch IV, Cap. 66 (= Lom. II, p. 101 Z. 13) 'ixoftsv R.

r/cov ^uhr P. 6, Buch V, Cap. 60 (= Lom. II, p. 281 Z. 20) dojta^o-

iitvoig R. döjraoa[iivoLg P. IL. 1.. Buch IV, Cap. 18 (= Lom. II, p. 22 Z 17) Xtls^/iikvmv

R. Xtyoiitvcov P. 2., Buch IV, Cap. 26 (= Lora. II, p. 35 Z. 17) xivövvcor

R. xivövvov P. 3., Buch V, Cap. 19 (= Lom. II, p. 196 Z. 3 f.) ojöTtsQ xal

Iv R. cog yccQ iv P. [und V.J 4., Buch V, Cap. 24 (= Lom. 11, p. 206 Z. 14) Ivoixy'joaoav

R. tvoLxrjOav P. 5., Buch V, Cap. 25 (= Lom. IL p. 208 Z. IP^ g)t]Ooiisv R.

(pT]Ol P.

6., Buch VI, Cap. 41 (= Lom. II, p. 372 Z. 27 f) dgipävai R. svQJjxäi'at P.

1) Hier schliesse ich alle diejenigen Stellen aus, wo die Abweichung auf einem nachweisbaren Schreibfehler des Schreibers des Reg. beruht^ oder wo derselbe sich die Hinzusetzung des Artikels, einer Präposition u. dgl. gestattet hat.

4*

52 Erstes Capitel.

7., Buch VI, Cap. 81 (= Lom. II. p. 436 Z. 10 f.) jiqohq?/-

xivai R. HQtjxevai P. 8„ Buch VIII, Cap. 65 (= Lom. 111, p. 206 Z. 19) voi/i^ö-

ftEVOV R. V0fll^0f/€V P.

111., 1., Buch I, Cap. 13 (= Lom. I, p. 37 Z. 16) Uhjoi U. l&VEGl P. 2., Buch V, Cap. 12 (= Lom. II, p. 185 Z. 23) t\uv7]Ttov

R. oxejtTtov [sie] P. 3., Buch VII, Cap. 10 (= Lom. III, p. 15 Z. 25 f.) rovg

jtQog:tjrag R. tovg rmv 3tQO(p7]Twv roiovTOvg 1

Zoyovg P. 4., Buch VII, Cap. 13 (= Lom. III, p. 19 Z. 16) axoXov-

Mag R. dX)/&-SLag P. 5., Buch VIII, Cap. 53 (= Lom. Hl, p. 187 Z. 21) tm

XQtOTiaviöfiü) R. reo XQKjziavojv Xoyco P. Von diesen 19 Stellen sind zunächst diejenigen zu übergehen, welche durch Flüchtigkeit des Abschreibers verschuldet sind, d. h. Gruppe I. Die Gruppe II dagegen umfasst Änderungen und Ver- besserungen der Vorlage durch den Abschreiber und ist wie die oben besprochene Stelle im Buch III, Cap. 41 (= Lom, I, p. 305 Z. 14) zu beurteilen. Die 111. Gruppe endlich enthält die er- heblicheren Abweichungen zwischen Reg. und Par. Indessen ist einmal ihre Zahl im Vergleich mit dem grossen Umfang der 8 Bücher gegen Celsus verschwindend klein, und dann lassen sich wenigstens No. 1 und 3 5 ebenfalls entweder als Flüchtig- keitsfehler oder als Conjekturen des Schreibers des Regius an- sehen. Scliwierigkeiten bereitet allein No. 2. Während hier der Schreiber des Cod. Bas. aus der Lesart des Par. ö£ oxsjcrtoi' ge- macht hat, liest Regius vuvrjxiov. Werden wir nun durch diese eine Stelle zur Annahme eines gemeinsamen Archetypus für Reg. und Par. genötigt? Keineswegs. Eine Stelle kann einer grossen Zahl von solchen gegenüber, welche für Abhängigkeit des Reg. von Par. sprechen, nicht ins Gewicht fallen, um so weniger als wir uns die Entstehung der Lesart des Reg. folgendermassen denken können: der Abschreiber verstand das übergeschriebene Ofc nicht und setzte deshalb für die vermeintliche Corruptel eine Conjektur ein, welche sich aus dem vorhergehenden jcqoöxvvt}- rtov leicht genug ergab.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 53

So ist denn auch dieser, von Delarue so viel citierte Codex aus dem kritischen Apparat zu entfernen und dafür der Arche- typus des Reg. und ßas. einzusetzen, nämlich:

16., Codex Parisiiius, Supplement Grrec, Xo. 616 a. 1339, ^) membran., in 4*^ maior. (290 mm. x 215 mm., während der Schriftraum 195 mm. x 125 mm. beträgt). Die Handschrift enthält auf 3ö7 Blättern 1., von Fol. 2 a bis 18 ^ den jtQoOfpco- vijTixoQ des Gregorios Thaum. Überschrift [rot]: rov iv äyloiq jTQc 7jfi(öv YQoyoQiov [sic] rov d^avi^iarovQyov- tjcioxojtov vw- xaioagdac' dq coQiylvrß' :KQO(jff^oyvi]xiy.bz ov Eijctv u. s. w. bis: ejcl rrjv jcargiÖa: Anfang: ['AjocpaZtg r'i jcQäyfia ?) Oiojjirj u. s. w. Ende : . . . y.cd tovto ys f/aP.iOxa jiai'TCOv, liövov i^fiäg jcaQCCfzv&Jjöercu: . Fol. 19 ist leer. 2., Fol. 20 a bis 344 b ent- halten die 8 Bücher des Origenes gegen Celsus-). Überschrift [rot]: -; JtQog rov s-riysyQaf/favop xiXoov aX7jO-r/ Xoyov coql- yivovq röfioq jTQmroq: Anfang: (O] fihv G7jq xal xo ij^cäv to yb u. s. w. Ende: . . . ^laQrvQYjcoutr: 3., Auf Fol. 345a bis 367b steht die Cohortatio ad martyrium. Überschrift [rot]: ooQiytvovq dg fiaQrtQior TCQorQejtrtxog: Anfang: . . djtoysya/.axriOfitvoL ('ijio ya.lax.rog u. s. w. Ende [spitzzulaufend]: . . . ;rtl(J«i^ avlvi]v (fvotv Xoycoi' xal Go<jpiag Ov: --

Die Handschrift in rotem Ledereinband mit Goldpressdruck ist sehr gut erhalten und von einem Schreiber auf bald feineres bald stärkeres Pergament mit grosser Sorgfalt geschrieben. Die Überschriften sind rot, am Anfang des U. Buches findet sich ein künstlerisch ausgeführter Initial, sonst ist jedesmal Platz für den- selben gelassen. Jede Seite enthält 27 gezogene Linien und ebensoviel Zeilen, eine Seite entspricht 37 Zeilen der Ausgabe von Lom. Von I. und H. Hand finden sich nijr wenig Randnotizen, und nur selten Correctm-en und Rasuren. Quaternionenzahlen sind für Fol. 1—19 und Fol. 20—367 besonders mit roter Tinte an- gegeben. Die Schrift, jüngere Minuskel, ist nur wenig nach rechts geneigt, das Iota subscr. fehlt meistens, die Accente sind rund und mit dem Spiritus nicht verbunden, Ligaturen und Ab- kürzungen sind meist nur am Ende der Zeilen angewendet.

1) Die erste Kunde von dieser Hs. verdanke ich Herrn Dr. Gunder- mann. Bei Gardthausen, Gr. Pal. S. 354 Z. 16 v. o. ist der Inhalt des Codex unvollständig angegeben, auch ist ,a. 1339' zu schreiben (s. u. |.

2) Dieselben habe ich lS85/188(j hier vollständig verglichen.

54 Erstes Capitel.

Auf Fol. 3137 l' steht unter den letzten Worten de.s ji^or^nji- Tixog von I. Hand folgende subscriptio: ! IreXtLcäd-ri (irivl dtxe-

IftßQico] ia . N II. etovg ^^cofit]. x^'^Q'- i ^-ovxä fiovaxov xov a9^?Jov yMl IXmvov: OQiOfioj xov \ Ursprünglich haben dann noch zwei Zeilen hier gestanden, welche jetzt völlig ausgekratzt sind. Nach der Unterschrift ist also der Codex am 11. Dezember des Jahres 1339 n. Chr. in der 8. Indiction von dem Schreiber, einem Mönch Lucas, über den nichts weiter bekannt ist'), vollendet worden. Ferner findet sich auf Fol. 1 a med. mit schwarz-rötlicher Tinte geschrieben folgende Notiz von IL Hand vor:

To jtaQov lygacf/t] y,axa x6 ^^o^p] £xog l'/xot axxr/ \ -) öia XSiQog Xovxä fiovaxov OQiOfico dh xov Avxo \ xgaxogog 'Avöovixov |sic] jtaXaiolöyov xov vtov xvgiog ö'ijitixa xovxo [.sie] ytyovvjg Mavovi)X o (n'jxojQ \ xijg f/fyäXr/g Ixxhjoiag djtrjXsaps xovvofia xov I AvÖQovixov:

Hieraus lernen wir nicht nur den Zerstörer der beiden letzten Zeilen der subscriptio Fol. 367 b , sondern auch den spätem Be- sitzer der Handschrift kennen. Wer ist aber dieser ,Mavovf/X 6 Qi'ixwQ xKjg (ityä/Jig ixxXtjoiag^? Auf Fol. 237 a steht (zu Lom. n, p. 344''— 34(ii-' = B. VL C. 25— 2ü) folgende ßandnote:

fiai'ovTjX xov QtjXOQog: (f8v ooi xccXmv ojQ'iysvsg xaxcög, vjtsio- äyovxi xo xadagxliQLOV üivq' Ivxtv^tv yao C)0l, xdi o. dg ov vöxtQOV xaxtxQ7]fiviodrig coQvyßrj ßö&-Qog. ovx eoxi yag oX.co^ jiQoyaxTjQiov [sicj tivq ovx toxi, xov xv f/ficöv Gatpojc sv svayyt- Xioig ajtotpaivofitvov xal ajttXevoovxai ovxoi dg xöX.aniv

1) Vgl. Gardthauseu, Gr. Pal. S. 82!J.

2) Diese Zahl würde = 1328 n. Chr. sein und dem 1. Regierungsjahro des Andronikos III. entsprechen, während die richtige, von Lukas ange- gebene Zahl looli mit dem vorletzten Jahre des Andronikos zusammenfällt. Entweder hat Manuel eine Verbesserung anbringen wollen, indem er einen Irrtum des Schreibers Lukas annahm, oder er hat sich was im Hinblick auf die oben i. T. bezeichneten Schreibfehler wahrscheinlicher ist bei der Umsetzung der Zahl in die der christl. Ära geirrt , er hat vielleicht schreiben wollen: atn>i = 1348; x und /n konnten ja leicht verwechselt werden. Natürlich ist sein Jahr n. Chr. 1348 nach byzant. Rechnung be- stimmt ((3848—5500), und entspricht unserem Jahre n. Chr. 1339/40 (üS48 —5509). Letzteres ist die mir privatim mitgeteilte Ansicht von Herrn Prof. Geizer hier. So würde es mit dieser Zahl eine ähnliche Bewandtnis haben, wie mit derjenigen des Cod. Vat. Gr. 341 , vgl. (iardthausen, Gr. Pal. S. 3.88 f.

alvjviüv Ol dt Öiy.aioi tu ^coijr auöriov: y.ai lu] fwi avxtjitrty- x?jg cog zovTO ölä (fößov )jt.iöjv xcö si^j^/xai. ß/.aö(ff/fi/ioeig yaQ xal tri' aV. avroa/./j&tia cov o xg ?/ficöv, tf/v cJj'/d-tiai' tiQ/'/xtv:

Diese Worte hat offenbar Manuel, der Besitzer der Hand- schrift, mit eigener Hand geschrieben. Sind aber wohl nur die Worte des Origenes der sich dort recht vorsichtig über das Fegefeuer ausdrückt die Veranlassung für Manuel gewesen, seiner Entrüstung einen so deutlichen Ausdruck zu verleihen? Gewiss nicht; vielmehr deutet die Note auf eine Zeit, in der über die Lehre von dem Fegefeuer lebhaft verhandelt wurde. Wir werden nicht irren, wenn wir an das Florentiner Concil a. 1439 denken, auf welchem bekanntlich die griech.-kathol. Kirche an der Verneinung dieses Dogmas festhielt. In den damaligen Strei- tigkeiten begegnet uns auch der Name Manuels, als eines Geg- ners des vermittelnden und den Lateinern zugeneigten Cardinais Bessarion '). Unsere Vermutung würde noch wahrscheinlicher werden, wenn wir den Besitzer des Cod. Par. 610 mit jenem Manuel von Korinth identificieren könnten, Avelcher in einer Gegenschrift ausser andern Dogmen der Lateiner auch das vom Fegefeuer bestritten hat. In den von Richard Foerster kritisch herausgegebenen alten Katalogen von Konstantinopel aus saec. XVL-) findet sich nämlich unter No. 13 {rd jiaQÖira ßtßXia alol rov ivöosorärov ccQ'/ovxog xi\>ov f^aiovijl zov tvytrixov) mit xy' bezeichnet eine Reihe von polemischen Briefen des ,g)()ä (fQavxC,tOxov zov JiQtöixaxoQOV xTjg ntyaloütöltojg QOi^rjg jtQog xvij jiavov)]l rov xoQivdiov^ xöv fttyar (}//xo()a xJjg ittyc'chjg IxxXrjOiag xyg avaroXixrjg xojvoxavTLi'ovjio^.tcog' ■^], von denen

1) Vgl. Fabric. Harl. bibl. gr. XI, p. tjüt) f. ,Manuel rhetor magnae ecclesiae . . . contra Gemistum ac ßessarionem' u. s. w.

2) De antiquitatibus et libris mss. Constantinopolitanis comm. (in dem Rostocker (_Tratulationsprogramm zu dem 4O0jähr. Jubiläum der üni- vers. Tübingen, 1877) p. 26.

3) Förtters sehr verdienstliche Publikation des Cod. Palat. Vindob. No. XCVIII, welcher die Konst. Kataloge enthält, macht die altern fehler- haften Abdrücke der Kataloge (latein. durch Härtung 1570, Verderius 1585 und teilweise im Serapeum, Anzeigebl. XVII, p. 105 ff. nach dem Druck

i von Thomas Phillips) entbehrlich. Übrigens vgl. auch Fabric. Harl. bibl. graec. XI, p. WU f., wo Cod. Oliv. Cromwell CXV o f. No. 2U4 (cat. Mss.

56 Erstes Ciipitel.

iler 4. ,^f(H Tov xa{^aQT}jQlov jivqo^, oti jivq y.aihaQr )iqiov tOri TÖ)r ifmymv' handelt. Unter den Gegenschriften des Manuel tritt uns an 4. Stelle entgegen:

,T£TC(QT/j, OTI OVX lOXl XaücCQTfJQlOV JIVQ XÖJV IpU/^OJV, (0^

Ol Xarlvoi (pQorovöi''. Dieser Manuel ist offenbar mit dem unter X (8. ,Tavrc'c doi tu ßißXia tov tprifforärov xal {heootßt- ararov jiajcä xvqov Kcoorai'Tivov tov BaQr/vov xal fieyaXov OaxsXXaQiov TTJg fttyäXtjc exxXrjOiag.' [Poerster a. a. 0. p. IGf.J) er- wähnten identisch, von dem es dort lieisst: .fmvovr/X tov xoQir- {hiov xal fityaXov q/jtoqoc xi/g fisyaX7]g sxxXi^olag xmvOTavTi- vovjcöXsojg ajtoXoylai ÖExaTtOOaQai jTQog Tt/v iv rpXmQiVTLo. 6y- öörjv ovvoöov xal jisqI Tag ccTOjciag Tmv XaTLVcov xetpäXaia Iß- öo/it'jxovTa TtooaQa.

Daraus würde folgen, dass jener Manuel von Korinth zur Zeit des Florentiner Concils gelebt hat und Zeitgenosse des Bes- sarion gewesen ist ^).

Jedenfalls hat der Cod. Par. 616 einem griechischen Rhetor Manuel gehört, welcher sich, nach den von ihm herrührenden Randnoten zu urteilen, ebenso eifrig mit dem Studium der B13. des Origenes gegen Celsus beschäftigt hat, wie sein grosser Gegner Bessarion. Hat er doch ausser dem Cod. Par. 616 auch den Cod. Regius Par. 945 besessen; denn in diesem steht Fol. 232=1' genau zu derselben Stelle, wie die oben angeführte Note des Manuel im Par. 616, nämlich zu Buch VI, Cap. 25—26 = Lom. II, p. 344, Z. 5 bis p. 346. Z. 13 folgende Randbemerkung:

CS/ TTjv £lcaya}yi]v tov jiQoyaxoQLOv [sie] jtvQog:. Die Schriftcharaktere, besonders in dem Wort jiQoyaTOQiov, stimmen so augenfällig mit der Schrift Manuels im Par. 616 überein, dass mit völliger Sicherheit Manuel auch als Verfasser der Note im Reg. bezeichnet werden muss. Hieraus folgt weiter, dass mit der 2. subscriptio des Regius: ,dal öi yQdf/fiaxa tov (iEyäXov

Angliae etc. vol. I) mit folgendem Inhalt erwähnt wird: ,Fratris Francisci conclusiones theologicae et orthodoxae decem, quas per litteras misit ad Manuelem, magnum rhetorem magnae ecclesiae, cum eiusd. Manuelis re- sponso.'

1) Unsere Ansicht müsste fallen, wenn die Angabe von Lambecius richtig wäre, dass der in dem Cod. Caes. Vindob. CXXXVI (130) No. ."3 enthaltene Brief des Rhetors Manuel an den Frater Franciscus a. 1.^2;! geschrieben sei. Vermutlich liegt bei Lambecius ein Irrtum vor.

Die Handschriften der Bücher des Origencs gegen Celsus. 57

QtjrcoQog' niemand anders, als derselbe Rhetor Manuel gemeint sein kann, um so mehr, als auch diese Worte, wie die Schrift- vergleichnug lehrt, von der Hand des Manuel herrühren.

Während nun der Codex Reg. etwa 70 SO Jahre nach dem Tode seines Eigentümers Manuel in das Abendland gelangt ist, hat sich der Codex Par. S. Gr. 616 bis in unser Jahrhundert im Morgenland Ijefunden und ist erst durch den bekannten Hand- schriftensammler Minoides Mynas '), wie der, Fol. 2a von ihm eingeschriebene Name zeigt, erworben und nach Paris gebracht worden. Zugleich mit dem Philokaliencodex No. 615, welcher ebenfalls den Namen des Mynas und verschiedene Randnoten des- selben trägt, ist Cod. Par. S. Gr. 616 in die kaiserliche Bibliothek gekommen, deren Stempel auf Fol. 1^ und 2^^ steht. Was den Wert dieser Handschrift betrifft, so ist klar, dass dieselbe schon des- wegen die sorgfältigste Beachtung verdient, weil sie auf kaiser- lichen Befehl und wohl für die kaiserliche Bibliothek in Kon- stantinopel geschrieben worden ist.

Ferner wird sie dem Alter nach (a. 1339 geschrieben) nur von dem Cod. Vat. 3S6 saec. XIH. med. übertroffen; indessen ist der Altersunterschied nicht sehr erheblich und würde kaum in Betracht kommen, wenn nachgewiesen werden könnte, dass Par. 616 von einem altern Archetypus abstammt, als Vat. 386. Zur Entscheidung der Frage nach der Bedeutung des Par. 616 für die Kritik ist deshalb eine eingehende Unters uchuncr über die Yerwandtschaftsbeziehungeu des Par. 616 zu Vat. 386 un- bedingt notwendig. Haben wir erst das Verwandtschaftsverhältnis dieser beiden aus Konstantinopel stammenden ältesten und wich- tigsten Vertreter der zwei vorhandenen Handschriftenfamilien klargelegt, so ist zugleich die erste Grundlage für die Herstellung des Textes auf Grund der besten Überlieferung gewonnen. Aus

1 1 Vgl. Serapeuni V, 1844, p. 86 ff. Danach befand sich Mynas a. 1841 auf dem Athos. Vgl. femer: Miller, Melanges de litterature grecque. Paris 1868, preface (Journal des Savants, Mars 1868 p. 171) und: Inventaire Sommaire des Manuscrits du Supple'ment Grec de la Bibl. Nationale par H. Omont, Paris 188.3, Index s. n. Übrigens fehlen No. 615 u. 616 in der Reihe der durch Mynas in die kaiserl. Bibl. gebrachten Codd. Wahr- scheinlich sind jene beiden erst aus dem Nachlass des Mynas, also später als die übrigen, der Bibliothek einverleibt worden. Die letzteren litterari- schen Nachweise verdanke ich ebenfalls Herrn Prof. V. Gardthausen.

ab Erstes Ca])itel.

der IVüruiii»- cU-r Lesarten des Vat, 3Sü und des Pur. GJG er- halten wir nun folgende Resultate.

Da6s entweder Par. 61(3 vom Vat. 386 ahge.seli rieben ist, oder dass beide als Apograplia eines Arelietyijus anzusehen sind, dies ergiebt sich aus folgenden gemeinsamen Fehlern bez. Über- einstimmungen:

1. Buch 111. Cap. 3*) (= Loni. 1, p. 302, Z. 15 f.) :xXäoai

ToloL i)aap P. V.

2. Buch IlT, Cap. 61 (= Lom. I, p. 337. Z. 1 u 2) h/OTfa:

[sie. d. h. die Variante 7jq über ag] P. V.

3. Buch y, Cap. 8 (= Lora. Ü, p. 177, Z. 4) evQfjöEu [für

tVQf'iüsig] P. V.

4. Buch \\ Cap. 33 (= Lom. IL p. 223. Z. 14) Ö(K'j (n'r riva

[für oQcö//f:V Tiva] P. V.

5. Buch VI, Cap. 34 (= Lom. II. p. 363. Z. 17 f.; xa&oXov

[für xad-oöo7'\ P. V. (). Buch VI. Cap. 42 (= Lom. II, p. 376, Z. 3) (/lovict [für

Offiovta] P. V. 7. Buch VI, Cap. 42 ( = Lom. II, p. 377, Z. 16) yXäötQeov P. V. S. Buch VI, Cap. 44 (-= Lom. II, p. 382, Z. 7) onoio^q tcog

[für oitOLföotcoQ] P, V. 9. Buch VI, Cap. 49 (= Lom. II, p. 390, Z. 10) f/zy/a [für

exTsivs] P. V.

10. Buch VII, Cap. 32 (= Lom. III. p. 49, Z. 17) xoQior P. V.

11. Buch VII, Cap. 45 (= Lom. III, p. 72, Z. ^5) Lücke:

y.al avxoq P.

y.ul II . . avTog V.

12. Buch VII, Cap. 63 (= Lom. lll, p. 99, Z. S) oQcöfitv ot P. V.

13. Buch VII, Cap. 63 (= Lom. III, p. 100, Z. 11) htivat

[für tv eivai] P. V.

Die Abhängigkeit des Par. 616 von Vat. 386 scheint nun auf den ersten Blick daraus hervorzugehen, dass im ersteren eine grosse Anzahl von Auslassungen vorhanden ist, während der Vat. 386 nur an verhältnismässig sehr wenigen Stellen kleine Textlücken dem Par. gegenüber aufweist.

Eine genauere Untersuchung führt zu folgendem Ergebnis. In allen 8 Büchern finden sich im Par. nach meiner Zählung 583 Auslassunccen vor. Dieselben sind aber zu scheiden in kleinere:

Die Handschiii'ten der Bücher des Origencs gegen Celsus. 59

Auslassung des Artikels, einer Conjunktion, Praepositiou u. dgl., und grössere: Übergehen von ein, zwei und mehr Wörtern oder Zeilen. Zu der ersteren Art gehören die weitaus meisten Stellen. nämlich 486, zu der zweiten nur 97. Hiervon sind wieder nur -lo grössere Auslassungen, von I3 bis 7^2 Zeilen, die übrigen 54 sind kleiner als \:j Zeile. Wie lässt sich nun jene grosse Zahl der kleinsten Lücken (486) erklären? Offenbar aus einer geringeren Sorgfalt des Abschreibers, aber auch daraus, dass im Par. 616 weder die I. noch eine IL Hand den Codex nach seiner Vorlage oder nach einer andern Handschrift durch gehends ver- bessert hat. Giebt es doch im ganzen abgesehen von seltenen Veränderungen im Text nur 2 Nachträge und 5 Varianten von I. Hand im Par.I Kein Wunder, dass die Vergleichung mit Vat. 3S6 hierin zu Ungunsten des Par. 616 ausfallen muss, da jener Codex ausserordentlich viel Correcturen und Xachträge zeigt; Die Zahl der Verbesserungen von solchen kleinen Ver- sehen, deren Par. im ganzen 486 und für Buch I III 191 auf- weist, beträgt im Vat. für diese Bücher ') etwa 84: doch ist da- bei zu bedenken, dass viele Verbesserungen von der I. und IL Hand im Text so geschickt ausgeführt sind, das.s sie dem Auge nicht auffallen. Nehmen wir ferner an, dass der Schreiber des Vat. sorgfältiger copiert hat, als derjenige des Par., so dürfte jene grössere Anzahl von kleinen Auslassungen im Par. nicht be- fremden.

Hinsichtlich der Anzahl der grösseren Lücken ist das Ver- hältnis für Par. viel weniger ungünstig. Denn während Par. in allen 8 Büchern 97 solcher Stellen hat, zählen wir im Vai 67, welche hier aber sämtlich von I. oder II. Hand-) am Rand er- gänzt sind-'). So erklärt es sich also auf das einfachste, dass Vat. mit seinen Abschriften einen fast vollständigen Text den vielen Auslassungen des Par. gegenüber aufweist, und der Haupt- beweis für die Abhängigkeit des Par. vom Vat. ist hinfällig ^).

Ij Nur für Buch I III ist meine CoUation des Vat. 38<i zur Zeit genau genug, um eine solche Vergleichung anstellen zu können.

2) Die weitaus meisten Nachträge rühren von der IL Hand her, von der I. nur 8.

;j) Die Lücken schwanken zwischen 2 3 Worten und l'J Zeilen.

4) Dass Par. von Vat. nicht abgeschrieben sein kann, geht m. E. deutlich aus Buch IV, Cap. 70 (= Lom. II, p. 107, Z. 13 f.) hervor. Hier

G() Erstes Capitel.

Par. Gl (3 würck', wenn die 1. udcr 11. ILuid die durch Flüchtig- keit des Schreibers entstandenen Lücken ausgefüllt hätte, nicht nur einen im grossen ganzen gleichen Text wie Vat. 3S(5 zeigen, sondern diesen Codex an Vollständigkeit sogar überbieten. Denn auch in seiner jetzigen Gestalt hat Par. gelegentlich 1 3 Worte mein-, als Vat. Wenn auch an manchen Stellen der Schreil)er des Par. einen Artikel oder ein öl, y.al, yccQ u. dgl. selbst hinzu- gesetzt haben mag, so ist doch die Zahl dieser Stellen zu gross, als dass wir sie alle auf Mangel an Genauigkeit des Schreibers Lukas zurückführen dürften. Vielmehr liefern uns diese Stellen einen wichtigen Beweis dafür, dass Par. nicht von Vat. abgeschrieben ist. Solcher Stellen, wo Par. mehr im Text hat, als Vat., finden sich im I. Buch vor: 26, im IL Buch 17, im III. Buch 10, im IV. Buch 26, im V. Buch 20, im VL Buch 26, im VII. Buch 31, im VIII. Buch 36, im ganzen demnach lfJ2.

Dazu kommt ferner eine noch Aveit grössere Anzahl von solchen Stellen, wo die Lesart des Par. von derjenigen des Vat., wenn auch oft nur in Kleinigkeiten, abweicht. Auf das I. Buch entfallen 105 solcher Stellen, darunter 10 wichtigere, auf das IL 115, darunter 14 wichtigere, auf das III. 126, darunter 20 wichtigere, auf das IV. 164 (V), darunter 39 (?) wichtigere, auf das V. 112 (?), darunter 37 (?) wichtigere, auf das VI. 164 (?), darunter 38 (?) wichtigere, auf das VII. 136, darunter 55 wich- tigere, auf das VIII. 145. darunter 46 wichtigere; die Gesamt- zahl der Abweichungen beträgt also ca. lOb'7 '), und davon sind 2Ö0 etwas erheblicherer Art, also eine recht stattliche Anzahl.

liat die I. Hand im Vat. die Worte: ir xoii; uTtivy.iolq' /Qtjaificjzüzovq (feoeori^ai des Gleichklangs von taead^ai wegen ausgelassen, und die II. Hand hat die Worte am Rand nachgetragen. In Par. sind dagegen nur die Worte: /Qiiaifj.ctixärovq ä'taead^ai ausgelassen. Wenn der Schreiber des Par. die Worte: iv rolq dnevxxolq vom Rand des Vat. entnommen hätte, so wäre es völlig unverständlich, weshalb er die Worte /q. rf'ttJ., die ja auch am Rand des Vat. stehen, übergangen haben sollte. Die Aus- lassung in Pai-. und A'at. ist vielmehr nur so zu erklären, dass die Les- art der gemeinsamen Vorlage an dieser Stelle Gelegenheit zum Abirren bot. 1) Die Zahl ist natürlich nicht absolut sicher, da vorläufig meine Collation des Vat. 38ß nur zu annähernden Bestimmungen solcher Zahlen- verhältnisse ausreicht. Deshalb auch die Fragezeichen hinter einzelnen Zahlen.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. (31

Ich greife aus dieser Zahl die bemerkenswertesteu Stellen als Beispiele heraus.

1. Buch II, Cap. 4 (= Loin. I, p. 141, Z. 7) Iv t/Oa'ia r(Z

jtQog)}/Tr] V. tv roZq XQO(pi]Taiq P.

2. Buch II, Cap. 49 (= Lom. I, p. 205, Z. 14) ajcoßc'aXHV

dv&QODJtcov V. djt^ dvd-QOJjtcov ExßdXXeir P.

3. Buch III, Cap. 29 (= Lom. I, p. 288, Z. 15 f.) tjcfOvQs-

(plaq V. sjtiOrQog)t]g P.

4. Buch III, Cap. 46 (= Lom. I, p. 314, Z. 17) tJti6ixaCof/t-

vovg Y. ejiid^vfiovvxag P.

5. Buch III, Cap. 50 (= Lom. I, p. 321, Z. 15) xd dvayvma-

fiaza V. avrd P.

6. Buch m, Cap. 63 (= Lom. I, p. 339, Z. 4) öiyM^st V.

xoXäC,H P.

7. Buch III, Cap. 68 (= Lom. I, p. 344, Z. 24) dXXo ?} nUov V.

dllo üilr^v P.

8. Buch IV, Cap. 26 (= Lom. II, p. 36, Z. 5) olxovfisvov V.

oixovoiiovuevov P.

9. Buch IV, Cap. 47 (= Lom. II, p. 75, Z. 5) x£?.tvo9^hv V.

sxeXsvod-t] P.

10. Buch IV, Cap. 84 (= Lom II, p. 131, Z. 1.")) xoOft//oar-

Tog V. xrioavTog P.

11. Buch IV, Cap. 93 (= Lom. II, p. 151, Z. 16) djiäT7p' V.

dücdvrrjOLV P.

12. Buch IV, Cap. 98 (= Lom. II, p. 160, Z. 2) iutrsQov V.

7JU8QOV P.

13. Buch V. Cap. 7 (= Lom. II, p. 175. Z. 8) oXov V. ijXiov P.

14. Buch V, Cap. 20 (= Lom. II, p. 199, Z. 9 f.) ro jcQcr/-

//« ys V. reo jcgayfiati ye P.

15. Buch V, Cap. 24 (= Lom. II, p. 206, Z. 6) fpvoecog V.

y.Qiüscog P.

16. Buch V, Cap. 28 (= Lom. II, p. 214, Z. 10) dzojtcov V.

dvd^Qcöjicov P.

17. Buch V, Cap. 41 (= Lom. II, p. 242, Z. 16) oQaouov V.

OQtCOV P.

18. Buch V, Cap. 63 (= Lom. II, p. 291, Z. 2) ^laQcoriQor V.

ßaQVTBQOV P.

19. Buch VI, Cap. 12 (= Lom. II, p. 321. Z. 18) tiöojXcor V.

lX?jjrcov P.

(^2 Erstes Capitel.

20. Buch VI, Oap. 2S (^ Loni. 11, p. 351, Z. 8) axtfjftoavvtj? V.

tcdcxifwovrtjg P.

21. Buch VI, Cap. 67 (= Loni. II, p. 414. Z. D) xcd jrh/xTi-

xov V. /} aXrjd-ec, P.

22. Buch VI, Cap. 70 (= Lom. 11, p. 419, Z. 1) (og ö'lar V.

ojq OVO tav r.

23. Buch VI, Cap. 77 (= Lom. II, p. 431, Z. 5) ol tT/q V.

vlol T/jg P.

24. Buch VI, Cup. 78 (=Lom. II, p. 432, Z. '^)i:JiixXi/()(')OavTay.

[{■jci iu ras.| xXriQooavza P.

25. Buch VII. Cap. 9 (= Loin. 111, p. 14, Z. 11) -/roj[ta V.

yvcÖQLOfia P.

26. Buch VII, Cap. 11 (= Lora. III, p. 17, Z. 1) djcoXwr/ V.

ajroöo}7] P.

27. Buch VII, Cap. 16 (= Lom. III, p. 26, Z. 21) IcpaGxofiti^ V.

kXtyo[isv P.

28. Buch VII, Cap. 40 (= Lom. III, p. 62, Z. 8 f.) ßXaocpy-

fiovrzkg V. ßX^aOcpr/ffslze P.

29. Buch VII, Cap. 52 (= Lom. IIT, p. 82, Z. 12) d ?) rl

zolg V. a oiog zs zolg P.

30. Buch VII, Cap. 60 (= Lom. 111. p. 95, Z. 9) fih' wc V.

f/tVWV P.

31. Buch VII, Cap. 64 (= Lom. 111, p. 101, Z. 9 f.) cpoß/pr/jö?/ V.

JtQOOXVV7]6£ig P.

32. Buch VII, Cap. 65 (= Lom. 111, p. 102, Z. 17) xal //// in}r

xal öslv V. ov (iTjv P.

33. Buch VIII, Cap. 38 (= Lom. III, p. 163, Z. 9 f.) öyS . .

ßXaogj^fim |sic] V. dr/ jtozi xivog ßXaü(ff/^i()j P.

34. Buch VIII, Cap. 40 (= Lom. 111, p. 165, Z. 4) 08. aXtovoi

[sie] V. d-eon' dXtovoi P.

35. Buch VIII, Cap. 45 (= Lom. III, p. 173, Z. 22) Ditto-

graphie V. nicht in P.

36. Buch VlIT, Cap. 49 (= Lora. III, p. 179, Z. 19) Z7J özicgh

ovn'voöovvzeg V. zag ozdöeig voöovvztg P.

37. Buch VIII, Cap. 63 (= Lom. III, p. 203, Z. 5) sxQtjö'slzovzo

ojg zo dvtti dX.tjdhg V. lyQtjV d\i rovro ipf aXrjdig P.

38. Buch VIII, Cap. 64 (= Loni. III. p. 204, Z. 14) '(Xf.o} f:vx-

zaior V. /'7.to3 (ytir ivxztov P.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsns. 63

39. Buch VIII, Cap. 68 (= Lom. Ill, p. 212, Z. 12) ßovl^G-

&ai V. jtQ(XTTOi'Ttg P.

40. Buch VIII. Cap. 74 (= Lom. lU, p. 223, Z. 8) dg rov

Jtohaia dsor V. dq rov xvn^ ölcav &s6v P. Wenn nun auch von den angeführten Varianten nicht wenige auf den ersten Blick als Fehler des Schreibers des Par. 616 er- kannt werden, so ist doch bei einer solchen Fülle von bedeuten- deren Abweichungen zwischen Par. und Vat. die Vermutung, dass Par. ein Apographon des Vat. sei, völlig unhaltbar, und es bleibt andererseits zur Erklärung der oben angeführten auffälligen Übereinstimmungen zwischen Par. und Vat. nur die Annahme eines gemeinsamen Archetypus für diese beiden Handschriften übriff.

Auf diese unbekannte und wie man wohl mit Sicherheit aussprechen darf nicht mehr vorhandene Handschrift, welche wir mit A bezeichnen wollen, geht nun die gesamte Überliefe- rung der 8 Bücher des Origenes gegen Celsus zurück. Dem- nach muss als Grundlage für eine neue Ausgabe der S Bücher gegen Celsus dieser, aus Vat. 386 und Par. S. Gr. 616 herzu- stellende Archetypus A gelten. Freilich ist derselbe ebensowenig als seine beiden Abschriften fehlerfrei gewesen, denn er hat die gemeinsamen Fehler von Vat. und Par., welche ich oben auf- gezählt habe, bereits enthalten. Am Rand und im Text von A haben Varianten gestanden, welche Vat. meist als Varianten (mit dem Vermerk yg -xal) wiedergegeben, Par. aber mit wenigen Ausnahmen in seinen Text aufgenommen hat ^). Xur selten bieten beide Apographa an derselben Stelle die Vai'iante ihres

Archetypus, z. B. Buch V, Cap. ol (= Lom. II, p. 276, Z. 13)

, ° ■->■

hyoVT n n ;,r„vt

slöoreq V. idovreg P. Hier stand wahrscheinlich in A: eiöozeg, Par. giebt die Lesart richtig wieder, während der Schreiber des Vat. V [= £c] als o [= og] gelesen hat. Ahnlich Buch IV, Cap. 38 (= Lom. II, p. 58, Z. 13) zu Ix d'htXeOüs im Text:

YQ y.al kxösytXaos V. /(> Ixö'aytXaos P.

1) Dabei ist oft das ;iul (= auch) unrichtig vom Rand in den Text herübergenouimen worden.

64 Erstes Capitel.

Ferner befanden sich in A diejeuig(Mi Marginalien, welche sowohl in Yat. als in Par. vorhanden sind, uämlicli:

1. Buch 1, Cap. 8 (= Lom. I, p. 27, Z. 11) ori dro oi •/.{!-

ooi: V. P. [P. om. oi\.

2. Ihich I, Cap. 55 (= Lora. 1, p. 102, Z. 1 ff.) fivr^oc lovdaixog-

y.al t§ijq r/ avazQOJc?) avTOv: V. P. [in P. verwischt].

3. Buch III, Cap. (= Lom. I, p. 281, Z. 12) yQoöörov: V. P.

4. Buch III, Cap. 75 {= Lom. I, p. 354, Z. 1 3) Cf/ xara

rtjq (ieT£vOo}fiaTojö8a>g V. P. [P. om. T?]g].

5. Buch IV, Cap. 38 (= Lom. II, p. 58, Z. 6 ff.) yoioöov V. P.

6. Buch IV, Cap. 39 (= Lom. II, p. 61, Z. 8) jtXarojvog V. P.

7. Buch IV, Cap. 83 (= Lom. II, p. 130, Z. 11 f.) das oben

Seite 45 besprochene Scholion Ct] öri ÖLaßäXXsrai u. s. w. V. P.

8. Buch VI, Cap. 30 (= Lom. II, p. 355, Z. 1 ff.) Cfj giva

ay/eXcov 6voy.aTa V. P,

9. Buch VIII, Cap. 37 (= Lom. III, p. 162, Z. 14) m V. P. Der Codex A war im ganzen gut erhalten, als der Vat. 386

abgeschrieljen wurde, denn hier begegnet uns nur eine Lücke, die auf eine Beschädigung (Rasur, Fleck, Loch o. dgl.) in A hindeutet, nämlich Buch VII, Cap. 45 (= Lom. Ill, p. 72, Z. 15), wo Vat. liest:

y,dL [i . . avTOQ. Der Schreiber des Par. lässt hier auch das ^ weg. In der Zeit zwischen saec. XIII. med. und a. 1339 scheint A noch mehr be- ,schädigt worden zu sein, denn an drei Stellen:

1 . Buch V, Cap. 24 (= Lom. D. p. 206, Z. 7; -Aal .... t/n^z/c P.

Tcal aXXo x'i ipvx^jg V.

2. Buch VI, Cap. 8 (= Lora. II, p. 314, Z. 4 f.) tjil t/7 ... .

.... Tov P. sjil ri] ovOraosi rov V.

3. Buch VI, Cap. 23 (= Lom. II, p. 340, Z. 15 f.) jcsQOcZr

Tj XaßovTsg P. jceqocöv /; 'AaßdQmv Xaßövteg V.

deutet der Schreiber des Par. eine Lücke an, wo derjenige des Vat. den vollständigen und richtigen Text bietet ^). Wahrscheiu-

1) Diese 3 Stellen beweisen übrigens ebenfalls die Unabhängigkeit des Par. von Vat. Denn aus welchem Grunde hätte der Schreiber des Par. hier Lücken andeuten sollen, wo der Text des Vat. an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt?

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 55

lieh waren im Laufe der Zeit (wenu meine Vermutung, dass Codex A ein Bombyciuus gewesen, richtig ist) in A ähnliche Löcher entstanden, wie Anfang des XV. saec, im Vat. 386 (s. oben Seite 31) Vielleicht darf man auch annehmen, dass solche und ähnliche Mängel von A den Kaiser Audronikos mit be- stinmit haben, zum Ersatz jener beschädigten Handschrift eine neue und dauerhaftere auf Pergament für die kaiserliche Biblio- thek anfertigen zu lassen.

Zur Beurteilung des Schriftcharakters von A lässt sich aus der Vergleichung von Par. und Vat. nicht viel sicheres Ma- terial gewinnen. Nur dies ergiebt sich aus Stellen, wie:

1) Buch I, Cap. 30 (= Lom. I, p. 62, Z. 18) JtMor jiccTtp^ V.

I. m. [für jtXslov ctfia rrjv, was P. hat].

2) Buch V, Cap. 33 (= Lom II, p. 223, Z. 14) oQcofitv riva

[für OQmfisr riva] V. P.

3) Buch VI, Cap. 44 (= Lom. IL p. 382, Z. 7) ofioimg tcog

[für oiiouocsoyg] V. P.

4) Buch VIL Cap. 63 (= Lom. III, p. 100, Z. 11) hsivca [für

tv Sii'ai] V. P.

5) Buch VIII, Cap. 2 (= Lom. III, p. 113, Z. 4 f.) rcöi' spti

rmv Tov V. P., dass einerseits in A die Accente gelegeutHch gefehlt haben (No. 5) und von den Abschreibern ergänzt werden mussteu (No. 1), und dass andererseits Accentfehler, wie die unter No. 2. 3. 4. auf- gezählten, bereits in A vorhanden waren. Mögen die falschen Accente erst von dem Schreiber des A gesetzt, oder bereits aus dessen Vorlage übernommen worden sein: jedenfalls ist A oder sein Archetypus jener Übergangszeit zuzuweisen, welcher z. B. der Philokaliencodex Ven. Marc. No. 47 saec. XI. angehört, einer Zeit, in der man nur etwa •^/^ der Accente setzte und Vt überging. Auch ohne diese Erwägung dürften wir, da Vat. 386 dem XIII. saec. angehört, seinen Archetypus mindestens ein Jahr- hundert früher ansetzen.

Immerhin würden, auch wenn die Voi'lage von A oder A selbst im XL saec. geschrie1)en wäre, noch mehrere Jahrhunderte zwischen dem Original und dem Archetypus aller vorhandenen Codd. des Orig. c. Cels. liegen.

Ist es nun wahrscheinlich, dass sich viele Mittelglieder

Texte und Untersuchungen VI, 1. 5

(50 Erstes Capitel.

zwischen A und dem Original, hoz. der Kecension des Ensebios ^) befunden haben? Gewiss nicht. Hier kommt als wichtiges Moment die Verketzernng des Origeues durch Justinian a. 543 in Betracht. Da durch die Massregel in erster Linie natürlich die Schriften des Origenes betroffen wurden, so dürfen wir uns nicht wundern, dass nur geringe Reste der .6000 ßißUa^-) ge- rettet sind; andererseits können wir aber behaupten, dass gerade deswegen, weil die Vervielfältigung der ketzerischen Schriften auf lange hinaus gehemmt wai-, das Gerettete auf verhältnis- mässig alte Codices zurückgeht und deshalb in recht guter und einheitlicher Textesgestalt überliefert ist.

DieYortreft'lichkeitund Ursprünglichkeit der handschriftlichen Überlieferung der BB. des Origenes gegen Celsus bezeugt ferner die wichtige, im Cod. Vat. 386 ^) zwischen Buch I und II stehende Kotiz [rot]: j-iEXBßh'jd-r] y.al ai'xtßXrid-jj ig clmyQäcpcor t(~jv avrov coQiyivovQ ßLßUojv: - Diese Worte beweisen, dass A in letzter Linie auf eine Handschrift zurückgeht, welche aus einem Exem- plar der Originalausgabe des Origenes selbst (die wir 0 nennen wollen) abgeschrieben {fisrsßh'jdrj) und mit demselben verglichen war (avT8ßXi/-ß-i]). Wir dürften wohl nicht fehlgehen, wenn wir in dieser ürhaildschrift X ein Exemplar der Recension des Eusebios erkennen, welcher bekanntlich mit Pamphilos die Schriften des Origenes kritisch bearbeitet und neu herausgegeben hat^). Später wurde der Name des Eusebios in der subscriptio

1) Bei der Bearbeitung des Textes von Orig. c. Cels. darf man eben- sowenig wie bei den andern AVerken des Origenes hoften, bis zu der Originalausgabe vermutungsweise vordringen zu können; man muss sich liegnügen. möglichst den Text, wie er durch die kritische Arbeit des pjusebios und Pamphilos festgesetzt worden war, wieder herzustellen. Vgl. unten die Ausführungen über Codex s.

2) welche der Fleiss der Abschreiber sonst leicht bewältigt haben würde; man denke nur an die vielen Abschriften der ebenfalls recht um- fangreichen Werke eines Chrysostomos u. a.

3) Im Par. S. Gr. 016 fehlt das Rubrum, doch ist der Raum dafür freigelassen.

4) Vgl. Notitia edit. cod. bibl. Sinait. etc. ed. Const. Tischendorf, Li]!- siae 1860 in 40 p. 122, wo T. folgende subscriptio unter den Schoben zu den Proverbia Salomonis, in dem von T. dort erwähnten, aber leider nicht beschriebenen Codex Patmius saec. X. befindlich, mitteilt: nfxf'/.tjtp^tjaav Ulf' wr fviiontv i-^an/.öir, xcd nühv aira y_m>l llüiuft/Mq itu) Evat-ßioq

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 67

weggelassen und so der Schein erweckt, als ob die jedesmalige Abschrift, und nicht die Urhandschrift (X), von der Originalaus- gabe des Origenes abstammte.

Unsere Annahme stützt sich auf folgende Erwägungen. Zu- nächst ist aus der auffälHgen Stellung jenes Recensionsvermerks hinter dem I. Buch (und nicht am Anfang oder am Ende des ganzen Werkes) der wichtige Schluss zu ziehen ^), dass A in letzter Linie auf ein , aus acht Rollen {toiiol) '^) bestehendes Papyros-Exemplar zurückgeführt werden muss. Dasselbe ist aber spätestens dem IV. saec. zuzuweisen, weil von da ab das billigere Pergament die teure ^) charta, besonders bei Schriften theologischen Inhalts und grösseren Umfangs, zu ersetzen pflegte ^) und gehörte deshalb, wie wir mit grosser Wahrschein- lichkeit vermuten dürfen, der Recension des Eusebios an.

Dies wird m. E. ferner durch den Umstand bestätigt, dass uns in Vat. und Par. ausser den Überschriften der einzelnen Bücher wenigstens teilweise auch Unterschriften unter denselben vorliegen, welche mit den Überschriften völlig gleich- lauten. Kein Zweifel, dass dieselben schon in K vorhanden ge- wesen sind, und zwar zu allen 8 BB.; denn wie sollten die Ab- schreiber darauf verfallen sein, bei einem und dem andern Buch

öioQd^waavTO. Ygl. auch Gardthausen, Griech. Palaeogr. S. 145. .374, und Birt, das antike Buch-«'-esen S. 100 f. lOß. 109 mit den dort angeführten Belegstellen.

1) nach Birt, das antike Buch-n-esen, p. 124. , Diese Subscriptionen finden sich nun nicht blos am Schluss eines Werkes, sondern pflegen hinter jedem Einzelbuche wiederholt zu wei'den, ein Verfahren, das innerhalb des Codex gar keinen Sinn hatte. Allerdings aber hatte es Sinn bei der Rollenform. Hier war es nötig gewesen, jedes einzelne Buch mit dem Abzeichen der Recension besonders zu versehen, und dieser usus hat sich hernach nur mechanisch auf die Codices übertragen." Dass in unserer hdschr. Überlieferung sich die subscriptio nur hinter dem I. Buch erhalten hat, braucht uns nicht Wunder zu nehmen: die Abschreiber hielten es natürlich nicht für nötig, die einmal gesetzte Notiz noch sieben- mal zu wiederholen. Dass dieselbe aber überhaupt ihren Platz hinter dem I. Buche behauptet hat und nicht an den Schluss des Werkes ge- setzt worden ist, zeugt ebenfalls von der Güte unsei-er hdschr. Cber- liefei-ung.

2) Birt a. a. 0. S. 25 f. 28. ?>) Birt a. a. O. S. 109 A. 2.

4) Birt a. a. 0. S. 100 f. 109. .312 f.

68

Erstes Capitel.

die Überschrift desselben am Schluss willkürlich zu wiederholen, bei den übrigen Büchern aber nicht? Vielmehr haben sich jene gleichlautenden Unterschriften nur durch Zufall bis auf A er- halten, während die jetzt nicht vorhandenen in den zwischen K und A liegenden Codices nach und nach ans Unachtsamkeit über- s^anffen worden sind.

Haben doch auch die Schreiber von Par. und Vat. die Ü ber- und Unterschriften nicht gleichmässig von A übernommen, wie folgende Zusammenstellung zeigt:

B. 1.

B. IL

Vat. 386. ü y.ara yAXoov:

71Q0C, xbv kjiiytYQaiiiiivov xtXoov dXtjd^rj Xoyoi' ojqi- ytvovc, To//og ä: ~ fitT£ßhjd-?j xal avT8ßXii{ht] fc'l avxiyQäcpcov xSv avrov ojQtyti'ovc ßLßllcor: ~

i

jtQog Tor ejiiyeyQafi^utvor xtXdov aXr/f>7j löyuv. toiioc.

B. )

1 JCQog Tov ejriye-yQafffitvov xbXaov ahjd-y loyov rofiog

r.

B. IV.

Ttlog TOV Ö TOflOV.

Par. S. Gr. ß]ß.

+ jtQoq TOV EJiLyEyQafifitvor xD.Gov ahjOfj Xöyov coqi- ytvovg TOffOQ jiqojtoc:

TtXoc TOV ü Touov:

jcQog TOV tJiiysyQafjfttvor xtXoov dXjj&TJ Xoyov coqi- ysvovg TOfiog ß:

TtXMC OVV ihco TOV ß TOflOV.

jcQog TOV txiysyQafifitvop xiXöov äXrjO-fj Xoyov, röfiog T:

[Schlussnotiz fehlt.]

, J

:;cQog tov tJtiyEyQaftfitvov 1

xtXoov dXrjfh// Xoyov., coql- yh'ovg. TOfiog TtxaQTog'.

I Schlussnotiz fehlt.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. ßg

Vat. 386. I Par. Ä Gr. 616.

I xeXoov dX?]&r/ Xoyor, tofzo^

B. V.

e

jiQog Tov tjrr/tyQaiifitPOv Tov xtXöov dXij&ij Xoyov.

TOfiog £:

B. VI.

XüyoQ txToc

Tkh)^ tov ty.TOV TOUOV

B. VII.

B.

VIII.

jcQoc TOV tJityty(tafii{[.voi' TOV xtXoov dXt]{yij Xöyov, r6,Mog tßöofiog:

S

' rü.oq rov C' rof/ov:

jtQog rov IjiLytyQann'cVov xtXoov aXyjd^Tj XMyov\ rö- f/og H ttttt

TtXoc rov H zöuov

jiQog rov ajnytyoaf/ittvov XtXoov dXiji^ri Xöyor.^ coql- yivovg rofiog c

rtXog rov jitiiJirov to- uov.

jiQog rov bjiLyeyQamitvov xD.oov dXtjd-?] Xoyov rooi- yivovg ro^iog exrog:

[Sclilussnotiz fehlt.]

jtQog rov tJiiytyQa^a/itvov rov XtXoov dhii)"?! Xoyov, coQLyivovg rofzog g:

[Schlussnotiz fehlt.]

jTQog rov t.-TiytyQcciffxivov xiXMov dXrii)^?! Xöyov, ojqi- yevovg röiiog oyöoog:

iSehlussnotiz felilt.]

IVlan sieht zunächst, dass die Überschriften im Par. sämt- lich gleichmässig so lauten: jrQog rov sjiiysyQaiiffti'ov xtXoov dXrjd-Tj Xoyov coQiytvovg rofwg d ß' y u, s. w., nur in der Über- schrift des III. Buches ist aus Versehen ojQiytvovg ausgelassen. Es unterliegt nun keinem Zweifel, dass dies die wirkliche, von Origenes selbst herrührende Überschrift jedes einzelnen Buches ist. Denn dass der Schreiber des Vat. nur aus Bequemlichkeit oder der gleichlautenden Unterschriften wegen über B. I. II. III. IV. und VI die Zahlbuchstaben (bez. mit [B. I] xard xtXoov und

70 Erstes Capitel.

[ß. VI] Xöyoc. verbunden statt der in A vürliimdeuL'n vollstän- digen Buchtitel gesetzt hat, beweisen die Überschriften über Buch V. VII. VIIL welche denjenigen im Par. entsprechen, nur dass im Vat coQiyhwvg fehlt. Dagegen hat der Schreiber iles Par. die vollständigen Unterschriften übergangen (allerdings jedesmal etwa 7 Zeilen für das Rubrum freigelassen) und dafür nur unter B. I. IL V Tt?.og xov ä (bez. /9' t) röf/ov geschrieben. Die- selbe Schlussnotiz wie Par. hat auch Vat., aber gerade unter andern Büchern (IV. VI. VII. VIII), unter welchen im Par. nichts steht. Daraus darf man wohl folgern, dass schon in A die Schluss- notizen unter B. IV. VI. Vll. VIll gefehlt hal)en und vom Schreiber des Vat. in jener kürzeren Form ergänzt worden sind. Erhalten geblieben ist die vollständige und ursprüngliche Unterschrift im Vat. unter B. I. 11. 111. und V. Dieselbe stimmt mit der Über- schrift jedesmal wörtlich überein, und so konnte es leicht ge- scheheUj dass anstatt derselben gelegentlich das einfachere: TbXo<: Tov a TOfiov u. s. w. gesetzt wurde. Nur ein Buch, das V., wei.^t noch jetzt im Vat. sowohl die Über- als auch die Unterschrift (nur mit Weglassung von coQiytvovg) in der ursprünglichen und rich- tigen Form. d. li. in derjenigen Form auf, wie sie in dem Papyros- Exemplar X für alle Bücher bestand. Nur war mit der Unter- schrift am Ende jeder Papyrosrolle jener Recensions -Vermerk verbunden, welchen uns ein günstiges Geschick wenigstens am Ende des I. Buches im Vat. bewahrt hat

Dürfen wir also den Archetypus von Vat. und Par. wegen der hier noch vorliegenden Reste der ursprünglich vollständigen Rubra: der Über- und Unterschriften nebst dem buch weise wie- derkehrenden Recensions- Vermerk mit hiin-eichender AVahrschein- lichkeit von einem Papyros-Exemplar der Eusebianischen Recen- sion ableiten, so haben wir andererseits, da diese Rubra in ziem- licher Vollständigkeit bis zu A überliefert worden sind, ge- nügenden Grund zu glauben, dass der Zwischenglieder zwischen X, d. h. einem Exemplar der massgebenden Recension des Euse- bios, und A nicht allzu viele gewesen sein mögen.

Wenn demnach der Text der Bücher gegen Celsus im ganzen auf rec.'ht sicherer Grundlage zu ruhen scheint, so lässt sich an- dererseits der Mangel, welcher in so einheitlicher Überlieferung begründet ist, nicht verkennen. Nyben Vat. und Par. haben wir

Die HandscLiriften der Uücher des Origenes gegen Celsus. 71^

keinen einzigen selbständigen Vertreter einer andern Haud- schriftenfamilie, an welchem wir den Wert jener prüfen könnten, und sind deshalb für die Beurteilung unserer Textüberlieferuug grösstenteils auf die innere Kritik hingewiesen. Indessen bietet uns, wie Avir im II. Cap. unserer Abhandlung (vgl. unten S. 79) darlegen werden, die Philokalia wenigstens für etwa den siebenten Teil des ganzen Werkes die Möglichkeit, unsere hdschr. Überliefe- rung einer Prüfung zu unterziehen.

Etwas besser würde es vielleicht um dieselbe bestellt sein, Avenn jene zwei orientalischen Handschriften noch vorhanden wären, von deren Vorhandensein vor dem Jahre 1570 wir aus Katalogen Kunde haben.

Richard Foerster erwähnt p. 20 der genannten Rostocker Gratulationsschrift zum Jubiläum der Tübinger Universität 1877 unter xg' (26) des Katalogs No. ] 1, welcher keine Überschrift trägt, coQiyii'Ovc: qjiZoxa/Aa xal rov xarcc^) zsXaov (in unserer Zählung der 18. Codex), und p. 29 in dem Katalog von Rhaedeste- {ravta ra xccrcoOer ßißXla tiolv Iv reo QaiÖsoTfö'): coQiyivovq (piloxaXia xal xaza xt?.oov. (19. Codex.) Daran, dass die bei Foerster angeführten Codd. in Konstantinopel und in Rhaedeste vorhanden gewesen sind'^), ist mit dem Heransgeber der Kataloge (Foerster a. a. 0. p. 5 Mitte) wohl nicht zu zwei- feln, eher an der Richtigkeit der überlieferten Titel. Bei den zwei hierher gehörigen Codd. aber scheint auch dieser Zweifel ausgeschlossen. Höchstens könnte man sich die Philo- kalia als unvollständig denken, etwa wie im Cod. Reg. 945. Ja, man könnte vielleicht meinen, dass von jenen zwei Codd. die eine mit Cod. Par. 945 und die andere mit Cod. Bas. identisch wäre. Denn nur in diesen beiden Codd. findet sich die Philo- kalia mit den BB gegen Celsus zu einem Band vereinigt. In-

1) Zu rov y.axa fügt Foerster in Note 10 die Vermutung bei ,xaxv. ro??' Aber xara y.tkoov ist, wie z. B. Vat. 88ü beweist, der geläufige Ausdruck gewesen. Eher könnte man daran denken: aul rov avzov xaxa xü.oov zu schreiben.

2) Foerster a. a. 0. p. 10, Anm. 1.

;-j) Zwischen löü5 u. 157") sind nach Foerster (a. a. 0. p. 7) die Kata- loge entstanden. Die Codd. sind also bis 15(J5 sicher vorhanden gewesen, wenn nicht, was unwahrscheinlich, die Kataloge von älteren Exemplaren abgeschrieben sind.

72 Erstes Capitcl.

dessen ist die Philokalia des Cod. Bas. erst a. 1564 geschrieben und offenbar ert^t später mit den BB. gegen Celsus zusammen- gebunden worden, und Par. 945 scheint sehr früh in das Abend- hind gekommen zu sein, nach Aube ') schon unter Franz I. (1515 1547), jedenfalls wohl vor 1565.

Vielleicht handelt es sich aber bei den zwei Codd. gar nicht um Handschriften des Origenes c, Cel.'^.. wenigstens muss die Möglichkeit eines Irrtums hi der Titelangabe des Katalogs zu- gegeben werden, wenn wir folgendes erwägen. Am Ende einiger Philokalienhandscliriften (so z. B. des Cod. Leid. No. 61 , Cod. Kegiu. Pii II 3, Cod. Laur. plut. IV Cod. XV und des Cod. Am- bros. A 165 Sup.) stehen folgende V\''orte: rsXog ßißXov rcov xara xtXoov, i) lEyoiikV)! cpiloxaXia, deren Berechtigung sich aus der weitaus überwiegenden Anzahl von Stücken aus den BB. des Origenes gegen Celsus in der Philokalia herleitet. Sollte etwa der (oder die?) Verfasser jener alten Kataloge aus ähnlichen Schlussnotizen in zwei Philokalienhandschrifteu die Angabe: coqi- yivovQ qiXoyalia xai rov xara xiXoov entnommen haben?

Jedenfalls bleibt uns nur geringe Hoifnung, die beiden Codd. könnten bei genauerer Durchforschung der noch ,ungehobenen morgenländischen Bücherschätze' (Foerster a. a. 0. p. 4) von einem so glücklichen Entdecker, wie z. B. Bryennios, wieder aufge- funden werden. Vielleicht weist sich dann die eine oder die andere Handschrift als Archetypus des Vat. 386 oder als Ver- treter einer dritten Handschriftenfamilie aus.

Es erübrigt zum Schluss noch diejenigen Handschriften auf- zuzählen, welche nur Bruchstücke der BB. gegen Celsus enthal- ten. Je 1 ' 4 BB. bietet jede der 4 Mailänder Handschriften, von denen mir mein Freund Prof K. Joh. Neumann folgende Be- schreibung gegeben hat.

1. ,Co(lex Ambrosiall US J WS) P. Inf. (= ]iarte inferiore) saec. XVI. Fol. l a (rot) i cjQiytvovq, ^ iöatiavriov xara xil- oov. Dann eine rote Ornamentlinie, dann rot: i jrQog rov tJii-

1) Hist. des pers. de l'eglise etc. p. 277 ,relie aux armes de Fran^ois ler'. Vgl. auch Vogel über ,Janus Laskaris- (Serapeum X, 1849, No. 5. (3.), welcher zweimal nach Griechenland ging, vom Athos 200 Codd. nach Florenz brachte und seit a. LUH mit Budaeus die Bil)l. Regia in Paris gründen half (a. a. ü. p. 750 f.).

I

Die Handschriften der Bücher des Ürigenes gegen Celsus. 73

yr/(^iafifitrov y.D.oov a?jj{^fj Xöyov^ oQiyt'i'ovg: röfiog jiqojtoj:. Ausserdem moclernei' Titel: .Origenis opuscula'. Fol. 38 ^ rot) xiXoq rov a tÖiiov, Fol. 39 ^ rote Ornamentlinie, dann: jtQOQ ror

IjiLyi^fQannivov xtXöov dX?]&7j Xoyov, coQiyti'ocg. zofiog ,:/: ['E]r TCO jiQo'jTcp TOfiqo u. s. w. Scliluss der Handschrift auf Fol. AS'-^i noch 2V2 Zeile Schrift: xal ra t^tjq. xcd aväßa [iov xm Xoyco sjcl TOP Ip liyopxa xaxna. y.al oga fi7i6tJtco yepofiepa, jiqo- ffi/TBv6ft£pa' si fit) g:/ia£ig djiiOTcöp fitp avrrö, (Buch U, Cap. 13, Loni. I, p. 160 Z. 4 = Ende des 1. Viertels des IL Buchs). Genau dasselbe enthält:

3. Codex Ambrosiauus R 117 au letzter Stelle (von Fol. 277 a ab) und

3. Codex Ambrosianus Q 121 A von Fol. 203 a ab, sowie endlich

4. Codex Ambrosianns Q 121 B (d. h. Fortsetzung des Q 121 A) von Fol. 250—297.

Alle diese Handschriften stammen, wie der erstgenannte Cod. Ambros., aus saec. XVI. und sind, da sie au derselben Stelle des IL Buches abbrechen, oft'enbar aufs engste miteinander verwandt.

Dass zunächst Q 121 A (also wohl auch Q 121 B als Wie- derholung jenes) direkt von R 1 1 7 abgeschrieben ist, ergiebt sich aus folgendem L^mstand.

Während beide Codd. sonst in Bezug auf Lücken im Text und lianduoten völlig übereinstimmen, liest Q 121 A auf Fol. 244 'j im Text'): jioiov yaQ t&-pog necpvyoydtrca und am Rand von anderer Hand: yädevrat als Verbesserung; R. 117 hat dagegen auf Fol. 319'^ im Text richtig: Jitcpv/dötvxaL, aber so geschrieben, dass es sehr leicht für jt£(fvyo)d£Tat verlesen werden konnte.

Codex R 117 aber ist aus folgenden Gründen als Abschrift von J 119 anzusehen. Beide Codd. stimmen hinsichtlich des Um- fangs, der Texteslückeu und der Randnoten auffällig überein. So haben beide folgende interessante Randnote auf dem ersten Fol.:

ovTog o y.D.ooQ VütjP töi", £yQa\p£ y.axd xov yQioriapLO- iiov fiäXXop 6h l<f,XvaQV0£v. :jiQooojjiojiopjOag lovöaiov //yovp, xivag ap tiötoi Xoyovg lo vdalog y.axic yQioxiapov. Und gleich darauf ähnlich: jrtQi xov coQiykPOvg xovxov ol (ikp övTixol Öi- öaoxaXoi XiyovOiP ovxcjg. roQiy£i'rjg ojtov xaXcög £ijt£P, ovöe)

1) Buch II, Cap. S (= Loni. I, p. UO, Z. 20 f.).

7 j Erstes C'a[)itel.

xaXhor y.al ojtov xaxcäg^ ovötlg ;f£?()or' ol öt yfitri()Oi uöiann. :!tov fjhi', coQiytrtjg i) navxcov tjfjcöv axnvtj' jcov Jf, ojQiytrt/c: tj rojv i^oXtQcäv Öoy^iäxmv jr/;//}. 'x.di ahjdojg Xtyovoiv äfiqx)- T£Qoi :jiirQi avTOv. T/j filv yccQ jttQi xov i/jOov jxioxti övi^toxy. ti'jie(> xlc aZXog. xal xov [sie] ^) ayiav yQa^r/v avt^xv^s {^ai\ua- o'icog. atx'ici) toxi xal agslo) xal xolg akXoig aiQtrixotg xag «(>- yag ötdcoxe xon^ aiQtoeojj'' mv aiQtosojj' avrov {.de. y.al ytiQioxfj. öxi xal xtlog xid^7jOi xrjg xoXaOtcog:

Den letzten 30 Worten parallel steht in R 117 folgende Notiz, welche in J 119 bis auf wenige Spuren weggeschnitten ist: xoxs Iv xij aQyJi xal JtQOtXQSips JioXXovg dg fiaQxvQiov. Aru wichtigsten ist aber die gleiche Schlussnotiz in R 117 und J 119: ajto xov dvxiyQa(fiov ^äXXov öt, jrQcoxoxvjtov JiQog xo jiaQm% (fvXXov tvog IxXojiivxog jsicj^), eXsijct xooovxov, oöop, aQxovvxojg jtXjt]Qc6o8iv xoöl xo Xvxaöiov, t:s(^yy€Xxai [von 1. Hand unter- strichenj jiqoixoxvjiov ei tvoefhelrj txyQacprjüousvov' ov ycnQiv xal a(pei&rj "*) Xvxaötov. Darunter steht in beiden Codd., und zwar in J 119 von entschieden anderer, in R 117 aber von derselben Hand, die das Vorhergehende geschrieben, die Bemerkung: /. [d. h. fortasse] ei tsaXd^t/ xov uel £| aveXXiJiovg welche natürlich auf das unterstrichene fehlerhafte e^ayyeX.xai zu beziehen ist. Daraus folgt, dass in der Vorlage des R 117 sowohl jene Notiz als auch diese Doppelconjektur schon stand: da aber in J 119 die Doppelconjektur von II. Hand hinzugefügt, also nicht von der Vorlage übernommen ist, so muss J 119 als Vorlage von R 117 augesehen werden'.

Endlich ist es mir nach Einsichtnahme des Vat. 386 möglich geworden, auch den Ursprung des J 1 1 9 sicher nachweisen zu können. Der Schreiber desselben hat mit djciOxaJv (lev avxo) abgebrochen, weil in seiner Vorlage ein Blatt fehlte (exxojier- xog). Nun bricht aber, wenn auch nicht mit avxoj, so doch nach weiteren 6 Worten, der Cod. Vat. 386 ebenfalls hier ab, und es folgt das an Stelle des fehlenden Blattes ') eingesetzte Fol. 4 1 .

1) Den Fehler rov hat R 117 ebenfalls.

2) R 117 hat, wohl richtig, Ixxonivxoq, verbessert.

3) R 117 liest mfL'yh].

4) welches im Anfang des XV. saec, zur Zeit, als Ven. 44 abge- schrieben worden ist, und auch a. 1481 noch vorhanden war (S. oben S. 34 f.).

Die Handschiit'ten der Bücher des Origenes gegen Celsus. 75

welches völlig leer ist. Damit liegt der Beweis vor, dass ent- weder Cod. J 119 selbst oder seine Vorlage von Vat. 38G abge- schrieben sein muss. Wir entscheiden uns für das letztere aus folgenden Gründen. Die oben angeführte Notiz über den Grund des Abbrechens (das Fehlen eines Blattes im Archetypus) scheint mir deshalb aus der Vorlage mit herübergenommeu zu sein, weil der Schreiber des J 119, wenn er die Randnote selbst verfasst hätte, wohl kaum kurz nacheinander zwei Schreibfehler {exXo- jitvTog und e^ay/tXtai) gemacht haben würde, welche nur durch die äusserste Flüchtigkeit erklärt werden könnten. Viel- mehr hat der Schreiber des J 119 wohl die Randnote in seiner Vorlage nicht gut lesen können und sie so gut wiedergegeben, als es ihm möglich war. Wenn wirklich der Strich unter dem fehlerhaften Iscr/ytiruL von I. Hand herrühren sollte, so hat dieselbe hierdurch andeuten wollen, dass sie das Wort für cor- rupt hielte. Ein zweiter Grund ist aber völlig entscheidend. Fol. 17b Z. 12 ff. V. o. bietet J 119 (genau wie die drei übrigen Codd. Ambros.) nach Neumann's Mitteilung folgende lückenhafte Zeilen (Buchl, Cap. 32 =- Lom. I, p. 65, Z. 18 ff.):

Z. 12. IV [uiQ, o)Q IsojOd^tiOa djto rov fiv?]öTtvoafitvov avTf/7'

Ttzrovog

13 yM)

14. LÖojfitp, d fi cpXcöq oi iiva^ojionjoavrtc.

15 xavTcc jiävTa avtJiXa

u. s. w. Dazu von I. Hand die Randbemerkung: raura ijv ovxm Ivxäöia Iv xoj üiQOJxoxvjico //// dvaoyo{itvov xov yQa<ftcog xoxs cug toixev, ovo' ojg djio xov dosßovg xtAoov xdg xaxä xr/g ') jTiOxtojg d-sivai (plvaQiag xalg tavxov yeQöiv xal Oyeöop ovdh' ))d'ixriO£ xo ßißXioyp [siel -) xoig owr/fifisvoig 8fig)aivo{/ii'on'.

Danach ist anzunehmen, dass schon die Vorlage des J 1 19 dieselben Lücken zeigte, welche der sorgfältige Schreiber des Cod. J 119 genau wiederzugeben sich bestrebt hat, nicht aber, dass die fehlenden Worte in der Vorlage ursprünglich vorhanden ge- wesen und dann vom Schreiber oder Corrector getilgt seien. In

Daraus folgt, dass der Archetypus von J Uli erst nach Ven. 44 und nach 1481, vielleicht an der Wende des XV. und XVI. saec , geschrieben ist.

1) R. 117 hat fehlerhaft abgeschrieben xtjp.

2) R. 117 hat den Fehler verbessert und liest: ßißUor.

7(5 Erstes Capitol.

diesem Falle würde anstatt des ,w// dvaüyo^utrov toi ytjuffiojc ihnvai in der Randnotiz etwa: ciQavxoq {aXHipavxoc) rov yQa- (fi(og vOTSQOV a eyQaipsv gestanden haben. Schon ans diesem Grunde ist Cod. J 1 19 nicht direkt anf Vat. 386 ') zurückzuführen, zweitens aber auch deshalb nicht, weil in J 119 (also auch in dessen Vorlage) viel mehr Worte ausgelassen, als in Vat. 3Sö ausgekratzt sind. Also müssen wir zwischen Vat. 380 und Cod. J 119 ein Mittelglied (x) annehmen, in welchem der Schreiber zwar noch gründlicher verfahren war, als jener unbe- kannte Corrector des Vat. 3S6, aber andererseits doch Avenigstens so viel Raum frei gelassen hatte, als die ausgelasseneu Worte betrugen. Man könnte vermuten, dass dies unbekannte Mittel- glied mit dem uns leider auch fast unbekannten Cod. Matrit. ü 6 identisch sei, wenn nicht dessen Abstammung von einem der 3 Codd. Veneti wahrscheinlicher wäre. Vielleicht findet sich jener Codex X gelegentlich in irgend einer italienischen Bibliothek: jedenfalls ist er als Abschrift des Vat. 386 ebenso wertlos, wie die auf ihn zurückgehenden Codd. Ambrosiani.

Ein noch kürzeres Bruchstück der BB. gegen Celsus ist uns aufbewahrt in

5. dem Codex Bodleianus Auct, E. 2. 8, chartaceus, mis- cellaneus, in Folio, Foll. 276, saec. XVI. olim 3037) '^), welcher an 7. Stelle enthält: ,Origenis contra Celsum liber primus et se- cundi initium'; Fol. 273 Tit. 'ilQijtrovq xarä TceXoov ro^iog xqoj- tOQ. Ende mit den Worten: avaoraq IJtzQE d-voov xal cpayt xcu ißd-E jiQoq avTov = Buch II, Cap. 2 (Lom. I, p. 138, Z. 4f.).

Nach den gütigen Mitteilungen der Herren Dr. Gundermann und D. S. Marsjoliouth enthält der Codex weder Marginalien noch eine subscriptio noch sonstige Anhaltspunkte, um seine Ab- stammung festzustellen. Daraus, dass die zwischen Buch I und II im Vat. 386, Bodl. Auct. E 1. 7 und Ven. 4-1 befindhche Notiz in diesem Codex Bodl. fehlt, könnte geschlossen werden, dass derselbe entweder von Ven. 45 oder von Par. 616 direkt oder indirekt abzuleiten wäre. Da aber Ven. 45 das IL Buch mit: \^E]jci T(ö jiQcorw^ dagegen Par. 616 und Bodl. Auct. E 2. 8 mit: 'Ev TW jiQOJTco beginnt, so scheint entweder Par. S. Gr. 61.6 oder eine seiner Abschriften die Vorlage dieses Bruchstücks gebildet

1) S. 0. Seite 31 f.

2) Vgl. Coxe, Cat. Budl. I, p. 041 = Beniaidus a. a. 0. p. 154b.

Die Handschriften der Bücher des Origenes gegen Celsus. 77

zu haben. Diese Vermutung muss uns zunächst genügen, bis einmal durch gelegentliche Einsichtnahme der Ursprung dieses an sich ganz wertlosen Fragments festgestellt werden kann.

Endlich seien zwei noch kleinere Bruchstücke, von denen mir Herr Prof. Mau Nachricht gegeben hat, hier kurz erwähnt.

6. Codex Ottoboiiiano-Yaticamis ]So. 75, chartaceus saec. XVI., enthält auf Fol. 101 lUS den Anfang des I. Buches von 0 fihv ocorr/Q . . . bis . . . jcavra yaQ oiöa cuX «c hS, loov {j= Buch I, Cap. 12, Lom. I, p. 33, Z. 10). Die Seite ist hier zu Ende, das Folgende fehlt. Und:

7. Codex Ottobouiaiio-A^aticaims No. 85. Derselbe hat von Fol. 179 187 ebenfalls den Anfang des I. Buches von (J itei' GcoxrjQ . . . bis . . . g:?jol öt rivac to] de ßovP.outi-ovg {=B\\ch I, Cap. 9, Lom. 1. p. 28, Z. 5). Hier ist die Seite zu Ende, das Folgende fehlt. Vielleicht sind die beiden kleinen Bruchstücke von einem der beiden Codd. Vaticani abgesehrieben: jedenfalls haben sie für uns nicht den geringsten Wert

Abgesehen von einigen wenigen unwichtigen oder nur Bruch- stücke enthaltenden Handschriften konnten wir die Verwandt- schaftsverhältnisse aller Handschriften der Bücher gegen Celsus mit Sicherheit feststellen. Zur Übersicht der bisher gewonnenen Ergebnisse möge ein am Schluss der Abhandlung beigegebener Stammbaum sämtlicher Handschriften dienen, welche die Bücher sesen Celsus oder die Philokalia enthalten.

Zweites Capitel.

Die Handschriften der Pliilokalia des Origenes.

Aus der Untersuchung der direkten Überlieferung der Bücher Segen Celsus haben wir bereits wichtige Argumente für die Ein- lieitlichkeit und Güte derselben gewonnen; es ist nun unsere Aufgabe, die indirekte handschriftliche Tcxtüberlieferung, wie sie sich in etwa, dem dritten Teil der Pliilokalia ') darstellt, einer genaueren Prüfung zu unterziehen.

1) Für unsere Zwecke kommen in Betracht: Cap. XV XX incl., XXI [ und ein Stück von XXIII. Diese Capp. machen aber mehr als den dritten Teil der Philokalia aus, wenn wir bedenken, dass in der Ausgabe von Lom. die ganze Philokalia 277 Seiten, die Stücke aus ürig. c. Geis, aber 105'/2 Seiten einnehmen. Ich benutze und citiere die Ausgabe der Philo- kalia von Lommatzsch (vol. XXV der Gesamtausgabe des Origenes). Meinen Collationen habe ich dagegen, des leichteren Überblicks wegen, die betr. Stücke der BB. gegen Celsus nach der Ausgabe von Lommatzsch zu Grunde gelegt. Zur Vergleichung diene folgende Tabelle:

Cap. XV. = c. Geis. VI (Lom. II, 297—300) I (Lom. I, 21—22) VI (Lom. II, 300-302) VII (Lom. III, 7.3) VI (Lom. II, 302-309) VII (Lom. III, 89-97) VI (Lom. II, 425-429) I (Lom. I, 80-81) I (Lom. I, 115— HG) II (Lom. I. 1G.3) VI (Lom. II, 429 431) Excurs X (Lom. JTI. .357 3591 VI (Lom. II, 431).

Cap. XVI. = c. Gels. UI (Lom. I, 265—268) V (Lom. II, 282-283) V (Lom. 11.291—292).

Cap. XV IT. = c. Gels. I (Lom. I, 49—5.5) V (Lom. II, 247—254) IV (Lom. 11, 77).

Cap. XVIIL = c. Gels. I (Lom. I, 27—33) I (Lom. I, 44- 4ß) I (Lom. I, 33-37) I (Lom. I, 112-120) I (Lom. I, 122—125 [mit Lücken]) I (Lom. I. 120—121) III (Lom. I, 309— .327) III (Lom. I. 349—352).

Die Handschriften der Philokalia des Origenes. 79

Wir sind in der glücklichen Lage, in dieser, nach Art der Florilegien aus den Schriften des Origenes von Basilios dem Grossen und Gregorios dem Theologen zusammengestellten Ex- cerptensammlung einen Text zw besitzen, welcher, unabhängig von dem Text von A, aber auf dieselbe Quelle, d. h. das Ori- ginal des Origenes zurückgehend, zu etwa dem siebenten Teil ') der Schrift des Origenes gegen Celsus das beste Kriterium für die Beschaffenheit unserer direkten Textüberlieferung darbietet.

Das o-rosse Ansehn, welches die beiden rechtgläubigen Ex- cei-ptoren bei den Späteren genossen, hat bewirkt, dass die Philo- kalia sehr viel gelesen und oft abgeschrieben wurde: musste doch ein Buch, selbst wenn es aus den Schriften des Ketzers Origenes zusamraeno-estellt war. über allen Verdacht, Ketzerisches zu enthalten, erhaben sein, da es Basilios und Gregorios als Herausgeber aufwies. Und in der That sind selbst Ansichten des Origenes, die später als ketzerisch angesehen wurden, imbean- standet mit abgeschrieben worden-): die Kamen der Schüler und Verehrer deckten schützend den Namen ihres grossen Meisters. Andererseits freilich hat die weite Verbreitung der Philokalia sicherlich nicht am wenigsten zur Verdrängung der Originalwerke des Origenes mit beigetragen.

Während die meisten derselben verloren sind oder in dürf- tigen Bruchstücken vorliegen, und die Überlieferung der Bücher gesjen Celsus nur auf Vat. 386 und Par. 016 beruht, haben wir

Cap. XIX.

= c. Cels. III (Lom. I, .300—307).

Cap. XX. = c. Cels. IV (Lom. II, 111— 1G5).

Cap. XXII. = c. Cels. Y (Lom. IL 207—214. 228—230. 214—222).

Caj). XXIH. [2. Teil]. = c. Cels. II (Lom. L 169-174).

1) nach der Ausgabe von Spencer berechnet. Hier umfasst Orig. c. Cels. ca. 423 Seiten, wenn man den leeren Raum bei Buchanfängen imd -Schlüssen unberücksichtigt lässt, der Paralleltext der Philokalia aber ca. liO Seiten, also ca. den siebenten Teil.

2) Dies betrifit besonders Cap. XXII. Hier hat der Schreiber des Archetypus vom Codex Yen. 47, wie der lange Prolog zeigt, Anstoss ge- nommen und einzelne Stücke für untergeschoben erklärt.

gO Zweites Capitel.

an Philokalieuliandschriften ') einen fast erdrückenden Überfluss; lind sehen wir auch von den jüngeren und fehlerhaften Codices ab, so ist docli die Zahl der älteren und wichtigen Handschriften mindestens dreimal so gross, als bei der Schrift gegen Celsns. Dementsprechend sind aber auch die Verschiedenheiten nicht nur hinsichtlich des Textes , sondern auch der Kapitelüber- schriften und anderer Ausserlichkeiten in der Philokalia weit zahlreicher. Kein Wunder, dass sich der Mangel einer Fest- stellung und Sichtung des gesamten handschriftlichen Materials, sowie einer neuen auf kritischer Grundlage ruhenden Ausgabe hier ebenso empfindlich geltend macht, wie dort. Denn die vor- handenen Ausgaben genügen den Anforderungen, die wir jetzt /u stellen pflegen, keineswegs.

Die editio princeps der Philokalia ist die von Jo. Tarinus, Paris 1619, ,ex Bibliotheca Regia' und, wie der Herausgeber selbst sagt, eilig gemaclite Ausgabe. Nach seinen Angaben (in der H. praefatio und p. 681 am Anfang der Noten) hat Tarinus besonders einen Codex Regius und die beiden Codices Thuanei = Cod. Reg. Par. 942 und 943, ausserdem aber Hoeschels Ausgabe des Origeues c, Cels. mit dessen Noten benutzt. In den beiden Codd. Thuanei fehlen Cap. 15 19'-); für diese Capitel hat Tarinus be- sonders Hoeschels Ausgabe des Orig. c. Cels. sowie die dort an- geführten Varianten aus der Philokalienhaudschrift Codex Mon. (olim August.) No. 523 zu Rate gezogen. Welche Handschrift ist aber unter dem Codex Regius des Tarinus zu verstehen?

Dass derselbe eng mit Par. 456 und Ven. 4S zusammenhängt, zeigen Stellen wie Buch I, Cap. 20 (= Lom. I, p. 46 Z. 1), wo die Lesart av&svrixrjv [für fjv&LXtji'] nur in den genannten zwei Hand- schriften und deren Abschriften vorliegt, auch das Scholion über Ambrosius (p. 685 der Noten des Tarinus zu p. 67 v. 8) weist auf dasselbe Verwandtschaftsverhältnis hin. Ferner gehört der Codex Regius des Tarinus zu derjenigen Gnippe von Handschriften,

1) Im allgemeinen vgl. die Aufzählung bei Fabricius-Harl. vol. VII. pag. 221 f., wo aber kaum die Hälfte der vorhandenen Codd. verzeichnet ist.

2) Das erste Citat aus diesen Codd. begegnet uns in den Noten des Tarinus wieder auf p. 699 (zu p. 264 v. 16). Danach scheint ein Stück von Cap. 19 vorhanden zu sein. Die Anführungen aus den Codd. Thuanei gehen dann weiter bis p. 418, fehlen aber von da bis zum Ende (p. 452) wieder. Vgl. Tarinus in den Noten p. f»S8 (zu ]). 115 v. 26).

Die Handschriften der Philokalia des Origenes. §1

welche Buch 111, Cap. 12 (= Lora. I, p. 266, Z. 21 f.^ die Worte: ovrmq ov6e öiä xac h' lovöaioig aiQBOBig auslassen. Es sind dies, abgesehen von anderen, die Codd. Regii Par. 456. 457. 458- 459 und 941. Da aber endlich der Codex des Tarinus an einer zweiten wichtigen Stelle (^Buch III. Cap. 13 = Lom. I, p. 268, Z. 1) fcg aXXojv für t5 6Xo)7' liest, so kann er nur mit Par. 457 oder 458 identisch sein, welche beide ebenfalls die erwähnte Lücke und diese Lesart aufweisen. Wahrscheinlich ist Par. 458 die Vorlage des Tarinus gewesen, da dieser Codex auch .Zacha- riae Scholastici disputatio contra Philosophos' enthält, eine Schrift, welche Tarinus hinter der Philokalia in demselben Band veröffentlicht hat. Jedenfalls ist der Codex Regius Tarini einer der jüngsten und unwichtigsten, und die darauf beruhende Aus- gabe ') kann auch abgesehen von der Eile, mit der sie her- gestellt ist unmöglich den Text der alten und echten Pliilo- kalieuüberlieferung enthalten.

Ebensowenig brauchbar für unsere Zwecke ist die Philo- kalienausgahe von H. Spencer (hinter seiner Ausgabe des Orig. c. Cels. Cantabrigiae 1658), denn dieselbe ist. wie der Heraus- geber in der II. praefatio selbst sagt, nur ein Abdruck derjenigen des Tarinus, mit Verbesserungen von seiteu Spencers. Ja, die aus Orig. c. Cels. entnommenen Capitel hat Spencer für unnötig gefunden wieder abzudrucken, da sie nach seiner Meinung einen dem Text jener Schrift völlig gleichen Text bieten. Hier be- gegnen wir also zuerst dem Bestreben, die Abweichungen der beiden Texte zu übersehen und den einen aus dem andern zu verliessern, ein Verfahren, welches uns deutlich in Delarue's Aus- gabe der Bücher gegen Celsus und in der Philokalienausgabe von Lommatzsch (vol. 25 der Gesamtausgabe des Origenes a. 1848) entgegentritt. In Delarue's Gesamtausgabe des Origenes findet sich die Philokalia nicht; Lommatzsch gründet deshalb seinen Text auf die Ausgaben von Tarinus und Spencer, zieht aber, wo er einen vonDelarue bearbeiteten Text vorfand (wie in der Schrift jtegi agyrnv-) und contra Celsum) auch dessen Lesarten heran. Und

1) Die Zahl der aus dem Hoeschelschen Codex Mon. (olim August.) No. 52o entnommenen Lesarten ist sehr gering, und auch dieser Codex gehört, wie wir zeigen werden, zu den jüngsten, wenn auch zu einer an- dern Handschi-iftengruppe, als der Codex Regius Tarini.

2) Für diese Schrift führt Delarue auch Lesarten der Philokalien- Texte und Untersuchungen VI, i. G

S2 Zweitps Capifpl.

so liegt uns in dfi- I'liilokalien-Ausgabe von Lojiuiuitzsch ein Text vor, welcher für die hier in Betracht kommenden Capitel fast V(')llio- mit Delariie's Text der Bücher des Origenes gegen < 'elsns gleiclilautet. Von Lommatzsch ist niclit nur die Frage nach dem Zustand, Charakter und Wert der Philokalienüberlieferung nicht gestellt oder gar gelöst, sondern die Sachlage sogar verwirrt worden, da der Leser weder von den Abweichungen des Textes der Schrift gegen Celsus von demjenigen der Philokalia, noch auch von der Beschafif'enheit des letzteren eine klare Anschauung erhält.

So dringend also das Bedürfnis einer neuen kritischen Aus- gabe der Philokalia ist, so wenig darf man sich die Schwierig- keiten verhehlen, welche sich bei der Bearbeitung eines so um- fangreichen handschriftlichen Materials ergeben müssen. Der Verfasser der vorliegenden Abhandlung beabsichtigt nicht, sich dieser Aufgal)e zu unterziehen, um so weniger, als die L«")sung derselben durch einen englischen Gelehrten, Herrn Joseph Armitage Robinson, erwartet werden darf. Da dessen Aus- gabe zur Zeit noch nicht vorliegt, so war ich für meine Zwecke genötigt, selbst das handschriftliche Material zu sammeln') und zu sichten, und den auf Grund dieser Untersuchungen hergestell- ten Text zur Prüfung desjenigen von Origenes c. Gels, zu ver- wenden. Meine Kenntnis einiger Handschriften und ihres Ver- wandtschaftsverhältnisses würde unvollständig und lückenhaft ge- blieben sein, wenn mir nicht Herr Robinson mit der liebens- würdigsten Bereitwilligkeit aus seinen Notizen das mir fehlende Material dargeboten hätte -). Hierfür sei Herrn Robinson auch an dieser Stelle mein wärmster Dank ausgesprochen. Ich füge hinzu, dass Herr Robinson und ich vollständig unabhängig von einander

handschriften Cod. Reg. 2877 (= Par. 940) und Cod. Reg. 2274 (= Vnr. 4.öi)) an. Vgl. die Anm. * bei Delanie tom. I, p. !.")().

11 Bei der Sammhuig der Philokalienhdschr. aus Katalogen bin ich besonders von den Herren (J. (lundermann, A. Mau und Karl Job. Neumanu und von meinem Bruder Adolf aufs beste unier.stützt worden.

2) Während des Druckes dieser Abluindlung ist im .Journal of Philo - logy (vol. XVIII, ]). 30— ()S) ein Artikel des Herrn Robinson ,()n the text of the Philocalia of Origen' gedruckt worden, von welchem mir der Verfasser schon jetzt freundlichst einen Abzug zugeschickt hat.. Es ist mir dadurch ermöglicht worden, bereits in vorliegender .\ibeit auf jenen Arlikcl l{('zu^ ni^linwu zu können.

Die Handschriften der Philokalia des Oiigenes. 83

im ganzen zu denselben Ergebnissen, vor allem zu der Scheidung der vorhandenen Handschriften in drei grosse Gruppen gelangt sind. Ohne Zweifel gewinnt durch solche Übereinstimmung jedes Resultat an Sicherheit.

Zur besseren Übersicht schicke ich meiner Untersuchung über die handschriftliche T'berlieferung der Philokalia eine, nach Ländern und Städten geordnete Zusammenstellung aller mir be- kannten Philokalienhandschriften voraus.

I. Türkei und Griechenland.

1. Codex Patmius No. 270 saec. X. exeunt. [Kotizen von Herrn Robinson].

"2. Codex Constautinopolitanus No. 543 saec. XV. exeunt. [No- tizen von Herrn Robinsonj.

3. Codex Atheniensis No. 191 saec. XV. [Notizen von Herrn

Robinsonj.

II. Italien.

4. Codex Venetus Marcianus No. 47 saec. XI. [CollationiertJ.

5. Codex Venetus Marcianus No. 122 a. 1343 |Collationiert|. 0. Codex Venetus Marcianus No. 48 saec. XIV. exeunt. | Col- lationiertJ.

7. Codex Vaticanu.s No. 385 saec. XIV. [ProbecollatiouJ.

8. Codex Vaticanus No. 389 saec. XIV. [ProbecollationJ.

9. Codex Vaticanus No. 429 .saec. XIV. [ProbecollationJ.

10. Codex Vaticanus No. 388 saec. XV. exeunt. [Probecollation|.

11. Codex Vaticanus No. 1454 saec. XV. exeunt. [Probecol-

latiouJ.

12. Codex Vaticanus No. 1565 saec. XV. exeunt. [Probecol-

lationJ.

13. Codex Ottoboniano- Vaticanus No. (J7 a. 1436.1 [Notizen von

14. Codex Ottoboniano- Vaticanus No. 410 a. 1578. Herrn G.

15. Codex Vaticanus Regln. Pii II. 3 saec. XV.) Gundermann [.

16. Codex Florentinus Laurentianus plut. IV. Cod. XV. saec. XV.

17. Codex Florentinus Riccardianus K. 1 No. Xlll. saec. XVI.

[Notizen von Herrn Robinsonj.

18. Codex Taurinensis VIb. IV 6 saec XVI.

19. Codex Taurinensis CCLVl c. 1 10 saec. XVI.

ß'

84

Zweites Capitel.

y [ProbecoUation von Sup. I Karl .loh. Neumaiiiil.

tioiieu von

Herrn G.

(lunder-

maiinl.

20. Codex Ambrosiauus A 1(35 Sup

saec. XVXVI.

21. Codex Ambrosiamis H 1

saec. XVI.

III. Frankreich.

22. Codex Parisinus Suppl. Grec No. (VI 5 saec. XJll. |Col-

lationiertj.

23. Codex ilegius Parisiuus No. 45(> a. 1426 [CollationiertJ.

24. Codex Regius Parisinus No. 940 saec. XIV XV.|

25. Codex Regius Pari.sinus No. 459 saec. XV. ! jProbecolla-

26. Codex Regius Parisinus No. 941 saec. XVI.

27. Codex Regius Parisinus No. 457 saec. XVI.

28. Codex Regius Parisinus No. 458 saec. XVI.

29. Codex Regius Parisinus No. 942 saec. XVI.

30. Codex Regius Parisinus No. 943 saec. XVI.

31. Codex Coislinianus Parisinns No. 226 saec?

32. Codex Parisinus de Sainte Genevieve saec. XVI.

33. Codex Regius Parisinus No. 944 saec. XVI. [Notizen von

Herrn G. Gundermann].

34. Codex Regius Parisinus No. 945 saec. XIV. exennt. [Col-

lationiertj.

IV. Schweiz.

35. Codex Basileensis A 111 9 a. 1564 [z. T. coUationiertJ.

V. Spanien.

36. Codex Matritensis Bibl. pari, de S. M. No. 34 a. 1570.

VI. Holland.

37. Codex Leidensis Vnlcanii No. 61 saec. XV. [z. T. colla-

tioniert].

38. Codex Leidensis J. Vossii No. 44 saec. XV. [z. T. col-

lationiert].

39. Codex Leidensis J. Vossii No. 67 saec. XVI. exeunt. |Probe-

coUation].

VH. England.

40. Codex Oxoniensis Novi Collegii No. 147 saec. XVI. [Probc-

collation von Herrn Margolionthj.

41. Codex Oxoniensis Bodleiamis 11. Cl. No. 254 a. 1622 [Probe-

coUation von Herrn Margoliouth|.

42. Codex Oxoniensis Bodleianus XVI. Cl. No. 6558. saec?

Die Handschriften der Philokalia des Urigenes. 85

43. Codex Chelteulicimensis No. 1423 (Meermau. 58) saec. XVI. [Notizen von den Herren Gundermann u. Robinson],

U. Codex Cantabrigiensis Triu. Coli. 0. 1. In. u. 1604. [No- tizen von Herrn RobinsonJ.

45. Codex Thomae Gale No. 5909 saec? Vni. Russland.

46. Codex Mosquensis No. 12 saec. XV.

47. Codex Mosquensis No. 326 saec. XV,

IX. Osterreich.

4b. Codex Caesareus Vindobouensis No. 246 saer. XIV. [No- tizen von Herrn Prof. StowasserJ.

X. Deutschland.

49. Codex Monacensis (Augustanus) No. 523 saec. XV. exeuut.

[CoUationiert].

50. Codex Mouacensis No. 52 saec. XVI. [z. T. collatiouiert].

Unsicher, ob noch vorhanden:

I. Türkei.

51. Codex Constantinopülitanus, vor 1565 vorhanden, ob = Cod.

Const. 543?

52. Codex Rhaedestinus, vor 1565 vorhanden.

II. Spanien.

53. Codex Scorialensis No. 40S (X 1—16) saec? | vor 1671

54. Codex Scorialensis No. 731 (X— I 16 saec? J vorhanden.

Eine Sichtung und Beurteilung aller vorhandenen Philo- kalienhandschriften würde fast überflüssig erscheinen, wenn man die Angal)e des Schreibers einer der jüngsten Handschriften für wahr halten könnte. Ich meine die Angabe in dem

1. Codex Oxouieiisis Bodleiauus II. Cl. No. 254'), chartaceus, a. 1622 scr.. Foll. 152, in 4°. Derselbe enthält ehi Bruchstück der Philokalia. Anfang: IxXoyriv }) jraoovoa jrtQi- r/tt ßißXoc tyovoa ovtoj^. Ende: djitQiy.aO^äQTOvg tav-

1) Vgl. Montfaucon, bibl. bibl. I, p. 046 B, No. 2'A. Coxe, catal. Bodl. unter der Rubrik: , Catal. eodd. mss., qui ex dono Thomae Roe militis' \). 463, No. 8. HeiT D. S. Margoliouth hat die grosse Güte gehabt, fiir mich eine Probecollation (Cap. XVI) von diesem Codex anzufertigen; auch hier spreche ich dafür meinen besten Dank aus.

gg Zweitos Capitcl.

TOVQ jtaQuSnvrac = Cap. XXI (Lom. vol. 25 p. 187 Z. 4 v. u.). Voi-ausgescliickt ist der von Coxe abgedruckte Brief des Schrei- bers Georgios Kontis, Sohn des Kypriers Franciscus Kontis, an Thomas Roe. Die Überschritt lautet: to5 txXafiJiQor ferro xcu (piXoitaf^tOTi'cTfo (a/d^tprij xcqüo (-Jojfiü Poe, jcQioßei /leyaXo- jtQEjiH T//(.' (i6yä?.f/g BQSxaviaq, rttö^r/Log Kovrig, o q/jtcoq ttJc iniT{toji6).itOQ Ai'vor. y.cä i'xÖixol: tT/j: f^eyicXr/c txxXqoiaq. Am Ende heisst es: 'Ey(o rto'j{>yio^ - fy(jcnpa Idia yiiQi rr/v ßlßXov ravTf/v, /]g to avriy{)U(pov bvqov tr rrö ayioj oqsi, t6 löiov Ixtiro ßißXiov, öjctQ HjTtOxtlXi |sic| J\)//y()Qtog o i\ccCiarCov reo &6o- do'jQoj Tvc'a'oj)'. svqov dt tovtü tv ri/ otßaofnä xal ßaoü.ixii [iovi] Tov ßaTOJttÖLov tv erei ayxß' [= 1622 p. Chr. | /jr/iA Nosfi- ßQLfo Ivd. :;' . Darauf: tyQcapa idia ytiQl to ßißXlov Ix tot avroyQU(f)ov äo<paXcög xal äjiafjaXXaxtojg, tr dt reo ayxc | = 1626 p. Chr.| tvtytiQioa reo IxXaitJtQOxäro jial viptjXoräxr') rrQtoßti r//c ,utjc(X?/g BQtrariag xvQio) Scuitä Pöt.

Danach ist der Codex nicht erst 1626, wie Coxe meint, son- dern wolil schon 1622 oder l)ald darauf geschriebdi. Wenn nun die Vorlage wirkUch das Originalexemplar des Gregorios gewesen wäre, so könnten wir aus dieser Abschrift, nach Abzug der Schreibfeliler, leicht den Urtext für Cap. 1 XXI herstellen. Indessen hat sich der Grieche Kontis entweder in seiner Ent- deckerfreude einer starken Selbsttäuschung hingegeben, oder, wie der bekannte Simonides, zu betrügen versucht, indem er seiner Vorlage das höchstmögliche Alter andichtete, um die xlbschrift desto wertvoller erscheinen zu lassen. Wie hätte sich denn eine Papyrosrolle an eine solche ist doch wohl bei dem von Gregorios dem Bischof von Tyana überreichten Pracht- exemplar zu denken ') von dem IV. bis zum X Vll. saec. erhalten können! Und war auch das Original auf Pergament geschrieben, so konnte dasselbe doch unmöglich den Prologos mit dem Brief- fragment genau in derselben Form enthalten, wie alle übrigen

1) Das ,iv nvxTtw' im Pi-olog spricht allerdings dagegen, denn nvxziov kann hiev nur so viel wie rsvyoc (code.x) sein (s. Stephanus, thes. gr. ling. s. V.). Aber die Recension, welcher der jetzt vorliegende Prolog seine Entstehung verdankt, stammt, wie ich später wahrscheinlich machen werde, aus dem VI. saec. ; und es ist fraglich, ob der Verfasser des Prologs die Worte fv nvxiiio auf Grund direkter Überlieferung, oder nicht vielmehr aus seinem Kopf hinzugefügt hat.

j

Die Handschriften der Philokalia des Origenes. ST

späteren Handschriften; vielmehr gehört der Codex Athous des Koutis mit allen übrigen Codd. einer späteren Recension an, welche von dem Brief des Greo'orios nur den Anfangf aufnahm.

Immerhin könnte der Codex Athous aus dem Kloster Wato- pedion reclit alt und wertvoll gewesen sein. Auf hohes Alter scheint wenigstens das Fehlen der letzten Capp. hinzudeuten. In- dessen hat im XV. saec. jener Athous noch sämtliche Capp. voll- ständig enthalten, denn neben dem Codex Roe liegt uns eine zweite vollständige Abschrift vor in dem

2. Codex 3Iouacensis Xo. 528 (olim Augustanus p. 38 Xo. 49)^), chartaceus, saec. XV. exeunt.. Foll. 2lU, in 4" (ca. 222 X 160 ram.^), Schriftraum: 140 x 90 mm.). Der Codex ent- hält nur die Philokalia: Überschrift auf Fol. 1 a IxXoytiv t) jtaQOvoa jiirQiiyti (iißXoq r/ovoa ovtwc . toQxrj y.al tu YQccji- f/ara ßo7j&oi\utvog. Dann der Elenchus. Anfang des 1. Cap. Fol. 4 a tjceiöf] ji£Qi Tf/Xixovzmv Ende Fol. 210 ^ xca rcov yifCvmv jiou^toyr: rtXo^ xmv fpiXoxaXicöv ^) coQiytvovQ. xal reo d^fp öosci. Dann folgen noch 5 leere Blätter. Der nur mit einem Leinwandrücken versehene Codex enthält rote Quatemionen- zahlen und auf gezogenen Linien 19 Zeilen auf jeder Seite. Ornamente und Initialen sind mit ziemlicher Kunstfertigkeit in Rot ausgeführt, die Tinte ist noch recht schwarz. Die feinen und deutlichen Schriftzüge sind zwar nicht gleichmässig fest und sicher, aber rund und schwungvoll und nur wenig nach rechts geneigt. Die Accente sind meist mit den Buchstaben verljunden. Der Schreiber gehört dem Schriftcharakter nach wohl dem Ausgang des XV. saec. an. Er hat nur wenige Nach- träge am Rand gemacht, dagegen finden sich häufigere Notizen von der Hand Hoeschels, welcher nicht nur Varianten, sondern auch Seitenzahlen^) seiner Ausgabe des Orig. c. Cels. ange- merkt hat.

Da.ss diese Handschrift mit dem Codex Roe auf das enjjste

1) Vgl. Hardt's Cat. codd. mss. hibl. reg. Bav. vol. V, p. "JSti.

2) Die stark geglätteten Blätter sind nicht beschnitten.

3) Dieser Fehler scheint darauf hinzudeuten, dass die von den sonst vorhandenen abweichende Unterschrift vom Schreiber der Hand- schrift, bez. des Archetypus derselben herrührt.

4) Vgl. z. B. Fol. 'wa, wo es heisst ,Orig. 3S1 üb. 7 contra Celsum'.

Sg Zweite« Capitel.

verwandt ist. beweisen folgende Fehler im XVI. Cap. der l^liilt)- kalia. welche sieh nur in diesen beiden Handschriften vorfinden.

1) {f^avfiärwr für davfiaoävrcor B. III, Cap. 12 (Loni. 1. p. 266, Z. 15)').

2) (■vavTWTfjTcoi'' für jiittavorrjtwr B. 111, Cap. 12 (Loiu I. p. 266, Z. 16 f.).

3) TQiJcXeiova füi- zor jiXtiova B. 111, Cap. 13 (Loni. 1, p. 267, Z. 9 f.).

4) jiaga (lEv iaxQixfi om. H. ill, Cap. 12 (Lum. 1, j». 265. Z. 15—18).

Dass aber Cod. Mun. nicht der Archetypus des Cod. lloe gewesen sein kann, beweist die Auslassung von aiQtöacov (B. Ill, Cap. 12 = Lom. I, p. 266, Z. 5) im Cod. Mon., aber nicht im Codex Roe. Auch wäre es unverständlich, wie der Schreiber Kontis aus den deutlich geschriebenen Wehrten des Mon. tjt) ö8fiv6T7jTL (B. III. Cap. 12 = Lom. 1, p. 266, Z. 6 f.) hätte machen können: ajtsl osfivÖTtQov.

Dagegen ist, wie mir Herr Robinson mitgeteilt hat 2), als Ab- schrift des Mon. 523 anzusehen:

3. Codex Cantabrigieiisis, Trin. Coli. 0. 1. 10., a. 1604, welcher von Hoeschel dem Sir Henry Wotton gewidmet ist und die Kotiz enthält ,ex codice Cyprio descripta manuGraecae linguae studiosi'.

Eine zweite Absclirift des Mon. .t23 ist m. E.

4. Codex Ottoboiiiauo-Vaticamis Xo. 41(1, chartaceus. a. 1578 scr., Foll. 282, Grösse: 15 X 21 cm. Inhalt: 1. die Philo- kalia, Fol. l'i 102b. Nach den Schlussworteii . . . yii'ivov jiQa- gfccor folgt eine subscriptio [rot]: LvtavQ^a xt^ac, tiXrj(piv /; ßi- ßZog o)QiyivovQ. x^lqI ygafpaloa yaßQLtjX is cc&^vvcöv rov ytvovg. ayQctq)?/ de xara ro j^ji:; Iroa lv6\LXTicövog\ <^, oaxTtßQio^ li . 2. i'JhOipävovq ly/itLQidiov xaru iovdalcov (Fol. 103). 3. rov avTOV Xoyog yevofievoc jiqoc rivag eXXoyif/ovg tcöv lovöaiojr

1) Es sei mir gestattet, der leichteren L'berbichl wegen auch die aus der Philokalia angeführten Stellen nach Origenes c. Celsus zu citieren. Denn meine Collationen sind sämtlich nach Orig. c. Geis., Ausgabe von Lommatzsch, angefertigt, bez. übertragen. Eine Gegenüberstellung der Stücke, aus denen die betr. Philokaliencapitel zusammengesetzt sind, und der Parallelstellen in Orig. c. Gels. s. oben Seite TS f.

2) S. auch dessen Artikel im .Journal of Philology, vol. XVIII, p. 47 f.

Die Hamlschrit'ten der riiiloktilici des Origenes. 89

üiaQaxvyövxaQ Iv inidtic. (Fol. 110). 4. xov avtor ccjtoxQioig .TQog Tovc. Xöyovg zcöv kßQalcov i'Fol. 12U). ö. xov avxov txtQoi xirtg Xoyoi xaxd lovdaicov (Fol. 123). 6. Imoyfp fiova/ov. qj ßtvtvviOQ t) tjKovviäa ofiiXiai didq:oQOi Fol. 163). 7. Mr/af/X xov yXvijä lOxoQia yQovr/.i] (Fol. 192). Die einzelnen Stücke rühren von verschiedenen Händen her. Da dieser Codex an zwei Stellen (B. VII, Cap. 60 = Lom. III, p. 95, Z. 8 twi^ AiyvjcxUov und ebenda p. 96, Z. 3 jiQooyMXiOi/xai) mit Mon. ö23 gegen alle übrigen Codd. übereinstimmt, so halte ich ihn für eine Abschrift desselben ').

In engster Beziehung zu Mon. 523 steht ferner nach einer Mitteilung des Herrn Robinson:

5. Codex Constantinopolitaiius iiiouasterii 8. Scpulcliri No. 543-), saec. XY. exennt., welcher nur die Philokalia enthält. Herr Robinson schreibt mir, dass dieser Codex .,is written by the

saiue band as Monac. 523, and from the same original. It has

the same close: xiXoq xmv ffiXoxaXi&v coQiytvovg /.al xcö &^£qj do^a". Danach stammt neben Mon. 523 und Cod. Roe auch Codex Constant. von dem Codex des Atlios-Klosters Watopedion den wir Athous a nennen wollen ab.

Athous a gehört nun, wie die Lesarten des Mon. 523 be- weisen, der dem Alter nach zweiten Hau ds ehr iftengru ppe an, als deren ältester Vertreter erscheint:

6. Codex Parisinus Supplement (xrec No. Glo, mem- brauaceus, saec. XIIL, Füll. 204 -\- 2, davon Fol. Jl 19S (ab- gesehen von den verlorenen Blättern, an deren Stelle weisse '•) ein- gesetzt sind) beschrieben^). Format: 276 x 195 mm., Scliriftraum 180 X 120 mm., bez. 50 mm. für jede der beiden Columnen.

1) Vgl. Robinson a. a. U. Seite 49.

2) Vgl. Sathas, in der ufacuoniicri ßi^D.iD'h'i^fii 1. p. 285 3)4 =Kloster- bibl. des heil. Grabes in Konstantinoiiel (xazcu.oyog /tiQoy()ü<pojr zfjq i^iß?.io(h'iiit]g xov iv KojvoxuvxivovTCo'/.ti utxor/lov xov navayiov xü(fov), p. 312 inf. und Robinson, Journal of Phil. vol. XVIII, p. 48.

3) Weiss sind die Foll. 2—10. 12. 14. 17. 19. 105. 138.

4) Fol. 11 beginnt am Ende des 2. Drittels des V. Cap. (= Lom. vol. 25, p. 46 Z. KJ). Da nun eine Seite des Codex ungefähr = 10 Zeilen der Ausgabe von Lommatzsch ist, so ergiebt die Rechnung (wobei die Capitel- überschriften gebührend berücksiclitigt worden sind), dass vor Fol. 11 noch mindestens 34 Foll. gestanden haben müssen. Ferner würden noch etwa 3 4 Foll. für den Frologus und Elenchus zu rechnen sein. Von den

*)() Zweites Ciipitel.

Dtn- Codex enthält nur dir Philukalia. Aniiuig: Fol. 11« ojri- ötVfr öh öia Tt)v ctvay.r/coQtjXvtav xdi jivixt'iv (= Cap. V, Ende des 2. Drittels. Lom. vol. 25, p. 4(5, Z. 16) oder vielmehr: xolc jtoXXoig fii) sv()f}o{)-ai (= Cap. I, Lom. vol. 25, p. 9, Z. 22^)). Ende: Fol. 198» aX?. icjco Jif/Xov xccl tojp yt/ivojv jcQCc^scor. Auf die leereu Pergamentidiitter 19ü und 200 folgen noch 4 weisse numerierte Papierblätter: 201. 202. 20;i 204. Die

vor Fol. 11 verlorenen Blättern sind aber noch einige erhalten, die im gebun- denen Codex an falscher Stelle stehen. Nämlich Fol. 15 beginnt mit rou :io?.).oIq (X)i ti\)>ia0^ai und Fol. 10 schliesst mit tai)^ ort ('noTrlmovreg (= Lom. vol. 25, p. ü, Z. 22 bis p. 12, Z. (5); Fol. liJ beginnt mit: /utvac /rj^fvov- öcfc dl, xdi fi7jöi 710} und schliesst mit dxovtiv ,«?/ övvuf^üvovq xov c.viöv nw^ lyovoi ya (= Lom. vol. 25, p. J4, Z. bis p. 15, Z. 22), Also folgen Fol. 15. Ki. 13. 11 aufeinander. Aber auch Fol. IS ist unrichtig eingesetzt. Es beginnt: aXöywq nioxtvovxaq luxifuyviJXULq xul rsfjaaxoxönoic und schliesst: aX/.ä fxevovoiv iv /tuxloxio ßio) rw xwr dvcjr (= Lom. vol. 25, p. 102, Z. 21 bis p. 104. Z. 2). Also muss Fol. 18 vor Fol. gestellt werden, welches mit den Worten: tl'TisQ ovv üU.öxi anschliesst. Vordem Fol. IS fehlt dann noch 1 Fol. (= Lom. vol. 25, p. 101, Z. 14 bis p. 102, Z. 21). Ferner fehlen zwischen Fol. 11 und 20 6 Folia, welche dem Ab- schnitt bei Lommatzsch vol. 25, p. 47, Z. l'J bis p. 55, Z. 19 entsprechen. Auf Fol. I04b mitten in der 2. Columne bricht die Handschrift ab bei den Worten: uq xo iax/.i'iQvvt xq xyv xagöiar ipa^aw: es fehlen 10 Zeilen von den 24 Zeilen der Columne {= Lom. vol. 25, p. 163, Überschrift des Cap. XXVII, welche nebst den Überschriften der Capp. XXI XXVI hinter Cap. XX in dem Codex eingeschoben ist); Fol. lOG beginnt mit den Worten: 7T(^)OXC(/'.oi\utV7jg x(d ordtiuq äXXov v= Lom. vol. 25, p. Kij, Z. (i), also fehlt hier ein Fol., wie durch das eingesetzte weisse Blatt richtig angedeutet ist. Ebenso ist das Fehlen eines Fol. zwischen Fol. 187 u. 13'J richtig an- gezeigt, dasselbe enthielt das Stück bei Lom. vol. 25. p. 201, Z. 11 bis p. 202, Z. 21. Das Schema für die richtige Folge der Blätter würde also so lauten: Fol. 1*— 9* fehlen; dann Fol. 15. 1(3, Fol. 10* 11* Fol. 13 Fol. 12*— 34*. Fol. 11. Fol. 35*— 4(r. FoL 20. 21. 22 u. s. w. Fol. 55. FoL 41'' . Fol. 18. 50. 57 u. 8. w^ Hieraus folgt, dass 183 beschriebene und 2 leere Pergamentblätter erhalten und mindestens 41 -f- 2 verloren gegangen sind. Dies würde eine Gesamtsumme von 220 -\- 2 Blättern ergeben. Rechnen wir noch 4 Foll. für den Prologus und Elenchus, so erhalten wir im ganzen 232 Foll. = 29 Quaternionen. Dass aber sämtliche Quaternionen vollzählig waren, scheint daraus geschlossen werden zu dürfen, dass vom letzten Quaternio 2 Blätter leer geblieben sind; dies wäre wohl nicht der Fall gewesen, wenn der Schreiber im Hinblick auf den kleinen noch zu schreibenden liest zuletzt nur eine Lage von 4 oder 0 Blättern ge- nommen hätte.

1) Vgl. S. 89 Anm. 4.

Die Handschriften der Philokulia des; Origenes. 91

Füll. 33ti löl'j, welche die Abschuitte aus Orig. c. Geis, ent- halten, smd von mir Aug. 1887 hier verglichen worden. Das Schreibmaterial ist bald feineres, bald stärkeres Pergament. Qua- ternionenzahlen sind links unten von dem Besitzer der Hand- schrift, dem bekannten Griechen Minoides Mynas angegeben •). Die Schrift ist iu zwei Columnen augeordnet. Die Zahl der Zeilen betrügt 24, die Zahl der Buchstaben jeder Columnenzeile durchschnittlich 15. Die Buchsttiben werden von den gezogenen Linien meist am oberen Rand durchschnitten. Die Tinte erscheint jetzt rotbraun und ziemlich verblasst. Auf jeder Columne sind in der Regel 2 Initialen etwas herausgerückt und. wie die Tapitelüberschriften und die Anführungsstriche am Rand, sehr sauber und schön mit Goldtinte ausgefülirt. Die Schriftzüge verraten einen geschickten, die vielen Flüchtigkeitsfehler und Auslassungen aber einen wenig sorgsamen Schreiber, dem das schöne Aussehen seiner ( 'opie mehr am Herzen lag als die genaue Wiedergabe seines Originals. Auch finden sich nur wenig Verbesserungen von I. Hand, und diese sind sehr fein und sauber gemacht. Nur auf Fol. 173 a ist ein grösserer ausgelassener Abschnitt von I. Hand nachgetragen. Ausserdem begegnen uns Notizen des Besitzers Mvnas, welcher diese Handschrift mit Par. 616") verglichen und Varianten angemerkt hat.

Die Schrift ist Minuskel aus der II. Hälfte des Xlll. saec, sie ist nur wenig geneigt, rund und mit wenig AI)kürzungen und Ligaturen versehen. Iota subscr. ist nur beim Inf. praes. der Verba contracta auf -äco und einigemal beim Conjunctiv gesetzt. Die Accente sind stets vom Spiritus getrennt, dieser ist, wie der Circumflex. rund. Die Interpunktion besteht aus:

1) So Fol. 21a unten links 4,

Fol. 29a 5,

Fol. 37a ,, (i^

Fol. 4öa 7.

Quaternio 8 (Fol. .")3— ."iS) enthält nur 6 Blätter, es fehlen zwei, nämlich dasjenige, an dessen Stelle jetzt ein weisses steht, und Fol. 18, welches vor 5üa einzusetzen ist. Quaternio 20 enthält 4 Blätter (Fol. 105—198) Q. 27 nur 2 (Fol. 199 u. 200). Auf dem ersten der 4 weissen Nachsetz- blätter (Fol. 201a) steht unten noch 28. Vor Fol. 21a hen-scht ärgere Ver- wirrung: auf Fol. IIa steht 3, auf Fol. 7a steht 2, auf Fol. la steht 1. 'Jiienbar hat Mj'nas damit die Zahl der fehlenden Blätter andeuten wollen.

2) welche ebenfalls in seinem Besitz war, s. oben S. 57.

92 Zweites Caiiitel.

Komma, Kolon. Punkt, Fraijfext'iclieu. Die Handsclirift si-licint aus ilem Privathesit/ des Mynas direkt in die kaixerliehe Biblio- thek übergegangen und erst dort in gelbbraunes Leder ein- gebunden 7A\ sein. Denn dass dieselbe frülier des Eiubaiides entbehrt hat, beweisen die durcii Selimutz, Nässe und Wurm- stiche stark beschädigten Foll. am Anfang uud Ende und der Verlust zahlreicher Blätter: dass die Handschrift aber in Form einzelner Blätter bez. Quaternionen in die kaiserliche Bibliothek gelaugt ist, zeigt die Häutigkeit des Bibliotheksstempels (Fol. 1a IIa 13a 21a \{)[h i29b 139» 197^1 und 198»).

Da Mynas in den 40er Jahren dieses Jahrh. den Berg Athos nach Handschriften durchforscht hat. so darf man vermuten, dass auch dieser Codex daher stammt. Unsere Annahme gewinnt durch die Thatsache au Wahrscheinlichkeit, dass Codex Par. ßlo auf das engste verwandt ist mit dem. oben als Archetypus von Cod. Roe und Mon. 023 bezeichneten Atlious a. Au allen den Stellen nämlich, wo Par. G15 hinsichtlich einer Auslassung. Wortstellung oder Variante sich von der IlL, jüngsten Hand- schriftengruppe, welche besonders durch Par. 156 uud Ven. 48 vertreten Avird, scharf unterscheidet, geht Mon. 523 (also auch sein Archetypus a) stets mit Par. 615. Wenn auch kleine Abweichungen (wie Auslassungen uud Schreibfehler) bei Mon. 523 vorliegen, so sind dieselben im Hinblick auf die sonstige andauernde Übereinstimmung doch so unbedeutend, dass wir nicht nur nicht genötigt werden, von einer Ableitung des a direkt aus Par. 615, als derselbe noch vollständig war, abzusehen, sondern sogar die Möglichkeit der Identität von a und Par. 615 erwägen müssen. Wir verneinen dieselbe, da die oben Seite SS ange- führten auffälligen Übereinstimmungen zwischen Mon. und Roe auf einen gemeinsamen, von Par. (515 verschiedenen Archetypus liinweisen. Als Abschriften von Par. 615 sind mit Sicherheit ausser a noch zu bezeichnen:

7. Codex Reg:ias Parisiiius No. *.»4:5, chartaceus, saec. XI \'. exeunt, welcher ausser den 8 Büchern gegen Celsus auch Bruch- stücke aus der Philokalia enthält '), und

8. Codex Basileeiisis A III, 9, chartaceus, a. 1561. in

J) Vgl. Gajj. J, Seite 40 f. unserer Abhandlung, wo dieser Codex genau beschrieben worden ist.

Die Hamlschriften <ler Philokalia des Origenes. 93

welchem, wie wir oben gesehen haben'), die Philokalia den Büchern gegen Celsus voraufgeht-). Wenn auch, wie gesagt, die Vereinigung dieser beiden Sr-hriften 7ai einem Band nicht als ursprünglich angesehen werden kann, so ist doch die Ab- stammung der ersten von Par. 615 und der zweiten von Par. 616 meines Erachtens ein deutlicher Hinweis darauf, dass Par. 615 und 616 früher an demselben Orte und wohl auch in der Hand desselben Besitzers