ABHANDLUNGEN

_ NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT

ZU

NÜRNBERG.

as

- Vill. BAND.

MIT ZWEI GEOLOGISCHEN KARTEN.

Mo.Bot.Garden,

1598,

® HERMANN BALLHORN. *

Inhaltsverzeichnis der im VIII. Band enthaltenen Abhandlungen. BRENNER

Dr. Hagen, Die geologischen Verhältnisse im Arbeitsgebiete der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg; Festvortrag mit

zwei geologischen Karten... „7 3. oa, ern Schultheiss Fr., Die Thätigkeit der phänologischen Station Nürnberg (dakrgang 1888-885). . „u. Wr ae Dr. Hagen, Die Kreuzotter. Vortrag.» » : =... Schultheiss Fr., Phänologischer Bericht. Witterung nnd Vegeta- tionsentwicklung in den Jahren 4887 und 1888. .....

Schultheiss Fr., sporadische Pflanzen der Lokalflora Nürnbergs . Dr. 0. Boettger, Bemerkungen über einige Reptilien des Natur- historischen Museums aus Peru, Brasilien, Cuba und Grofs-

Dr. B. Baumüller und Dr. $. v. Forster, Ein Grabhügel bei Behringersdorf im Pegnitzthal, ausgegraben von der anthro- POlugischen Beklioh 22.2". 2, ee

Dr. J. Biehringer, über den Para-Nitro-alpha-Methyl-Zimmtaldehyd

Dr. H. Stockmeier, über Aluminium und Silieiumlegierungen. .

Spiess E., naturhistorische Bestrebungen Nürnbergs im XVII. und XVII. Jahrhundert. Leben und Werke ihrer Beschützer re nn ENTE TMRRRET N.

Seite

141

Inhaltsverzeichnis

der Abhandlungen der naturhistorischen Gesellschaft Band I-VIL. 1852-81,

Band]. 2 Hefte. Mit 3 Kupfertafeln. 1852, 38. Über das Ge- setz des Magnetismus, wie‘er sich bei der Tragkraft hufeisen- förmiger Magnete und bei der Schwingungsdauer geradliniger Magnetstäbe zu erkennen gibt. Von P. W. Haecker. Unter- suchung von Seewasser des stillen Meeres und des atlantischen Oceans von Dr. E. Freiherr von Bibra. Morphologische Betrachtungen über den sogen. Hut der Pilze u. über die Systematik der Kryptogamen im Allgemeinen von Prof. Dr. A.Schnizlein in Erlangen. (Mit A Tafı fel.) ee Verhältnisse der Umgegend von Nürnberg von Frz. Winkle Mit 4 Tafel.) Über die Änderung der Schwingungsdauer . Magnetstäbe, wenn sich die Schwere ändert, von P. W. Haecker. Nymphaea semiaperta Klinggräff, eine für Bayern neue Pflanze, bei Nürnberg aufge- funden. Von Dr. Joh. W. Sturm. (Mit 4 Tafel.) Enume- ratio plantarum vascularium ceryptogamicarum Chilensium. Ein Beitrag zur Farnflora Chile’s von Dr. J. W. Sturm. Über das Nordlicht. Auszug aus einem grölseren Vortrage von €. J. H.E. Edlen v. Braun. Über den Atakamit von Dr. Freiherr v. Bibra. Über die regelmälsige Zunahme der atmosphär. Niederschläge im Gebirge nach aufwärts von ach-

botanische Untersuchung der Umgegenl von Nürnberg in geschichtlicher Darstellung von H. Hauck. Über die He der Feldmäuse. Eine Preisschrifh von A. J. Jäckel. Pre Mb,

Band l. 1861. Über Teichina ae. einen Fadenwurm, und dessen Einwanderung bei Menschen und Tieren von Dr. W. Merkel. =

Botanische Beobachtungen von Prof. Dr. A. Schnizlein: IL. Un tersuchungen über die Natur der Stacheln bei der Section Gros-

sularia in ‚der Gattung Ribes. II. Über die Schuppen in a

Blumen bei den deutschen und einigen anderen Arten von Sedum.—

von Schlagintweit. er das Llama und Alpaca von (. 4.8. E ne v. Bra San Ühristobal de la Habana von F. Knapp. Klintinch Verhältnisse der Umgegend von Ansbach von F. Winkler. Aphorismen über Volkssitte, Aber-

glauben und Volksmediein. in Franken mit besonderer Rücksicht auf Oberfranken. Gesammelt und zusammengestellt von A. Jäckel Beobachtungen über das Wachstum des Blütenstengels der

Carl Emil Diezel, qu. kgl. BEER: Revierförster von A. J. Jäckel. (Nekrolog.) Preis 6 Band Ill. 1. 2. Hälfte. Mit 43 Steintafeln. 1864, 66. Über die Heirat unter Blutsverwandten. "Von Dr. W. Merkel. Über Natron und dessen Bereitung aus Kryolith von Chr. Voitl. Assam, das mittlere Stromgebiet des Brahınaputra von Hermann v. Schlagintweit. Die Steinkohlen und unsere fossilen Brennstoffe. Ein Stück zur Bildungsgeschichte unserer Erde mit kulturhistorischen und ökonomischen Streiflichtern. Von C. Glaus. Die Vögel Mittelfrankens. Ein Beitrag zur Kenntnis der geogra- phisch-statischen Verbreitung der deutschen Vögel von A. J. an ckel. Die europäischen Arten der Arachnidengattung Chei- acanthium von Dr. L. Koch. Resultate der meteorologischen Beobnchtungn in Nürnberg im Jahre 1863 von Dr. Küttlinger. er Graphit und seine wichtigsten Anwendungen von Dr. H w eger. Die Algenflora des mittleren Teiles von Franken (des Keupergebietes mit den angrenzenden Partien des jurassischen Gebietes) enthaltend die bis jetzt vom Autor in diesem Gebiete eobachteten Sülswasseralgen ete. von P. Reinsch. (Mit 13 Ta- feln.) Beiträge zu der Lehre von der tierischen anomalen Mann- weiblichkeit (Gynandro-Morphismus) von A. J. Jäckel. Re- sultate der meteorologischen Beobachtungen in ee in den Jahren 1864 und 1865, Von Dr. Küttlinger. Preis Band IV. Mit 4 lithogr. Tafeln. 4868. Die © Be s - Amaurobius, Caelotes und Cybaeus von Dr. L. Koch (mi 22 Tafeln.).— Über sacktragende Motten-Arten. Von E. Hofmann.

n herrschenden Krankheiten im Etatsjahre 1866—1867, resp. ee sek 4867 von Dr. Heidenschreider daselbst. (Mti Tafel.) Der Salmiak als Erstalzmittel für die Salzsäure bei ee von v. Liebig angegebenen Bereitung des Kleienbrotes. Von a Puscher. Ergebnis von Düngungsversuchen. Von Dr. &.

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n Dr. L. Ko (Mi Band vn. Mit ed 1881. All

Se rmann. Abbildung und Beschreibung Bee Käfer s der Sturm’schen een in Nürnberg. Von G. v. Koch. Atit 2 Tafeln.) Preis

Band V. Mit 2 se, 4872. Systematische Übersicht der

Fliegen, welche in Bayern und in der nächsten Umgebung vor- kommen, zusammengestellt von G. Kittel und Dr. Kriech-

baumer er Kometen und Sternschnuppen. n Dr. Neger. Über das Verhältnis der humanistischen Gymnasien zu den Naturwissenschaften. Von Dr. J. Neger. Über Phos-

phore. Von Dr. G. Seelhorst. Apterologisches aus dem frän- kischen Jura. Von Dr. L. Koch. (Mit 2 Tafeln.) Über die Spinnengattung Titanoeca Thor. Von Dr. L. Koch. Preis 5 A.

Band VI. Mit 2 Tafeln. 1877. Die Anfänge und Entwickelungs-

stadien des Coordinatenprinzipes. Von Prof. Dr. S. Günther. (Mit 1 Tafel.) Mitteilungen aus der cubanischen Tier- und Pflanzenwelt. Von Fr. Knapp. Die Kuhmilch als Säuglings-

Von Dr. E. Rehm Über a und Steinbildung.

de = und Heschreihungen von neuen, hier orkomnden Arten 1. 60

gemeiner Bericht. _ Mitteilungen aus der Geschichte der hen Gesellschaft seit ihrer Gründung im Jahre 1801. Vorträge gehalten in den Vereinsver- sammlungen im Jahre 1879/80 von Fr. Knapp. Über Wit- terungs- und Bodenverhältnisse Nürnbergs von Prof. Dr. Bieh- ringer. Neue Beobachtungen über die Phanerogamen- und Ge- fäfskryptogamen-Flora in der Umgegend von Nürnberg. Nachtrag und Ergänzung zu Sturms und Schnizleins Flora von Nürnberg und Erlangen. 2. Aufl. 1860. Zusammengestellt von Aug. Schwarz. Die praktische Meteorologie der Gegenwart von Dr. Sigmund Günther. Über Ammoniten von Dr. Hagen. (Mit 1 Tafel.) Die elementare Erklärung der Präcessionsbewegung mit Berück- sichtigung der Reibung von J. G. Munker. (Mit Abbildung.) Preis 5%

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Die geologischen Verhältnisse im Arbeits- gebiete der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg. Festvortrag, gehalten bei Einweihung des eigenen Hauses „zur Blume“

am 14. Dezember 1884

von

Dr. Hagen,

königl. Bezirksarzt.

Mit zwei geologischen Karten.

Abh. d, Naturh. Ges. VIII. Bd.

Hochverehrte Festversammlung!

Es ist mir der ehrenvolle Auftrag geworden, heute bei der offiziellen Übernahme und Eröffnung unseres eigenen Heims »zur Blume« den Festvortrag zu halten. Da sich nun mit diesem Tage für die naturhistorische Gesellschaft nach 83jährigem Bestehen ge- wissermassen eine neue Aera inauguriert, so erachte ich es für an- gemessen, als Ausgangspunkt unserer ferneren Thätigkeit den Boden, auf welchem diese sich entfalten soll, einer Besprechung zunächst in geologischer Beziehung zu unterstellen.

Die geologischen Bildungen unserer Gegend im weiteren Sinne gehören dem zweiten oder mittleren Weltalter, der mesolithi- schen oder mesozoischen Zeit an. Diese nicht ohne Weiteres ver- ständlichen Ausdrücke bedürfen einer Erklärung, welche aus Fol- gendem zu entnehmen sein wir

Analog der Einteilung di Weltgeschichte hat man nämlich die ige der Erdrinde auch in gewisse Abschnitte eingetei

ER Vernichtung des Bestehenden in gewaltigen Ka- tastrophen, insbesondere auch periodische Vernichtung und Neu- schaffung der Organismen waren Grundanschauungen der älteren Geologen, in deren Sinne und auf dem Grunde der Befunde in einem verhältnismässig kleinen Beobachtungskreise, der nicht viel über mitteleuropäische Länder hinausging, man verschiedene Zeit- abschnitte der Erdbildung feststellte. Gebirgsglieder oder Erd- schichten, welche sich gleichzeitig und gleichartig mit gleicher Fauna und Flora gebildet hätten, nannte man eine geologische Forma- tion, und stellte sich darunter etwas in der Natur begründetes, fest abgeschlossenes Ganzes vor. Mehrere Formationen oder Perioden gruppieren sich dann wieder zu grösseren Abschnitten, zu Zeit- altern, Weltaltern. Jetzt ist man der Anschauung, dass die

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Formationen nicht unvermittelt sich folgen, und dass insbesondere vom ersten Auftreten organischen Lebens an eine allmähliche Ent- . wicklung derselben stattgefunden habe. Dabei ist nun freilich die Frage, wie die Lebewesen aus unorganischen Stoffen entstanden seien, noch offen, die Reichhaltigkeit nach Arten und Formen der Organismen gleich in den ersten ältesten Versteinerung führenden Schichten unerklärt. Die frühere Einteilung wurde aber im Sinne künstlicher Gruppen im wesentlichen der besseren Übersicht halber beibehalten. erall, wo wir in die Tiefe gehen, finden wir als unterste und älteste Gebilde krystallinische Silikatgesteine als kry- stallinische Massengesteine und krystallinische Schiefer, welche als Gneis, Granit, Glimmerschiefer, Urthonschiefer ete. das Ur- oder Grundgebirge zusammensetzen. Im Grundgebirge finden sich

Spuren organischen Lebens nicht der Streit über das Eozoon canadense im Urkalke des Gneis ist wohl zu Ungunsten der orga- nischen Natur desselben entschieden und desshalb wurde das

Urgebirge das azeische (x-[@®ov, kein lebendes Wesen), die Bil- dungszeit desselben die azoische Periode genannt.

Über die Entstehung dieses Urgebirges wurden verschiedene Theorien aufgestellt. Abr. @. Werner, Professor an der Bergaka- demie in Freiberg (1750—1817), welcher für den Begründer der deutschen Geologie gilt, sah alle Teile der Erdrinde als Nieder- schläge aus dem Meere und die Urgebirgsgebilde insbesondere als rein chemische Niederschläge aus dem Urmeere an, das ist die neptunistische Theorie. Die vulkanischen Erscheinungen wörden dabei als blos zufällige und örtliche Prozesse angesehen. Fast gleich- zeitig machten sich Ansichten geltend, welche die Urgebirgsgesteine als die erste Erstarrungsrinde ansahen, mit welcher die Erde nach ihrem Übergange vom gasförmigen in den feurigflüssigen Zustand überzogen wurde. Im Kampfe mit dem Neptunismus behält diese plutonistische Theorie die Oberhand. In dieser Erstarrungsrinde sei die Bildungsstätte der krystallinischen Schiefer zu suchen, die Zusammenziehung der Rinde habe in Verbindung mit anderen Ein- wirkungen ein Zerbrechen derselben und ein Emporpressen der feu- rigflüssigen Masse zur Folge gehabt. So stellte sich diese Theorie z.B. - die Entstehung der Granite vor. Auch in späteren Zeiten noch seien solche plutonische Gebilde emporgepresst worden, aber in der Rinde

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erstarrt, und nicht wie die vulkanischen Massen feurigflüssig zur Oberfläche gekommen. Anschauungen, nach welchen die krystalli- nischen Schiefer unter Druck und Wärme umgewandelte Sediment- gesteine seien u. a. m., machten sich wieder geltend, Theorie des Metamorphismus. Wissenschaftlich überzeugende Nachweise liessen sich für diese Theorie nicht erbringen, auch durch die plutonische Theorie konnten anderweitige Thatsachen ihre befrie- digende Erklärung nicht finden, so z. B. ist weder durch eine Nie- derschlagsbildung aus Wasser, noch durch Entstehung auf feurig- flüssigem Wege die feine Verzweigung von Graniten zu erklären, welche sich in jüngere Bildungen eingelagert finden, ohne dass diese jüngeren Bildungen Spuren der Erhitzung durch feurigflüssige Massen zeigen. Dies führte zur Aufstellung einer weiteren Theorie, nach welcher unter Einwirkung erhöhter Wärme, Druck und Wasser Kieselsäure und Silikate hätten aufgelöst und aufgelöst erhalten werden können, die Bildung einer teigartigen Masse Magma und damit der massigen und auch schiefrigen Urgesteine möglich gewesen wäre, das ist die wässrig-feurige (hydatopyrogene) Entstehungsweise.

Zerstörungen und Zersetzungen dieses Urgebirges lieferten den weitaus grössten Teil des Materials zur Bildung weiterer jüngerer Erdschiehten, welche sich nun als Absätze aus dem Wasser kenn- zeichnen, sogenannte Sedimentärgesteine oder Flötzgebirge. Es ergaben sich die Bedingungen für die Existenz pflanzlicher und tierischer Organismen, immer neue Erdschichten entstanden aus der Zerstörung älterer, teils auch unter oft recht wesentlicher Mitwirkung der Organismen. die Entwicklung der letzteren wurde immer vollen- deter. Auf die azoische Periode folgt so das

I. Weltalter, paläozoisches oder paläolithisches Zeitalter.

Dieses Zeitalter umfasst vier Formationen: 1) die siluri- sche (von Silurern, alt-brit. Volksstamm), einschliesslich der sog. cambrischen Schi chten als Übergang zwischen Urgebirge und Silur; 2) die Devonische (von Devonshire in England), 3) die Steinkohlenformation, 4) Dyas, eine Doppelgruppe aus > liegendem un ka Seatshendl; yon Geynitz so genannt. Im

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russischen Gouvernement Perm schön entwickelt, heisst sie auch permische.

Die Fauna dieses Zeitalters besteht aus zahlreichen Arten niederer Meerestiere, Brachiopoden, Cephalopoden, Stachelhäutern ; Trilobiten, krebsartige Tiere, spielen besonders in der Silurzeit eine Rolle. Von Wirbeltieren findet sich in der Steinkohlenzeit ein 'Lurch, der Froschsaurier, Archegosaurus, und zu Ende des Welt- alters treten in der Dyas die ersten deutlichen Schuppenfische, aber noch mit ungleichen Schwänzen, auf. Die Flora, im Anfang fast nur Meeresflora, kommt in der Steinkohlenperiode zur reichst Entwicklung, jedoch mit fast ausschliesslich kryptogamen Formen: Calamiten, Lepidodendren, Sigillarien, Farne. Araukarienartige Coni- feren in dieser und einzelne Palmenarten in der Dyas traten als höchst entwickelte Pflanzenarten dieses Weltalters auf.

Das II. Weltalter,

mesozoische, mesolithische Zeit, sekundäres Gebirge, umfasst drei Formationen: Trias, Jura, Kreide. Es ist das Weltalter, welchem die Eidschiehten unserer Umgebung ange-

ören. Trias und Jura werden wir spezieller besprechen. Die Kreide- oder a Formation ist eine Meeresbildung aus verschiedenen Kalk- und Sandsteinen, Mergeln und Thonen, und hat in den obersten Lagen Schichten weisser Schreibekreide einge- lagert, woher die Formation den Namen erhielt.

Im Anfange dieses Weltalters traten Reptile als Meer- und Landbewohner auf, welche für das Weltalter bezeichnend sind. Zunächst noch ein Froschsaurier, das Chirotherium oder Labyrin- thodon, dessen Fährtenabgüsse in den Hessberger Platten des bunten Sandsteins bekannt sind, dann im oberen Keuper die gewaltigen Landreptile Belodon (Pfeilzahn) und Zanclodon (Ld&vyAn, Win- zermesser, Zähne wie ein Winzermesser) oder der schwäbische Lindwurm, dieser in den grellroten Keuperletten bei Lauf gefunden. Von diesem »Lindwurm« beschreibt Prof. Fraas Ys Schuh lange Krallenknochen, einen Fuss mit 5 Zehen, der 3 Quadratfuss zum Tritt braucht, Oberschenkel von 2!/ Fuss Länge, was auf Tiere von 40 und mehr Fuss Länge hinweist, ein Landsaurier mit Kno- chen, grösser als die des Elephanten und Mammut. Die gewaltigen

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Meersaurier der Juraperiode sind besser bekannt. Von Cephalopoden erscheinen die ersten echten Ammoniten mit ringsgezackten Loben, sowie die Belemniten, erreichen im Jura ihre höchste Entwicklung, um in der Kreide für immer zu verschwinden. Schon im oberen Keuper, dann auch im Jura finden sich die ersten Spuren von Säugetieren, und zwar von Beuteltieren, also von Säugetieren noch nicht vollkommener Organisation, die im Fruchthälter keine Placenta bilden, ihre Jungen unreif gebären und in einem Beutel am Bauche vollends austragen. Im obern Jura erscheinen Flugsaurier als Über- gänge zum Urvogel Archaeopterix.

Die Flora dieses Weltalters ist nicht sehr reich, doch finden sich gegen Ende desselben bereits höher entwickelte Dikotyledonen.

III. Weltalter oder Tertiärformation.

Tertiär ist ein alter Name von Arduino, welcher alle Ge- birge entweder als primäre, sekundäre oder tertiäre bezeichnete.

Gleich in der ersten Zeit dieses dritten Weltalters treten vollkommene, placentale Säugetiere auf, die Flora und Fauna ent- wickelt sich reicher und reichhaltiger, nähert sich der Jetztzeit mehr und mehr, es bricht eine neue Zeit an, xa@:vög, noch nicht dagewesen, und darum hat man die erste Periode dieses Welt- alters das junge Morgenrot, &wg xatvl, die »eocene« genannt, welcher sich dann nach Massgabe des Schöpfungszuganges die oligocene, miocene Kelov xav, weniger neu —, plio- cene (mehr neu) anschliessen. In der Eocene finden wir die Paläotherien, in der Miocene die Mastodonten nebst vielen Arten von Wiederkauern, in der Pliocene das Mammuth, die grossen Raubtiere Löwen, Bären ete., Pferd, Renntier u. a. m. als bezeich- nende Vertreter der Fauna. Besonders in die Miocene fallen auch die Ablagerungen der Pflanzen, aus welchen die Braunkohlenlager entstanden sind.

Um diese Zeit ist bereits eine klimatische, und damit eine Differenz der Fauna und Flora in series Kontinenten ein- ae Unsere Gegend hatte zu Ende der Tertiärperiode bereits

en Winter mit Schnee und Eis, und solchen klimatischen Ver- ältnissen mussten sich Tiere und Pflanzen anpassen, oder ver- schwinden.

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Mit dem Ende der Tertiärzeit treten für Europa noch weitere durchgreifende Veränderungen in den physikalischen Verhältnissen auf. Mit dem Ende des dritten und im Anfange des

IV. Weltalters, der Quartär- oder Diluvialformation,

in welche alle präglacialen, glacialen und postglacialen Bildungen

len, wurde das Klima wesentlich kälter, es trat die Eis- oder Gletscherzeit ein, welcher dann der jetzige Zustand der Dinge folgte. Das III. und IV. Weltalter wird auch als känozoisches Zeitalter zusammengefasst mit den Unterabteilungen der Tertiär- und Quartär-Formation.

In das vierte Weltalter und zwar wohl bis in die Eiszeit fällt das erstmalige Auftreten des Menschen, welcher unzwei- felhaft noch mit dem Mammut, Höhlenbären ete. zusammen- gelebt hat.

Im Anschlusse an diese Urgebirgs- und Sentimentärforma- tionen sind noch die Eruptivgesteine, wie Grünsteine, Por- phyre, jüngere Granite etc. aus dem ersten bis in das inilere Zeitalter zu erwähnen, dann die vulkanischen Trachyte und Ba- salte von der zweiten Hälfte des mittleren Zeitalters, in der Ter- tiär- und Quartärzeit.

Dies dürfte zum Verständniss der technischen Ausdrücke und des allgemeinen Ganges der Dinge genügen.

Zu Anfang des zweiten Weltalters war die Vertiefung zwischen dem Schwarzwald-Odenwald einerseits und dem Fichtel- gebirge und ostbayerischen Grenzgebirge (Böhmerwald) andererseits vom Meere eingenommen. In diesem Meere haben sich die für uns in Betracht kommenden Gebilde der Trias, des Jura und der Kreide abgelagert, und über alle diese ausgebreitet finden wir Sedimente und Anschwemmungen aus der Tertiär-; Quartär- und Neuzeit.

Die Trias besteht aus den drei Gliedern des Buntsand- steines, des Muschelkalkes und des Keupers. Diese drei Glieder hängen so untrennbar zusammen, dass der württembergische Geologe Alberti dieser Formation den Namen Trias gab.

Der Buntsandstein, das unterste Glied der Trias, geht im weiten Bogen von den Rändern des Schwarzwaldes, Odenwaldes

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über Franken, Hessen, die Hildburghäuser Gegend nach Ost an den Thüringerwald, von da, abgesehen von seiner Verbreitung nach Norden, längs des Frankenwaldes über Kronach, Kulmbach, Bay- reuth herab, um etwa bei Kemnath zu verschwinden. Derselbe charakterisirt sich vielfach nur als Uferbildung, liefert aber das geschätzteste Baumaterial (Monolith im Germ. Museum von der Miltenberger Gegend) in seinen bunten (woher der Name), meist roten Sandsteinen.

Das zweite Glied der Trias, der Muschelkalk; ist reines Meeresprodukt von Kalk und Dolomit mit Zwischenschichten von Gips und Salz, in seiner hauptsächlichsten westlichen Verbreitung fern vom Rande des Urgebirges entstanden. Im nördlichen Württem- berg, nordwestlichen Mittelfranken und in Unterfranken bildet er östlich dem Buntsandstein (Spessart) weite fruchtbare Ebenen. Im Nordosten finden sich bis herab in die Gegend von Bayreuth nur schmale Streifen Muschelkalk, welche sich bis gegen Kemnath gleich dem Buntsandstein verlieren.

Über diesem zweiten erhebt sich das dritte Glied der Trias, der Keuper (Provinzialausdruck für buntgewebtes Zeug auf die vielfarbigen Lettenschiefer angewendet), welcher sich als Meer- und Süsswasser-, Land- und Uferbildung charakterisiert.

Herr Oberbergdirektor Prof. Dr. Gümbel unterscheidet drei Hauptstockwerke des Keupers: 1) den grauen oder Lettenkoh- lenkeuper, 2) den bunten oder Hauptkeuper, 3) den gelben Keuper oder die Rhätische Schichte.

Der Lettenkohlenkeuper besteht aus grauen Sandsteinen mit bunten dolomitischen Mergeln (unter Dolomit versteht man ein Gestein, das rein aus 54. kohlensaurem Kalk und 46. kohlensaurer Magnesia, Bittererde, besteht. Werden Thone kalkhaltig, so nennt man sie Mergel, Thonmergel, Kalkmergel, und bei Gehalt an Bitter- kalk dolomitische Mergel; Steinmergel sind harte Mergel) in Ver- bindung mit Lettenschichten, welche häufig Kohlenschichten ein- schliessen, woher der Name, überdeckt in den genannten Gauen vielfach den Muschelkalk, und erscheint im Nordosten ebenfalls in schmalen Bändern nur herab bis Kemnath. Die Mächtigkeit be- trägt etwa 4-8 Meter.

Der bunte oder Hauptkeuper ist aus Schichten von Sand- steinen im vielfachen Wechsel mit dolomitischen Mergeln und

Schieferletten von roter, violetter, grauer und hellerer, selbst auch grüner Farbe zusammengesetzt.

Die untere Etage desselben hat vorzüglich Gipsschichten ein- gelagert, und verbreitet sich mit der Lettenkohle vielfach über die genannten Gauen, weshalb diese Gipsschichten Gaugipsschich- ten genannt werden. Über diesen erhebt sich die Hauptmasse des mittleren oder bunten Keupers im ganzen Westen als Steilrand bis und über 500 Meter Höhe. Es ist dieser Steilrand von Schillingsfürst über den Wachsenberg und die hohe Seite östlich Rothenburg o. T.., über den Hohenlandsberg und Frankenberg östlich Uffenheim, Schwamberg bei Iphofen zum Zabelstein bei Hassfurt, dann jenseits des Mains in den Hassbergen bis in die Gegend von Königshofen im Grabfeld zu verfolgen. Von da ziehen sich die Keupergebilde ebenfalls mit markirtem nordwestlichen Rande (Wasserscheide) in die Koburger Gegend, dann weiter in südöstlicher Richtung über Kronach, Kulmbach, Bayreuth längs des Urgebirgsrandes bis nach Regensburg.

Ausser den Gaugipsschichten besteht der Hauptkeuper aus folgenden Schichten: 1) zu unterst aus einer Lage grünlich - grauen oft rötlichen Sandsteins mit vielen Pflanzenresten, Farnen, Kala- miten ete., weshalb derselbe Schilfsandstein genannt an

r diesen Schilfsandsteinen folgen nun die sogenannten Ber ig gen, weisse oder schöne fleischfarbige putzenförmige Gipseinlagerungen mit dünnen Bänken von Fasergips in den bunt- farbigen thonig-merglichen Bildungen. Darüber folgt dann die durch ganz Franken konstante ca 0,5 Meter mächtige Bank eines bläu- lichen, dolomitischen Steinmergels, die Lehrbergschicht oder der sog. Ansbacher Pflasterstein.

Alle diese Schichten zusammen bilden die untere Etage des Hauptkeupers mit einer Mächtigkeit von ca. 80-90 Meter, wovon ca. 10 Meter auf den Schilfsandstein kommen.

Die obere Etage ist nicht so gut charakterisiert wie die untere mit ihren Gaugips-, Schilfsandstein-, Berggips-- und Lehrberg- schichten.

Die Lettenschiefer folgen sich im bunten Wechsel aller Far- ben, Mergel, selbst Steinmergel finden sich noch, im Allgemeinen aber wird nach oben der Kalkgehalt geringer, rote Farben der Letten herrschen vor. Den Lettenschichten sind Sandseinbänke von

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wechselnder Farbe, Festigkeit und Mächtigkeit eingelagert. Das Gestein wechselt je nach Bindemittel selbst im gleichen Horizonte regionär so sehr, dass eine stufenweise Schichtenverfolgung schwierig wird. Im Allgemeinen sind in dieser Etage drei Stufen zu unter- scheiden: Zu unterst die Stufe des Semionotussandsteins, welcher nach oben in glimmerige, kieselige Sandschiefer mit Fisch- resten übergeht. Diese Fischreste, Schuppen des Semionotus Ber- geri, wurden aber bis jetzt blos in der Gegend von Koburg und bei Stuttgart, gefunden. Die mittlere Stufe bildet der grobkörnige Stubensandstein mit sehr lockerem Bindemittel als Streu- sand (woher der Name), mit festerem Bindemittel als Baustein ver- wendet. Den Stubensandstein überlagert eine mächtige Schichte roter Letten, über welchen dann die letzte Stufe, der sogenannte Burgsandstein folgt, wie er an der Burg, am Burgberge in Er- langen, Schmaussenbuck und im Reichswalde ansteht. Auch diese Stufe wechselt örtlich sehr in der Z tzung, geht mit kieseligem Bindemittel und Feldspatkörnern in einen arkoseartigen Sandstein über, desen Typus der Wendelsteiner Mühlstein ist, oder er wird unter Aufnahme von Bitterkalk zur dolomitischen Arlaisie, wie wir ihn im Koburger Festungssandstein finden.

Die Mächtigkeit des bunten Keupers beträgt etwa 60 Meter, so dass der Hauptkeuper ca. 150 Meter mächtig ist. Der bunte Keuper ist in seiner unteren Etage am Steilrande und in den west- lichen Teilen der Flüsschen, welche sich hier tiefe Rinnsale aus- gewaschen haben, gut aufgeschlossen. Die obere Etage bildet ein vom Steilrande ab nach Ost sanft abfallendes Plateau, welches sich über 15 Stunden weit bis an den Rand der jurassischen Ablage- rungen erstreckt.

Über dem Burgsandsteine liegt eine durch ganz Franken kon- stante Schichte vorzugsweise sogenannter grellroter Keuper- letten die Schichte des Zanclodon laevis und darüber das dritte und letzte Hauptstockwerk des Keupers, der sog. gelbe Keuper oder die rhätische Schichte, von eingeschlossenen

ücken baumartiger Schachtelhalme auch Equisetensand- stein. Diese früher viel umstrittene Zwischenbildung zwischen

Trias und Lias, als welche sie wenigstens in den Alpen er-

scheint, ist in den rhätischen Alpen besonders schön und mächtig, aber als Kalksteinbildung entwickelt, und wurde von Herrn Obgd.

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Prof. Dr. Gümbel unter Übertragung des Namens von dem alpinen auf das ausseralpine Sandsteingebilde der triasischen Formation angeschlossen.

Der gelbe Keuper ist sammt den ihn unterlagernden grellroten

Keuperletten nicht über weite Flächen verbreitet, es bilden beide vielmehr nur eine meist sehr schmale Zone am Raiıde der jurassi- schen Ablagerungen. Für unsere Gegend ist das schmale Band der grellroten Keuperletten in einer Mächtigkeit von 20—30 Meter von Unter- ferrieden über Burgthann, im Thal westlich Altenthann, über Weiher- haus, Moosbach, Brunn, Renzenhof, Letten, dann östlich über die Nes- senau bis Ottensoos, dann thalüber vom Bahnhof Schnaittach-Neukir- chen, hier jedoch meist weggeschwemmt und mit Sand überdeckt, in westlicher Richtung in den Thaleinschnitten nördlich Lauf, an der Basis des Schmalzberges (Ludwigshöhe), am Hirschensprung, um Wolfsfelden, an der Basis des Kalehreuther Berges über Dormitz, Spardorf, Rathsberg (Wildniss) in die Gegend von Pinzberg u. s. w, zu verfolgen, die Felder und Wege im Bereiche derselben sind so- fort an der roten Farbe kenntlich, welche unmittelbar darunter und nach oben gar nicht vorkommt. Die grellroten Keuperletten haben hier fast durchweg eine Schichte breceienartigen Kalksteins eingelagert, und hier finden sich auch die Knochen von Zanclodon. Reste dieser riesigen Panzerechse wurden beim Bahnbau gefun- den, aber wahrscheinlich verschleppt; es ist mir nur ein Knochen davon zu Gesicht gekommen, dessen Dimensionen auf ein Tier stattlicher Grösse schliessen lässt. Knochen kleinerer Tiere werden alljährlich beim Steinbrechen gefunden. Überall ist dieser Letten- schichte der gelbe Keuper unmittelbar aufgelagert in einer Mäch- tigkeit von 8—20 Meter, meist steilen Anstieg oder felsige Ge- hänge bildend.

Die undurchlässigen Letten bilden auf der ganzen Linie einen konstanten Wasserhorizont, welcher sieh durch zahlreiche Quellen, jetzt meist trocken gelegte Weiher und Versumpfungen kennzeich- net, z. B. Burgthann, Pattenhofer Keller, Sophienquelle, Weiherhaus, Ursprung, Brunn, Renzenhof, Schönberg, Wolfsfelden, tropfender Fels mit seinen Weihern ete. Aufgeschlossen ist der grihe Keuper im Schwarzachthale, von Pattenhofen und Burg östlich

den Ort Rasch, um Altenthann, Winkelhaid, in 2 Röthenbach-

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klamm bei Altdorf, bei Leinburg, am Brunnerberg, Diepersdorf, vor Haimendorf, Schönberg, Sendelbach, Henfenfeld, bis nahe an den Bahnhof Hersbruck L., nördlich der Pegnitz gehören die Stein- brüche bei Speikern, sowie westlich die Sandsteine an den Gehän- gen nördlich Lauf, am Schmalzberg, Heroldsberger Keller, Kalch- reuther Höhe, Rathsberg etc. dem gelben Keuper an.

Der gelbe Keuper ist ein meist grobkörniger weisser, gelb- lich-weisser, gelber, ja selbst bräunlicher Sandstein, oft mit schwarz- braunem Manganputzen durchsetzt.

vielen Orten findet man ihm Schichten tierischer Reste,

teils abgerollt und zerbrochen, besonders Knochen und Zähne, mit and zu einer Breccie zusammengebacken auf- und eingelagert, das ist das Bonebed oder die Beinschichte. In Franken je-

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blos bei Bamberg aufgefunden. An Stelle desselben finden sich in Franken Lager schiefriger Thone mit vielen Pflanzen- resten. Die desfallsigen Pflanzenlager von Veitlahm und Theta bei Bayreuth sind bekannte Fundorte. Im sog. Teufelsgraben zwi- schen Grünsberg und Rasch findet sich in einer Höhle eine schwarze Thonschieferlage mit Kohlenputzen und zahlreichen Farrnarten, welche wohl diesem Lager Aequivalent des Bonebe angehört. Wenn die Schiefer trocknen, zerfallen sie, und es sind dann die Pflanzenreste meist nicht mehr kenntlich. Oft finden sich zahlreiche Kohlenputzen von. Treibhölzern (Löwengrube bei Alt- dorf), oder Stammstücke baumartiger Equiseten, die ich einmal zahlreich im Bruche vor Haimendorf fand, im gelben Keuper, und am Ursprung, sowie bei Grünsberg sind dem Gesteine schöne Schwefelkieskrystalle auf- und eingelagert.

Der gelbe Keuper bildet die Basis für die nächst jüngere jurassische Formation.

Mit dem Namen Jura, mons Jura, wurde schon von Julius Cäsar in seinem gallischen Kriege ein Gebirgszug Galliens benannt, und von Alexander v. Humboldt auf die anologen Gebirge Deutsch- lands übertragen. °

Dieser Gebirgszug zieht von Frankreich durch die nordwest- liche Schweiz, bei Basel über den Rhein, östlich durch Württem-

.berg und zwischen Dinkelsbühl und der Donau auf bayerisches

Gebiet. Hier geht die Grenze jurassischer Ablagerungen von Din-

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kelsbühl östlich über Gunzenhausen, mit einzelnen insulären Ab- lagerungen bei Ornbau und Spalt, in die Gegend von Heidek- Berching, von da nördlich über die Neumarkt-Altdorfer Gegend über die Höhen bei Lauf, Kalchreuth, Rathsberg, Pinzberg gegen Bamberg, dann über Ebern, Sesslach bis nordöstlich von Koburg, von hier in südöstlicher Richtung nach Kirchleus, Weismain west- lich Kulmbach, Creussen, Kirchenthumbach, gegen Freiung i. O., hier über die Amberger Gegend um die Urgebirgsecke nach Schwan- dorf mit Ausbiegung in die Bodenwöhrer Bucht, und dann am Urgebirgsrande südlich bis Regensburg. Die Juraablagerungen auf bayerischem Gebiet sind als Frankenjura bekannt

Im ganzen Westen liegt als unterste Stufe jurassischer Bil- dungen der Lias über dem gelben Keuper, den eigentlichen Jura als mehr weniger schmales hügeliges Vorland umsäumend. Über dieser Liasterrasse erhebt sich dann steil ansteigend der mitt- lere oder braune Jura und endlich das dritte und letzte Glied, der weisse Jura.

Nördlich im Bogen Bamberg-Lichtenfels-Kulmbach hat der Main den Jura durchbrochen, und es findet sich hier der Steilrand des Jura mit dem Liasstreifen am südlichen Ufer des Mains. Nörd- lich des Maines zeigen sich nur Braunjuragebilde als höchste Stufe jurassischer Ablagerungen, z. B. bei Banz, östlich Koburg, nördlich Burgkundstadt. Hier hat sich aber bei Kirchleus eine Insel weissen Juras erhalten. Die Liasinsel an der Theta nördlich Bayreuth er- scheint als südlichster Punkt nördlich des Main.

Von der Weismainer Gegend westlich Kulmbach zieht nun das Liasband am Jurasteilrande über Thurnau in südöstlicher Rich- tung nach Creussen. Von da bis Freiung-Hirschau und um die Urgebirgsecke längs des Urgebirgsrandes bis Regensburg, mit Aus- nahme der Amberger Gegend meist nur in schmalen Streifen.

Am Ostrande, etwa von Kirchenthumbach südlich, macht der Jura nicht mehr den Eindruck eines steilansteigenden Gebirges. Spätere Dislokationen haben hier andere Verhältnisse geschaffen.

Im Süden, längs der Donau von Ulm bis Regensburg, bricht der Jura plötzlich ab, es finden sich keine Vorterrassen älterer Ge- bilde, die ganze Donauebene ist mit diluvialem Gerölle und zum Teil mit Tertiärablagerungen et Es fehlt hier der natür- liche Abschluss.

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Die Ausbildung mesolithischer Formationen ist in Europa nordwestlich einer Linie, die von Krakau über Wien, Mün- chen nach der Schweiz geht, eine andere als südöstlich dieser Linie, auch quoad faunam, und speziell in Bayern haben die geog- nostischen Forschungen Anhaltspunkte dafür gegeben, dass von der Passauer Gegend südwestlich gegen die Schweiz einst ein Ur- gebirgsrücken zog, der nach der jurassischen Zeit in die Tiefe versank. Dieser versunkene Urgebirgsrücken wäre die südliche Grenze des Meeres gewesen, in welchen sich unsere mesolithischen Bildungen abgelagert haben, die Alpen sind ja später erst ent- standen, und haben, wie oben bemerkt, andere Verhältnisse. Mit dem fraglichen Urgebirgsrücken ist dann der gesammte Jura jen- seits der Donau in die Tiefe versunken und mit Geröll überlagert worden. Tiefbohrungen jenseits der Donau bei Regensburg haben ergeben, dass hier in 200-300 Fuss Tiefe Juradolomit lagert.

Es hätte sich dann das für uns in Betracht kommende

_ Jurameer erstreckt über einen Teil von Burgund, Elsass-Lothringen,

die westliche Schweiz, vom ÖOstfusse des Schwarzwaldes in öst- licher Richtung durch Württemberg nach Bayern in der beschrie- benen Verbreitung, dann östlich von Regensburg am Südabhange des Urgebirges, wo sich bej Münster, Flinsbach, Ortenburg etc, Jura- reste finden, weiter abwärts und um den mährischen Urgebirgs- rücken bis in die Gegend von Krakau. Der Teil des Jurameeres, in welchem sich der Frankenjura ablagerte, erscheint dann als ein sich in nordwestlicher Richtung abzweigender Meerbusen.

In geognostischer Beziehung charakterisiert sich der Jura als Kalkgebirge im Gegensatze zum Keuper mit seinen Sandsteinen.

Leopold von Buch hat den südwestdeutschen Jura nach der vorherrschenden Farbe in die drei Hauptabteilungen schwarzer, brauner und weisser Jura eingeteilt. Lias, Dogger und Malm sind englische Namen für diese Abteilungen.

Die untere Abteilung des Lias ist in Franken und spe- ziell in unserer Gegend im Gegensatze zu anderen Ländern, z. B. auch Schwaben, wo er eine grosse Mächtigkeit hat, schlecht ent- wickelt, die untersten Lagen Angulatenschichten sind da und, dort, z. B. im Schwarzachthale, wo ich die Leitmuschel, den Am- monites angulatus, bei Prackenfels fand, vorhanden, fehlen aber oft ganz, und es beginnt der Lias, z. B. bei Haimendorf, Sendelbach,

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Speikern ete. gleich mit der ebenfalls schlecht entwickelten oberen Abteilung des unteren Lias, den sogenannten Arieten- oder Gry- phäenschichten, harten, grobkörnigen, rostgelben, kalkhaltigen Sandsteinen mit vielen grossen Quarzkörnern in dünnen Schwarten ‘oder Lagen grober Brockenplatten bis zu Bänken - von einigen Me- tern Mächtigkeit.

n und über demselben finden sich an einzelnen Orten kurz- scheidige Belemniten, Bel. brevis sive acutus, dann Gryphaea obliqua. Ariete Ammoniten sehr selten und schlecht erhalten, mit Ausnahme des erwähnten Exemplars von A. angulat.

Darüber folgt der mittlere Lias mit der unteren Abteilung der Numismalismergel, gelblichgrau, auch dunkel, mit eingelagerten blauen Kalksteinbänken und Lagen abgerundeter gelber, innen blauer Kalksteine. Der Name kommt von einer rundlichen platten Lochmuschel, Terebratula numismalis. An Versteinerungen’ finden sich ausserdem zahlreiche, besonders mehr schlanke Belemniten, Bel. paxillosus und der kleine keulenförmige clavatus. Gryphaea obliqua, Cymbium, mehrere Ammoniten, z. B. recht schöne Ammo- nites striatus mit zwei Reihen Knoten an der Seite und sehr schöner Lobenzeichnung, dann nautilus aratus. Weiter Pentacriniten, Spi- rifer, Rhynchonella rimosa, Peetenarten, Plicatula spinosa ete.

Die zweite Abteilung des mittleren Lias umfasst die soge- nannten Amaltheenthone, von Ammon. amaltheus so genannt, meist blaue dunkle, schiefrige Thone mit rundlichen oder platten Mergelknollen (Geoden). In den obersten Schichten sucht man fast nie vergebens nach einem starkgerippten Ammoniten, oft mit Sta- cheln an den Rückenkanten Ammon. costatus und spinatus. Sonstige Versteinerungen sind bei uns seltener, paxillose Belemniten, Pentakriniten, bes. Apiocrinites, Plicatula spinosa werden noch am ersten gefunden.

Der obere Lias besteht in seiner unteren Abteilung aus den sog. Posidonienschiefern, von einer Muschel, Posidonia, die sich oft in ungeheurer Menge in demselben verdrückt findet, so genannt. Es sind dies fette, meist dunkelgraue Mergel, oft so schön und dünn geschiefert, dass man Platten von der Dicke eines Pappendeckels herausnehmen kann. Diesen Mergeln sind mehrere Bänke eines harten, dunkeln, bituminösen Kalksteines (Stinkstein) eingelagert, geäpsähh: mit dekieriähtn Ammoniten, Ammon. communis,

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oder es konzentrierte sich der Mergel um eine Versteinerung in mächtiger ovaler Geode, wie dies mit dem in unserer Sammlung befindlichen Fische, Lepidotus Elvensis, der Fall war. Diese Lagen werden in der Neumarkter Gegend mit Vorteil zu Cement verarbeitet. Nach oben liegt eine Gesteinsbank, welche oft nur aus den Schalen einer kleinen Muschel besteht, der monotis substriata, das ist die Monotisplatte. Paxillose Belemniten, an der Spitze mit drei Furchen Bel. tripartitus —, dann sole Be; Formen Bel. acuarius und, nach oben, fingerförmige digitalis finden sich oft in ungeheurer alenen Ammoniten es sichelförmigen Rippen findet man verdrückt in den Schiefern und sonst gefüllt Ammon. lythensis, capellinus, radians etc. In dieser Abteilung liegen auch die Saurier.

Die obere Abteilung, die Jurensis- oder Radians- Mergel von bezüglichen Ammoniten so genannt bilden nicht sehr mächtige Lagen eines grauen, schiefrigen Thones oder Mergels, bei uns sehr versteinerungsarm. Am Kanal bei Dörlbach und in der Neumarkter Gegend findet man viele Versteinerungen in ihnen, besonders Belemnitenformen und faleifere Ammoniten, diese (A. ra- dians) hier nicht selten (Kanal, ausserhalb Hausheim) verkiest und schön goldglänzend.

Die liasischen Thone und Mergel sind nicht selten alkalihaltig, die in verschiedenen Schichten vorkommenden Knollen (Geoden) enthalten oft einen sehr hohen Prozentsatz von phosphorsaurem Kalk, gleich wie die ähnlichen Knollen im braunen und zum Teil auch im weissen Jura, sind Phosphorite. Es gibt kaum eine For- mation, die reicher an Tierresten ist als die jurassische. Der phos- phorsaure Kalk dieser in den Meeresschlamm versunkenen Tierreste wurde durch verschiedene Einwirkungen gelöst und konzentrierte sich an gewissen Punkten, oft um eine Muschel, einen Ammoniten, zu diesen Knollen. Die Amalthenenthone geben daher auch einen sehr fruchtbaren Ackerboden, uud werden oft geradezu als Dung- mittel benützt.

Bei der geringen Mächtigkeit des Lias sind die Flussläufe meist auch so tief in denselben eingenagt, dass der unterliegende Keuper blosliegt, wie dies z. B. im Schwarzachthale bis in den Ort Rasch, im Pegnitzthale etc. der Fall ist. Vielfach ist der Lias auch abge- schwemmt, die Mulde mit Sand ausgefüllt, wie östlich des —.

Abh, d. Naturh, Ges, VIII. Bd.

ed We

oder überhaupt mit Sand überdeckt, so dass gute Aufschlüsse selten sind, die sich jedoch schön bei Altdorf, besonders am Kanal bei Dörlbach, bei Berg, Neumarkt, bei Kleingescheid, zum Teil auch um den Moritzberg finden.

Besser als Lias ist der braune Jura entwickelt. Derselbe beginnt mit einer 20—30 Meter mächtigen Lage dunkelgrauer zäher Thonmergel, unten mehr zäh und lettig, oben schiefrig und rost- farbig, überlagert vom mittleren braunen Jura, einem gelben oder mehr weniger braunen Sandsteine, dem Personatensandsteine, von pecten personatus, einer Muschel, nie grösser als ca. 15 Millim., innen mit 11 Rippen, aussen glatt, maskirt, personatus —, wo- her der Name. Durch die zerklüfteten lockeren Sandsteine sammelt sich das Wasser auf den undurchlässigen Thonen Opalinus- thonen von Ammon. opalinus welche daher einen konstanten Wasserhorizont darstellen, durchweicht dem Drucke der überliegenden Gebirgsmassen nachgeben, Erdrutsche veranlassen, und als Hügel oder Rangen mit geblähter Oberfläche den Fuss des Steilrandes umsäumen. Dies ist z. B. sehr schön am Fusse des Moritzberges zu beobachten, wo die Opalinusthone rings in der Weise hinausge- drückt wurden, dass sich der Wasserhorizont mit fast gleichen Ra- dien um den Mittelpunkt des Plateaus zieht. Im SW. und NO, sind die Schichten in steter Bewegung, so dass in der Peripherie die geblähten Thone, weiter nach oben tangentiale Sprünge im Gelände sowie auch Erdrutsche zu sehen sind. Ja in der Richtung des Moritz- baches ist über kurz oder lang eine Katastrophe zu gewärtigen. Der Moritzbach verschwindet nach kurzem Laufe in den hier steil abfallenden braunen Jura, und kommt am Fusse desselben nebst zahlreichen anderen Quellen wieder zu Tage. Das ganze Terrain ist durchweicht und wird dem Drucke der steilen Böschung bei passender Gelegenheit nachgeben, wie dies mit einem kleinen Teile vor etlichen Jahren schon der Fall war.

ie Region der Sandsteine bildet meist eine steile Hänge, überdeckt mit Sand und Gerölle, man steigt daher meist in steilen Hohlwegen empor, und dabei nach oben violette Eisen- sandsteinflötze zu sehen, die mancher Orten, z. B. bei Viehberg,

bauwürdig sind. Sehenswert ist die Höhle im sog. Teufelsloch ober Weissenbrunn. Ähnlich Katakomben reiht sich Krypte an Krypte mit Spitzbögen und Säulen. Poliersand wurde hier gewonnen, der

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besonders in Nürnberg Verwendnng fand: quam arenam ad polienda opera orichalcea mechanici Norimbergenses avide expetunt, sagt der alte Baier. Die Sandsteine werden überlagert vom obersten Gliede des braunen Jura, einer Decke blaugrauer, oben grauschwarzer, ver- wittert gelbgrauer Thonmergel mit eingelagerten oolithischen Kalksteinbänken, von bezüglichen Leitmuscheln Schichten mit Bel. giganteus, Ammon. macrocephalus und Ornatenthone genannt. Diese Thonmergel und Kalksteinlagen bilden von Gerölle und plattigen Jurakalkstücken bedeckt eine am westlichen Jurarande stets vor- handene, schmale, sanft geneigte Terrasse. Hier sammelt sich das Wasser aus dem zerklüfteten, durchlässigen, weissen Jura, und geht in zahlreichen, oft sehr ergiebigen Quellen, z. B. Hansgörgel, bei Kleedorf, zwischen Obermühle und Kleinsittenbach, im Kruppach- thale, bei Oberrieden etc. zu Tage, oder es ist der Wasserhorizont wenigstens durch sumpfige Stellen überall angezeigt, die selbst da noch den Horizont markieren, wo die Terrasse mit dem Gebirge steil abfällt, z. B. oberhalb Eschenbach, zwischen Kirchensittenbach und Algersdorf links des Thals. Die hydraulischen Widder sind hier angelegt. Die Sohle der im raschen Gefälle über den braunen Jura herabstürzenden Quellbäche ist meist von Kalktuff gebildet, und hier findet man häufig inkrustierte Moose und Flechten, z. B. oberhalb Weissenbrunn. Aus der Vorzeit finden sich in diesem Horizonte oft mächtige Lager von Kalktuff mit vielen Pflanzenresten. Reste von solchen sind rechts am Wege oberhalb Mosenhof, dann ein Lager links der Strasse nach Oberrieden, ober Hauscheuiene, dann bei Gräfenberg zu sehen. Es bietet diese Terrasse, die im allgemeinen eben, nur. hie und da durch Schutthügel verlegt ist und horziontal verlaufende Wege hat, die schönsten Spaziergänge teils mit freier Aussicht über die Landschaft, teils in üppigen Laubwäldern, z. B. um den Moritz- berg, Hansgörgel, vom Reschenberge nach Deckersberg etc. zu, weche ich aber fast von niemand benützt sehe, man steigt meist schweisstriefend gerade bergan und ebenso hinab. : = Versteinerungen finden sich bei uns in der Unterregion vn -t a öfter eine kleine Muschel, nucula Hausmanni, da und dort er opalinus und subelavatus, z. B. bei Kettenbach. Peeten wurde schon genannt. Die obere Region ist reicher, Bel.

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findet sich in zahlreichen Trümmern, aussen oft mit Serpula be- setzt, zahlreiche perlmutterglänzende Bruchstücke von Austern, bes. ostrea flabelloides, dann Bruchstücke in grosser Zahl von dem tief- gefurchten Bel. canaliculatus, Terebratula perovalis und biplicata, Rhynchonella quadriplicata, acuticosta (die glatten Terebrateln haben die Schnabelschale am Schnabel durchbohrt, das Loch ist deutlich sichtbar, Rhynchonellen haben dachförmige, meist kantige Falten, spitzen, nicht durchbohrten Schnabel). Von Ammoniten findet man mmon. macrocephalus und Parkinsoni u. a. häufiger in der Neu- markter Gegend. er der beschriebenen Terrasse liegt der weisse Jura und zwar zunächst die einen Steilrand bildenden 15—25 Meter mäch- tigen Bänke der wohlgeschichteten Kalke. Die Basis bildet eine dünne Schichte geblichgrauer knolliger Kalke mit Glaukonitkörnchen, die sogenannten Grüncolithkalke, in welchen die Versteinerungen oft schön mit Grünerde überzogen sind. Dann folgen dünngeschichtete, ehr graue, muschelig brechende, oben mehr geblichweisse Kalk- steinbänke mit untergeordneten Zwischeüligen von Mergeln, die nunmehr hellere Farbe haben. Örtlich ändern diese Bänke vielfach nach Farbe und Konsistenz ab, oft werden sie mergeliger oder be- sonders nach oben fester und felsbildend. Meist ist der Steilhang mit Gerölle bedeckt, aber in vielen Steinbrüchen der Umgegend aufge- schlossen. Ein sehr schöner natürlicher Aufschluss findet sich westlich am Eingange in das Ort Deckersberg, wo oberhalb des hydraulischen Widders die wohlgeschichteten Kalke (Planulatenkalke) sammt den mergeligen, hier schiefrig ausgebildeten Zwischenlagen, die grosse Schieferstücke aus dem Gehänge zu nehmen gestatten, an- stehen. Über den wohlsduchichietie Kalken erheben sich dann die sogenannten Schwamm- oder Sceyphienkalke, der mittlere

weisse Jura, meist ebenfalls mit einem, in hiesiger Gegend zwar

nicht gut ausgebildeten, aber stets markirten Anstiege. Zu unterst gelblich-weisse, dünn geschichtete Kalksteinbänke, oft mit Mergel- zwischenlagen, verwittert in zahlreichen, Sckineh: beilförmigen Trümmern Felder und Abhänge bedeckend. Nach oben feine, mehr

weisse Kalke in mächtigen Bänken, oder in der Form glotziger Kalke ausgebildet, welche zu groben luckigen, auf den Feldern herum- liegenden Brocken verwittern. Zahlreiche Stellen am Steilrande,

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besonders wo brauchbares Gestein in Brüchen gewonnen wird, leuchten als weisse Halden weit hinaus in das Land, woher wohl der Name Alb, mons albus, kommt. Die zerfressenen Schich- tenköpfe dieser Schwammkalke bilden die malerischen Felsen, welche den Rand des Plateau und die Thalränder bis tief in das Gebirge hinein, bis Etzelwang, über Hirschbach bis zur Obermühle ete. krönen. Nach oben enthält das Gestein viel Kiesel- säure und Hornsteinknollen, welche herausgewittert auf Feldern und Gehängen herumliegen, und hier findet man die Versteinerungen auch verkieselt. An vielen Petrefacten ist der Verkieselungsprozess an den konzentrischen, rosettenförmigen Ringen (sog. Silifikations- punkte) sichtbar.

Die Versteinerungen der .—.. Kalke sind vor- wiegend planulate Ammoniten, flache, dünngewundene Scheiben mit feinen bindfadenförmigen Rippen, welche sich gegen den Rücken in zwei (A. biplex), drei oder mehr (A. polyplocus, polygyratus) Äste spalten.

Bei älteren und grösseren Ammoniten verflachen die Rippen mehr zu flachen Wülsten, welche nicht mehr so gedrängt stehen, solche finden sich besonders in den oberen Kalken bis über 0,5 M. Durchmesser (Ammon. gigas). Diese Ammoniten gehen mit dem Bel. hastatus in die Schwammkalke hinauf, und hier findet sich dann noch u. a. der kleine A. alternans mit knotigem Kiel auf dem Rücken, A. bimammatus mit zwei Reihen Warzen an der Seite, dann inflate Ammoniten, deren glatte Windungen rasch an Dicke zunehmen, A. flesuoxus mit sichelförmigen, am oberen Ende knotig angeschwollenen Rippen ete.

Von Brachiopoden sind zu nennen Terebratula bisuffareinata mit zwei Wülsten, Rhynchonella larunosa, stark gerippt mit spitzem Schnabel, Terebratula pectunculus, loricata etc. Von Stachelhäutern "haben hier besonders die Seeigel, eidaris nobilis und elegans, so- wie zahlreiche Stacheln derselben ihr Lager, dann Galerites de- pressus, und von Crinoideen Kronen und Stilglieder von Apioeri- nites mespiliformis, sowie Eugeniacrinites caryophyllatus. Schnecken und Muscheln sind meist nicht gut erhalten, am besten noch Pec- tenarten, Trochus, Turbo.

Zahlreich vertreten sind im mittleren weissen Jura die Schwämme, Spongiten, in allen möglichen Formen, Knollen-,

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Schüssel-, Kugel-, Cylinder-, Becher- ete. föürmig. Von der Becher- form (seyphus) kommt der Name Scyphienkalke. Unter Schwämmen versteht man Tiere niedrigster Organisation, welche in einer gallert- artigen Masse (Sarcode) ein Skelett eingeschlossen haben, das bei vielen kalkig ist, bei den meisten aus feinen Kieselnadeln, frei oder zu einem zierlichen Gewebe verbunden, besteht.

Selten sind sie in ihrer Form schön erhalten herausgewittert, meist findet man nur das zierliche Kieselskelett in das Gestein eingeschlossen. Solche Gesteinsstücke lassen äusserlich selten, höchstens noch durch ihre Rauhigkeit beim Anfühlen, erkennen, dass sie so zierliche Gebilde umschliessen. Um so grösser ist die Freude, wenn man mit Salzsäure den Kalk auflöst, und dann einen schönen Sechsstrahler, oder wenn man Glück hat, ein mehr weniger grosses Stück eines solchen Kieselskelettes freilegt.

Über den Schwammkalken folgt dann der Dolomit, welcher das ganze Juraplateau mit Ausnahme des westlichen Randes ein- nimmt, und tief im Gebirge auch die Ränder der Flussthäler bildet. Dolomit braust nach Aufträufeln von Salzsäure wenig oder nicht auf zum Unterschiede vom Kalkstein, der heftig braust. Die schönen Felsgruppen auf dem Plateau gehören dem Dolomit an, wie auch die Höhlen sich in ihm finden,

Mit dem Dolomit schliesst für unsere Gegend die jurassi- sche Bildung ab. Im Süden und Südosten finden sich noch jün- gere Dolomite, dann die Kehlheimer Marmorkalke, endlich diePlattenkalke und Solenhofer lithographischen Schie- fer als letzte und jüngste Ablagerungen. :

Es wären nun noch anzuführen: die Ablagerungen der Kreidezeit, welche im Südosten den Jura in weiter Verbreitung bis herauf Bi Amberg bedecken, weiter nördlich wurden Kreide- reste nur noch in der Gegend von Betzenstein gefunden, und die Sandsteinbildung im Veldensteiner Forst gehört wohl auch der Kreide an; dann isolierte Ablagerungen aus der Tertiärzeit: Sande und Thone auf dem Juraplateau, die Süsswasserkalke mit Mammutknochen von Georgensgmünd, die Anschwemmun- gen aus der Diluvial- und späteren Zeit; die basaltischen Eruptionen, wie sie sich in den Hassbergen, Gleichenbergen, am rauhen Kulm, im nördlichen Jura bei Heiligenstadt nnd bei Veit- lahm finden, und schliesslich der vulkanische Ausbruch-

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kessel im Ries, womit dann alle geologischen Schichten und Ge- bilde unserer Gegend im weiteren Sinne erwähnt sin

e diese besprochenen mesolithischen FERN wurden zwar als fast ausschliessliche Meeresprodukte horizontal abgelagert, und die älteren Schichten haben vor Ablagerung der jüngeren sehr wesentliche Lageveränderungen nicht erlitten, es ist aber anzu- nehmen, dass gewisse Niveauveränderungen stattgefunden haben, durch welche die grösste Meerestiefe sich stetig von West nach Ost verlegt hat, weil wir immer die jüngeren Ablagerungen mehr nach Ost, insbesondere die jurassischen und Kreideschichten ganz nahe an den Urgebirgsrand im Osten gerückt finden, während die triasischen Ablagerungen im Westen weite Flächen einnehmend östlich des Jura nur in einem schmalen Streifen auftreten. (Vide Kartenskizze.)

' Gewaltige Veränderungen sind aber nach der jurassischen Pe- riode eingetreten. Der gesammte Schichtenkomplex erlitt eine Sen- kung und zwar in der Weise, dass ebenfalls der tiefste Punkt der Senkung weit nach Ost zu liegen kam, so dass sämmtliche Schichten von West nach Ost geneigt sind und in dieser Richtung fortschreitend stets jüngere Schichten und Abteilungen derselben die Oberfläche des Landes bilden. (Vide Profil.) Die Schichten der Trias und des Jura sind überdies in der Nähe des östlichen Urgebirgsrandes zer- brochen, und zwar folgt die Hauptrichtung der Brüche von NW.—SO so ziemlich dem östlichen Jurarande. Es finden sich hier an der Bruchstelle die Schichtenglieder der einzelnen Formationen in ge- wissermassen grosse Schollen zerbrochen und in ihrer Lage verrückt. So fallen die Schichten des Buntsandsteins bei Kirchleus nach SW., NW., NO., also nach verschiedenen Richtungen um 15°, 20°, 25° ein. Die Lettenkohle zwischen Kulmbach und Bayreuth 36° W., der Keuper bei Bayreuth nach SW. 14°—36°. Die Eisensandsteine des braunen Jura fallen auf dem Thurndorfer Calvarienberge mit 60° nach SW. ein. Der Gipfel dieses höchsten Berges im nörd- liehen Jura (643 Meter) besteht nur aus Eisensteinen, und man geht vom Gipfel nach Thurndorf in den weissen Jura herab. Dann stehen an der Strasse von Amberg nach Sulzbach, die fast eben läuft, links der Reihe nach an, in SW. einfallend: Kreide- schichten, Dolomit, ng see ‘brauner Jura, Lias, rechts der Sirusse Konber: ese Dislokationen liessen sich. im Profile

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nicht gut geben und sollten durch die Zeichnung nur angedeutet werden. Vide Karte, Blatt XII und VII zur geognostischen Be- schreibung des Königreichs Bayern von Herrn Oberbgd. Prof. Dr. Gümbel.)

Zerstörungen des höheren Keupergebirges der Umgebung geben wohl das Material zu Einschwemmungen von Sand und Thon in das Juraplateau. Jurakalk enthält bis 3, höchstens 5%° Thon, Do- lomit, der fast die ganze Oberfläche einnimmt, noch weniger. Die Verwitterung dieses Gesteines hätte also die hier abgelagerten mäch- tigen Thonmassen nicht liefern können, und da, wo die Vegetations- erde aus verwittertem Dolomite besteht, ist die Vegetation arm. Ich erinnere an den Anblick, wenn man die Obermühle hinter Hirsch- bach passiert hat und in das Dolomitgebiet vor Klaussen tritt, im Gegensatze zu der üppigen Vegetation zwischen Krottensee und Sackdilling, wo man sich zwar ebenfalls mitten im Dolomit befindet, aber auf den eingeschwemmten, meist mit Sand untermischten Thon- massen riesigen Baumwuchs und herrliche Flora sieht. Nach der Zerstörung des Keupergebirges hat sich der jetzige Zustand der Dinge herausgebildet. Wie bereits erwähnt, erhebt sich der Keuper im Westen Mittelfrankens als Steilrand, dacht nach Ost in einer schiefen Ebene sanft ab in einer Ausdehnung von 15—20 Stunden bis zum Steilrande des Jura, welcher den Zerstörungen mit seinen härteren Kalksteinen stärkeren Widerstand entgegenstellte.. Vom südlichen Teile des Keupersteilrandes zieht sich ein Höhenrücken in SO.-Richtung, ein Teil der europäischen Wasserscheide. Süd- westlich dieses Rückens ziehen die Wörnitz mit der Sulz und die Altmühl durch erweiterte Juraspalten zur Donau. Die übrigen in der Nähe des Keupersteilrandes entspringenden Flüsschen ziehen fächerförmig nach Ost und sammeln sich längs des Jurawestrandes in der von S.—N. fliessenden Rednitz Regnitz, um in der Nähe von Bamberg gleich den in ganz ähnlicher Weise in S.O. Richtung von den Hassbergen und der Koburger Gegend ebenfalls sich fächerförmig sammelnden Wässern in den Main zu fallen. Diese Keuperflächen haben daher nicht nur eine westöstliche, son- dern auch, und zwar die mittelfränkische, eine südnördliche, die un-

terfränkische eine nordsüdliche Neigung. Georgensgemünd 35%Meter,

Bamberg 240 Meter, Lindenau 300 Meter, Koburg 295 Meter. Da- durch ist zugleich auch der Westfuss des fränkischen Jura im

Bu

Grossen angedeutet. Die triasischen Gebilde, besonders der Keuper, welche an dem Östfuss des Jura sich finden, liegen in dem schmalen Streifen östlich des Jura bei Kulmbach 303, bei Bayreuth 343, Kreussen 420, Kirchenthumbach 470, Freiung 427, Amberg 378, Regensburg 340 Meter hoch. Wir haben also hier die höchste Er- hebung mehr in der Mitte zwischen Kreussen und Kirchenthumbach, und hier ist der Punkt, wo ganz in der Nähe des roten Main die Wässer entspringen, welche später mit der Pegnitz vereint das Jura- gebirge in westlicher Richtung durchbrechen. Der Frankenjura ist also viermal von Flussläufen quer durehbrochen, zweimal in $.-O.- Richtung von Wörnitz und Altmühl, zweimal in ostwestlicher Rich- tung von Pegnitz und Main.

Die erwähnten allgemeinen Niveauveränderungen haben na- türlich auch, abgesehen von den Dislokationen am Ostrande, auf das starre, massige Kalkgebirge des Jura im Ganzen in einer Was gewirkt, dass dasselbe von Sprüngen und Spalten durchsetzt wurde. Dadurch wurden auch vielfach Änderungen in der gegenseitigen Lage, Verwerfungen bedingt, ganze Schichten erhielten örtlich eine andere Neigung und eine andere Höhenlage, als ihnen nach der allgemeinen Richtung zukäme. Den Spalten folgten die Flussläufe und so konnte es kommen, dass östlich vom Lias kommende Zuflüsse der Pegnitz der Kraismoosweiher, NO. Schnabelwaid, ist keinen Kilometer vom roten Main entfernt und liegt auf Lias mit derselben durch den gesammten Jura und im Westen wieder durch Lias in den Keuper fliessen. Die östlichen Zuflüsse des in das Etzelwanger Thal mün- denden Baches kommen östlich Oberreinbach aus dem braunen Jura, fliessen direkt in den Dolomit und so weiter durch weissen, braunen Jura in den Lias bei Hohenstadt. Ebenso schneidet der bei Hart- mannshof einmündende Högenbach, wie auch die Sulzbacher Strasse im Meridian von Etzelwang Braun-Jura-Schichten, welche in diesem Niveau ohne örtliche Dislokation nicht liegen könnten, da der braune Jura schon bei Weigendorf in die Tiefe geht. Die Schichten des braunen Jura zeigen im Pegnitzthale von Eschenbach bis Rupprechtstegen, wo bei der Griesmühle in 363 Meter Höhe

schon weisser Jura liegt, ein Einsinken von Süd-Nord, während im Parallelthale des Sittenbach die Verhältnisse normal sind. Das harte alkgestein gestattete den Flussläufen im Innern des Gebirges nur schmale, schluchtenartige Rinnsale, welche sich jedoch dem West- Abb. d, Naturh, Ges. VIII, Bd, 3

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rande zu erweiterten, wo der braune Jura und Lias leichter ausge- nagt werden konnten, aber doch durch die ihnen eingelagerten här- teren Gesteinsbänke zu weit gehender Zerstörung widerstanden. Fluten, welche das westliche Keupergebirge zerstörten, unterspülten auch den westlichen Jurarand, schwemmten ihn aus und ab. Die verschiedenen Buchten, wie bei Altdorf, Hersbruck, Eschenau etec., so vorbereitet, wurden durch spätere Strömungen in den Flussläufen vollendet; einzelne Teile hatten der Zerstörung widerstanden und sind nun abgetrennt vom Hauptkörper als isolierte Berge dem Jura westlich vorgelagert, z. B. Sulzbürg, Buchberg, Mönniger Berg, Dill- berg, Moritzberg, Hetzlas, Walperle.

Tief scheint das Gelände der Rednitzthalung entlang bis in die Buchten hinein ausgespült worden zu sein, denn wir finden das- selbe mit angeschwemmten Schichten in grosser Mächtigkeit bedeckt, zumeist Sand von der Zerstörung des Keupersandsteins, dem Sande sind mehre nicht sehr mächtige Bänke meist blaugrauen, seltener roten Thones, meist kalkarm und frei von Alkalien, so dass mehre Lagen als feuerfeste Thone Verwendung finden konnten, eingelagert. Im tieferen Untergrunde des Rednitzthales, sowie zu beiden Seiten desselben, Weiherhaus, Hinterhof, Leyher Wäldchen, Krottenbach, Deutenbach ete., sowie auf der Steinplatte beim Platnersberg sind dem Sande zahlreiche, abgerollte Steinbrocken beigemengt, welche sich als Hornsteinknollen und Kalksteingerölle aus dem Jura charak- terisieren. Bei Hinterhof und im Leyher Wäldchen fand ich, auf der Steinplatte Herr Dr. R. Barthelmess, die charakteristischen Leit- fossile. Auch in späterer Zeit haben gewaltige Wassermassen die Thäler noch erweitert, wie wir an den mächtigen Lagen jurassi- schen Schuttes, RER am Bahneinschnitte bei Reichenschwand, auf dem Wege nach Engelthal u. a. O. sehen können.

So konnten die bekannten Felge in üppiger Vegetation prangenden terassenförmigen Landschaften des Lias und Dogger, und die mit pittoresken Felsgruppen wa romantischen Gebirgs- thäler des Jura entstehen, welche uns immer und immer wieder anziehen, in welchem jährlich Tausende für den eg Körper und Geist Erholung, Kranke Genesung suchen und find:

Im Mittel wird die Höhe des Juraplateau, wenn man sich alles _ eingeebnet denkt, zu 528 Meter = 1800 Fuss bayr. BEER

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Gesammthöhe der jurassischen Ablagerungen ist durchschnittlich zu 250 Meter anzunehmen, am Staffelberg beträgt sie 275 Meter.

Davon kommen im Westen des Plateau, am Moritzberge, so- weit ich nach eigenen Messungen urteile, etwa 40 Meter auf Lias, 115 Meter auf braunen Jura, und der Rest auf den weissen Jura, hier allerdings nur 40 Meter. So am Moritzberge. Weiter nach dem Innern des Plateau sind die Messungen, da Lias und Dogger bereits in die Tiefe gingen, nur am weissen Jura anzustellen, und da zeigt sich nun ein rasches, erhebliches Anschwellen des weissen Jura von West nach Ost. Die Griesmühle bei Rupprechtstegen liegt auf weissern Jura in 363 Meter Höhe, das Plateau unmittelbar dar- über bei Raithenberg hat 507 Meter, so dass der weisse Jura hier mindestens 144 Meter mächtig ist. Die Stämpfermühle im Wisent- thal hat 320, Gössweinstein 494, der weisse Jura also 174 Meter Höhe.

Bemerkenswerte Punkte auf diesem Plateau sind: Hesselberg 709 Meter, Wülzburg 625, Poppberg 658, Dillberg 596, Hohenstein 634, Leitenberg 624, Houbirg 617, Arzberg 612, Hansgörg 604, Moritz-

erg 600, Ossinger 653, Kutschenrain oder Thurndorfer Calvarien-

berg 643, Staffelberg 539.

Von Anderen wird die Höhe des Hesselberg mit 691,8 Meter angegeben.

Die höchsten Punkte des schwäbischen Jura sind dagegen: Hohenberg 1010 Meter, Burg Hohenzollern 859 Meter, Schopfloch 770 Meter.

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Boaferent:

Fr. Schultheiss,

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Apotheker.

ter Weise das Interesse der Mitglieder -der Gesellschaft dafür zu

- Leitung der Beobachtungen wurde dem Referenten belassen. Zur "Beurteilung des Beobachtungsmaterials, welches aus 4 Jahren her-

Die phänologische Station Nürnberg ist im Frühjahr 1882 n hervorgegangen aus einer kleinen Anzahl derselben Mitglieder dr

gen

Naturhistorischen Gesellschaft, welche noch heute in dieser thätig sind. Den Impuls zur Aufnahme der Phänologie gab ein öffent- licher Aufruf der Herren: Dr. H. Hoffmann, Universitätsprofessor, und Dr. Egon Ihne, beide in Giessen, datiert vom 1. März 1882, Et in welchem zu aaa enphänologischen Beobachtungen nach einer

beigefügten Instruktion aufgefordert wurde. Ein an die Adresse des Direktoriums der Naturhistorischen Gesellschaft gerichtetes = Exemplar dieses Aufrufs wurde entgegengenommen, in gewohn-

erregen. Diese Bestrebungen fanden insbesonders bei den Bo- tanikern der Gesellschaft gute Aufnahme. Es wurden nach dem

Giessener Original hergestellte Instruktionsformularien behufs Be- obachtungen an die sich für die Sache interessierenden Mitglie- der verteilt, und ein günstiger Umstand fügte es, dass mit dem zweiten Beobachtungsjahr 1883 die Bildung der botanischen Sek- tion der naturhistorischen Gesellschaft, welcher bis heute als Obmann Herr kgl. Veterinär A. Schwarz vorsteht, zusammenfiel, wodurch die Phänologie zur Sektionsaufgabe ‘gemacht wurde. Die

vorgegangen ist, möge bemerkt werden, dass in den monatlichen a sstzunpen, welche in die Beobachtungszeit Februar mit Ok-. tober fielen, ständig über dasselbe referiert wurde, und nur zuver- lässige mit einer richtigen Beobachtungsmethode vereinbarte Daten aufgenommen sind.

Nach Schluss des treffenden Beobachtungsjahres erfolgte Zu- sammenstellung der gesammelten Daten zur Einsendung an »die ae in Giessen, und allgemeines Referat an einem von

em Direktorium der Naturhistorischen Ge sellschaft hiefür anbe-

raumten GeSellschaftsabend. Diese Vereinsmitteilungen fielen ‚1882, 5: stage 1884, nenn aber Und muss | a

bertglich der vorgelegten phänologischen Daten aus den einzelnen i Aubrgäbzen auf die unten beigefügten Tabellen verweisen. Mit dem alljährlichen Referate sind unter Hervorhebung des

"eine nach is gegebene Übersicht des während de Beobach- e tungszeit verlaufenen Witterungsganges nach authentischen Auf- zeichnungen der hiesigen meteorologischen Station, welche Referent _ der Güte des Vorstandes derselben, Herrn K. Fraass, kgl. Garni- _ sonsapotheker a. D., verdankt. Die Abweichungen der Beobach- tungsdaten in den einzelnen Jahren wurden mit den gleichzeitigen Witterungsbeobachtungen in Vergleichung gebracht, um Erklärung Br erstere zu finden

Um ferner = Bedeutung der Pflanzenphänologie, welche von dem grossen Naturforscher C. v. Linn& ins Leben gerufen,

pflanzenphysiologischer Resultate das wissenschaftliche Interesse im hohen Grade beansprucht, hervorzuheben, glaubte Referent am 3 ‚richtigsten zu Baer kein er auf de Geschichte der Phäno- t hinwies. Eine in knapper Form gefasste Darstellung derselben is von ihm im Vereinsreferate des ‚Jahrgangs 1884 "in Ausführung gebracht, und zwar auf Grundlage des von Dr. Egon er in Giessen herausgegebenen Werkes: Beiträge zur Phäno- ins, eg der pflanzenphänologischen Beobachtungen in Europa. Giessen 1884. Die Freunde der Phänologie, welche sich ‚eingehend mit nerieien Arbeiten beschäftigen wollen, ver- weist Referent auf diese vorzügliche Schrift, welcher eine Zusam-

stattet, das Wesentliche seines Referats an dieser Stelle wiedergeben zu dürfen. a Nach Dr. Egon Ihnes Mitteilungen lassen sich in 15 Staaten Europas mehr oder weniger zahlreiche phänologische Beobachtun- gen nachweisen, deren Beginn teils in den Anfang des vr s: ee fällt, teils aus neuerer Zeit datiert. .

* -

gen

Diese Staaten sind:

Schweden, Finnland, Russland, Norwegen, Dänemark, Belgien, Deutschland mit Österreieh-Ungarn, Frankreich, Holland, Schweiz, Grossbritannien, Griechenland, Italien, Portugal, Spanien. er

Voranzustellen ist Schweden, in welchem Lande die Phäno- he logie durch von €. v. Linn& (geb. 1707, gest. 1778) begründet wurde, und das sonach als Stammland der Phänologie betrachtet werden muss, Linne präzisierte als der Erste in seinem 1751 er- schienenen Werke: »Philosophica Botaniea« Zweck und Methode der phänologischen Beobachtungen, und forderte auf, jährliche Blütenkalender, Calendaria florae quotannis herzustellen, zu diesem Zweck an bestimmten Pflan

zen: ee der ersten Blätter :

= frondescentia

» » üten = efflorescentia

Erste ae fructescentia Abfall des Laubes defoliatio

son, Professor der Meteorologie in von er an ı

zu beobachten, um aus dem Zeiteintritt dieser Vezetatione ER,

den sata Unterschied in den beobachteten Gegenden kennen zu lernen, was noch heute das Hauptziel der Phänologie ist. Ein von Linne 1750 organisiertes Beobachtungssystem umfasste 18 Sta-

tionen, welche über Schweden verteilt, mehrere Jahre fungierten und in alljährlich herausgegebenen Blütenkalendern ihre Beobach- tungsresultate veröffentlichten. Die Beobachtungen erstreckten sich auf etwa 500 Pflanzenspezies und die Resultate derselben sind en rühmlicher Beleg für die genauen und fleissigen Beobachtungen der damaligen schwedischen Stationen, welche den Impuls für FIT

tung gleicher Stationen in anderen Ländern gaben. Nach Linnes T weden die Beobachtungen fleissig re : In den Abhandlungen der kgl. schwedischen Akademie der Wissen- schaften findet sich eine grosse Anzahl von Beobachtungen ver- öffentlicht, welche in den Zeitraum von 1758—1816 fallen. Von 1839 an, nachdem in der Publikation längere Zeit Stillstand ein- getreten, enthält die. Zeitschrift: Botaniska Notiser neue phänologi- sche Daten, und 1842 wurde auf Anregung von Berzelius, da- mals Präsident der schwedischen Akademie der Wissenschaften, ein phänologisches Beobachtungsnetz für Schweden eingerichtet, welches bis 1849 thätig war. Endlich veranlasste Hildebrand.

VII, Bd,

= bie Fsiandene "Taetsorolagiächen Stationen Kihrichteng von

_ phänologischen Stationen im ganzen Lande durch Hinausgabe von - Instruktionen zur Beobachtung von 40 Pflanzenspezies. Auf diese Weise wurden etwa 150 Stationen geschaffen, deren Beobachtungen 1881 unter Leitung der meteorologischen Gentralanstalt in Stockholm gestellt sind. Ausser diesen besitzt Schweden noch eine grosse Anzahl phänologischer Beobachtungsstellen, deren Arbeiten aber noch nicht veröffentlicht sind. In Finnland, zur Zeit Linnes eine schwedische Provinz, datieren die ersten she uölsgieehee Be- obachtungen aus gleicher Teit, wie in Schweden. Von 1750 bis. heute ist dort ohne Berkewehnun systematisch beobachtet worden, ‘so dass von 200 Stationen brauchbares Material vorliegt. sonders verdiente Phänologen Finnlands sind anzuführen : die Pro- fessoren Hällström in Helsingfors von 1800—44 und Ad. Mo- berg, Professor der Physik, ebendortselbst, welcher noch heute in hervorragender Weise als Phänologe thätig ist.

Aus Russland sind bemerkenswerte phänologische Arbeiten erst seit etwa der Hälfte dieses Jahrhunderts bekannt ; frühere Beo- -bachtungen fanden vereinzelt und zerstreut im Lande statt. Seit 1857 macht jedoch der bedeutendste Vertreter der Phänologie in "Russland, Ferd. v. Herder, Bibliothekar im botanischen Garten in Petersburg, dort ununterbrochen umfassende Aufzeichnungen, und es sind zur Zeit etwa 50 Stationen in Russland thätig, deren Material brauchbar ist, ebrechl einheitliches Beobachten fehlt.

©. Unter den oben angeführten europäischen Ländern nehmen Belgien, Grossbritannien und Deutschland-Österreich-Ungarn eine be- sonders "hervorragende Stellung ein.

In Belgien bestand bis zum Jahre 1839 keine phänologische "Station von Bedeutung. Von dieser Zeit an begann aber einer der _ verdienstvollsten Phänologen Europas, Adolf Quetelet, von 1826 * —1871 Direktor der Sternwarte in Brüssel, auf diesem Gebiete seine Thätigkeit. Von der Zweckmässigkeit der phänologischen Beobach- ' tungen überzeugt, trat Quetelet allseitig für diese ein und war für Errichtung von Stationen ungemein thätig. In kurzer Zeit wurden

mit leistungsfähigen Beobachtern errichtet, welche von 1841—1872 ihre Aufzeichnungen an ihn einlieferten, die von ihm veröffentlicht _

S auf Schottland treffen, ee seit 1856 esse beobachtet h wird.

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wurden. Zur Vermehrung der Stationen strebte er Organisationen von Centralstationen in den einzelnen Ländern an, und arbeitete mit dem österreichischen Phänologen Fritsch-eine zum internatio- nalen Gebrauch geeignete Beobachtungsinstruktion aus, welche 1860 dem statistischen Kongresse in London vorgelegt, von diesem an- | genommen und zur Beobachtung empfohlen wurde. Es ist jedoch . nicht nach ihr beobachtet worden. Seinen eigenen Beobachtungen legte Quetelet eine Instruktion unter, welche Beobachtungen an 170 Pflanzenspecies umfassten. Sie machte aber zu grosse Ansprüche an den Beobachter, und dieser Umstand war der allgemeinen Ein- führung derselben hinderlich, wie er auch die Genauigkeit der Daten schädigte. Die neueren ee suchen dies möglichst zu ver-r meiden. Quetelet starb : In England gehen = ersten phänologischen Aufzeichnungen bis auf Linnes Zeit zurück. Stillingfleet in Stratfort, Übersetzer einiger Werke Linnes, war der Erste, welcher Linnes Beispiele folgte und-er veröffentlichte seine Beobachtungen 1762. Ferner machten von 1768—93 langjährige Beobachtungen: White zu Selborn und Markwick zu Catsfield. Von 1780—1831 beobachteten in Walt- hamston bei London: T. L. Förster, Vater, und dessen Sohn T. Förster. Bis zum Jahre 1865 halten die Bemühungen verschie- dener wissenschaftlicher Gesellschaften, welche für allgemeine Beo- | baehtungen im Lande thätig waren, nur geringen Erfolg. Erst vn dieser Zeit an begann eine grössere Teilnahme auf Veranlassung T. A. Prestons, Präsidenten der .Marlborough College Natural

Diesem Beispiele folgten bald andere Vereine. 1875 nahm die Meteorological Society in London die phänologischen Beobachtungen unter ihre Beobachtungsgegenstände auf, nach einer von Preston ausgearbeiteten Instruktion, Beobachtungen an 71 Species mit nur 6 Holzpflanzen, und mit Erfolg, da bald 80 Stationen dafür im Lande gewonnen wurden. Die Zusammenstellung der Daten erfolgte durch Preston. Ausserdem beobachten noch mehrere wissenschaflicke Vereine Englands nach Prestons, 1883 von ihm verbesserten Instruk- tion, so dass zahlreiche jährliche ee zur Verfügung

stehen. Grossbritannien zählt über 300 Stationen, wovon etwa 100

5*+

“In Deutschland und Österreich-Ungarn hat die Phänologie frühe und: nachhaltige Pflege gefunden. Die erste Anregung hiezu ist gleichfalls auf Linn& zurückzuführen. Es existieren Blütenkalender Be von Seopoli in Krain vom Jahrgang 1762 und von Haenke in Prag von 1786, in welchen die damaligen Beobachtungen nieder- gelegt sind. 1774 beobachtete Scehmöger in Regensburg und BE Eisenlohr in Karlsruhe. Das erste deutsche und zugleich internationale Beobachtungs- Se system ging 1780 von der Societas Meteorologica Palatina in Mann- heim aus. Dieser Gesellscbaft gelang es, 13 europäische Stationen zu gründen, darunter 5 isch Selerelohietine: Mannheim, Prag, Peissenberg, Tegernsee, Regensburg. In Regensburg beobachtete der berühmte Botaniker Hoppe. In den 20er Jahren dieses Jahr- hunderts bemühten sich Hoppe, Professor Martius in München und Professor Schübler in Tübingen mit Erfolg für allgemeine Beobachtungen bei den Versammlungen der deutschen Naturforscher und Ärzte, da auf öffentliche Aufforderungen hin zahlreiche Auf-. _ zeichnungen einliefen, welche von Professor Schübler publiziert wurden. Dieser hat sich um die Phänologie insbesonders in seinem _ Vaterland Württemberg verdient gemacht, indem dort auf seine ' Veranlassung und nach einem von ihm entworfenen Schema ge- machte phänologische Beobachtungen unter Berücksichtigung der Kulturpflanzen Württembergs neben den Witterungsberichten lange ' Jahre hindurch im württembergischen landwirtschaftlichen Vereins- Correspondenzblatt veröffentlicht worden sind. Be r eigentliche. Aufschwung der Phänologie in Deutschland, = RER -Ungarn datiert jedoch seit Mitte dieses Jahrhunderts, aus- | ‚gehend von den Städten: Breslau, Wien, Giessen, Schwerin. 1850 wurde für Schlesien durch Professor Göppert in Breslau, unter Mitwirkung des jetzigen Professors, damals Dozenten, Dr. Cohn dortselbst, ein Beobachtungssystem geschaffen, welches in wenigen Jahren ein Material von 20000 Daten lieferte. Gleichzeitig entstand ‘auch in Mecklenburg ein Beobachtungssystem von 50 Stationen. Der hervorragendste Vertreter der Phänologie in men Zeit war jedoch Karl Fritsch, Vizedirektor. der k. k. Central- 'anstalt für Meteorologie und Erdmagnetiimus in Wien. use be- gann seine Thätigkeit als Phänologe in Prag 1834, unabhängig ven anderen Phänologen und setzte dort seine Aufzeichnungen bis zum

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Jahre 1850 fort. 1851 wurde Fritsch an die neugegründete Central-

anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus nach Wien berufen,

in welcher Stellung es ihm gelang, für die sämtlichen Stationen Österreich- Ungarns eine Centralstelle zu schaffen. Durch Hinausgabe von Beobachtungsinstruktionen an die meteorologischen Anstalten und an Interessenten wurden von 1853—1877 in Österreich-Ungarn über 200 Beobachtungsstationen errichtet, deren Resultate von Fritsch zusammengestellt, das reichhaltigste Material lieferten, welches der Thätigkeit eines einzigen Mannes zuzuschreiben ist. Fritsch war

ferner auch für die wissenschaftliche Verwertung der Beobachtungen

publizistisch thätig. Er starb 1879 zu Salzburg.

ach dem Vorbilde der Wiener Centralstelle bildeten sich in Österreich- Ungarn auch Nebenzentren, welche nach den Instruktionen Fritschs beobachteten. Unter diesen sind zu nennen: in au

die 1866 von der physiographischen Kommission dortselbst ins _

Leben gerufene Station mit Beobachtungen in Galizien und Warschau; die 1867 vom naturhistorischen Verein in Brünn geschaffene Stelle für Mähren. In Transleithanien wirkt seit 1871 die kgl. ungarische CGentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus in Ofen-Pest für Beobachtungen, deren alljährliche Veröffentlichungen durch Pro- fessor Staub in Ofen erfolgen. Ausserdem befassen sich natur- wissenschaffentliche Vereine verschiedener Städte Österreich-Ungarns mit Aufnahme phänologischer Daten.

Unter den zur Zeit in Deutschland thätigen Phänologen hat Dr. H. Hoffmann, Univers.-Professor in Giessen, das bedeutendste

Verdienst. Derselbe begann seine Thätigkeit als Phänologe in den er Jahren und setzte diese unermüdet bis heute fort. Durch

seine langjährigen Beobachtungen in Giessen ist für diesen Ort ein = ' vorzügliches phänologisches Material geschaffen worden, welches ‚sichere Vergleichung mit den Beobachtungen anderer Orte gestattet.

1856 wurde von Professor Dr. H. Hoffmann im Verein mit Fritsch und Cohn eine Instruktion für einheitliche Beobachtungen zum inter- nationalen Gebrauch ausgearbeitet, in welche 31, botanisch ausge-

wählte, geeignete Pflanzenspecies unter besonderer Berücksichtigung

der EEE der Beobachtungsdaten aufgenommen worden. seine

eigenen Beobachtungen dehnte jedoch Professor Dr. H. Hoffmann _ e: = 2 auf eine viel grössere Anzahl von Pflanzen aus, wie aus dessen = 4 ‚Giessener Ger Tafel ersichtlich ist, A meist lang-

TE n watt

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jährige Beobachtungen an 390 Species nachweist. In seinen all- jährlichen Publikationen warb er stets um neue Kräfte, forderte insbesondere den Lehrerstand zur Mitarbeit auf und es gelang ihm dadurch, allerorts zahlreiche Aufzeichnungen zu erhalten.

ie wissenschaftliche Bearbeitung der phänologischen Beobach- tungsdaten Europas durch Professor Dr. K. Hoffmann wird unten Erörterung finden. Seit 1882 widmet sich Dr. Egon Ihne in Giessen der Phä-

‚nologie, welcher in demselben Jahre gemeinschaftlich mit Professor |

. H. Hoffmann einen Aufruf an alle Interessenten Europas (dem, wie Eingangs bemerkt, auch unsere Station ihre Begründung ver- dankt), mit grossem Erfolg hinaussandte. Der Aufruf wird jähr- lich erneuert. Die Phänologie verdankt der publizistischen Thä- tigkeit Dr. Egon Ihnes ausser der (diesem Referate zu Grunde ge- legten) Geschichte der phänologischen Beobachtungen in Europa, nebst Verzeichnis der Schriften, in welchen dieselben niedergelegt . sind, eine Zusammenstellung der phänologischen Beobachtungen in Norwegen, Schweden und Finnland, sowie eine phänologische Karte, das Aufblühen von Syringa vulgaris in Europa darstellend.

Unter den in Verbandstationen thätigen Beobachtern Deutsch- _ lands sind noch anzuführen: Weidenmüller in Fulda, seit 1876 Bruhns in rg seit 1864 und Professor Drude in Drenden,

seit 1881. ayern: Dr. Ebermeier, Professor der Forst-

wissenschaften in München von 1868 an, durch Anstellung von phänologischen Beobachtungen an etwa 60 bayer. Forstrevieren.') Ferner sind mehrere wissenschaftliche Vereine Deutschlands _ darin thätig, wie der Thüringer botanische Verein Irmischia und der westpreussische zoologisch-botanische Verein in Danzig. Iso- lierte Beobachtungstationen befinden sich in verschiedenen Städten, wie in Aschaffenburg, Kassel, Frankfurt a. M., Görlitz u. a. O.

Die Gesamtzahl der in Deutschland, Österreich-Unyars thätigen Stationen betrug 1884 über 900 und ihre Beobachtungen haben den Vorzug, von 1850 an unter sich vergleichbar zu sein

Ausser diesen nun betrachteten Ländern Europas ist noch die Schweiz durch Thätigkeit auf. phänologischem Gebiete besonders er ") Nach gütiger Privatmitteilung des Herrn Professor Dr. H. Hoff- mann an Referenten haben sich neuerdings ( ca. 300 Forststationen in Deutschland angeschlossen.

E- beachtenswert, da in derselben schon früher bedeutende Naturfor- we

& scher, wie Senebier, A. de Gandolle, in späterer Zeit O. Heer,

Thurmann, Hofmeister in Lenzburg, Schwendener systema- x

tisch beobachtet haben, und zur Zeit etwa 160 Stationen fungieren. = In Frankreich und Italien wird erst’ in neuerer Zeit der Phä- a

nologie die gebührende Aufmerksamkeit gewidmet und es darf wohl

mit Recht angenommen werden, dafs die gröfsere Regsamkeit uf

8 dem Beobachtungsgebiete in den Ländern Europas seit neuester Zeit iR

| auf die anregende Thätigkeit (ler Centralstelle in Giessen zurückzu- >=

| ER führen ist.

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So weit wurde der geschichtliche Teil der Phänologie durch

Referenten vorgeführt, aus welchem hervorgeht, dass die vorzüg-

lichsten Forscher der Botanik und Meteorologie stets lebhaft für die

phänologischen Beobachtungen eingetreten sind und fortdanernd

deren Ausdehnung anstreben. #

Zur Lösung der Aufgabe, volles Verständnis für die weitere

1 Bedeutung der phänologischen Daten durch deren wissenschaflicee Sr Verwertung zu erzielen, hat Referent die erfolgreichen Arbeiten i Professor Dr. H. Hoffmanns in Giessen für vergleichende Pflanzen- klimatologie und für Be re herangezogen, welche hier

in Kürze erwähnt werden sollen.

Professor Dr. H. Hoffmann hat neben eigenen langjährigen Beobachtungen und fortgesetzter Herbeischaffung neuer Daten die | Sichtung der früher allerorts in Europa gemachten und mühevoll gesammelten Daten unternommen, um ein für wissenschaftliche Ver- wendung brauchbares Material zu erhalten, wobei etwa 80% der

ses nun

zweifellosen Beobachtungsmaterials für vergleichende Pflanzenklima- tologie in anschaulicher und übersichtlicher Form wurde von ihm wie folgt ausgeführt. 2 Die ununterbrochenen langjährigen RERRTEENE welche ee Professor Dr. H. Hoffmann an bestimmten Pflanzenspecies in Giefsen anstellte und die Feststellung. der mittleren Blütezeit derselben, be- >

MM)

= tabelle (Scala comparationis) her, zu welcher neun hiefür besonders

geeignete Species gewählt wurden, deren wahres Mittel für Giessen festgestellt war. Die mittlere Blütezeit (erste Blüte offen e. B. o.) dieser neun Vergleichungspflanzen fällt in Giessen in den Monat April, weshalb sie auch von Professor H. Hoffmann als Aprilblüten- ‚pflanzen Giessens bezeichnet werden und sind folgende:

' Betula alba, Weissbirke. . . . . blüht in Giessen (Mittel) 17. April.

Prunus avium, Süsskirsche . .. » » » 18.»

» Cerasus, Sauerkirsche ./. » » » 22:.%

» “Padus, Ahlkirsche. ... » » » 23.:.,»

» spinosa, Schlehe .. .. ».» » 19. »

Pyrus communis, Birnbaum . .. » » » 23.

» Malus, Apfelbaum . . 22% » 28.2

Ribes aureum, gelbbl. Johammisbeere » 17.9 » rubrum, gemeine » » » 13.

ne Für die Auswahl derselben war BEN weite geographische Rs

_ breitung, der parallele Verlauf ihrer mittlern Blütezeit und sichere Identität der Arten mafsgebend. Sie bieten ferner den Vorteil, mit ihrer Blütenentwicklung den Beginn des Frühlings anzuzeigen, welcher Umstand von Professor Dr. H. Hoffmann benützt wurde, diese als . Unterlage für die Herstellung einer Frühlingskarte Europas in An- wendung zu bringen. Indem von Giessen, als dem Mittelpunkte für

ee Vergleichung des Eintrittes der Aprilblütenzeit (im Mittel) ausge-

gangen ist, veranschaulicht diese Frühlingskarte in übersichtlicher | Weise durch Feststellung bestimmter Zeiträume von 10 zu 10 Tagen, erste Blüte vor oder nach Giessen offen, bis zu 36 Tagen und mehr, innerhalb welcher das Aufblühen der Aprilblütenpflanzen stattfindet, den Einzug des Frühlings im grössten Teile Europas. Die Karte . enthält neun phänologische Provinzen, gekennzeichnet durch farbige ' Sehraffierung, in welchen die mittlere Blütezeit obiger Aprilblüten- pflanzen bis zu 71 Tagen vor oder nach Giefsen abweicht.

Diese Frühlingskarte charakterisiert nieht nur die klimatischen Verhältnisse des grössten Teiles von Europa in effektvoller Weise, sie bringt auch nach Feststellung des physiologischen Wärmebedürf-

nisses der Pflanzen bis zu ihrer Blütezeit, durch die thermische

ge ein neues Moment in die Darstellung der Ve- H

Be geta tionskunde, wie dies aus weiteren Arbeiten Prof. Dr. H. Holl- . manns hervorgeht.

i |

Die bis zum Aufblühen einer Pflanze verbrauchte Wärme kann nicht direkt gemessen werden. Zum Nachweise one ER indirektem Wege wendet nun Professor Dr. H. Hoffmann ein Methode an, welche ‚von der früheren dadurch sich REN dass nicht die täglichen Schattentemperaturen bis zum Tage des

Aufblühens einer Pflanze, sondern die täglichen Insolationsmaxima _ an einem frei dem Sonnenschein ausgesetzten nicht geschwärzten Quecksilberthermometer summiert werden. Die Beobachtung beginnt mit der ersten Vegetationsbewegung einer Pflanze, etwa dem 1. Ja- nuar, und ist beendet mit dem Tage der ersten Blüte.

Als Beob bachtungspflanze wählte Professor Dr. H. Hoffmann die weisse Lilie, Lilium candidum, deren mittlerer. Blütentag in - Giefsen der 28. Juni ist, und es unbe 7 jährige Beobachtungen, ‚bei nur sehr unbedeutenden jährlichen Schwankungen, im Mittel die Temperatursumma von 2819° €. als verbrauchte Wärme vom 1. Ja- nuar bis 28. Juni, dem ersten Blütentage. In derselben Weise wurde für die Weinrebe, Vitis vinifera, mittlerer Blütentag in Giessen der 24. Juni, die Tängefätrsunume von 2432° ermittelt. Diese Tem- peratursummen sind sonach ee um die Beate Pflanzen zur Blüte zu bringen und sind als »thermische Konstanten« derselben bis zur Blütezeit zu betrachten.

Professor Dr. H. Hoffmann hat ferner durch sein Verfahren, Summierung der täglichen Insolationsmaxima, ohne Rücksicht auf eine Pflanze zu nehmen, nachgewiesen, dass bis zu einem gewissen Sommertag sich eine durch das besonnte Thermometer messbare,

dem konstanten Steigen der Sonne entsprechende Summe von Tem-

peraturen aufgehäuft hat, welche im Mittel der Jahre gleichfalls konstant ist. Wenn nun der mittlere Blütentag einer Pflanze be- kannt ist, so muss derselben auch zugleich die mittlere Insolations- summe dieses Tages angehören. Da aber das physiologische Wärme- bedürfnis der Pflanzenarten je nach Individualität ungleich ist, so bildet die thermische Konstante ein Charakteristikum für jede Art, ‚und macht aus derselben einen Wärmesummenmesser für den Sonnen- schein, d. h. man kann bei Kenntnis der thermischen Konstante aus der ersten Blüte einer Pflanze in jedem Einzeljahre und für jeden beliebigen Ort in derselben klimatischen Provinz die dortselbst auf- gelaufene Wärmesumme an nützlicher Temperatur beurteilen. Kein meteorologisches Instrument ist imstande, die Pflanze darin zu ersetzen. Ar

we _— 1 Diese neue Methode zur Bestimmung der thermischen Vegeta- Me kanetanie hat vor der früheren, welche von den täglichen po- - ‚sitiven Mitteltemperaturen im Schatten ausgeht, den Vorzug, dass sie für Niederungen und Höhenlagen gleich anwendbar ist, den na- = türlichen Verhältnissen der Pflanzen am nächsten kommt, und das . - Wärmebedürfnis derselben am richtigsten ausdrückt. Sie erschliesst eine der wichtigsten Bedingungen des Pflanzenlebens und die Kennt- - nis der thermischen Vegetationskonstante ist besonders wertvoll für die Kultur der Pflanzen, deren Akkomodationsfähigkeit.

Durch diese kurze Erörterung der wissenschaftlichen Verwen- dung der phänologischen Daten für vergleichende Pflanzenklima- tologie und Erweiterung unserer Kenntnisse auf pflanzenphysiologi- schem Gebiete möchte genügend nachgewiesen sein, dass die Phä- nologie durch ihr stetes Fortschreiten bei Erzielung so erheblicher Resultate mit Recht den’exakten Wissenschaften angereiht zu werden verdient. Ihre Anerkennung ist in den wissenschaftlichen Kreisen auch in steter Zunahme begriffen. Zu dem Resultat der vierjährigen phänologischen Beobach- tungen unserer Station hiemit übergehend, macht Referent auf die |

Er abweichenden Vegetationserscheinungen der Einzeljahre aufmerksam. ya Ein frappantes Beispiel jährlicher Abweichungen, hervorgerufen I: | | |

EN EN u ee ee EEE SF

| Ei. Bei Bi. en; | = N SE ;

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durr. Fa Rh e

_ durch den Einfluss der Witterung auf den Vegetationsverlauf, bietet der Vergleich der beiden Jahrgänge 1883 und 1884. Der Monat März, dessen Temperatur für die Entwieklung der Aprilblüten be- ‚sonders massgebend sein dürfte, stund hier 1883 mit 3,73° unter dem Jahrmittel. April ebenso mit 1,75°. Die Temperatur der fol- genden, für die Fruchtreife wiehtigeren Monate Mai und Juni 1883 ' war dagegen über dem Jahrmittel. März 1884 hatte 2,63° über dem Jahrmittel. und die Monate Januar, Februar, März 1884 wiesen ‚ein Gesamtplus von 5,88° über dem Jahrmittel, die folgenden Mo- nate April, Mai und Juni dagegen ein EEE von 5,10° unter -— ‚dem Jahrmittel auf. Der abnorm späten Aufblühzeit im Jahrgang 1883 (Aprilblüten 28 Tage später als 1884) folgte, durch die abnorm wärmere Temperatur der Monate Mai und Juni veranlasst, beschleu- nigte Fruchtreife. 11 hier beobachtete Spezies brauchten Br zur eife 716 Tage, eine Spezies 65 Tage. Dagegen 1884 ungeachtet der gegen 1883 um 28 Tage früheren ee ea spätere Fruchtreife ein, da die re im Ey; 1883

beobachteten 11 Spezies im Jahre 1884 hiezu 852 bedurften, eine Spezies = 77! Tage, ein Mehr von 12 se Tagen geg

In Übereinstimmung mit den Temperaturverhältnissen fand sonach statt:

im Jahrgang 1883: verspätetes Aufblühen, beschleunigte Fruchtreife. im Jahrgang 1884: frühes Aufblühen, verzögerte Fruchtreife, |

Das Resultat aus den 3—4 jährigen phänologischen Beobach- tungen unserer Station ist in beigefügten drei Tabellen zusammen- gestellt enthalten.

In Tabelle I sind die sämtlichen 3—4 jährigen Beobachtungen, nach dem Giessener Beobachtungsschema, aufgenommen. Die Stand- orte der beobachteten Pflanzen gehören beinahe ausschliesslich der nächsten Umgebung Nürnbergs an. Die Reihenfolge der Pflanzen- species richtet sich nach der zeitlichen Aufeinanderfolge (3—4# jähr.. Mittel) der entsprechenden Vegetationsphasen. Das 3—4 jähr. Mittel

. für Nürnberg ist in Rubrik V berechnet.

In Tabelle II ist die Reifedauer von 12 beobachteten Pflanzen- species im 3—4 jährigen Mittel angegeben.

Tabelle II enthält 8 Aprilblüten der »Scala comparationis« Giessens, hier durch 4 Jahre (ausgenommen Ribes anreum, 3 Jahre) beobachtet, deren Vegetationsphase: »erste Blüte offen« nach identi- schen Einzeljahren mit den Beobachtungen in Giessen in Vergleiehung und Berechnung gebracht ist. Aus dem Vergleiche der Aprilblüten- zeit Nürnbergs mit Giessen ergibt sich ein Unterschied von 3 "2

agen, Nürnberg später als Giessen. Es muss hiebei jedoch aus- drücklich betont werden, dass nur langjährige, mindestens aber 5 jährige Beobachtungen aankhernid richtige Mittel geben und in den meisten Fällen 10—12 jährige ek zur Feststellung wahrer

Mittel erforderlich sind. Die Giessener Beobachtungsdaten pro

1885 verdankt Referent ER; Mitteilung des Herrn Professors Dr. H. Hoffmann. .

Zum Schluss spricht Referent den verehrlichen Mitgliedern der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg, welche ihn mit phäno-

logischen Beiträgen erfreuten, den besten Dank aus.

BEER

er Tab: I:

. x | Viersen Koirsuute errang ggg ee

Sem

Pflanzenphänologische Beobachtungen in Nürnberg Jahrgänge 18832—1885

(nach Giessener Schema). | 280 45° L. v. Ferro, Nbg. abs. Höhe 315 Meter.

Geogr. Lage Nürnbergs: 49 27° 8“ n. Br.

1882 1883 | 1884 | 1885 |Nürnbg.

Pflanzenspecies | Datum Datum | Datum | Datum | Tag.

WERFEN ZTTR Er Em, BR 3

Stäuben der Antheren : | ‚Corylus Avellana, Hasel stäubt . | | 3.1.) 3.16. 126. 11. |20. 11.

Erste Zu sichtbar :

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ende Rosskastan 1 20. 1V-:-32, IV.J47. IV. 118 3 2 en abe; Weissirke, ea /2M.1IV.| 6. IV.|20. TV. | 16. IV. s sylvatica, Rotb ; 1271. IV. | 27.:IV. | 22, IV. | 26. IV. En Deertee pedunculata, Sieleiche i _ DV. BY V, Allgemeine Belaubung : EerBochwäald gran: . . 2... 2% Er ar EEE NE Frün: =. IE EIN TEN IOV. Erste Blüte ofen: > Bi 4 Ribes ibsas, gem. Johannisbeere | 16. IV. 20. IV. | 21. III. | 45. IV. | 11. IV. aureum, gelbblühe 39. Iv.| 4. IV. 149. IV. 17: IV. Prunus spinosa, Schlehe 18. IV.| 1.9.) 5. IV. HIRTEN. avi Süsskirsche 1416. IV.) 4: V: |] 6 IV SE IV rg etnR. 148. IV.) &V: | 8 VI) Tas V-| us, Ahlkir 1780: IV. | 5 V.01,8. IV ET Pyrle rn a SEIEN EN 2. DM DOT. Malus s, Apfe Da. MI TV. 198: TV: 538, FW. um sco arıum, Besenginster 28. IV. 7.V. |19. IV.1.8: 87:13 TR rege vulgaris, span. Plsder : BEN, MH.V I EV IB IV TE ARRSEER tatarica, tatarisches Geis- Baer, 8.V. 18V. | A.V.)89.1V.| 5.7. | Nareissus poeticus, weisse Narzisse 10. V. | 40.V. | 8.7. 198..1V7.1:6, V. Aesculus Hip tanum, weiss- | e blühende Rosskastanie. ... | 6.V. |! 8. V. 40. V. |27. IV. | .6. V. i urnum, rg ; EN TEN. TEN W108 VW Cydonia vulgaris, Quit ee en ? een ra, Weissorn, 9.V. | 38:7. II V AV HET ‘Sorbus aucuparia, Vogelbeere. . 6. VW. | 38.1: HE. VIEW SEEN 5. |

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Secale a Winter- roggen |

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Vitis vinifera, Weinst

Tilia grandifolia, grossbl. Linde.

Lilium candidum, weisse Lilie

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Ribes rubrum, gem. Johannisbeere blü

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Die Kreuzotter.

Vortrag, gehalten in der Naturhistorischen Gesellschaft zu Nürnberg am 14. Juli 1886 Dr. Hagen.

königl. Bezirksarzt.

Abh. d. Naturh. Ges. VIN. Bd. 4

DE ? 3 AN FÜTEN. Be Susi af ie © Einen, 4

Im Frühjahre 1886 hatte sich Herr Dr. J. Notthaft in Frank- furt a. M. entschlossen, das Vorkommen und die Verbreitung un- serer einheimischen Giftschlange, der Vipera berus, näher zu unter- suchen, angeregt durch eine Äufserung des Herrn Prof. F.v. Leydig in Bohn, dass die Verbreitung der Kreuzotter durch Deutschland hin

im Ehren noch nicht in dem Grade festgestellt sei, als sie esnach

der Bedeutung des Tieres für den Arzt und eigentlich für jeder- mann zu sein verdiente. Es waren zu diesem Zwecke die Kräfte eines Einzelnen weit übersteigende Erhebungen nötig, welche nur

von recht Vjelen gepflogen werden konnten und in besonderen Frage-

bogen niedergelegt werden sollten. Die Naturhistorische Gesellschaft zu Nürnberg entsprach dem Ansuchen um Mitwirkung erklärlicher Weise mit Freuden. Sofort hatte sich eine Anzahl Mitglieder zur frei- willigen Mitwirkung eingezeichnet, nämlich die Herren Dr. Biehringer,

m. Oskar Gebhard, Bezirksarzt Dr. Hagen, Prof. Dr. Hammon, Konsul Knapp, Prof. Krafft, cand. med. Riegel, Photograph Schmidt, Prof. Spiefs, sich als Kommission konstituiert und Verfasser dieses zum Referenten bestellt.

Ich wendete mich zunächst auch noch an weitere bekannte Kreise um Aufschluss und spreche hiermit im Namen der Gesell- schaft allen im Texte genannten Herren für ihre bereitwillige Mitwir- kung einer sachlichen Beantwortung der Fragen besten Dank aus.

Über das Vorkommen und die Verbreitung der Kreuzotter in Bayern hat der bekannte, nun leider verstorbene Naturforscher

Pfarrer Jäckel in Windsheim eingehende Erhebungen gepflogen und dieselben im Korrespondenzblatte des zoologisch - mineralogischen

‚Vereines zu Regensburg 1865 niedergelegt, wo sich auch der Be-

richt Soubeirans an die kais. Ges. für Acelim. in Paris über die Enqu&te über die Vipern Frankreichs findet. Weitere einschlägige

. Literatur findet sich in Brehm’s Tierleben Bd. VIl., in »Deutsch-

lands Tierwelt« von Dr. Gust. Jäger, in Schreiber’s Herpetologia

europa, in den Jahresheften des Vereins für vaterländische Natur- kunde in Württemberg 1881 und 1883, in »die Schlangen Deutsch- lands« von Prof. Dr. F. v. Leydig in den Abhandlungen der Sen- ne. Gesellschaft zu Frankfurt a. M. 1883, in Brand und

SET Ratzeburg, mediz. Zoologie oder Darstellung und Beschreibung der

lieh in »Deutschlands Fauna« II, 1. Heft 1802 von Sturm u. s. w. Mit Benützung dıeser Literatur, sowie eigener Erfahrungen und Notizen erweiterte ich das aus den eingegangenen Mitteilungen be- arbeitete Referat zu einem Vortrage in der Voraussetzung, dass die Kreuzotterfrage stets Interesse bietet und in Bezug auf manche nkte nicht oft genug besprochen werden kann. Ich erinnere nur an den Unterschied einer glatten Natter und einer Viper, und die eminente Beruhigung, welche dieser Unterschied bei Kenntnis der charakteristischen Merkmale beider Schlangen im Falle des Ge- bissenwerdens von Goronella gewährt, sowie an die grolse Tragweite des sofortigen richtigen Verfahrens denn anderweite Hilfe kommt

stets zu spät bei einem Bisse durch eine Kreuzotter, Günther nahm im Jahre 1858 an, und diese Annahme dürfte trotz mancher Entdeckung neuer Arten im Wesentlichen heute noch zutreffen, dass von den 635 bekannten Schlangenarten 40 in dem nördlich altweltlichen, 80 im äthiopischen, 240 im indischen, 50 im australischen, 75 im nördlich neuweltlichen und 150 im südlich neuweltlichen Gebiete leben. Ceylon und Madagaskar haben die meisten, Island, die kanarischen Inseln und Neuseeland gar keine

angen. In der alten Welt ist der 67., in der neuen der 60. Breite- Gi die nördlichste Grenze, Europa ist von 24 Arten bewohnt; 3 davon, sämtlich Vipern, sind giftig.

& Deutschland speziell hat nach Leydig 6 Schlangenarten, näm- lich die Ringelnatter, Tropidonotus natrix, die Würfelnatter, Trop. tessellatus, die Schwalbacher Natter oder Aeskulapschlange, Callo- peltis Aese., die glatte oder österreichische Natter, Coronella laevis; . dann 2 Viperarten, die Kreuzotter Vipera berus, und Vipera aspis, Viper schlechtweg oder Vipera Redi. Ob Zamenis, die Zorn-

BR 'schlange, in Deutschland vorkommt, ist sehr zweifelhaft

Die Ringelnatter, die glatte Natter und die Kreuzotter gehen durch das ganze Gebiet, und es sind nur wenige Gegenden frei davon. Die Würfelnatter und die Aeskulapschlange finden sich in den Rhein- gegenden, aufserdem erstere bei Ems, letztere bei Passau. Vipera > aspis findet sich nur am südlichen Abhange des ns

Für die meisten Schlangennamen ist eine etymologische Er- klärung nicht möglich. Sie stammen meist aus dem klassischen Alter- tum und wurden im Laufe der Zeit verschiedenen Spezies beige- legt. Tropidonotus von zpörıg Schifiskiel, varog Rücken, Rücken- schuppen scharf gekielt, tessellatus gewürfelt, Zamenis von Sanevig, mutig, zornig, Vipera vivipara lebendig gebärende, weil die Jungen vor oder gleich nach der Geburt die Eihaut sprengen. Berus, eoronella u. a. Namen lassen sich nicht erklären,

In Bayern haben wir von den genannten die ihgeiehke die glatte Natter, beide allgemein verbreitet, dann die Aeskulapschlange bei Passau, wo sie mit der Smaragdeidechse zusammen vorkommt, _ und endlich die Kreuzotter, im ganzen also 4 Schlangenarten, dar- unter eine giftige.

ahn führt zwar in seiner Fauna boica an, dafs bei Rosen- heim Vipera ammodytes, Sandotter, um die Wende des 18/19. Jahr- hunderts gefunden worden sei, allein es hat sich seit 80 Jahren nie mehr ein Exemplar dort gefunden, und es erklärt sich das Vor- kommnis ungezwungen durch die Annahme, es seien ausgekommene Handelsexemplare gewesen, da noch bis in das jetzige Jahrhundert herein diese Tiere in grofser Zahl lebend aus dem Süden in deaisue Apotheken geliefert wurden.

Was die Verbreitung der Kreuzotter betrifft, so e sie unter den Schlangen überhaupt und den Giftschlangen sell, diejenige, welche am weitesten nach Norden hinaufgeht; in Skandinavien fin- det sie sich noch nördlich vom Polarkreise bei Quickjock in den Lap- penmarken unter 67° n. Br. Sie findet sich durch ganz Europa und

. das ganze nördliche Asien bis zum Amur und südlich bis zur Nord-

grenze Persiens und in den Atlasländern Afrikas. Die Kreuzotter hat daher einen Verbreitungsbezirk wie keine zweite Schlange der Welt.

In Deutschland kommt sie, entgegen der landläufigen An- nahme, vorzugsweise in Strecken mit feuchtkühlem Klima vor, z. B. in den ‘Moorböden Norddeutschlands, in den oberbayerischen und

oberschwäbischen Torfmooren, an letzterer Stelle so häufig, dass

die Bauern nur mit langen Stiefeln die Moorwiesen betreten und dass man 10-12 Stück beisammen sehen kann. Dann kommt sie

vor in rauheren Strichen der Gebirge z. B. im Fichtelgebirge, Rhön- e gebirge, Schwarzwald, in der schwäbischen Alb, in den Alpen, hier, bis zu

ea von Erse

In wärmeren Doreen, wo Mes gedeiht, fehlt sie, z. B. "im Tauber- und Mainthal, am Rhe

In Bayern ist sie inch Täckel ; a.a. OÖ. in Oberbayern, Schwa- ben und Oberfranken, hier besonders im Fichtelgebirge, Franken- wald und Steigerwald häufig und verbreitet, in Niederbayern selten, 2. B. bei Deggendorf und Passau, in der Oberpfalz zwar verbreitet, aber nicht häufig. In Unterfranken findet sie sich bei Gerolzhofen, in den Hassbergen, auf der Rhön, fehlt aber sonst. In der Rhein- pfalz fehlt sie, Gümbel will sie jadaak auf dem at ge- sehen haben.

Mittelfranken: Für Württemberg wird nach Prof. Kraus an- genommen, dafs die Kreuzotter hauptsächlich in der schwäbischen Alb, auf dem Schwarzwalde sowie in Oberschwaben vorkomme. Aus dem württembergischen Unterlande, nämlich aus dem nordöst- lichen Württemberg findet sich ein Exemplar in den vaterländischen Sammlungen nicht, wohl aber sei von Mergentheim mit der fälsch- liehen Bezeichnung Kreuzotter eine glatte Natter eingesendet worden. Der schwäbische Jurazug geht zwischen Dinkelsbühl und Nördlingen östlich nach Bayern herein. Mit diesem Zuge verbreitet‘ sich die Kreuzotter auch nach Bayern und findet sich am Hahnen- kamm, bei Pappenheim, Eichstätt bis herauf über Neumarkt, wenn auch nicht häufig. Im gesamten nördlichen Frankenjura wurde sie lediglich im Thale der Wiesent bei Muggendorf und Behringers- mühle in ca. 320 m. Meereshöhe von Jaeckel früher und Herrn k. Militärveterinär Schwarz in letzter Zeit konstatiert, sonst scheint sie zu fehlen, wenigstens habe ich im Bereiche der Nürnberger Jura- gegend und des nordwestlichen Juraplateau bei Schesslitz nie etwas von der Kreuzotter gesehen, wohl aber die glatte Natter verbreitet und zum Teil in grofsen Exemplaren gefunden. Letztere wird auch hier und besonders im Thälchen nördlich Pommelsbrunn, wo sie recht häufig vorkommt, für die Kreuzotter angesehen, und es wurde uns aus dortiger Gegend ein Exemplar unter I falschen Bezeich- ar übergeben.

Vom nordöstlichen Württemberg ziehen die Triasgebilde öst- lich nach Mittelfranken, hier im nordwestlichen Teile noch als Muschelkalk, weiter aber zum Keupersteilrande ansteigend und das . nach Ost abfallende mittelfränkische Keuperplateau bildend, nee in dem Rednitz-Regnitzthale seine tiefste Stelle hat.

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mittelfränkischen Gebiete fehlt die Kreuzotter. Hair Prof. Spiels, in Ansbach aufgewachsen, hat aus der dortigen Gegend nie etwas von derselben gehört. Referent, ebenfalls in diesem Gebiete auf- gewachsen, an drei Orten des Gebietes 16 Jahre als prakt. Arzt thätig, mehrere Jahre Vorstand eines auf dieses Gebiet beschränkten thätigen ärztlichen Bezirksvereins, hat ebenfalls nie etwas von dem Vorkommen der Kreuzotter gehört. Es ist also dieses Gebiet mit Grund als frei von Vipern zu erachten,

Östlich der Rednitz-Regnitz ziehen sich die Keupergebilde noch mehrere Stunden weit bis zur Liasterrasse, auf grofse Strecken von einer Lehmdecke, diluvialem Schotter und Sand überlagert. Südlich der Pegnitz breitet sich hier der 54851 bayr. Tagwerk grofse Lorenzerwald aus, in welchem sich auf der meist nicht tief liegenden Lehmschichte ausgebreitete Becken von Grundwasser finden, das häufig zu Tag geht, Quellen und Versumpfungen bildend.

Hier findet sich nun die Kreuzotter häufig, wo ihr die Bösch- ungen zahlreicher Abzugsgräben, Moospolster, Heidelbeergestrüpp, sowie trockene sandige Stellen, alte Steinbrüche etc. passende Wohnung, Versteck, Nahrung und Gelegenheit zum Sonnen bieten. In den Vorhölzern des Lorenzerwaldes, besonders gegen Süden über Wendelstein hinaus, Sperberslohe ete., kommt sie unter ähnlichen Verhältnissen häufig vor, ebenso in der Gegend um Altdorf, hier vornehmlich in den feuchten Schluchten des in den rhätischen Keuper eingeschnittenen Schwarzachthales, z. B. der Sophienquelle, wo sie: Herr Photograph Schmidt fieng, im Teufelsgraben etc.

Herr Forstmeister Höfling in Feucht beobachtete sie in seinem Reviere, dem südlichen Teil des Lorenzer Waldes, jetzt sel-

tener mehr.

Im Sebalder Walde, der sich 35680 bayr. Tagwerk grols nördlich der Pegnitz gegen Erlangen ausdehnt, wo die Verhältnisse

ähnlich gelagert sind, ist die Kreuzotter mindestens sehr selten.

Jaeckel will früher von Behringersdorf, im östlichen Teil des Sebalder Waldes, Exemplare bekommen haben, Herr Forstmeister Foettinger

hat aber Zeit seines langjährigen Aufenthaltes dort nie etwas von

Kreuzottern gesehen oder gehört. Herr Forstmeister Donle, früher

= . im Sebalderwalde thätig, hat hier nie die Kreuzotter gesehen. Ein - Forstgehilfe will im westlichen Teile des Sebalderwaldes bei Krafts- ‚hof annge Vipern erschlagen und die a Natter auch beobachtet

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haben. Die glatte Natter wurde aber gerade auch aus dem need en Teile als Vip. ber. an Jaeckel eingesendet. In bezug auf die widersprechenden Angaben von Jaeckel und

Foettinger, beide verlässige Beobachter, ist zu bemerken, dafs die

Kreuzotter nicht nur zeitweilig in gröfserer Zahl an bisherigen Standorten erscheint, wie dies im Jahre 1882 in Westdeutschland,

“insbesondere aber um Metz der Fall war, sondern dass sie auch

an Stellen, wo sie seit Jahren nicht oder nicht mehr beobachtet wurde, plötzlich auftaucht, wie 1882 am Mondsee in Oberösterreich, wo sie bisher nicht beobachtet war, dann in der Gegend von Urach, wo sie seit 42 Jahren zum erstenmale wieder gefunden wurde, in einem Wäldchen bei Auingen, wo Herr Lehrer Koch, der sich seit 40 Jahren mit ihr abgibt, bis 1881 nicht ein Stück Rn 1882 aber n !/s Stunde 6 Stück fieng. (Württ. Jahresh. 1883.) Ein zahlreiches Vorkommen zu gewissen Zeiten hat auch die Veranlassung gegeben, Prämien für den Fang von Vipern auszusetzen. So wurde in Metz eine Prämie von 3 Mark für jedes Exemplar ausgesetzt und 1000 Stück eingeliefert. In Frankreich wurde vor ca. 20 Jahren eine Prämie von 50 Centimes pro Stück ausgesetzt und 17000 abgeliefert. Die Prämie wurde dann auf 25 Cent. herabgesetzt und noch 11000 Stück geliefert, in 5 Jahren zusammen 57000 Vipern. Augsburg setzte 1850 eine Prämie von 30 Kr. aus. Leu konnte darauf 4 Käfige voll lebender Vipern sammeln. Damals trugen öfter Knaben lebende Vipern bei, ohne gebissen zu werden

Im ganzen mittelfränkischen Gebiete, im Jurazug sowohl als

in den Keuperflächen findet sich die’ glatte Natter überall, wenn

auch nicht gerade überall häufig, und wo Vip. berus vorkommt, mit ihr an den nämlichen Standorten.

Eine Mehrzahl von Kreuzottern im Winterschlafe wurde nicht ee

Die im Lorenzerwalde und dessen Umgebung, sowie im er beobachteten Kreuzottern haben götliche, rotbraune Farbentöne in verschiedenen Nuancen von hellfzu unkel; graue

‚und olivenfarbene sind selten, schwarze kommen nicht vor.

Was die Färbung der Schlangen anlangt, so ist dieselbe inner- halb weiter Grenzen wechselnd. Bei der Ringelnatter hat man

schwarze Abarten beobachtet , die aber diesseits der Alpen selten sind.

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51

Bei Coronella laevis sowohl, wie bei Vipera berus sind von grau in das olivenfarbige und von sandgelb in das dunkelbraune ‘spielende Farbentöne zu beobachten, und es erscheint die Rücken- zeichnung bei der unschuldigen glatten Natter bald sehr markiert, bei der Kreuzotter oft sehr verschwommen oder selbst fehlend, so dass die Farbe und Zeichnung trügt. Dies ist in den Beschrei- bungen nicht genug hervorgehoben, so dass viele Verwechslungen vorkommen, nach Leydig selbst von namhaften Zoologen in Nord- deutschland.

Unveränderliche Unterscheidungsmerkmale, die

untrüglich sind und sofort orientieren die Ringelnatter ist durch zwei, beim Männchen gelbe, beim Weibchen weisse Mondflecke hinter den Schläfen kenntlich und kommt daher hier nicht in Be- tracht sind die runde Pupille und die glatten Schuppen bei der unschuldigen glatten Natter, diesenkrecht A Pupille und die gekielten Schuppen bei der Kreuzotter. Haut unserer Schlangen ist nämlich mit Oberhautgebilden Be welche sich als polygonale Platten, Schilder genannt, am Kopfe, Bauche und Schwanze finden, als äh oder weniger längliche, rauten- _ förmige, zungenförmige, dachziegelartig sich deckende Schuppen aber den übrigen Körper bekleiden. Die Oberfläche dieser Schuppen ist bei manchen Arten glatt (Cor. laevis), bei anderen Arten längs der Mittellinie mit erhabenen, Kiele genannten, Leisten versehen, gekielte Schuppen (Ringelnatter, Kreuzotter).

Was die Kreuzotter speziell betrifft, so findet sich bei ihr öfter eine Verfärbung in schwarz, die zur Aufstellung einer be- sonderen Art Vipera prester, npnstüp, ein Blitzstrahl: giftige Schlange geführt hat.

Die Beobachtung hat aber gelehrt, dass schwarze Abarten auch graue und braune Jungen gebären und umgekehrt, wie uns auch eine Beobachtung des Herrn Schlossermeisters Seifferlein hier dureh Herrn ©. Gebhard übermittelt wurde, nach welcher eine braune Viper schwarze Junge gebar.

In Weingeist aufbewahrt, werden schwarze Exemplare heller. Im allgemeinen spricht sich das Geschlecht von Vipera berus

in Gestalt und Farbe aus. So ist der Kopf des Weibchens läng- licher, niedergedrückter, feiner, die Körperlänge grölser, der Schwanz kürzer als beim Männchen, während die Wurzel des Schwanzes,

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beim Männchen durch die Zeugungsglieder auffallend dick erscheint.

Die grauen Farbentöne kommen dem Männchen, die braunen Fär- EN

bungen dem Weibchen zu, besonders aber dem Weibchen die 4

schwarze Färbung. Es ist aber im Auge zu behalten, dass sich = . zahlreiche Ausnahmen finden.

Zu bemerken ist hier noch, dass auch bei den Schlangen ein Farbenwechsel durch verschiedene Zustände, wie Temperatur, Nervenaufregung ete., vorkommt und schon im vorigen Jahrhundert beobachtet worden ist. Bewegliche Farbzellen in der Haut die Chromatophoren bedingen je nach ihrer Stellung das Hell oder

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Dunkel der Grundfarbe, heller in der Wärme und bei Zorn, dunkler Sg bei Kälte. i ke Die männlichen Begattungsorgane hat Swammerdam im vori- a

gen Jahrhundert für Gehwerkzeuge angesehen und diese vermeint- lichen Fülse dem sogenannten Morgenstern verglichen. Die Schlan- gen haben nämlich 2 penes, welche in der Nähe der Afteröffnung in der Uranlage aus einer Hautpapille entstehen und sich in der "Folge in sich selbst einstülpen, im erigierten Zustande aber auswärts gestülpt werden. Diese Ruthen sind mit Stacheln besetzt, Ver- N knöcherungen von Bindegewebe, welche Stacheln so echte Haut- Be knochen darstellen, die einzigen Knochen der Haut, welche bei | Schlangen sich finden im Gegensatze zu den Hartgebilden in der ; Haut Fres Reptile. e Gröfse unserer Schlangen wird für die Ringelnatter von Er 0,95 —1, 5 Meter angegeben. Bei uns werden sie nicht so grofs, 4 die grölsten bei Jaeckel 1,1 m. lang, 0,035 breit, 500 Gramm schwer. Coluber lsevis 0,63—0,80 Meter, Vipera berus 0,63—-0,79, V. aspis 0,63—0,79, V. ammodytes 0,63—0,95. Die Gröfse der bei uns vor- kommenden Kreuzottern variiert zwischen 21 und 65 em. Jaeckel fieng keine gröfsere als 54 em. Im Fichtelgebirge dürften sie auch e- " nieht über 60 cm. Länge erreichen, wenigstens enthält die Samm- u lung der Realschule Wunsiedel nach Mitteilung des Herrn Real- lehrers Dr. Kellermann kein Exemplar über 60 cm. Länge. Bei Augsburg werden sie gröflser. Leu hat ein MER (Weibchen) von 81 em. Länge bekommen. Herr Lieutenant Foerderreuther berichtet, - sein Jagdhund beim Suchen von einer Kreuzotter in die Lippe gebissen worden + sei. Örtliche Anschwellung und ee. traten 0-

fort, aber in geringem Mafse ein, nach etlichen Stunden Besserung, des andern Tages Genesung. Die Otter hatte vorher einen Frosch getötet und daher wohl nicht mehr eine hinreichende Menge Gift. Herr Bezirkstierarzt Rogner berichtet, dass eine Kuh ohne beson-

wurden in Oberfranken beobachtet. Herr Forstmeister ‘Höfling hat sich selbst von der Wahrheit der Beobachtung eines Holzhauers

in Fischbach (Lor. Wald) überzeugt, wie eine Kreuzotter an einem _ ea. 1,5 Meter hohen Fichtenstäimmehen emporkletterte, und die in einem Neste in der Baumkrone befindlichen jungen Finken getötet hat. Jedes Finkchen war nach dem Bisse sofort tot. Derselbe Herr beobachtete auch, dafs eine Maus nach dem Bisse sofort tot blieb.

Die Kreuzotter verspeist Mäuse, Blindschleichen, Eidechsen ete., nach Soubeiran aber mit Vorliebe junge Vögel und greift selbst das Wiesel an. v. Homeyer schnitt einer Kreuzotter ein altes und ein junges Wiesel aus dem Leibe. Ihre Beute pflegt sie vorher durch einen Biss: zu töten. In der Gefangenschaft nimmt sie Nah- rung nicht zu sich. Die Regel erhält ihre Bestätigung durch zwei Ausnahmen: Erber in Wien beobachtete, wie eine Kreuzotter im Käfig eine Maus verspeiste, und Herr Schlossermeister Seifferlein hier sah sie ebenfalls Nahrung nehmen.

Was übrigens die Wirkung des Bisses auf Tiere betrifft, so ‚werden nach den Zusammenstellungen Soubeirans in Frankreich

wurde im Reichswalde in die Zunge gebissen und starb bald. Wiederholte Verletzungen sollen bei Hunden geringere Erscheinungen zur Folge haben, und die Indianer sollen sich durch wiederholte Impfung mit geringen Dosen des Giftes gegen die Folgen des Bisses schützen. Der Iltis, Igel und auch das Schwein gelten als nicht empfänglich für das Gift.

Sn Die prakt. Ärzte HH. Dr. Neundeubel in Altdorf und Dr. Lehner in Wendelstein, welche seit 27 resp. 23 Jahren im Kreuzottergebiete des Lorenzerwaldes praktizieren, haben in dieser Zeit 11 resp. 3 Gebissene ärztlich behandelt. Aufserdem wurden noch 6 Verletzun- ; gen aus Zeit aus unserem Gebiete bekannt, zusammen, also

200 20 in 26 Jahren, welche in der Literatur bislang nicht veröffentlicht

sind. Tötlich war der Verlauf in keinem Falle. tarke Anschwellung und Schmerz, Brechen, Schwindel, Be-

täubung treten in verschiedenem Grade bald schneller, bald, was

aber seltner ist, erst nach einiger Zeit ein.

Die beobachteten Verletzungen waren ausnahmslos an Händen und Fülfsen.

In der Minderzahl der Fälle nehmen die Krankheitserscheinun- gen einen bedrohlichen Charakter an, dauern 10—30 Tage, lassen an der Bissstelle und in dem betroffenen Gliede oft für lange Zeit Schwellung, grofse Empfindlichkeit und Schwächezustände zurück, manchmal noch nach einem Jahre. Der prakt. Arzt Dr. Körber in Augsburg beobachtete an sich selbst, dass die Bisswunde nach einem Kranksein von nur etlichen Wochen zuheilte, aber 4 Jahre hindurch zur Zeit der Verletzung aufbrach und sich im Umkreis von 2— Zoll abschälte.

In der Mehrzahl der beobachteten Fälle aber treten weniger alarmierende Erscheinungen ein, stets aber Schwellung, Schmerz und Schwächegefühl am verletzten Gliede, und die Genesung erfolgt innerhalb 1—2 Wochen ohne weitere Folgen.

Viele Gebissene nehmen ärztliche Hülfe nicht in Anspruch und es werden diese Fälle daher nicht weiter bekannt, dürften aber die Zahl der bekannten nicht erreichen. Sie gehören wohl ohne Aus- nahme zu den leichtesten, vielleicht infolge sofortiger zweckmälsi- ger Mafsnahmen. Herr Dr. Neundeubel sagt: Die Arbeiter im Reichswalde wissen in der Regel, was sie in diesem Falle zu thun haben, sie unterbinden entweder das Glied oberhalb der Bisswunde, oder erweitern die Wunde mit dem Messer, damit mehr Blut her- ausläuft, oder waschen dieselbe sofort mit ihrem Urine aus. Mit Ausnahme der Waschung mit Urin sind Geistesgegenwart und die

genannten Mafsnahmen die einzigen Mittel, welche sofort zur Hand

sind und ihre wohlthätige Wirkung nie versagen.

Verlauf und Ausgang verhält sich bei den sonst noch in der Literatur für Bayern bekannt gewordenen'Fällen ähnlich, doch sind auch 5 Todesfälle bekannt, welche sich aber auf das ganze laufende

Jahrhundert verteilen, und von welchem 1 auf den Hahnenkamm, =

3 auf den Reichswald und 1 auf das Fichtelgebirg kommen. Prof.

Billroth in Wien verlor von 60 Gebissenen blofs 2, user 2” I

= ee eg a a Bl ie n SE ER ZN r BR N ee De en a a a Sn

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sammelte von überallher 610 Fälle, von welchen 10 % starben. Herr Dr. Hess in Wunsiedel teilt mir dagegen mit, dass ihm und seinen Onkel, diesem aus 41jähr. Praxis und aus Mitteilungen seines Vaters, der auch dort Arzt war, nichts von einem tödlichen Ablaufe eines Ötternbisses bekannt geworden sei. Durchschnittlich könne man bei ihnen für ein Jahr 4 Gebissene rechnen (das Urteil grün- det sich also auf mehrere hundert Fälle), und es komme bei dem meist leichten Verlaufe hie und da vor, dass ärztliche Hülfe nicht in Anspruch genommen werde.

In einzelnen Fällen wird auch hier beobachtet, dafs die Ge- bissenen rasch nach dem Bisse von Ohnmacht und Erbrechen be- fallen werden.

Das Gift der Viper wird in einer starken Drüse, welche bei- derseits in der Schläfengegend von mächtigen Muskelmassen umge- ben liegt, abgesondert. Diese Drüse hat einen Hohlraum im Innern, von welchem ein Ausführungsgang in das Wurzelloch des durch- bohrten Giftzahnes führt.

Bei den meisten Reptilien ist nämlich das Oberkiefergerüste unbeweglich wie bei den Säugetieren mit dem Schädel verbunden und entsprechend entwickelt und bei Schlangen gleich dem Gaumen- beine mit zahlreichen zurückgebogenen soliden Hakenzähnen be- setzt, die nur zum Ergreifen und Verwunden, nie zum Kauen die- nen. Bei den Giftschlangen aber und insbesondere bei der Kreuz- otter ist der Oberkiefer zu einem kleinen 2—3 Millimeter langen Knöchelehen verkümmert, welches nach vorn mit dem Zwischen-

_ kiefer, nach hinten mit einem Fortsatze des Flügelbeines artikuliert und so beweglich ist. Dieser Oberkieferknochen hat nun an seinem "unteren hinteren Ende Zähne. Hier befindet sich die matrix für die Giftzähne in 2 Gruben. An jedem Oberkiefer entwickelt sich ein Giftzahn, 5-6 Millim. lang, pfriemenförmig, nach rückwärts gebo- gen und in seiner ganzen Länge von einem an der Spitze ausmün- denden Kanale durchzogen. Dieser Zahn ist wie alle Schlangen- ‚zähne blofs durch Bindegewebe mit dem Knochen verwachsen. Geht ein Giftzahn zu Grunde, so wächst in kurzer Zeit ein Ersatzzahn

‚von der matrix nach, wo sich die Anlage zu 3—# Ersatzzähnen

findet. Recht oft ist schon in einem oder beiden Oberkiefern ein Ersatzzahn vollkommen‘ oe rag so dass sich je zwei gleich grofse Zähne Anden.

Er 62 Ausnahmslos sieht man in Weingeistpräparaten das Maul der Kreuzotter aufgespreizt, zu dem Zwecke, um die Giftzähne zu zeigen. enn man aber einen ansieht, der ein solches Präparat betrachtet, und auf seinem Gesichte lesen will, ob er etwas gesehen hat, so

bekommt man nicht diesen Eindruck. In der That sieht man eben

für gewöhnlich nichts und es ist unbegreiflich, wie dieser Schlen- drian sich bis heute forterhalten hat. Was man sieht, ist lediglich an jedem Öberkiefer ein Wulst von etlichen Millimetern Länge. Dieser Wulst besteht aus zwei Längsfalten des Zahnfleisches, zwischen welchen in der Ruhelage die Giftzähne zu liegen kommen, teilweise von ihnen bedeckt, so dass höchstens die Spitzen der Zähne frei liegen. Im Weingeist schrumpft das Zahnfleisch, ver- liert seine Färbung, so dass Zahnspitzen und Zahnfleischfalten nahezu oder ganz gleiche Farbe haben und meist nur bei recht genauem Zusehen etwas zu unterscheiden ist, keineswegs aber in Entfer- . nungen, wie sie in Sammlungen Bein Betrachten gegeben sind.

m Leben wird der oder die Giftzähne zum Bisse in der Wei ei gestellt, dafs der Fortsatz des Flügelbeins zum Ober-

kiefer durch Muskelwirkung nach vorne geschoben wird, wodurch

der Oberkiefer aus seiner horizontalen Ruhelage in eine mehr oder weniger senkrechte Stellung gebracht wird. Die Giftzähne stehen dann wie Fangzähne vertikal von der Gaumenfläche ab. Die Öff- nung des Zahnkanals an der Wurzel kommt so mit dem Ausfüh- rungsgange der Giftdrüse in Verbindung, so dass sich das Gift un- gehindert durch den Zahnkanal an dessen Spitze ergiefsen kann.

Zur Demonstration der Giftzähne darf der Oberkiefer nur ‘in

dieser Stellung in den Weingeist gebracht werden. An Präparaten, die nicht so vorbereitet sind, gelingt die Demonstration der Gift- zähne und des Bewegungsmechanismus derselben nur dann, wenn man durch Kochen die Weichteile entfernt, was leicht gelingt, in- dem dann die Gelenkbänder bei einiger Vorsicht und Übung. un- versehrt bleiben. agree a und der Bewegungsmechanismus wurden im Vortrage dem rt.)

Das Gift selbst ist Siweifsähnlich, klebrig, hellgelb, geruchlos und von indifferentem Geschmacke, nach Andern erregt es ein Ge- fühl von Brennen im Munde, sinkt im Wasser zu Boden und mischt sich erst allmählich mit demselben. Formelemente finden sich keine wesentlichen in demselben, die Reaktion soll sauer sein, früher galt

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sie als neutral. Eingetrocknet und auf Glas aufbewahrt, bildet das Gift eine gummiähnliche Masse, welche noch nach Jahren wirksam ist. Mineralsäuren, sowie Alkohol, Ammoniak verändern die Wirk- . samkeit des Giftes nicht, wohl aber Ätzkali. Man muss daher mit Weingeistpräparaten vorsichtig sein. Prof. Rosenhauer hat junge Sperlinge durch Ritzen an der Brust mit jahrelang in Weingeist gelegenen Giftzähnen getötet. $ - Was nun die Wirkung des Giftes betrifft, insbesondere die 3 dem Grade nach so verschiedenen Kronktekariheimungen der Gebissenen, so wird überall angegeben, bei schwüler Witterung sei die Beilslust der Vipern »gröfser, die Wirkung des Giftes intensiver. Die einen behaupten, das Otterngift sei nach dem Winterschlafe kon- Be zentrierter und daher im Frühjahr wirksamer, andere sagen im gegen- F ? teil, nach so langer Nahrungsentziehung sei das Gift weniger wirksam. N Dann soll die Wirkung wiederholter Bisse eine geringere sein. Das wissenschaftliche Raisonnement dürfte sich im folgenden zusammenfassen lassen: Die Kreuzotter ist ausnehmend bissig, und zwar zu jeder Zeit mit Ausnahme des Winterschlafes, flieht aber den Menschen stets sr und beifst nur, wenn man ihr in entsprechende Nähe kommt. Bei 5 höherer Temperatur führt sie ihr Wärmebedürfnis häufiger aus ihren Schlupfwinkeln, es ist deshalb an warmen Tagen öfter Ge- legenheit gegeben, ihr zu begegnen, bezw. gebissen zu werden. Verletzungen wurden daher auch vom März bis in den Herbst be- obachtet, die meisten jedoch von April bis Juli, besonders bei Be- schäftigungen mit Gras-, Holz- und Beerensammeln. Spaziergänger und Vorwitzige wurden ausnahmslos infolge eigener Unvorsichtigkeit gebissen, und es ereigneten sich diese Verletzungen in allen Mo- naten, erklärlicher Weise in den warmen Stunden des Tages, wo die Otter sich sonnt und leichter zu finden ist, öfter. Verletzungen Arbeitender geschehen zu allen Tageszeiten. So wollte ein Bauer sich früh 8 Uhr zum Frühstück auf einen Rain niedersetzen und wurde von einer im Grase verhorgenen Otter gebissen. Die Fälle, in welchen rasch nach dem Bisse der Tod eintrat oder schwere Krankheit folgte, ereigneten sich ebenfalls zu allen Zeiten, nicht blofs in der heifsen Jahreszeit oder etwa nur nach dem Winter- schlafe. Wenn die Otter einmal ihr Gift durch den Biss entleert hat, so wird sie als kaltblütiges Tier mit trägem Stoffwechsel nicht

sofort wieder ein entsprechendes Quantum Gift in kurzer Zeit ab- sondern können, weitere Bisse werden daher weniger wirksam sein, wie dies die angeführte Beobachtung des Herrn Lt. Foerderreuther und ein Experiment, das mir Herr Dr. Hess in Wunsiedel mitteilte, lehrt. Derselbe liels eine Kreuzotter in einen trockenen Schwamm beifsen. Es standen nach dem Bisse auf dem Schwamme zwei wasserhelle Tröpfchen Gift von 1,5 Millim. Durchmesser. Das Tier bifs nach wiederholter Reizung nicht sofort wieder, erst etwa nach ®4 Stunden. Das Tröpfchen Gift war jetzt minimal. Die Wirkung des Giftes steht im geraden Verhältnis zur Quantität und zur Schnelligkeit, mit welcher dasselbe in das Blut kommt. Nach Versuchen wirkt dasselbe, unmittelbar in das Blut gebracht, am schnellsten und meist tödlich. Es ist nun wohl denk- bar, dass z. B. im Sommer, wo die Leute beim Arbeiten lebhaftere Circulation haben , das Gift schneller und in gröfserer Menge zur Wirkung kommt ailen dass in seltenen Fällen, die rasch tödlich ver- laufen, ein kleines Blutgefäls vom Giftzahne angestochen wird. Es sind deshalb unter sonst gleichen Verhältnissen Verletzungen an Händen und Fülsen bedenklicher, weil die Otter diese Teile mit ihren Kiefern mehr umfassen, daher auch die Giftzähne in ihrer ganzen Länge einschlagen und das Gift in tiefe Schichten einführen kann, während die Bisswunden an voluminösen Teilen nicht so tief gehen. Daraus ergeben sich folgende Ka für die erste Hilfe an

sich selbst sowohl, als an anderen:

an bewahre sich Ruhe und Überlegung.

2) Man verhindere möglichst die Aufsaugung des Giftes, in-

dem man schleunigst den verletzten Körperteil oberhalb der Bisswunde mit einem breiten Bande, zusammengelegten Sacktuche, im Notfalle auch mit einer Schnur, stark um- ‚sehnürt.

3) Man entferne möglichst viel Gift aus der Wunde durch Abwischen und dann starkes Aussaugen mit dem Munde mit oder ohne Erweiterung der Wunde mit dem Messer.

4) Alkohol in Form von Schnaps ete. empfiehlt sich und wird in verhältnismäfsig grolsen Quantitäten, nach und nach gereicht, vertragen.

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Phänologischer Bericht.

re

Witterung und Vegetationsentwicklung in den Jahren 1887 und 1888 von Fr. Schultheiss, Apotheker.

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Abh. d. Naturh, Ges. VIII. Bd; 5

Die phänologischen Beobachtungen wurden in Nürnberg 1882 begonnen und sind seit 1883, der Errichtung der botanischen Sek- tion der Naturhistorischen Gesellschaft (vgl. »Die Thätigkeit der phänologischen Station 1882—1885« auf S. 29 u. f. dieses Bandes), ein ständiges Referat derselben geworden.

Diese haben bis jetzt keine Unterbrechung erlitten, wodurch Berichterstatter in der Lage ist, 6—7jähr. Mittelwerte publizieren zu können, welche unten in drei Tabellen beigefügt sind.

Als Grundlage für die Beobachtungen diente fortgesetzt das von Prof. Dr. H. Hoffmann und Dr. Egon Ihne in Giefsen 1882 aufgestellte Beobachtungsschema. Die in den jeweiligen monat- lichen Sitzungen der botanischen Sektion kontrollierten Beobach- tungsdaten wurden am Schlusse des treffenden Vegetationsjahres vom Berichterstatter zusammengestellt, und ist von ihm in einer Plenarsitzung alljährlich darüber berichtet worden. Durch das Direktorium der Naturhistorischen Gesellschaft erfolgte dann Zu- sendung der Jahresdaten an die Centralstelle in Gielsen.

ei der alljährlichen Berichterstattung vor dem Plenum der Naturhistorischen Gesellschaft wurde unter stetem Hinweise auf den bedeutsamen allseitigen wissenschaftlichen Wert der phänologischen Arbeiten noch besonders das Interesse betont, welches die Meteoro- logie mit den phänologischen Daten verbindet, und deshalb nicht versäumt, die gleichzeitigen, für die Vegetation wichtigen meteoro- logischen Daten Nürnbergs aus den Faktoren: »Temperatur und Niederschläge« neben die phänologischen Beobachtungsdaten zu stellen, diese mit einander zu vergleichen und auf ihre Überein- ang in Bezug auf Witterung und Vegetationsgang zu prüfen.

Die Unzulänglichkeit derartiger Vergleichungen zur Erlangung eines vollständig zutreffenden Resultates mufs jedoch vom Bericht- erstatter zur Zeit ausdrücklich anerkannt werden, teils wegen noch unfertigen phänologischen Beobachtungsmaterials (Fehlens wahrer littelwerte), teils auch wegen der grolsen Schwierigkeit, alle auf

ie Vegetationsentwicklung einwirkenden Witterungsfaktoren ver- Eabrene zur richtigen Anschauung bringen zu können. : y*

FE 1 ae

Mit dieser Einschränkung mufs deshalb auch der nachfolgende Versuch aufgefafst werden, welcher den Zusammenhang der Witte- ‚rung mit der Vegetationsentwicklung in den Jahrgängen 1887 und 1888 aus gleichzeitigen hiesigen meteorologischen *) und phänologischen Daten der wichtigsten Vegetationsmonate April mit September nach- weisen soll und zu einigen Schlufsfolgerungen hieraus Veranl g gibt.

Im Frühjahr und Sommer dieser beiden Jahrgänge traten im Witterungs- und Vegetationsgange so vielfach abnorme, teilweise entgegengesetzte Erscheinungen ein, welche erhebliche Abweichun- gen von den normalen meteorologischen und phänologischen Daten hervorriefen, dafs schon darin eine Aufforderung zu Vergleichungen liegt und ein Rückblick auf diese beiden klimntologisch interessanten Jahre gestattet sein mag.

Zur Orientierung in den Temperatur- und Niederschlagsver- hältnissen der für diesen Zweck in Frage kommenden vorzüglich- sten sechs Vegetationsmonate April mit September ist vorherige Kenntnis der langjährigen Monatsmittel derselben für Nürnberg nötig, welche in zwei Tabellen »Temperaturen und Niederschlags-

mengen« beifolgen, nebst den monatlichen Mittelwerten derselben Faktoren 1887 und 1888 behufs Vergleichung mit dem langjährigen Mittel; dann deren Differenz vom langjährigen Mittel und die Diffe- renz der beiden Jahre 1887 und 1888. Temperaturen

(Cels. °) el See | 388 | 85 Monate 32 |, 3 s3s |258| 33 Bo $ E Pr Sr oo 2)

32 = = E55 | 585 | 28

- “8:8 21 “4- April 850° | 765° T 831° | 0,88° | a,19° | 1,32° 18,68° | 10,94° | 13,11° | 2,74° | 0,27° | + 9,47° Juni 17,32° | 16,49° | 17,33° | 0,90° | + 0,09° | + 0,91° Juli 18,49° | 20,50° | 18,60° | + 2,04° | 2,89% | 4,90° August 417,69° | 16,79° | 48,90° | 0,90° | 4,79° | 0,89° September | 14,02° | 412,67° | 13,10° | 1,35° | 0,9% | + 0,43° | Differ.: 4,78° | 8,05° | 8,82°

*) Mitteilung der meteorologischen Daten verdankt BER HEREDRRRBMBET der Güte des Herrn K. Fraafs, kgl. SINE . D. und Vor - stand der hiesigen meteorologischen Station

ET PEN RE

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Niederschlagsmengen.

(Millimeter.) En 5 © © |. %%8 E%%8 | 82,8 g 838 | 838 | 58 =: = hu | s-5 E-Ao gm R--} in 3 = Br B Monate | = 28 38 28, 28 23 ei o &D o Ss 3 3 eo E95 E8 En = = eB= E= & E B= = 2 2 “«ÄE “= 4” % April 39,5um. | 28,8mm. | "84,8mm. |— 10,7mm.| + 42,3mm. 53,0mm 43,3mm

Mai 66,9mm. | 74,7mm. | 28,4mm. | 4,85mm.| 38,5mm. 2

Juni 88,4mm. | 22,7mm. | 55,9mm. 65,7mm.| 32,5mm. |

Juli 60,5nm. | 47,5 nm. 1144,7mm. 43,0mm.) 4- 81,2mm. |-- 94,2mm.

65,9 nm. | 445mm. | 70,5mmm. |— 21,4mm.| + 4,9mm. |

Septembr.| 51,3mm. | 23,5nm. | 40,5mm. |— 27,8mm.| 10,8mm. | 17,0mm. Sa. 372,5mm. |238,7 mm: |449,1mm.

Differ. : 133,8 mm.) + 46,6.nm. |+- 180, 4mm.,

Die Zusammenstellung der Abweiehungen in den Tempera- turen und Niederschlagsmengen der 6 Monate, April mit September vom langjährigen Mittel, ergiebt nun, wie aus den Tabellen ersicht- lich ist, über die einzelnen Jahresperioden folgende Übersicht: 1887 hatte in obigen 6 Monaten einen Temperaturausfall von 4,73°. weniger Niederschläge: 133,8 mn. einen Temperaturausfall von 8,05. mehr Niederschläge: 46,6 mm., ferner ist dazu zu bemerken, dafs gegen das langjährige Mittel der gleichen Monate:

im Januar, Februar, März 1887 68,2 mm. Niederschläge, 1888 = 33,1 mm. 5

ER

are Ei In Berücksichtigung des Benin Wärmeausfalls müssen

die Vegetationsperioden in beiden Jahrgängen als durch niedrige Temperatur ungünstig beeinflufst, betrachtet und im Zusammenhalt mit der gefallenen Regenmenge in folgender Weise charakterisiert werden:

1887 als kühles und sehr trockenes,

1888 als sehr kühles und sehr nasses Vegetationsjahr.

em entsprechend war auch der Vegetationsgang in den beiden Jahren gegen die bisherige Erfahrung im 6—7 jährigen Mittel ein verzögerter, wie aus den weiter unten verzeichneten

phänologischen Daten hervorgeht.

e

Beta ’a

Wird dem Witterungsgange in diesen beiden Jahresperioden näher gefolgt und werden nach den monatlichen Abweichungen der

Temperatur und Niederschläge

zum Zwecke

der Prüfung des

mutmafslichen Einflusses des Witterungsganges auf die Vegetation

Witterungsperioden aufgestellt,

wie diese tabellarisch folgen, so dürften beigefügte Schlufsfolgerungen auf die Phaseneintrittszeit bei.

zu beobachtenden ‘Pflanzen in den beiden Jahren 1887 und 1888 nicht unberechtigt sein.

Im Jahrgang 1887: 3 =: ss 8 2 Charakter der Witterung | _Mutmafslicher Monate 33 22 >= eig nach Temperatur u. Nieder- | Einflufs auf Phasen- wer 3 E Ä3 2 E schlägen eintrittszeit April 0,85°|— 10,7mm.| kühl und trocken wenig verzögernd. Mai 2,74°+ 4,8mm.| sehr kühl, fast normal | verzögernd. Juni 0,90° 65,7mm.| sehr kühl, sehr trocken | sehr verzögernd. Juli - |+ 2,04°— 13,0mm.| sehr warm, trocken | wegenanhaltender Trockenheit sehr verzögernd. 0,90° |— 21,4mm.| sehr kühl, trocken verzögern 1,35° 27,8mm.| sehr kühl, trocken Tanbaerhl: Im Jahrgang 1888: IE i Rz 23 ER Charakter der NVEHIRGR ER Mutmafslicher s7 sza > ‚nach Temperatur u. Nieder- | Einflufs auf Phasen- E je Ei schlägen eintrittszeit

5 September

Nach dieser Anordnung des Witterungsganges in den Jahren

0,92° |— 10,3mm.

. sehr kühl, sehr nals

fastnormal,sehrtrocken

nals .) sehr kühl, fast normal

kühl, troeken

‚sehr verzögernd.

wenig verzögernd.

verzögernd.

sehr rn

verzögernd. AezadRee

Br 1887 und 1888 nach Monaten mit den Schlufsfolgerungen auf den

Be Phaseneintritt bei den zu beobachtenden Pflanzen sollte im Monat ‚April 1887 eine geringere Verzögerung stattfinden, als im April ‚1888; dagegen im Mai und Juni 1888 eine geringere Verzögerung

als in den gleichen Monaten 1887. Für Juli, August und Sep- tember beider Perioden ist bedeutende Verzögerung gegen das 6—7 jährige Mittel in Aussicht genommen.

Um nun den thatsächlichen Vegetationsgang in diesen beiden Jahresperioden gleichfalls nach Monaten übersichtlich zu geben und ein möglichst richtiges zeitliches Beobachtungsverhältnis zwischen den phänologischen und meteorologischen Daten erzielen zu können,

wurden folgende Phasen: 6-7jähr. Mittel

erste Ag sichtbar, beob. an 4 Spee. (14/4.—4/5.)

(E. B .. - für. A erste Blüte Olten, yasni an 8 Spec. (16/4.—28/4.) ür. April, (E. Bl. o.) (Aprilblütler)

erste ei offen, beobachtet - 14 Spec. (13/5 a £/Mai Jchi

0.) Sommerblütler) z

erste ih reif, beobachtet an SE Spec. (27/6. ie für Juli, (E. Fr. r.) Aug., Sept.

gewählt, deren successiver Eintritt in den 6 Monaten, April mit September, erfolgt und den Vegetationsgang innerhalb dieses Zeit- raumes, verwendbar zu Vergleichungen mit den meteorologischen Daten, hervortreten lälst. a

Als Beobachtungsmaterial dienten nur perennierende Gewächse, fast ausnahmsweise Sträucher und Bäume, welche hier vollständig

akklimatisiert sind und zuverlässige Daten liefern.

Aus den phänologischen Daten der beiden Jahrgänge 1887 und 1888 ergaben sich nun gegen das 6—7jährige Mittel folgende

. Abweichungen: 1887 1888 1888 gegen 1887 Differ.

Änye 4 Spec. 3 Tage Tage 4 Tage pAt E. Bl. O.s. Verzögerung Verzögerung Verzögerung

8 Spee. 6 Tage 13 Tage 7 Tage

E. Bl. o. Verzögerung Verzögerung Verzögerung

31 Tage 2!/, Tage Mai, Juni = er a . Koh ; hleunigun > Bl. o. Verzögerung Verzögerung Besc gung Juli, Aug, f 11 TER 7 Tage !s Tag 6! Tage Septbr. U "E. Fr.r. Verzögerung Verzögerung Beschleunigung

e Phasen traten sonach in beiden Jahren gegen die

rn Sämtlich bisherige mittlere Zeit verspätet ein und zwar in den Monaten;

Bein OR

April 1887 = 3 Tage, bezw. 6 Tage, 1888 —= 7 Tage, bezw. 13 Tage, Mai, im er —= 6 Tage, \ 1888 = 3". Tage, Juli, Arie, Sept. wo —= 7 Tage, 1888 = !js Tag

Behgtschenil de viel kühleren nt im April 1888 be- gann die Blatt- und Blütenentfaltung um 7 bezw. 13 Tage später als im Mittel der letzten 7 Jahre, während im April 1887 nur eine 3tägige, bezw. Ttägige Verzögerung eingetreten ist, wodurch die obige Annahme einer geringeren Verzögerung für April 1887 bestätigt wird.

Mai- und Juni-Phasen hatten 1888 unter Einwirkung wärmerer, wenn auch trockner Witterung gegenüber der sehr kühlen, gleich- falls trocknen Witterung in den gleichen Monaten 1887 die geringere Bean von 3! Tagen gegen 6 Tage 1887, damit die obige

nahme einer geringeren Verzögerung für Mai und Juni 1888 Beil bestätigend.

In den Fruchtreife-Monaten Juli, August und September steigerte sich die Verzögerung in der Ralfesait 1887 auf 7 Tage, während sich diese 1888 auf Ya Tag’ reduzierte.

Werden die Abweichungen, die sich aus der Vergleichung der meteorologischen Faktoren »Temperatur und Niederschläge« für 1887 und 1888 ergeben, ebenfalls nach Monaten festgestellt, wie dies oben durch Vergleichung mit dem langjähr. Mittel geschehen ist, tritt der vielfach entgegengesetzte Witterungscharakter beider Jahrgänge besonders frappant hervor, wie aus folgender Tabelle ersichtlich ist.

BEE) 25 5

32 2| 328 888er Charakter Mutmafslicher Monate Ss3 SE 23 s5 der ee gegen das are

EE g3| 3 8 Vorjahr 1887 ntrittszeit

== u.

BE April 1,34°'-+ 53mm. | sehr kühl, regnerisch sehr verzögernd. Mai —+ 2,47°|— 43,3mm.| bedeutend wärmer, se trocken beschleunigend.

+ 0,94°|+ 33,2nm.| warm, nalı

4,90°|+ 94,2mm.| sehr kühl, sehr nals | x

0,89°|+ 26,31m.| kühl, nafs sehr verzögernd.

+ 0,43°4 17mm. | fast normal normal.

Bei,

Die Voraussetzung für den Phaseneintritt trifft, wie aus der Differenz der oben mitgeteilten phänologischen Daten ersichtlich ist, in den Monaten April, Mai und Juni zu.

Die Phasen: »Erste Blattoberfläche siehtbar« und »Erste Blüte offene bei den Aprilblütlern zeigten sich 1888 um 4, bezw. 7 Tage später als 1887; die Blütenentwicklung im Mai und Juni hatte Beschleunigung von 2", Tagen vor 1887.

Mit dem Monat Juli begannen aber für die Vegetationsent- wicklung in beiden Jahrgängen sehr kritische und unberechenbare Tage, deren Ausgang den gröfseren Anteil des Interesses am Vege- re in den fraglichen 6 Vegetations-Monaten beansprucht.

7 folgte auf den kühlen und sehr trocknen Juni ein sehr heifser, gleichfalls trockner Juli und ein warmer, trockner August. ie Folgen eingetretener Dürre zeigten sich bald überall in unserem ganzen Vegetationsgebiete, die Wiesen waren ausgebrannt, das Getreide hatte mangelhaften Körneransatz und wurde zum Teil vor- zeitig geerntet, um das Stroh zu retten, viele Bäume wurden infolge der -andauernden Trockenheit im August blattlos, der Gemüsebau war ein minimaler und die Gesamtvegetation bot in dieser Zeit ein trauriges Bild dar.

1888 kamen auf den normal warmen, aber trocknen Juni die beiden aulserordentlich kühlen und regenreichen Juli und August, deren ungemütliches Regiment sich in ganz Mitteleuropa fühlbar machte. Die Vegetation war in diesen beiden Monaten im Gegen- satz zur Dürre im Vorjahre, in Gefahr, ertränkt zu werden und zu verfaulen.

Die Wirkung dieser extremen Witterung auf den gesamten Vegetationsgang läfst sich phänologisch am sichersten aus der Fruchtentwieklung derjenigen Pflanzenarten nachweisen, welche innerhalb der Monate Juli, August und September reifen, sowohl aus der Reifedauerzeit wie aus dem Fruchtertrage.

, Aus den zur Kontrolle herangezogenen phänologischen Frucht- reifedaten geht nun hervor, dafs 1888 die Fruchtbildung bei den beobachteten 11 Species fast gar nicht gestört worden ist, während diese 1887 bedeutend benachteiligt war.

1887 bedurften dieselben 11 Species, deren erste reife Frucht im 6—7jährigen Mittel hier zwischen dem 23. Juni und 18. Sep-

'tember fällt:

ee

813 Tage = 74 Tage per Species, dagegen 1888: 746 Tage 68 Tage per Species zur' Fruchtreife, was für 1888 einer Beschleunigung von 6 Tagen per Spezies aleichkosmit. Als Beispiel hiefür diene die Beobachtung am gemeinen Hart- riegel Ligustrum vulgare L. Der gemeine Hartriegel ist eine bei uns einheimische und sehr zuverlässige Beobachtungspflanze, ein Strauch mit elliptischen, spitzen, häufig den Winter überdauernden _ 4 | | I

Blättern, weifsen Blütenrispen und schwarzen Beeren. Dieser blüte 1887 am 16. Juni auf, dagegen 1888 am 22. Juni, 6 Tage später. 1888 Er er aber schon am 12. September die ersten reifen Früchte, 1887 erst am 19. September. Das Intervall zwischen Blüte und Fruchtreife ümfalste 1887 95 Tage gegen 82 Tage 1888.

Ähnliche Verhältnisse zeigten der Rofskastanienbaum und andere sichere Beobachtungspflanzen. Die Fruchtbildung war dementsprechend im Jahre 1888 bei

z +* Nas

| | . allen perennierenden Gewächsen unseres Vegetationsgebietes eine : » . raschere und auch viel reichlichere, wie aus der vorzüglichen Obst- a ernte hervorging, als die des Jahres 1887, welche bedeutende Ver- zögerung und im Ertrag ein Defizit hatte, | Nach diesem Verhalten derselben Pflanzenarten gegen störende Witterungseinflüsse von so entgegengesetzter Art, wie sie in den Vegetationsperioden 1887 und 1888 wirksam waren, muls auch die Annahme gestattet sein, dafs andauernde, sehr kühle und sehr ee nasse Witterung den Entwicklungsgang perennierender Gewächse, i besonders Sträucher und Bäume, kaum beeinträchtigt, während an- Re dauernde, gleichfalls kühle, aber sehr troekne Witterung, verbunden mit unvermitteltem Übergang zur Hitze, wie im Juli 1887, auf die Vegetation derselben Gewächse im hohen Grade schädlich einwirkt. 3 Ferner gelangt man aus- der Prüfung der gleichzeitigen meteorologischen und phänologischen Daten auf ihren Ergänzungs- wert, wie diese oben nach Monaten aus den wichtigsten Witterungs- faktoren, Temperatur und Niederschläge, versucht worden ist, zum Schlusse, dafs für genaue Beurteilung des Vegetationsganges während der Einwirkung extremer Witterungseinflüsse die meteorologischen < Daten nicht ausreichen und das hiefür geeignete Material in den se phänologischen Daten analoger Jahrgänge gesucht werden muls.

Tabelle II. (Tab. 1 s. umstehend.)

Reifedauer von 11 beobachteten Pflanzenspeeies (im 6—7jährigen Mittel)

deren Reihenfolge nach Reifezeit:

3 a Tr a NE er er

Lonicera tatarica _ Rubus Idaeus . .

Symphoriearpus raeemosa . 2.2... 0... BarUas Auemparia . 2. 22%. a

Te IPhT Mar Meer mn:

Sambucus nigra . . .

A EEE 4 |

Aesculus Hippocastanum, weissbl. Rosskastanie

Secale cereale hibernum . . 2... 2.2... |

1}

. 1882 1888. erste Blüte Pflanzenspecies offen Datum Rubus Idaeus, Himbeere . . er ra DAR: VER, Secale cereale hibernum, Winterroggen | #1. V. Lonicera tatariea, tatarisches Geisblatt . . ur Symphoricarpus racemosa, Schneebeere. ı 3. Vl. : Ribes rubrum, gem. Johamnisbeere . ... . ‚16. IV. » » aureum, gelbbl. ET |. IV. Sambucus nigra, schwarzer Hollunder . ‚30. V. . .. Sorbus aucuparia, Vogelbeere. ......». 414. V. ; Cornus sanguinea, rote Kornelkirsche . . . . 3. vl. Ligustrum vulgare, Rainweide . . 2. .... 5. Vl 3 V;

| Fr | E

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| 10. 4. 4. 30.

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| | | | I | | | | | | | |

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| | | | | | |

Reife- dauer nach SuURr

Tabelle 1.

Pflanzenphänologische Beobachtungen in Nürnberg Geograph. Lage Nürnbergs: Jahrgänge 1882 1888

490 27‘ 8" n. Br. i

280 45° L. v. Ferro, (nach Giessener Schema). Nbg. abs. Höhe 315 Meter. 1882 | 1883 | 1884| 1885 | 186 | 1887 | 1888| Nürnbg, | Datum | Datum | Datum Datum | Deium | Datum 1 Datum n| ' Tag

S— Stäuben der Antheren : | j; | er Corylus Avellana, . stäubt

Pflanzenspecies

ER == ES BRI=8. IL° 2. | 11. | 25. III. | 20. IH. | 25. II. | 8. IH. Beisle aba ame; 2... ns = | u | 14. IV. | 24. IV; 187. IV, 124. IV | | | | Erste Blattoberjläche sichtbar : | | | | | Aesculus Hippocastanum, weissblühende Rosskastanie Er 20. IV.| 2. IV.|17.IV. | 5. IV. | 46, IV. | 24. IV, | 14. IV. Betula alba, Weissbirke . . 2. ..x. IM. IV.| 6.1V.} 20. IV. | 11. IV. | 24. IV. | 28. IV.|48. IV = Kagus ayivalicn, Rolhbuche. . . ». «us eun 5. SE TV,187.1V.| 82. IV. | 22. 1V.|30,1 3:7, 121. 1Y Quereus peduneulata, Stieleiche . . 2 2 2 2 2 2.0. 18V. 1,8.V. 29. IV.|2 Iv.| & I9e.v|4 | Allgemeine Belaubung : | | | | | | ee ek N | 3.9. | 5.7.28 Iv.|29.1V.| 4.V. | 8.78% V ET a Sa ern: ke 48V 12 KIELER IET 43.V. | 9. V. I Erste Blüte ofen: | | | | - Ribes rubrum, gem. Johannisbeere . 2 2. .2... 146. IV. | 20. IV | 21. III. | 45. IV. 146. IV. 23. IV. | 29. 1V.146. IV. =: sureum, gelbblühend » .„... 5...» I —! | 29.1 1Y.| 19. IV. | 18. IV. 27. IV, | 30.17, 221. W. | Prunus spinosa, Schlehe . . . . . ra EB, TV) VE BSTV. | 18: TV. 49. IV.538; IV.| 8.7: |28, IV » Kan, Büsskirsche . ... :.. 2er. ; 146. IV.| &. V. | 6. IV.|21. IV.|20. IV.|39. Iv.| 6.V. 198. IV.| » ‚Gerasus, a zarte er 148. IV.| & V. | 8. 1V.|22. IV. | 24. 1V.129.IV.| 8. V. 125. IV.| zyene comnmis, Birnbaum . . . .. - Eee.» 18. IV). B.V. 41V. M. IE ER Y4 4 Vi 8.728. 1V| - Prunus Padus, ee ee 120.1Y.| 8.v. | 8. IV. |a2. IV.|2%4. IV. 2 V. 8 W136. IV. Eu Bu Iufstnean . . ... See 128. IV.|.6,V. | 7.1V.|28. Iv.|28.IV.| 4 V. |.18. V. 128. IV. Spartium scoparium, Besenginster ee 128. IV.| 7. V. 148. 1V.| 2.V, | 8 V. | a ri Voten . an Yülgaris, span, Flieder . , „s......-. | 3. VIEW | 4..V;-126, 1V; | 28: IV,.1° 8: V, | 46: W109, V us a ee weissbiühende Baskazionio. I B. Vi.) 8 VI, W535 0V 137 IV; | BrSW.2148: Vs V.

_ Narei issus ;hoskiong, weisge: Narzisse ; ...,..4. SHE MEETS VB ET EV TB NT, _ Lonicera tatariea, ae Besplalli EVTL VB TV GT WET TTT Grategus Oxyacantha, Weissdon ..».. 2.2... Ri. SS A A Fa a Ze 1 A Cytisus Laburnum, Goldregen. .. . .. i A DILIENSHEN, 22V: 116718 EV ET Sorbus aucuparia, Vogelbeere. ... 2 22.28.02. 6. Va EV, JIENV. ET TITTEN EN, Ersonie vulgaris, Quitie » . 2. 22.0.2000. IMV. | EV | AV1j12.V28.V.|23. V |18.'V, Secale cereale hibernum, Winterroggen EEE EV, BEN, BEN VL EV, 08V Sambucus nigra, schwarzer Hollunder . . 2.2... gu Vr TAB N. il Ve PAD. 8. 1:82 $. | 9. VI. | 8. VL! 30, V. Symphoricarpus racemosa, re EEE I: ENEIMBNV, |) 1. VL) VE) KV A VE] Ave Cornus sanguinea, rote Kornelkirsche area WE 3. VL.188.V: | 2. VL] 31.V. |40.V | BVL] 3. VL Salvia offieinalis, Garten-Salbei . .. 222.2... RETTET EU TITTEN TEN ET Rubus Idaeus, Himbeere... . . . 2... .. | | 5 VL) 6. vL| 7. v2| 80. v. |44. VL| 6.vL| 6.vl Ligustrum vulgare, Rainweide . 2 22 e ce . 147. VL|48. VL 48. VL| 8. VI |46. VI | 92. v1. |.48. VI. RE TEHEBEN, Weinstoek ,. ı 2, a san 25. VI, | 16, V1. 122: V1, | 48. VL. 1:43. VL.|27. VI | 28, VL |, M. VE. Atropa Belladonna, Tolkirsehe .. „cu ini HET TI EI VLT & VEdan Ve ei Tilia grandifolia, grossbl. Linde... 2.2... , 28, V1.|48. V1.126, VL. 16. VE }44: V1.|26. VI | 28. VE.| 21. VL Lilium candidum, weisse Lilie . 2 2 2 2 2 2.0. 8. VII, 1. VER 4. VIL| 24. VL|29. VI.) 4. VII. 28. hai 1.VH. Erste Frueht reif: | | | an rabrum, gem. Johannisbeere . 22, ... 24. VI. | 21. VI. | 24. VI. | 20. VL. |4T. VI. | 26: VI. |27. VI. | 28 VI aureum, Telbbl. Johannisbeärs, x ; 3 ws :c s .)27. Vl.| 8. VIL| 30, VI.| 30. VI. | 12, Aa 5. VIEL 3. VIE Lonicera tatarica, tatariachos Beisbas 2. v3 4 14. VIL| 22. VI.| 8. VIL|29. VI.| 4. VILA8. VIL| 2. VIL 4. VIE! Ka läseus, Himheare . . . . u. ) 9. VIL 8. VIE 3. VIL| 3. VIL|90. VII) AB. VIE) 40. VIL Hecale cereale rang; Winterroggen (Erntebeginn) | | 9. VIL| 2. VII. 26. VI VıL|42. VIL.| 44. VII 44. VII Symphoricarpus racemosa, $ Te ER er 4. VIIL| 5. VIIL|27. VII .. Vin 2. vIL|2 24. VII. 30. VII. Sorbus aucuparia VOgBEBante. 3. 2 en, 7.VHL. | 30. VH. AV, 83, VHR) 4. VHL „10. VII.| 80. VIL| 4. VII. er nigra, Bzw one ae: er en te 4, 18.|8, VL) 3.VER.| 9, VII. VLL.'20. VID. 20. VII. 148. VI. nus sanguinea, rote Komnelkirsche 2 2 2... —- 47. VEL 21. VIIL27.VIILI24. VI 8. 1X. EN ar Sr aka x Rurire! Rainweide „en nn 8. IX. 130. VLIL, 18. ) IX. |19.IX. | AR Aesceulus a estamıin, weissblühende Rosskastanie | 20. Ix.| 6. IX. | 416. IX. | 21. IX. | 16. IX. | 28. IX. = x ® IX. Allgemeine Laubverfärbung : | | Aeseulus Hippocastanum, weissblühende- Rosskastanie 120.R.! 6X. | ER EEE N, | 4.X, Betula alba, Weissbirke . . 22222200. (x la lıaxX ex |u.xX ax 118. x. Fagus sylvatica, aka EEE 11851 2 EUER 2, N, IE, 144. X. 146. Quereus pedunculata, Stieleiche. Si ei 20. 8, 128,% 19.12. % 148.146, 718. X

2 use a I CE a ee legte ra gl ne

Tabelle Ill. Acht Aprilblütenpflanzen Giessens Scala comparationis pP Geograph. Lage | e 4 Se i , er De Nürnbergs: 50° 35‘ nördl. verglichen mit deren Blütezeit in Nürnberg nach den Einzeljahren En an Br. 26° 20° L. von a 1882 1888 Ferro. abs. Höhe 160 Meter. abs. A 315 Motor. " nn neuem nn 1882 | 1883 | 1884 1885 | 1886 | 1887 | 1888 |. ns. | Differenz | Differenz | | | 7jähr. 7jähr, ; : = bi 5 » - 2 = Giessen | Giessen Pllanzenspecies | SS SS| SS | SS| 5 SI SS 58,5 s| SEISEISSSSIS S 5 S Mittel | Mittel |im 7jhr, Mittel 1888. 233222312323 23 2237232323 .23[3S |23| 28 ES| SS ES|SS| ES 38 58 SS ES SS ESS | ES|.8 8 Nürnb. Giessen| vor |nach || vor | nach E => Vie a SsSlar] Sn] ER ER SBAISA Tage | Tage Tage | Tage Prunus avium . . . 16. IV. 8.1V\ 4. V. 127. 1V. 6.IV.| 2.1V.121. IV.|19. 1V.20. IV.|20. IV.!29, IV.|29. IV. 6. V.| 2. V.|| 28. IV. || 19, IV. 4 Pen 4 a Cerasus . . |18.IV.| 9.1IV.| 4. V. |29. IV. 8.IV Fa 1V.|21. IV./24. IV.|4. IV.89. IV.| 2. V.|8. V.| 6. v.|| 9. IV.|| 8, IV. 8 _ 8 - Padus . . . |%0. IV.110. IV.| 5. V. |30. IV. 8. IV. BEN 98. IV./. IV.|8. IV. 2. v.| 4 v.|8 v|7. v.| 286. IV.|| 24 IV. 8 -_ 1 _ . spinosa - . 18. IV.!31. IL. 1. V. 24. 1V.| 5. IV.| 2. ur IV.|20. IV.19, IV.|21. IV.38. IV.|29. IV. 5. V.| 8. V.|| 22. IV.|| 19. IV. 3 _ 2 Pyrus commuwnis . . |18. IV.| 9.1V.| 5. V. 29, IV! IN) EV ‚2. TV.|21. IV.22. IV.|24. IV. 1. V.| 8 v.|8. v| 7. V| 25. IV.|| 98. 1IV| 2 bi 1 ER » Malus..... 188. 1v.[B1.1V.|| 6. v.| 6. v.|| 7. 1V.|17. 1V.%3, IV.j84. IV.|29. IV.|29. IV.| 4. V.| 7. V.|15. v.j18. V.| 29. IV. || 80. IV] 1 ee Ribes aureum .... || | |. ıv.iee. ıv.| 1.1V. 2.1V. 19 IV. 17. IV. 19. 1V.!20. 1V.|27. 1V./88. IV.|30. 1v.| 1. v. 81. 7.20.00) 1) - | - 1 rubrum . . . |16. TV.\81.111.|20. IV.|21. IV./21.I11.) 2, IV. IV.|17. IV. 16. IV.|20. IV.28. IV.\24. IV... IV.|94. IV.| 15. IV. || 15. IV. | _ 5 E= | | | | | | a] am) Il er ee

im 7jährigen Mittel: Giessen 1"; Tage vor Nürnberg. 1888: » 2 Tage » »

Sporadische Pflanzen der Lokalflora Nürnbergs

Fr. Schultheiss, Apotheker.

Durch die Veröffentlichung einer gröfseren Anzahl Pflanzen- arten, welche in den letzten Jahren im Stadtbezirk Nürnberg mit seinen sich rasch ausdehnenden Vorstädten, und in der nächsten in deren Verkehrsbereich gezogenen Umgebung beobachtet worden sind, soll nicht sowohl eine Ergänzung des »Verzeichnisses der pha- nerogamen und gefäfskryptogamen Pflanzen in der Umgegend von Nürnberg und Erlangen von Dr. J. W. Sturm und Professor Dr. A. Schnizlein 1860« und des Nachtrages zu demselben: »Neuere Beobachtungen, zusammengestellt von A. Schwarz, kgl. b. Veteri- närarzt in Nürnberg, veröffentlicht im VII. Bd. der Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg 1881« gegeben, als vielmehr die Absicht ausgedrückt werden, die Beweglichkeit der pflanzlichen Bewohner des oben bezeichneten Gebietes, deren zeit- weises Erscheinen und den Zusammenhang dneueiben mit den städtischen Verkehrsverhältnissen kennen zu lernen, sowie für hieraus hervorgehende ERRBRSRENERONINNgEN ein erstes Auftreten konstatiert zu haben.

Das nachfolgende Verzeichnis ist deshalb keine Aufzählung der in unserer Lokalflora einheimischen Arten oder der hier kulti- vierten Anlage- und Gartenpflanzen, sondern es sind in diesem lediglich zerstreut und spontan auftretende Arten aufgeführt, welche wir bis, jetzt noch als »Fremdlinge« in der Lokalflora Nürnbergs betrachten müssen.

Die Bezeichnung einer Art als »Fremdling« in einer Flora ist allerdings eine gewagte, und wird nur dann angewendet werden dürfen, wenn es möglich ist, den Artenbestand des Florengebietes stets kontrollieren zu können. Dieser Voraussetzung entspricht jedoch in unserem Falle eine fleifsige Beobachtung der Nürnberger

'Lokalflora, welcher sich seit Jahren aufser dem Berichterstatter

dieses, mehrere Mitglieder der botanischen Sektion der Natur- Abh. d. Naturh, Ges, VIII, Bd. 6

Durch die Veröffentlichung einer gröfseren Anzahl Pflanzen- arten, welche in den letzten Jahren im Stadtbezirk Nürnberg mit seinen sich rasch ausdehnenden Vorstädten, und in der nächsten in deren Verkehrsbereich gezogenen Umgebung beobachtet worden sind, soll nicht sowohl eine Ergänzung des »Verzeichnisses der pha- nerogamen und gefälskryptogamen Pflanzen in der Umgegend von Nürnberg und Erlangen von Dr. J. W. Sturm und Professor Dr. A. Schnizlein 1860« und des Nachtrages zu demselben: »Neuere Beobachtungen, zusammengestellt von A. Schwarz, kgl. b. Veteri- närarzt in Nürnberg, veröffentlicht im VII. Bd. der Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg 1881« gegeben, vielmehr die Absicht ausgedrückt werden, die Beweglichkeit der pflanzlichen Bewohner des oben bezeichneten Gebietes, deren zeit- weises Erscheinen und den Zusammenhang benslben mit den städtischen Verkehrsverhältnissen kennen zu lernen, sowie für

ieraus hervorgehende Pflanzenansiedelungen ein Geiles Auftreten konstatiert zu haben.

Das nachfolgende Verzeichnis ist deshalb keine Aufzählung der in unserer Lokalflora einheimischen Arten oder der hier kulti- vierten Anlage- und Gartenpflanzen, sondern es sind in diesem lediglich zerstreut und spontan auftretende Arten aufgeführt, welche wir bis, jetzt noch als »Fremdlinge« in der Lokalflora Nürnbergs betrachten müssen.

Die Bezeichnung einer Art als »Fremdling« in einer Flora ist allerdings eine gewagte, und wird nur dann angewendet werden dürfen, wenn es möglich ist, den Artenbestand des Florengebietes stets kontrollieren zu können. Dieser Voraussetzung entspricht jedoch in unserem Falle eine fleifsige Beobachtung der Nürnberger 'Lokalflora, welcher sich seit Jahren aufser dem Berichterstatter dieses, mehrere Mitglieder der botanischen Sektion der Natur-

Abh, d. Naturh. Ges. VIIT, Bd. 6

EB

historischen Gesellschaft widmen und das Auftreten neuer Arten stets gewissenhaft verzeichnet haben.

ein auch in dem ausgedehnteren Florengebiete Nürnberg- Erlangen, welches das Pegnitz- und einen grofsen Teil des Regnitz- gebietes umfafst, und der Zahl nach etwa 1300 Arten (inel. Kultur- pflanzen) enthält, können dem aufmerksamen Beobachter Artenver- änderungen nicht entgehen. Einzelne Arten gewinnen so zu sagen unter dessen Augen an Ausbreitung. Ich nenne als auffällige Bei- spiele der letzten Jahre: Dianthus prolifer L. sprossende Nelke,

. Centaurea nigra L. schwarze Flockenblume; Stenactis annua Cap.

Mafsliebehenblütige Stenaktis, deren alljährliches Fortschreiten nach- weisbar ist. Andere Arten nehmen dagegen an Individuenzahl ab und verschwinden allmählich. Leider trägt hiezu auch unvernünftige Ausrottung durch profane Hände bei und es ist im allgemeinen leichter, eine zugewanderte Art in unserem Florengebiete zu kon- statieren, als eine vor etwa 30 Jahren mit »selten vorkommend« bashiöhndte wieder aufzufinden. Aus den frühesten botanischen Überlieferungen des Standes unseres Florengebietes geht die That- _ sache des Aussterbens einer belangreichen Anzahl von Arten eben- falls genügend hervor.

Sind bei Ansiedlung und Vermehrung der Pflanzen diese nur auf natürliche Hülfsmittel, den Bau der Samen und Früchte und deren Transport durch Wind, Wasser oder Tiere angewiesen, dann wird auch die Veränderung im Florenbestande einer Landschaft nur sehr allmählich und unbemerkbar für den zeitlichen Beobachter vor sich gehen. In dieser primitiven Lage befinden sich aber unsere Kulturländer überhaupt nicht mehr, in diesen schafft die menschliche Hand das jeweilige Vegetationsbild.

Durch Aussaat und Pflege von Kulturpflanzen, deren Produkte von Erdteil zu Erdteil versendet werden, mit der damit Hand in Hand ERROR Umiuitsrußg wer Bodenfläche, und durch zufällige wird der Florencharakter vom Kultürzustapde : des Landes abhängig gemacht und einem rascheren Wechsel unterworfen sein. So gelangten im vorigen Jahrhundert wahrscheinlich mit Getreidesendungen aus Nordamerika,

drei auch in unserem Gebiete allgemein vorkommende Pflanzen

nach Deutschland: Oenothera biennis L. zweijährige Nachtkerze, _ ausgezeichnet durch ihre grofsen gelb leuchtenden Blüten, a

Bags 5 a lan Bi ar

Lieblingsstandorte die höheren sandigen Pegnitzufer in der Nähe unserer Stadt bevorzugend; Galinsoga parviflora Cav. kleinblütige Galinsoge, einer kleinblütigen Kamilla entfernt ähnlich, häufiges Unkraut der Äcker im Knoblauchslande, und Erigeron canadensis L. ein überall sehr lästiges Unkraut.

Deren vollständige Akklimatisation in Deutschland ist eine längst bekannte Thatsache, und es ist nicht ausgeschlossen, dafs die eine oder andere der unten aufgeführten Arten sich gleichfalls im ersten Stadium der Ansiedelung befindet. Diese Annahme dürfte besonders bei denjenigen Arten zutreffen, deren Verschleppungsweg

nachweisbar ist und die voraussichtlich stete Erneuerung durch :

weitere Samenzufuhr erhalten dürften.

In diesem Falle befindet sich die Gattung Diplotaxis D. C., Doppelsamen, welche in neuerer Zeit nach langjährigem Verschwinden wieder bei uns auftaucht. Diplotaxis muralis D. C., Mauerdoppel- same, z. Z. die häufigst gesehene Art dieser Gattung, kommt von Westen her zu uns; vom unteren Maingebiete, woselbst sie zunächst beheimatet ist, folgt sie dem Bahnkörper nach Nürnberg. Hagen- büchach ist bis jetzt als die äufserste westliche Station für ihr Vorkommen in unserem Gebiete bekannt, und ohne Zweifel tritt sie an der ganzen Bahnstrecke Würzburg-Nürnberg auf; östlich von Nürnberg wurde sie gleichfalls beobachtet und zwar im Bahnhof zu Hartmannshofen,

Als Beispiel für rasche Pflanzenverbreitung mufs ferner die 1888 hier aufgefundene Matricaria discoidea D. C., eine Kamille ohne Zungenblüthen, gelten. Früher in Bayern uabekmak, wurde sie vor wenigen Jahren zuerst in München gesehen, wohin sie wahr- scheinlich durch Getreidesendungen aus ihrer Heimat, Nordamerika, gelangte. Der hiesige Standort ist neben Offingen a. d: Mindel jetzt schon der dritte in Bayern bekannte und die Annahme der Ver- schleppung von München aus längs den Bahnlinien sehr naheliegend.

Die bedeutende Handelsstadt Nürnberg, als Mittelpunkt von sieben Bahnlinien mit sehr lebhaftem Personen- und Frachtenver- kehr, grofsem Import und Export von und nach allen Weltgegenden, _ bietet für Einschleppung und Verbreitung von Pflanzenarten viel- fache Gelegenheit. Durch Getreide, Sämereien aller Art, tierische

‚und vegetabilische Rohstoffe, Hölzer, Verpackmaterial u. s. f. ist die ' Möglichkeit der Einschleppung bei den ohnedies häufig mit natür-

6*

er

lichen Hülfsmitteln, Haaren, Grannen, Borsten u. s. w. zur Verbrei- tung versehenen Früchten und Samen, eine sehr grolse. Die Aus- streuung der letzteren, soweit diese überhaupt kontrollierbar ist, wird durch die städtische Kehrichtabfuhr begünstigt, welche Abfälle aller Art und Unrat aus den Strafsen und Häusern der Stadt täglich an bestimmte aufserhalb der Stadt gelegene Stellen schafft. Die humusreiche Beschaffenheit dieser Ablagerungen befördert Keimung und Entwicklung der darin zufällig vorhandenen Samen, und es entstehen auf solche Weise botanische Fundstellen. Es sind mehrere derartige Ablagerungsstellen um Nürnberg vorhanden und diesen, nebst Schutt- und Wegestellen, Sandgruben u. s.' f. gehören die meisten der unten bezeichneten Pflanzenfunde an.

ie notierten Arten wurden zum Teil seit mehreren Jahren wiederholt an verschiedenen Stellen, zum Teil aber auch nur ein- mal oder periodisch auftretend, unter den letzteren einzelne auch schon früher, beobachtet. In der Einbürgerungsfrage neuer Arten muls darauf hingewiesen werden, dafs einer bleibenden Ansiedelung

in unserer nächsten Umgebung aufser dem natürlichen Kampfe um

das Dasein, absichtliche und unabsichtliche Ausrottung durch mensch- liche Hände, durch intensive landwirtschaftliche und gärtnerische Ausnützung des um Nürnberg gelegenen Ackerbodens, und dure rasche Vermehrung der Baustellen, welch letzterem Umstande schon mancher Bürger unserer Lokalflora zum Opfer fiel, sehr erschwerend im Wege stehen.

Am Schlusse spreche ich den verehrten Mitgliedern der bo- tanischen Sektion der Naturhistorischen Gesellschaft, welche mich mit Notizen und Mitteilungen von Funden unterstützten, besonders den Herren: J. Kränzle, kgl. Stabsveterinär, A. Schwarz, _kgl. Veterinär; C. Rodler, Apotheker; Johannes Simon, st. Lehrer, meinen besten Dank aus.

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Verzeichnis der in der Lokalflora Nürnbergs sporadisch auftretenden F anzenarten. . Gruppe. Arten, deli dem fränkischen age nach Dr. J. W. Sturm und Prof. Dr ehnizlein, Pflanzenwerzeichnis für Nürnberg-Erlangen, den Form.: 6—8. Lias, (. ee des Jura, Jurabergen) angehören, in der Bengötermahlin um Nürnberg nicht einheimisch sind:

Adonis aestivalis var. pallida (Ad. citrina Hoffm.) VORNE RUN EEE Fumaria Vaillantii Loisl, Vaillants-Erdrauch. Arabis alpina L., Alpen-Gänsekresse (Gartenflüchtling).

rysimum öckentahe R. Br, BEER, Hederich. Isatis tinctoria L., Färber-

elilotus RER Per Ver PARNOIERRERNR Steinklee.

Vicia villosa Roth. mean icke.

» » var. glatreschii (glatte Form).

» tenuifolia Roth., Feinblätterige meer Lathyrus hirsutue L., R auhhaarige Plat

Scandix pecten Veneris L., Kammförmiger Nadelkerbel. Asperula arvensis L., Feld-Waldmeister, Galium tricorne With, Dreikörniges Labkraut

arine v. spurium L., ee Eee Cotula L., Sünkende 4 ae Chrysanthemum inodorum Bis Wucherblume.

Er Echinospermum Lappula Lehm., Klettenartiger Igelsame. Myosotis sylvatica Hoffm,, Wald- He egn .> Linaria Elatine Mill., Spiefsblättriges s Lei Galeopsis angustifolia Ehrh., Schmalblättrige SEE | » versicolor Curt., Bu = Hanfnessel. 23 Stachys annua L., Jähriger Zin Bromus inermis Pa ae Trespe. U. Gru 5 Arten, ET einheimische in unserem Ge sporadich und spontan , dufireionde, teilweise schon früher beobachtete (durch Bahneinschleppung, Sämereien ete. verbreitet und Gartenflüchtlinge). Nigella damascena L., Gretl im Busch (Gartenflüchtling). Delphinium Ajacis L,, Garten-Rittersporn, (Gartenflüchtling),

ee a N

Bei, x Br

Papaver somniferum L., Garten-Mohn (Gartenflüchtling). Cardamine arenosa Roth., andschaumkraut (eingeschleppt). - Sisymbrium pannonicum Jaeq., Ungarischer Raukensenf (eingeschleppt). Erysimum repandum L., Ausgeschweifter Hederich (eingeschleppt, seit Ve mehreren Bi regelmälsig beobachtet). er Pollichii Schimp. et Spenn., Pollichs-Rampe, seit vielen Jahren verschwunden, jetzt häufiger auftretend (Bahneinschleppung). Diplotaxis tenuifolia DC., Schmalblättriger Doppelsame (früher beobachtet, B Biheiklenien g). en u muralis DC., Ma EURER (in den letzten Jahren häufig nd, Bohtirlaschiee 0. De Doppelsame (1888 beobachtet, an ng). ; : u sativum L., Garten-Kresse (in Gärten als Unkraut, selten). Iberis amara L., eine Baur ' (Gartenflüchtling). esistrim EEE All., Runzeliger Repsdotter (eingeschleppt). h » perenne All, de Repsdotter (eingeschleppt). Cakile maritima Scop-, Meersenf (Bahneinschleppung):

auftrete Diplotaxis viminea

EN ing). w: ee Vacearia L., Kuh Setinkiaut (früher beobachtet, periodisch Be auftretend, eingeschlepp

'Silene Armeria L., Gate n-Le kön ar re Gartenflüchtling). gallica L., Tranebsiachre Leimkraut (Gartenflü ng). » pendula L, Überhängendes a aa beobachtet, Garten-

» diehotoma Ehrh., Zweigeteiltes Leimkraut (eingeschleppt). Geranium pyrenaicum % Pyrenäischer Kranichschnabel (früher beobachtet). ; . Hibise us Trionum L,, img (eingeschleppt).

Trifolium striatum 2 Gestreifter Klee (eingeschleppt). re sativus Brot. Serradella, Vogelfuls (durch Grassamen ein-

eppt). Vieia Bar Ba esvulenta Mönch), Linse (eingeschleppt). ‚Cueurbita Pepo L., Gemeiner Kürbis (Gartenflüchtling). Anethum Eoonieniun L., Fenchel (Gartenflüchtling). » graveolens L., Gemeiner Dilt (Gartenflüchtling). Anis Kr chleppt). para jetzt häufiger beobachtet als

Wermuth ae zlönilich häufig auf, ein-

ia erschien.

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Fe Be a A Fr AH Art a BL, Bet BEE BET ae TEE Zi Il. Far nt ee A w

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a: Baier - Se, Ir X \

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Anthemis nobilis L., Römische Kamille (Gartenflüchtling). Chrysanthemum woreeole ens Aschers (Matricaria discoidea DC.), Wohl- riechende Wucherblume (Bahneinschle

Silybum Marianum Gärtn., Frauendistel (Gartenflüchtling) Centaurea solstitialis L., Sommerfleckenblume (periodisch auftretend, eingeschleppt). REN hispanica L., Spanische en urz (Gartenflüchtling). Xanthium spinosum L., RER Spitzkle en strumarium D ,‚ Kropf-Spitz a (eingeschle Heliotropium europae ur Europäische Sonn PS

Nonnea rosea LK., Be Mile (eingeschleppt). Solanum Danone L., Paradiesapfel ee Nicandra physaloides Gärtn., Giftbeere (Gartenfl

FRE?

Satureja hortensis L., Gartenbohnenkraut (Gartenflüchtling). Plantago arenaria W. et K., Sand-Wegerich (eingeschleppt). » nn ı PER Schlitshlätteriger Wegerich (eingeschleppt, Vor- mmen am Hocreiafe er). ae Salsola Kal L., Arrip Salzkraut (Bahneinschleppung, Vorkommen am

Salsola Soda L, Ganehätergn Salzkraut (Bahneinschleppung, Vorkom- men am Meeresu est).

Amarantus candatus L., En Amarant (Gartenflüchtling).

Blitum capitatum L., Ährentragender Erdbeerspinat (seit Jahren nicht mehr beobachtet).

» virgatum L., Seitenblütiger Erdbeerspinat er beobachtet,

ge EN

Beta vulgaris L., Gemeiner Mangold (Gartenflüchtling).

Spinacia ie Wehrloser Spinat (Gartenflüchtling).

Cannabis sativa L., u anf (als Vogelfutter verschleppt).

Panicum miliaceum L., Gemeine Hirse (häufig mit Purpurährchen, ver- schl

Pp

Panicum capillare L. Haarfeine Hirse ng 4 verbalen L. (Setaria vertieillata P. 8.), Quirlige Hirse (soll Se | nach älterer Angabe bei Erlangen alle worden sein, hier 1585 zum erstenmal). & italicum L. (Setaria italica P. S.), Kolbenhirse (wahrscheinlich als Vogelfutter verschleppt, in zahlreichen Exemplaren auf-

tretend). » italieum Var. germanicum Roth, (fast borstenlose Form, ein-

geschleppt).

Bssden Bacon Por, Fingerförmiger Hundkeiii Teinpöskhilapptf: Phalaris can isches Glanzgras (als Vogelfutter ver- ten

e a L., Var. foliis Tariegatie, Bandgras (Gartenflüchtling). Briza maxima, Größtes ‚Attergpas same ki).

g gras (eing ppt, Heimat: Steier-

a Arena AR , Wilder Hafer een pt).

» strigosa Schreb., Sandhafer (verschleppt). orientalis Schreb. ee Hafer shesg) " Triticum Spelta L., Dinkel (verschleppt Lolium multiflorum Lamm., Vielblätiger Lolch (eingeschleppt).

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Nauen wir ö: > ur win, 1 a ee re rn on

Bemerkungen über einige Reptilien des Naturhistorischen Museums NG. N.: aus Peru, Brasilien, Cuba und Gross-Namaland

von

Dr. 0. Boettger in Frankfurt a. M.

a

Durch das Direktorium der Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg wurden mir einige Reptilien des Museums zur Bestim- mung anvertraut, die zwar grofsenteils systematisch kein besonderes

Interesse beanspruchen, deren Vaterlandsangabe aber doch bei

zweien derselben von Wichtigkeit sein dürfte. Damit mögen die folgenden kurzen Angaben einerseits gerechtfertigt, andererseits entschuldigt sein!

chsen. Pachydactylus Bibroni (Smith). Boulenger, Cat. Liz. Brit. Mus. ed. 2, Vol. I p. 201; Boettger, Ber. Senckenberg. Gesellsch. 1887 p. 140. ross-Namaland. Typisch in Form und Färbung.

Schlangen. Elapomorphus (Phalotris) tricolor D. ei B.

Jan, Iconogr. d. Ophid. Lief. 14, Taf. 2, Fig. 2; Strauch, Bemerkungen über die Schlangengattung Elapomorphus, St. Peters- burg 1884 p. 176

Brasilien; war bis jetzt nur aus Bolivia und Paraguay bekannt.

Pholidose typisch; 2 2 Postocnlaren.

Färbung und Zeichnung etwas vom Typus verschieden. Das gelbe Halsband ist vier Schuppenreihen breit; dahinter steht ein schwarzes halbes Querband von ebenfalls nur vier Schuppenreihen. Namentlich ist das vorliegende Stück aber darin abweichend von der Normalform, dass alle Körperschuppen mit Ausnahme der äus- sersten Längsreihe an der Spitze mit einem scharf markierten, rot- braunen Punktfleck gezeichnet sind, die der ganzen Schlange ein lebhaft punktiertes Ansehen verleihen.

' Schuppenformel: Squ.15; G.3/3, V.240, A. 1/1, Se. 2626 +1. Liephis poecilogyrus (Wied). Boulenger, Ann. Mag. N. H. (5) Vol. 18 p. 432. Brasilien; 2 Exemplare.

ur

Xenodon rhabdocephalus (Wied). Boulenger, |. c. p. 433. Brasilien. Zamenis hippocrepis (L.). Jan, Iconogr. d. Ophid. Lief. 48, Taf. 4, Fig. 1; Schreiber, Herpetologia Europaea p. 260 (Periops). st auf den westlichsten Teil Südeuropas und auf den- palae- arktischen Teil Nordafrikas beschränkt. Schuppenformel: Squ. 27; G. 7/7, V. 227, A. 1, Sc. 98/98 +1. Dromicus angulifer D. et B. Dumeril et Bibron, Erp. gen. Tome 7 p. 670; Jan, Tconogr. d. neh Lief. 23, Taf. 6. juv. romieus unicolor Dum. et Bibron, 1. ce. p. 658; Jan, |. 6. Lief 24, Taf. 6, Fig. 2 uba. 8 8 Supralabialen und 17 Schuppenreihen. Herpetodryas dendrophis Schleg. Jan, Icon. d. Ophid. Lief. 31, Taf. 3. eru. | 17 Schuppenreihen. In der Färbung und matten Zeichnung die Mitte haltend zwischen dem Typus und der var. brunnea Gthr., letzterer näher stehend, aber von blaugrüner statt brauner Grundfarbe Herpetodryas Rappi Gthr. Günther, Cat. Golubr. Sn. Brit. Mus. 1858 p. 116. Peru. Oxyrrhopus Fitzingeri (Tschudi). Tse di, Faun. Peruv. Rept. p. 56 (Siphlophis) ; Jan, Icon. . d. Ophid. a 36; Taf..5, Fi Peru; 2 Exemplare. Die ‚Banckönberg’ sche Gesellschaft be- sitzt ein Stück dieser Art aus Pacasmayu, Nord-Peru. Jederseits ein langes Frenale; engine nicht mit den BOpeN: labialen in Kontakt. ärbung typisch. Schuppenformel: Squ. 19; G. 3/3, V. 203, A.1, Se. 272 +1. 19; » 2/2, » 204, » 1, » 7878-+1- et:

PAR

TE ee Te ee E # fin W

Aspidelaps lubrieus (Merr.).

Jan, Icon. d. Ophid. Lief. 44, Taf. 6, Fig. 2; Boulenger, Zoo0- logist for May 1887, S. A. p. 9.

Neu für Gross-Namaland; war bis jetzt nur bekannt’ aus der Kapkolonie und aus Kaffraria.

28 schwarze Ringe um den Rumpf, 6 um den Schwanz; ausserdem die Schwanzspitze schwarz.

Schuppenformel: Squ. 19; G. 2, V. 164, A. 1, Se. 30/30 +1.

Pelamis bicolor (Schneid.).

Jan, Ton d. Ophid. Lief. 40, Taf. 3, Fig. 2.

Liegt von einem sicher falschen Fundort vor, den ich ab- sichtlich verschweige. Meines Wissens finden sich Seeschlangen in Afrika nur an der Ostküste und gehen sogar bis zur Südspitze herunter ; auf der Westküste fehlen sie ganz bestimmt.

Die vorgenannten Reptilien verdankt das Museum der Güte der Herren Missionär Teufel in Gross-Namaland, Kaufmann Aischmann (Brasilien), Bergwerksbesitzer Stumpf in Peru und Consul Knapp (früher Kaufmann in Habana).

Ein Grabhügel bei Behringersdorf im Pegnitzthal.

Ausgegraben von der anthropologischen Sektion.

1

Wo die Pegnitz ihren von Norden nach Süden gerichteten Lauf fast im rechten Winkel ändert, um westwärts der Rednitz zu- ' zueilen, wo die kühn und schroff zu steiler Höhe ragenden Dolomit- riffe zu den’ weicheren Formen niederer, der Kultur zugänglichen Erhebungen abfallen, da weitet sich das Thal und bildet eine breite Stralse, die von Ost nach West zieht und wohl auch in früher Zeit den Zügen weit vom Osten her sich westwärts vordrängender und vorschiebender Völker gedient haben mag. Auf beiden Seiten des bis zu zwei Stunden breiten Thales heben sich die Ufer in geringer Steigung bis zu 50 Meter über der Thalsohle um dann, stellenweise jäh, besonders am Nordrande an die das Thal begrenzenden Plateaus zu ‚stolsen, welche die Sammelbecken der zahlreichen Zuflüsse dar- stellen, die zur Zeit des tauenden Schnees und der Frühjahrsregen den sanften Pegnitzfluls zum schwellenden Strome wandeln.

Aber nicht nur von Süden gegen Norden auf der linken Seite des Thals und von Norden gegen Süden am Nordrand desselben, senken sich die Ufer, sondern auch gegen die Niederung des von Süd nach Nord gerichteten Rinnsals der Rednitz-Pegnitz laufen die Erhebungen aus, nur noch von isolierten Erhebungen, z. B. vom Nürnberger Burgberg unterbrochen.

Jenseits der Rednitz-Pegnitz steigt dann die natürliche Heeres- stralse wieder allmählich an und bot wohl auch den westwärts ziehen- den Scharen reisiger Stämme Aufenthalt und Hindernis auf dem weitern Marsch.

Solcherlei, freilich auf sehr schwachen hypothetischen Fülsen stehende Vermutungen drängen sich dem Betrachter der prähisto- rischen Karte der Umgegend von Nürnberg auf, die wir der sorg- fältigen Arbeit unseres korrespondierenden Mitgliedes, des Majors im kgl. Generalstab, Herın Goeringer in Augsburg verdanken, wie sie der von H. Ballhorn besorgten Ausgabe der Festschrift zum . Kongrefs der Deutschen Anthropolog. Gesellschaft beiliegt. Freilich ist gerade das Gebiet der Ss ein leider noch sehr Abh. d. Naturh, Ges. VII. Bd.

ER: he

wenig erforschtes, soweit es die Zahl und Ausbeutung der prä- historischen Fundstellen betrifft ; freilich ist die Thätigkeit unserer anthropologischen Sektion kaum noch über die ersten schwach tastenden Versuche hinausgekommen. Herrscht auch über das Wo- her und Wohin jener, die unsern Pegnitzgau dereinst durchzogen, noch tiefes Dunkel, so mehrt sich doch, dank den fleifsigen Beobach- tungen unserer Mitglieder, die unverdrossen die an landschaftlichen Reizen so reiche Gegend durchwandern, dank den grofsherzigen Unterstützungen, welcher sich die Sektion von Seite mafsgebender und einflufsreicher Persönlichkeiten und Behörden zu erfreuen hat, dank ten opferwilligen Bemühungen, der sich mehrere Sektionsmit- glieder bei den Einzelforschungen unterzogen haben und unterziehen, Schritt für Schritt die Kenntnis und die wissenschaftliche Ergrün- dung jener uralten Denkmäler vorgeschichtlichen Lebens und Todes, wie sie in erster Linie die Grabhügel darstellen, in welche die Leich- ' name gebettet wurden, welche jene Wanderzüge an der Stelle ihres Rastens beklagt oder mit sich zur würdigen Totenfeier an geeigneter Stelle geführt haben, und welche die einzige Kunde geben über jene, die vor unserer Zeitrechnung an der Stätte unseres heutigen _ Wirkens gewohnt haben.

So, ist in letzter Zeit mehr und mehr der Nachweis gelungen, dafs nicht nur auf den Höhen, die unser Pegnitzthal begrenzen, zahlreiche Spuren vorgeschichtlichen Lebens und Ablebens aufzu- finden sind, sondern auch in näherer Umgebung, an den flacheren Seiten des Thales, Reste früherer Besiedlung in gröfserer Zahl vor- handen sind, als früher angenommen werden durfte, als aus der Betrachtung der erwähnten Karte vermutet werden kann.

ine dieser uralten Grabstätten zu erforschen, hatte die an- thropologische Sektion im vergangenen Jahre Gelegenheit, und die

Beschreibung derselben und der in ihr Jahrhunderte hindurch ge- '

borgen see Fundgegenstände bildet den Inhalt der vorliegen- den Mitteilung

Es ist eine sanfte Senkung von Ost nach West, welche durch eine von Nord nach Süd ziehende Strafse neueren Datums durch- schnitten wird, eine Stralse, von welcher ostwärts ein längst ver- lassener Sandsteinbruch _. Grund Sumpf bildet, westwärts ein noch im Betrieb stehe i h sich befindet. Eine kleine Stunde

von den KR Verkohrantehtäti; die das Thal durchziehen, ent-

RR:

fernt, fand sich hier in einer grofsen Lichtung im Walde, welche neuerlich wieder Neuanpflanzung erfuhr, fast in Mitte derselben eine etwa 2 Meter hohe, .hügelähnliche Erhöhung, die bei oberflächlicher Anschürfung bereits durch Auffinden von Thonscherben die Ver- mutung bestärkte, dafs es sich um einen alten »Grabhügel« handle. Die hievon benachrichtigte anthropologische Sektion hat Ende Mai vorigen Jahres diesen Grabhügel untersucht.

er Hügel war vielleicht vor der Anschürfung von ungefähr kreisförmiger Gestalt und mag sein Durchmesser in nord-südlicher Richtung 15,6 Meter betragen haben; als Durchmesser in ost-west- lieher Richtung konnten 18,2 Meter gemessen werden; die Höhe betrug, wie erwähnt, ca. 1,75 Meter.

er Hügel war durch die vorhergegangene Angrabung im Norden und auch zum kleinen Teil am südlichen Umfang nicht mehr in seiner Form vollständig erhalten, doch nirgends in seiner ganzen Tiefe abgehoben und hatte der damalige Leiter der zu wirt- schaftlichen Zwecken begonnenen Eimegung dieselbe sofort abge- brochen, als Urnenreste zu Tage kamen, eine Bescheidung, welche unsern anerkennendsten Dank verdient.

Die Untersuchung des Hügels durch unsere anthropologische Sektion begann mit Anlegung eines peripheren Kreisgrabens mit grolsem Radius, auf welche die in ‘'konzentrischen Kreisen nach der Mitte zu vorrückenden Aushebungen folgten, eine Methode, die wir in der letzten Zeit mit Erfolg und der schliefsliehen Genug- thuung anwendeten, dafs wir den ganzen Inhalt des jeweiligen Hügels durchsucht abe und vor der Methode des schichtenweisen

hebens von oben her den Vorteil geringeren Zeitaufwandes, vor jener des centralen Trichtergrabens jenen der Gründlichkeit voraus haben. Der Hügel bestand aus grofsen, hesonders in der Tiefe bis zu zwei Cenfner schweren Sandsteinen, zwischen denen die Lücken mit Sand ausgefüllt waren; unter der Sandschicht eine fast an allen Stellen derselben nachweisbare Brandschicht von mäfsigem

Was nun die einzelnen Funde selbst betrifft, so sollen nach der beiiegenden Skizze Ieselkien nach Art und Fundstelle ver- zeichnet wer

beftchen stellenweise von zwei ineinanderliegenden Urnen, in situ EITERERE noch zusammenhängend, aber bei der Aus-

7*

10

lösung zerbrechend, fanden sich im nördlichen Teil des Hügels ca. 5 und 3 Meter von der Mitte des Hügels, westlich 8 Meter, ebenso südwestlich, südlich ca. 5 Meter, südöstlich 6 und 3 Meter, öst- lich 6, nordöstlich 8 Meter von der Mitte entfernt, also an neun Stellen. Innerhalb des von diesen Stellen umgebenen Raumes kamen die übrigen Funde zur Hebung, nur an einer Stelle, in dem südöstlichen Teile des Hügels, wurde ein Bronzefibelstück aufser- halb dieses Urnenrings ausgegraben. Westlich, südwestlich und nordwestlich fanden sich in einer Entfernung von etwa 4—6 Metern: an zwei Stellen kleine Bronzegegenstände (ein Bronzeknöpfehen nordwestlich und ein Bronzering südwestlich) ein grölserer Bronze- reif mit Stoffrest westlich, unter demselben eine Bronzefibel, aufser- dem noch an zwei Stellen, ebenfalls im Westen des Hügels, Fibel- stücke, in ihrer Nähe ein grolser Bernsteinwirtel und ein rostiges Eise nstück von unbestimmbarer Bedeutung; endlich ein pfeilspitzen- ähnliches Eisenstück aufserhalb dieser Bronzefundstelle westlich von der Mitte des Hügels in- ca. 8 Meter Entfernung.

. Peitspitte. N. = Bıionece - Rına. rg Fr a @e Bere napichih, Uane,

2 Brand schichte .

Die Mitte des.Hügels war in einer Ausdehnung von ca. 7 Meter Durchmesser und in der ganzen Höhenausdehnung ohne jeg-

liehen Fund!

101

Versucht man aus den Funden und ihrer Lagerung im Hügel

einen Schlufs zu ziehen, so fällt vor allen Dingen der gänzliche Mangel an Knochenfunden auf, zugleich aber auch der Mangel von Funden in der Mitte des Hügels.

Der Hügel gehört zu jenen unserer Gegend, welche als ver- hältnismälsig reich mit Grabgaben ausgestattet erscheinen. drängt sich die Frage auf, ob hier eine Feuerbestattung stattgefun- den habe oder nicht.

Es ist möglich, dafs die Reste des in der Mitte aufgebahrten Leichnams, umgeben von den durch das Feuer nicht beschädigten

Beigaben oder Totenopfern durch die austrocknende Beschaffenheit

‚des sandigen Bodens vollständig in ihre feinsten Teile zerfiel und absorbiert wurden, dafs also die Knochen des Bestatteten verschwan- den und nur die Gefäfse und Schmuckgegenstände, die um seinen Scheiterhaufen lagen oder geworfen wurden, sich erhielten.

Es ist aber auch möglich, dafs an einer ganz anderen Stelle die Verbrennung des Leichnams oder seine Bestattung vorgenommen wurde und in dem von uns untersuchten Grabhügel nur die Reste der rd zusammengetragen und mit Steinen und Erde be- deckt wu

Er beide Auffassungen lassen sich Gründe und Gegengründe beibringen,

Für die erste spricht das Vorhandensein der, wenn auch nicht mächtigen, doch deutlichen Brandschieht und die Anordnung der Grabbeigaben um einen Mittelpunkt, nämlich den Leichnam des Bestatteten;

für die andere der Mangel jeglicher Knochenfunde, der Mangel durch den Brand geschwärzter Steine und die vorzügliche Erhaltung von Fundgegenständen, welche sicherlich durch Feuer- bestattung gelitten haben würden: Bernsteinwirtel und Stoffrest an einem Bronzereif.

Was für die eine Ansicht spricht, ist gegen die andere zu verwerten und umgekehrt; doch spricht für die letztere noch ein

mstand, der gewils einige Berücksichtigung verdienen dürfte: Nicht weit vom untersuchten Grabhügel, in einer Entfernung von ca. 10—15 Minuten nördlich befindet sich ebenfalls auf einer Wald- blöfse, früher von Hochwald bestanden, ein weiterer, sehr niedriger (höchstens ca. 0,75 Meter hoher) Hügel, besetzt mit nicht an dieser

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Stelle »gewachsenen« Steinen. Sein Umfang ist etwas geringer, als der des abgehobenen Hügels, doch nicht unbeträchtlich, der prähistorische Charakter desselben erscheint äufserst wahrschein- lich, Warum sollte die Annahme ungerechtfertigt sein, dafs die Stelle des Leichenbrandes sich in diesem niedrigen Hügel findet und nach Verlöschen des flammenden Totenhügels eine Leichen- feier in der Nähe stattfand, bei welcher die Grabgeschenke der Sippe im Kreise niedergelegt wurden, dem Toten zu Ehren, den ‚späteren Epigonen ein Rätsel? Die Antwort auf diese freilich sehr gewagt hypothetische Frage kann nur die Durchforschung des . zweiten Hügels geben und vielleicht auch diese nicht.

Dr. Baumüller.

1.

De er von Dr. Ausmäller gegebenen Beschreibung ER topo-

i Eh eine kurze Skizze der Art und der Dakine des Fundes an. Das Fundmaterial, welches aus dem Behringersdorfer Hügel erwor- ö ben wurde, ist an Zahl der Objekte so wenig bedeutend, dafs man die Berechtigung der Einzelveröffentlichung in Frage stellen könnte, dagegen ist der Wert der: wenigen prähistorischen Dinge, die bei Behringersdorf gehoben wurden, nicht zu unterschätzen. Die Bedeutung dieses kleinen Schatzes aus alter Vorzeit wird man nach zwei Seiten hin suchen dürfen, einmal ist eine gewisse Füh- lung und eine Kontaktwirkung herzustellen, welche der Hügel und sein Inhalt mit anderen regionär teils nahen und teils ferner liegen- den Hügeln in unserer Gegend eingeht. Vollwertig und mitteilens- wert wird aber der Fund wegen der in demselben vorkommenden _ prähistorischen Gewebsreste.

e ich einen oder den anderen dieser beiden Punkte in den Bereich meiner Erörterungen zu ziehen unternehme, wird es erfor- .derlich sein, eine Beschreibung der ee Fandobjekie nach den ihnen aufgeprägten charakteristischen Zügen und Verhältnissen in kurzer Skizze zu entwerfen.

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108

Bronzereif, mit schöner Ciselirarbeit, 60 mm. im inneren Durchmesser, mit einer Dicke des Reifes von 5 mm; dreifach ge- kröpft, so dafs an jeder Kröpfung drei ziemlich gleich hohe, durch eine tiefe Leiste geschiedene, knotige Ringe geformt sind, an deren beiden Seiten zwei feine Leisten, getrennt durch eine zierliche Winkelfigur laufen. Der übrige Reif ist glatt und stark patinirt. In der Mitte von zwei Kröpfungen, wird er von dem Rest eines Gewandstückes eng umschlossen und mit demselben in der innig- sten Weise verbunden (Fig. 1).

Fig. 1.

Ein kleines Lederstückchen windet sich derart in der Mitte zwischen zwei Kröpfungen um den Bronzereif, dafs es diesen fest umgreift und nach dem ringförmigen Schlufs wieder seine Ver- einigung an der Lederschlinge und eine Verbindung mit dem später beschriebenen Gewebsrest eingeht; die Art dieser Vereinigung, ob durch Knöpfung oder Naht, ist nicht mehr festzustellen.

re

Bogenfibel, kurz gebaut, von der Spiralwindung bis zur Nadelspitze 30 mm. lang, Länge der Spirale 17 mm., Höhe des Bogens 14 mm., mit Schi Federwindungen eng gerollt und einer beinahe vollständig gleich breiten, schmalen Bogenführung und zer- störten, aber zweifellos breiten, ausgebuchteten Hülse (Fig. 2).

Eine zweite Fibel, die in ihrer Construction eine relative Einfachheit zeigt, hat eine starke Wölbung des Bogens, der nach der einen Seite rasch und steil abfällt und vorne in eine sehr lange, stark concav nach der einen Seite ausgebogenen Nadelklammer endigt. Die Nadel selbst läuft in einer Winkelstellung von ca. 20 Grad von hinten und unten nach vorn und oben.(Fig. 3

2

Fig. 2. Fig. 3.

Reste einer dritten Fibel, vom Charakter der als zweitbe- schriebenen, nur mit höherer Bogenführung und rasch abfallenden hohen Seitenbügeln äufserst schmal und zierlich konstruirt.

Rudiment einer Vogelkopffibel, von welcher nur der Kopf und die spiralige Aufwindung der Feder erhalten ist. Der Kopf, in äulserst zierlicher Arbeit, 6 mm. breit, 7,5 mm. lang, hat eine schöne, rippenförmig kannelirte Längsleiste. Die‘ Fibelspirale ist viermal in kurzen Windungen aufgerollt und endigt mit einem ziem- lich erhabenen Knopf. 3

Kleiner, stark zerfressener, mit dieker Patinaschicht belegter glatter Bronzering von mm. Durchmesser und 3 mm. Dicke, so dafs die innere Öffnung des Ringes 11 mm. milst.

Stark zerstörter Rest eines kleinen Bronzezängchens mit sehr feiner, exact ausgeführter Linienführung von zwei in fünf Reihen mit Ehban Spitzen gegeneinanderstehenden und parallel ver- laufenden geometrischen Figuren von dreieckiger Form. Das Zäng- chen schwillt in der Mitte kahnförmig bis zu einer Breite von 6 mm. an, ist am vorderen Ende abgebrochen und am hinteren Teil mit zwei feinen abgeplattenen Ringen abgeschlossen, von denen der äulsere mit einer scharfen Kante endigt. Die Ciselirarbeit des Objectes ist eine weit fortgeschrittene und schöne (Fig.

Fig 4.

Zwei kleine Bronzeknöpfe, der eine vollkommen rund, der andere mit einer kleinen concaven Telle, an deren unteren Teil, von einem starken Rostsatz verdeckt, ein kleiner Rest der dem Kopf ansitzenden Nadel deutlich zum Vorschein kommt.

Eine gröfsere Anzahl stärk zerstörter Bronzebröekeln, die zum Teil als Rudimente von Bronzeblech, teils als solche von ganz feinen Bronzeringen aufzufassen sind.

ine kleine schmutzigblaue, nicht ganz regelmälsig geformte durchlochte Glasperle, an einzelnen Stellen arrodirt, mit kleinen Kiessplittern imprägnirt, von 8 mm. Durchmesser.

Stark von Rost zerfressenes, jedoch deutlich durch Spitze, | und Schaftansatz markirtes, an der Basis 16 mm. breites eisernes Pfeilspitzenrudiment

Stark verrostetes, in der äufseren Form nicht mehr sicher erkennbares Eisenstück von 5,5 cm. Länge und 2,5 cm. Breite, wahrscheinlich als Dolch- oder Messerrest aufzufassen.

Ein vorzüglich erhaltener Bernsteinfund in der Wirtel- form, 39 mm. im ganzen Durchmesser, mit einer Lochöffnung von 9mm. Durchmesser. Von der äufseren Ringkante aus, wo er

106

in platter Form mit 5 mm. Dicke beginnt, gegen die Öffnung bis zu einer Dicke von 12,5 mm, ansteigend (Fig. 5

Fig. 5 Mittelgrofse schwarze Schale mit breitem Boden von 8 cm. Durchmesser und 16 em. Randöffnung, ohne Ornament mit schmal

nach aufsen abgebogenem concavem Rand (Fig. 6).

Fig. 6 Fragmente von Urnen in folgender Form und Ornamentanlage: Mittelgrolses Gefäls von stark gebranntem Thon, besetzt

Te. N

147

mit ganz nahe aufeinander gerückten, seichten, kreisförmigen, gleich- grolsen, 3,5 mm. im Durchmesser haltenden Impressionen (Fig. 7.)

Fig. .

Gröfserer Napf mit steil aufsteigendem, 7 mm. langem

Hals und gleichlinigen, dicht nebeneinander stehenden strichförmi- gen Gravirungen, unter denen in paralleler Anordnung und Hori- zontalführung ein schwach ausgeprägtes Linienornament vorliegt; Arbeit aus hartem, schwarzem Thon (Fig, 8).

J

Dickes, braunrotes, grofses, mit starker Halseinschnürung ver- sehenes, nicht ornamentirtes Gefäfls.

Roter, 6 mm. dicker, bauchiger, mit engem Hals und Rand ausgestatteter Napf.

Grolse, niedere, dicke, am Rand mit einer flachen Goncav- leiste umsäumte Vase von grobem rotem Thon.

Schön geglättetes, aus feinem Thon gefertigtes, rotgelbes Urnenfragment.

Die auf S. 103 in ihrer Verbindung mit dem Bronzereif be- schriebenen Gewebsreste sind doppelter Art. Ein kleines, hartes Stückchen, das noch den Abguls der Ringfigur zeigt, ergibt sich bei chemischer und mikroskopischer Untersuchung als Leder. Das zweite ist ein aus derber Faser hergestelltes Gewebsstück mit regel-

Be ee er Tan a en se bi ar =. j2 Geh, f En

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3 recht durchgeführter Flechtarbeit. Die Geflechtsstructur ist eine weitmaschige und ohne Knotung. Die Dicke des Geflechtsfadens beträgt 0,75 mm. Die Anordnung des Fadenlaufes ist so, dafs Faden des Einschlages gewöhnlich zwei Kettenfäden überspringt, Be, ehe er den nächsten überbrückt (Köpergewebe). Die Farbe des < Gewebes ist eine braunschwarze. Bei der mikroskopischen und mikrochemischen Untersuchung, und zwar werden zu differenziell- diagnostischen Zwecken Kalilauge, Schwefelsäure, Salzsäure und Ammoniak als Reagentien benützt, erkennt man eine typische, pig- mentirte Wollfaser, an welcher sich zum gröfsten Teil noch deut- lich der histologische Bau der Faserschicht, keine Markschicht, an einzelnen Präparaten noch deutlich die Epidermisschuppengrenze nachweisen läfst. Die ınikrochemische Reaction ergibt bei Zusatz von Salpetersäure eine Bräunung der Faser, ohne dieselbe weiter zu alteriren, bei Schwefelsäurezusatz eine nur langsame Lösung mit sing des Schaftes, bei Salzsäure Quellung der Faser, bei Kalilauge allmähliche Lösung, bei Ammoniak keine Veränderung der Faser. Dabei ist beinahe an allen Präparaten deutlich ein braunes Haarpigment nachweisbar, sodafs man zweifellos das Gewebe als "aus tierischer Faser und zwar aus brauner oder schwarzer Wolle, wahrscheinlich Schafwolle gefertigt, bezeichnen kann.

Eine Betrachtung des Fundfeldes mit seiner ihm aus der Schilderung von Dr. Baumüller sich ergebenden Eigenart der Topo- graphie muls feststellen, dafs im westlichen Gebiet des Hügels von R den Erbauern desselben der Leichenbrand errichtet und aufser E Urnen nur zwei Fibeln und die Pfeilspitze geborgen wurden, wäh- = rend das östliche Gebiet des Grabhügels viel reicher an Beigaben sich zeigt. Wir sehen hier einen Befund wiederkehren, den wir an den Grabbauten unseres Nürnberger Landes häufig zu beobach- ten gewohnt sind, wenn keine Leichenbestattung vorliegt. Diesen zufälligen Beobachtungen einen tieferen Wert beizulegen, nehme ich Abstand, allein die uns oft aufstofsende Thatsache einmal zu & erwähnen, halte ich für notwendig, insofern, als durch sie die to- en pographische Veranstaltung des Grabbaues gewils willkürlich in- fluenziert wurde und dadurch eine charakteristische Nuance erhielt.

Kurze vergleichende Betrachtungen ergeben, dafs wir einzelne Fundgegenstände in Behringersdorf in ganz gleicher Ausführung vor uns haben, wie an anderen Fundorten unserer Sektionsarbeit. Ich

BR pe

beweise das am besten durch die Erwähnung des gekröpften Reifes, der mit dem bei Ehrenhüll gefundenen vollkommen symmetrisch, zweifellos aus derselben Werkstatt hervorgegangen ist*). Die hei- nahe gleichen Gröfsenverhältnisse, die künstlerische Formung in dreimal gekröpften Unterbrechungen der Ringfigur harmoniren zu innig, als dafs man nicht zu dem Gedanken hingedrängt würde, der Meister der Arbeit für beide Kunstobjekte sei in einer Person zu suchen und zu finden. So ergeben angestellte Vergleichsparal- lelen trotz der räumlich weiten Trennung der Fundstellen bei Beh- ringersdorf und Ehrenhüll eine eongruente Verteilung des Fundes in Bronze und Eisen, eine Gleichartigkeit der Gegenstände und damit enge Berührungsstellen, die auch auf Grund der Musterung des Fundmaterials sich mit din Zeitperioden decken, denen oe: Funde zugewiesen werden müssen.

Es erscheint mir zwecklos zu diskutiren, dafs der hier ver- öffentlichte Fond der jüngeren Hallstattzeit angehört. Beweise hie- für beizubringen, hiefse Eulen nach Athen tragen. Aber ein- zelne Beigaben Er Grabes lassen wegen des zu ihrer Her- stellung verwendeten Materials, aufserdem wegen der typischen eonstructiven Behandlung der kibait, ich erinnere hier nur an die Form der Gewandhaften, an die Beigaben von Glas und Eisen ver- muten, dafs die Kulturperiode, der unser Grabfund angehört, schon mit einzelnen Ausläufern an die La-Töneperiode anspinnt und in Berücksichtigung der geringen Vertretung dieser Kulturzeit in den

renzen unseres Nürnberger Landes sind die besprochenen gemein- samen, verkettenden Gesichtspunkte zwischen Behringersdorf und Ehrenhüll bemerkenswerte Faktoren, deren Würdigung ich hier be- sprochen haben möchte.

Als eine Lücke in der Prähistorie unseres engeren Franken- landes mufste es erscheinen, dafs bisher keine Funde von Geweben und Gespinnsten gemacht, oder in der Litteratur mitgeteilt worden

reste aus dem dunklen Schofs der Erde an das Tageslicht zu för-

*) Festschrift zur Begrüfsung des XVIIL Kongresses d. deutschen anthrop. Gesellschaft, 8. 68,

gelegt, der bei einer Aufzählung aller Funde von prähistorischen Geweben und Gespinnsten, die im Besitze von Museen und Samm- lungen sind, nur dreilsig Funde zusammenstellen konnte. Die Ar- beit Buschans ist für die erschöpfende Betrachtung dieses Vorwurfes

zu beziehen.

Es wäre a priori nicht zu begreifen, dafs in den tausend und abertausend prähistorischen Fundgegenständen, nur so wenig Gewebs- und Gespinnstreste enthalten sind. Zur Erklärung hiefür würde es nicht genügen, die Annahme zu machen, dafs der prä-

von Gewebsresten darin zu suchen, dafs bei der Arbeit, den wurde, welche man den Rudimenten von Geweben zukommen

ehötden Lagerns in der Erde, der Zerstörung so sehr an- heimfallen, dafs, wie S hickieun die Beweise erbracht hat, nur noch ein ganz feines Pulver als letztes Residuum von Stoll- resten zurückbleiben kann. Abgesehen davon hat man, wie Buschan richtig bemerkt, auch viel zu wenig das Augenmerk auf das Vor- handensein derartiger Gewebe in Gräbern gerichtet, oder sich durch die Ähnlichkeit verwitterter oder zerfallener Stoffreste mit Erde oder Wurzeln täuschen lassen. | er mir gegebene Vorwurf erklärt es genügend, wenn ich in ganz aphoristischer Betrachtung dasjenige streife, was über die Textilindustrie bei unseren Vorfahrern bekannt geworden ist. : AR Die ersten Zeugen der Herstellung von Geweben stellt schon die Neolithzeit Frankens, da in Höhlen des fränkischen Jura zahl- es reiche Knochenartefakte vorkommen, welche zweifellos in den Dienst der Gewebe- und Geflechtkunst gestellt waren, wie denn auch an anderen Fundstätten der jüngeren Steinzeit, z. B. der Freudenthaler Höhle, die Ornamente auf den Renntiergeweihen der textilen Technik entlehnt worden sind. Weiter bergen die

*) Archiv für Anthropologie, XVII. Band.

so wertvoll, dafs ich es nicht entbehren kann, mich auf dieselbe 5)

historische Mensch darauf verzichtete, seinen Toten mit Kleidern und Geweben zu bestatten, vielmehr ist das geringe Vorkommen

Inhalt eines Grabhügels auszuheben , die Rücksicht milsachtet

en mufs, wenn sie infolge des Jahrhunderte hindurch sich

‘dern, dafür sind die Beweise in der Arbeit Buschans*) nieder-

norddeutsche Bronze- und die süddeutsch-schweizerische Pfahl- e

411

bautenzeit die ältesten Gewebe und zwar sind aus der ganzen nordischen Bronzezeit, wie es die Veröffentlichungen von Hen- delmann, Mestorf und anderen beweisen, ausschliefslich wollene Gewähr bekannt geworden, dagegen sind die Gewebe der süddeutsch-schweizerischen Pfahlbauten und Niederlassungen Er-

vorzüglicher Arbeiter in der Kunst des Flechtens gewesen zu sein, da er, wie Keller bemerkt, in der Verarbeitung des Flachses zu

die Reste von Stickereien in dem Irgenshauser Fund zur Genüge

getragen hat, sind folgende Fundamentalgrundsätze für die Art und die Herstellung prähistorischer Gewebe und Gespinnste aufzustellen. In der prähistorischen Zeit Deutschlands wurde Wolle, meistens - wolle und Flachs zu Geweben verarbeitet, kein Hanf, keine Baum- wolle. Die Anfertigung der Gewebe aus Wolle ging derjenigen n aus Flachs voraus. In der nordischen Bronzezeit finden sich aus- schliefslich wollene Gewebe, in der Eisenzeit neben wollenen auch speziell im Anfang der nordischen Eisenzeit nur Wolle. Die Wolle der in prähistorischer Zeit gezüchteten Schafe war eine dunkle, keine weifse. Das älteste Gewebe war Taffet, die gröfste Anzahl der Stoffe ist Köper, der in der Bronze- zeit am häufigsten auftritt, nie finden wir atlasartiges Gewebe. Die Gewebe haben sich im Laufe der Zeit im grofsen und ganzen wenig verändert. enn im Süden Deutschlands aufser den Pfahlbautenfunden i bei Gündlingen aus der Hallstattperiode bei Osthofen, Engers und ; Gundelheim aus der La-Tenezeit nur Flachs und Leinengewebe gefunden wurden, so tritt unser Fund bei Behringersdorf dazu in wissenswerte Kontraststellung und schliefst sich wieder an die Er- gebnisse der nordischen Bronzezeit an. Es erscheint hier ein schön gearbeiteter Köperstoff, dessen Anfertigung schon eine inten- Be sive Kenntnis der Textilkunst voraussetzt, mit Verarbeitung schwarzer nr oder schwarz-brauner Wolle. Die Reste des Köperstoffes, welche

gefunden wurden, sind zweifellos ein kleiner Bruchteil eines

i 0. grölseren Kleidungsstückes gewesen, das an einer Lederschlinge angeknotet war, welche wieder zur Befestigung des künstlerisch sehön

zeugnisse aus Flachs. Und gerade der Pfahlbauer scheint ein ganz

Tüchern u. s. w. eine grofse Geschicklichkeit bewies, wie das auch

darthun. Nachdem was Buschan im Archiv für Anthropologie und in einer Sitzung der Gesellschaft für Anthropologie in Berlin vor-

_ geformten Bronzereifes gedient hat. Der Reif ist nach der Manier des Anschlusses an Leder und Gewebeteile möglicherweise frei- 'hängend an irgend einer Stelle des Körpers getragen worden. Sehr wahrscheinlich ist es, dafs er als Gewandhalter und zwar in der _ Weise benutzt ward, dafs ein überfallendes Ende der Gewandung _ durch den Ring gezogen und geschlungen wurde. Es ist von allen _ treuen Mitarbeitern bei der praktischen Arbeit unserer Sektion für

‚der Prähistorie unseres engeren Frankenlandes in der Zeit der eleitikultr die Textilindustrie schon höher entwickelt war und _ die Kunst der Weberei es verstand, das ihr zu Gebot stehende Material der tierischen Faser mit ERDE guter technischer gabung zu Gespinnsten zu verarbeiten. Diese Thatsache, „neben der weiter oben angezogenen, welche die engere Zusammengehörig-

- Dr. v. Forster.

E hthropologie aufs Freudigste begrüfst worden, in dem Behringers- '.dorfer Fund den sicheren Nachweis begründet zu sehen, dafs in

-

eit zweier von uns er Funde angeht, geklärt und festgestellt

Über den Para-Nitro-alpha-Methyl-Zimmt- aldehyd

von

Dr. Joachim Biehringer.

Abh, d. Naturh, Ges. VIII Bd. 8

> a EIEEET LES ZA TEr>% ee

- En

Anknüpfend an die im Tiemannschen Laboratorium von Krszy- eica ausgeführte Synthese des Zimmtaldehyds aus Benzaldehyd und Acetaldehyd bei Gegenwart von Natronlauge, über welche G. Peine berichtete %), haben W. v. Miller und Kinkelin diese Kondensation einerseits mit substituiertem Benzaldehyd, andrerseits mit Homo- logen des Acetaldehyds versucht, in der Absicht, die so erhaltenen Verbindungen zur Darstellung substituierter Chinoline nach der von Döbner und v. Miller aufgefundenen Chinaldinsynthese zu ver- werten ?).

Der ersteren Reihe gehört Kinkelins m-Nitrozimmtaldehyd an, welcher durch Kondensation von m- -Nitrobenzaldehyd mit Acet- aldehyd in alkalischer Lösung dargestellt wurde®). Schon vorher hatten v. Baeyer und Drewsen die entsprechende o-Verbindung gelegentlich der Versuche zur künstlichen Darstellung des Indigos auf analoge Weise erhalten ®).

Auf dem anderen Wege gelangten v. Miller und Kinkelin zu einer homologen Reihe des Zimmtaldehyds, welche den Wasser- stoff in der «-Stellung zum Aldehydradikal durch Alkyl ersetzt zeigt). Sie stellten dieselbe her durch die Einwirkung von Benz- aldehyd auf die Homologen des Acetaldehyds bei Gegenwart von Natronlauge.

Die Kondensation geht hier im gleichen Sinne vor sich wie die zuerst von Würtz beobachtete Kondensation fetter Aldehyde unter sich. Doch ist es stets der aromatische Aldehyd, dessen Sauerstoffatom in die dem Aldehydradikal benachbarte Methylen- gruppe des aliphatischen Aldehyds eingreift und sich mit einem

4) Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 17. Jahrg. $. 2117. Fo

4) Berichte 13. Jahrg. S. ai; 16. Jahrg. $. 2203. 5) Berichte 19. Jahrg. S

116

Wasserstoffatom desselben zu Hydroxyl verbindet. Indem sich nun die hiebei freiwerdenden G-Valenzen am Aldehydradikal des aro- matischen Aldehyds und in der ehemaligen Methylengruppe des fetten Aldehyds gegenseitig sättigen, entsteht ein Kondensations- produkt, das den Aldehyden der Milchsäurereihe zugehört:

GC Hs CH; Cs Hs CHs | | | | CHO+HCH = CHOH CH u | CHO CHO

Doch spalten alle diese Körper, die nach Würtzens Vorgang in Folge ihrer Eigenschaft zugleich Aldehyd und Alkohol zu sein, den Namen Aldole erhalten haben, sehr leicht Wasser ab, wodurch sie in ungesättigte Aldehyde übergehen:

CeHs Co Hs Cu [on | Ze N CHO cno

A. v. Baeyer und Drewsen konnten ein solches Aldol, den Al- dehyd der o-Nitrophenyl-#-Milchsäure, gelegentlich der oben ge- nannten Kondensation von o-Nitrobenzaldehyd und Acetaldehyd isolieren.

Die Kombination beider Wege, Kondensation von substituiertem Benzaldehyd mit Homologen des Acetaldehyds, gestattet es, zu sub- stituierten Homologen des Zimmtaldehyds zu gelangen, von welchen v. Miller und Kinkelin zunächst das m-Nitroderivat des «-Methyl- zimmtaldehyds darstellten, und zwar auf dem gewöhnlichen Wege, d. h. durch Zusammenbringen von m-Nitrobenzaldehyd und Propyl- aldehyd in alkalischer Lösung ®)

s lag nahe, das so erhaltene Kondensationsprodukt mit redu- zierenden Mitteln zu behandeln, um vielleicht auf diese Weise zu einem Vertreter der bislang nur spärlich vertretenen Gruppe der Amidoaldehyde zu gelangen ?).

. Die Reduktion wurde einmal mit Eisenvitriol und Ammoniak, dann mit Zinn und Salzsäure ausgeführt.

6) Berichte 49. Jahrg. S. 530. 7) Berichte 19. Jahrg. S. 1248.

ns),

11

Im ersten Falle entsteht ein wahrer Amidoaldehyd, der sich wegen seiner Unbeständigkeit nicht vollkommen rein erhalten läfst, sich aber durch seine Verbindungsfähigkeit mit Phenylhydrazin als Aldehyd und durch seine Fähigkeit, ein Acetylderivat zu bilden, als Amidokörper erweist.

Die Reduktion mit Zinn und Salzsäure ergab neben einem Öle ein krystallinisches, sauerstofffreies Produkt von basischem Charak- ter, das sich durch einen Mehrgehalt von 2 Wasserstoffatomen vom Anspehksklirper unterscheidet:

Cıo Hs; NO3s + 8H = 3H:0 + CioHıı N

Dieses Reduktionsprodukt enthielt ebenfalls eine Amidogruppe, da es die Carbylaminprobe, sowie ein Acetyl- und Benzylidenderivat gab. Die Dampfdichte stimmt zu der obigen Formel.

Die von W. v. Miller und Kinkelin gegebene Erklärung des Vorgangs war folgende: Zunächst wird bei der Reduktion die Nitro- gruppe in die Amidogruppe übergeführt und die doppelte Bindung der Q-Atome durch Anlagerung von 2H in eine einfache verwandelt.

Ge HıNO2 Cs HA NH

cH +6H= HCH + 2H:0 U_cm HC-CH,

CHO CHo

Dann erfolgt die Wasserabspaltung. Der Ort der letzteren blieb längere Zeit zweifelhaft. Anfäng- lich nahmen sie an, dafs dieselbe zwischen dem Sauerstoffatom

des Aldehydradikals und 2 Wasserstoffatomen der zu letzterem in

«-Stellung befindlichen Methylgruppe eintrete:

CsHıNH3 Cs NH

| | HCH =H0+ AHCH

| | HC—CHIH> HC— CH | Fi CH] O CH So merkwürdig letztere und die dadurch bedingte Konstitufions-

formel mit einem dreigliedrigen Kohlenstoffringe auch war, so sprac für die in ihr vorhandene doppelte Bindung doch die leichte Addier-

18

barkeit von Brom zu dem neuen Körper. Wasserstoff konnte hin- gegen nicht angelagert werden. Durch Oxydationsmittel wird sie völlig verbrannt.

Ihre richtige Beleuchtung erhielten diese Beobachtungen erst, als Hantzsch seine Synthese von Furfuranderivaten der Naphtalin- reihe aus Alkaliphenolaten und Chloracetessigester ®) veröffentlichte.

. v. Miller und Kinkelin erkannten sofort ?), dafs hiebei ein ganz analoger Vorgang stattfinde, wie bei der Bildung jenes Reduktions- produktes und erklärten die in letzterem Falle eintretende Wasser- abspaltung nun in der Weise, dafs der Sauerstoff des Aldehydradi- kales mit einem Wasserstoffatom am benachbarten Kohlenstoffatom und dem in der o-Stellung zur Seitenkette befindlichen Wasserstoff- atom des Benzolkernes als H>O austrete, d. h. dals bei der Reduk- tion des m-Nitro-«-Methylzimmtaldehyds zugleich eine Kondensation der Seitenkette zu einem fünfgliederigen Ringe eintrete:

H H C | C H c/ Ne CH H ce? Re ch | I | =HRO+ | I \ NH» U G C—CHs3 NHsC C C— CH; a C Ne VG H Ha H Hs analog der Entstehung von Hantzschens 8-Methyleumarilsäureester H H as IN HC C G— CH; HC G——6-Ch a =mÖö+ I: 1 oo | ea C C CO0C2H5 nr C C C00CeHs N 3 0 2 Ne 0 H H

Diese Anschauung hat in jüngster Zeit eine Stütze gefunden in Rosers Synthese von Indonaphtenderivaten. Roser behandelte Dibromzimmtsäure mit wasserentziehenden Mitteln und erhielt daraus, indem das Hydroxyl der Karboxylgruppe mit dem zur Seitenkette

8) Berichte 19. eg S. 1290. 9) ebendas. S.

ge ——— -

19

in der o-Stellung befindlichen Wasserstoffatom des Kerns austrat, ein Dibromketoindonaphten !°)

H H C E / a Y ne? N [HH0]c0 uc? Nc——co | | | = B0+ | | | HC C C.Br ee A eu KEN C E a: H Br H Br

In ähnlicher Weise reagieren, wie Roser später nachwies, auch andere Benzolabkömmlinge mit dreigliederiger Seitenkette, deren Schlufsglied ein Sauerstoffatom enthält '").

Dieser Gruppe würde sich aber auch das durch v. Miller und Kinkelin dargestellte Reduktionsprodukt einreihen, das darnach auf- zufassen wäre als ein Derivat des hypothetischen Kohlenwasser- stoffes, den v. Baeyer und Perkin wegen seiner Beziehungen zu Naphtalin und Indol als Indonaphten bezeichnet haben !?), mithin als ein Amidomethylindonaphten. $

Das eigenartige Verhalten dieses Körpers, sowie die verschie- denen Erklärungen, die hinsichtlich seiner Konstitution versucht worden sind, liefsen eine Untersuchung der entsprechenden o- und ?-Nitroverbindung des «-Methylzimmtaldehyds und ihrer Reduk- tionsprodukte von Interesse erscheinen. Möglicherweise gestatteten dieselben durch eine schärfere Charakterisierung ihrer Spaltungs- produkte einen besseren Einblick in die Konstitution der Verbindung, möglicherweise konnte aber auch die Stellung der Amidogruppe im Kern auf den Gang der Reaktion, insonderheit auf die Art und den Ort der Wasserabspaltung Einfluls üben.

Es wu deswegen zuvörderst der p-Nitro-«- Methylzimmt- aldehyd dargestellt und der gleichen Reaktion unterworfen. Die hiebei erzielten Ergebnisse erlaube ich mir im Folgenden vor- zulegen.

10) Berichte 20. Jahrg. S. 1273. 11) Berichte ebendas. S. 1574. 12) Berichte 17. Jahrg. S. 122.

120

A. Darstellung des Ausgangsmateriales. I. Darstellung des »-Nitrobenzaldehyds.

Dieselbe geschah auf zweierlei Art: a) Aus p-Nitrobenzylehlorid durch Oxydation mit salpeter- saurem Blei, b) aus dem Äthylester der p-Nitrozimmtsäure nach der Me- thode von Basler.

a) Darstellung des p-Nitrobenzaldehyds aus p-Nitro- benzylehlorid.

Letzteres wurde in der gewöhnlichen Weise durch allmähliches Eintragen von je 100 g Benzylchlorid in 400 g rauchende, durch Eis gekühlte Salpetersäure erhalten. Das unter starker Erwärmung entstehende, dunkelbraun gefärbte Reaktionsprodukt wurde in Wasser gegossen und sich selbst überlassen, worauf die Nitroverbindung in langen, verfilzten, gelblich gefärbten Nadeln auskrystallisierte. Auf ein Filter gebracht, gaben dieselben eine nicht unbeträchtliche Menge eines‘ gelben schweren Öles ab, das auf der Haut, zumal in der Kälte, unerträgliches, langandauerndes Brennen und Jucken veranlafst und auch die Augen heftig angreift. Es enthält aulser 0- und m-Nitrobenzylchlorid !?) einen Teil der »-Verbindung ge- löst, die beim Stehen in der Winterkälte auskrystallisiert.

Die Überführung des so erhaltenen p-Nitrobenzylchlorids, das nunmehr weifsliche Nadeln mit fettigem Glanze darstellt, in den p-Nitrobenzaldehyd geschah durch Kochen desselben mit einer über- schüssigen konzentrierten Lösung von salpetersaurem Blei.

Die Methode wurde zuerst von Lauth und Grimaux für die Darstellung von Bittermandelöl aus Benzylchlorid !*) angegeben, von O. Fischer und Greiff auf p-Nitrobenzylchlorid übertragen und ver- . bessert '?). Später ist sie von Faust in Göttingen zum Gegenstand eines Patentes gemacht worden.

ach dem von letzterem in seiner Patentschrift !%) angegebenen

43) Beilstein und Geitner, Annalen der Chemie, 139. Bd. S. 337. Kumpf, Annalen, 224. Bd. S. 98 ff.

44) Annalen, 143. Bd. S. 80.

15) Berichte, 13. Jahrg. 5. 670.

16) Beim Reichs-Patentamt eingereicht am 25. August 1885.

121

Verfahren wurden 100g des Chlorids mit 500 g salpetersaurem Blei und 2 Liter Wasser in einem Kupferkolben am Rückflufskühler etwa 24 Stunden lang erhitzt. Schon nach kurzer Zeit trat neben nitrosen Gasen der charakteristische Geruch des Nitrobenzalde- hyds auf.

Letzterer krystallisiert aus der erkaltenden Reaktionsflüssigkeit in Folge seiner Schwerlöslichkeit in kaltem Wasser nadelförmig aus. Er wird in heilsem Wasser gelöst, durch Zusatz von etwas Soda von anhaftenden Bleisalzen befreit, heils filtriert und zur Krystallisation stehen gelassen.

Die so erhaltene Substanz war aber, wie sich bei Destillation derselben im Wasserdampfstrom herausstellte, durchaus kein reiner p-Nitrobenzaldehyd, sondern sie enthielt bedeutende Mengen eines anderen Körpers, welcher den Schmelzpunkt auch nach oftmaligem Umkrystallisieren aus Wasser und Weingeist auf 97° hält und die Lösungsfähigkeit derselben in den gebräuchlichen Mitteln, Wasser, Weingeist, Äther, Benzol u. a. erheblich steigert. Ob diese Bei- mengung »-Nitrobenzylalkohol ist, wie dies aus den Angaben von OÖ. Fischer und Greiff rare oder ein anderer Körper, mufs ich unentschieden lassen.

b) Darstellung des p-Nitrobenzaldehyds aus p-Nitro- zimmtsäureäthylester.

Dieselbe wurde nach der von A. Basler !7) gegebenen Vorschrift ausgeführt.

110,5g des Esters wurden in 1500g englischer Schwefelsäure gelöst. In die so erhaltene Flüssigkeit wurden nach und nach 151g feingepulverten Salpeters eingetragen, wobei starkes Aufschäu- men und beträchtliche Erhitzung eintrat. Doch wurde der Basler- schen Anweisung entsprechend dafür Sorge getragen, dafs diese Erwärmung nicht über 60-—65° stieg.

Das dickliche Reaktionsprodukt wurde mehrere Stunden stehen gelassen und dann in etwa die zehnfache Masse Schneewasser ge- gossen, wobei sich der Aldehyd als eine sandige gelbe Masse ab- schied. Dieselbe wurde durch Leinwand filtriert, zur Trennung von unverändert gebliebener p-Nitrozimmtsäure mit einer dreiprozentigen

AT) Berichte, 16. Jahrg. $. 2714.

12 °

Sodalösung mehrere Stunden digeriert, abermals coliert, ausgewa- schen und aus verdünntem Weingeist umkrystallisiert. Der erhaltene Aldehyd, welcher durch gelbe Farbe und eigentümlichen Geruch ausgezeichnet war, hatte schon nach ein- bis zweimaligem Umkry- stallisieren den richtigen Schmelzpunkt von 106°. Durch Destillation im Wasserdampfstrom läfst er sich in weilsen Nädelchen erhalten.

Die Ausbeute erreichte die von Basler mitgeteilte Höhe (65— 75 pc. der angewandten Menge) nicht.

IH. Darstellung des Propionaldehyds.

Nach der Angabe von Lieben und Zeisel !?) wurden 100 g Gärungspropylalkohol in einer mit zwei an einander gesetzten Küh- lern verbundenen Kochflasche auf dem Wasserbade bis nahe zum Sieden erhitzt. Sodann wurde durch einen Tropftrichter allmählich die zur Oxydation der Hälfte des Alkohols nötige Menge Chrom- säuremischung (82 g Ka Cra Or, 109g Hz SO, cone, und etwas Was- ser) zutröpfeln lassen.

Die einfallenden Tropfen werden sofort reduziert und sammeln sich unter dem Alkohol als grüne, fortwährend zunehmende Schicht an, während die obere Schicht durch das Entweichen von Aldehyd und Alkohol stetig abnimmt. Ist die Oxydation beendet, so wird im Destillat der entstandene Propionaldehyd von dem unverändert übergegangenen Alkohol durch oftmalige fraktionierte Destillation in etwas umständlicher Weise getrennt.

B. Kondensation von p- he und Pierre

zu D n.Niten.»s

LA 2 2 5 zu 5 2 u

CH. (NO;) en cH= PR CH0.

Dieselbe wurde ganz analog der von W. v. Miller und Kinkelin vorgenommenen Kondensation von m-Nitrobenzaldehyd und Propion- aldehyd bei Gegenwart von Natronlauge nach der von Claisen ') angegebenen Methode ausgeführt. Eine Änderung der dort beschrie- benen Mengenverhältnisse war durch die geringere Löslichkeit des p-Nitrobenzaldehyds in Wasser, bezw. in verdünntem Weingeist, geboten.

48) Monatshefte für Chemie, 4. Bd. S. 14. 1883. 19) Annalen, 223. Bd.

| .

13

10g p-Nitrobenzaldehyd wurden in 200 ccm Weingeist gelöst und die Lösung mit 200 cem Wasser verdünnt?®). War das Ganze kühl geworden, so wurden 4g Propionaldehyd und 7g zehnprozen- tige Natronlauge zugefügt. Das Gemisch färbte sich im Augenblicke dunkelbraun, ward alsbald trübe und begann nach kurzer Zeit gelbe. flockige Massen abzuscheiden, welche beim Stehen über Nacht die ganze Flüssigkeit erfüllen. Die Ausscheidung ist in dem Falle eine vollständige, da der abfiltrierten Flüssigkeit durch Äther nur harzige Substanzen entzogen werden konnten.

Ein öliges Nebenprodukt, wie bei der Kondensation der m-Ver- bindung, wurde nicht beobachtet.

Die Ausbeute an rohem Kondensationsprodukt, das sich übri- gens in ziemlich reinem Zustande abschied, betrug 8,5 g.

Dasselbe ist schwerlöslich in heifsem Wasser und krystallisiert aus demselben in kleinen weilsen Nadeln. Aus heifsem Weingeist krystallisiert es in gelben Nadeln, deren Schmelzpunkt bei 114° liegt. In Äther, Benzol löst es sich leicht.

0,2777 g Substanz gaben bei der Verbrennung 0,1229g H.O und 0,6378 g CO.».

0,4623 g Substanz gaben bei 717mm Luftdruck und 17° C. 31,2 ccm N.

Berechnet für CıoHs NO3 Gefunden C= 62,8 pe 62,62 pe

H= 47 °pe 4,9 pe

7,8 pe

7,3 pe Das Kondensntionepeodikt reduziert beim Erwärmen ammonia- kalische Silberlösung unter Abscheidung eines Silberspiegels und verbindet sich seiner Aldehydnatur entsprechend sehr leicht mit Phenylhydrazin zu einem tiefroten Körper, der in Weingeist schwer- löslich ist und aus diesem in roten, stark glänzenden Blättchen sich abscheidet. Sein Schmelzpunkt liegt bei 196°. 0,1706 g Substanz gaben bei 26°C. und 724mm Luftdruck 24,5 cem N. Berechnet für Cıs Hıs Ns O2 Gefunden 14,9 pe 15,1 pe. Die Kondensation des p-Nitrobenzaldehyds mit Propionaldehyd

20) Bei Zusatz von mehr Wasser begann sich der Aldehyd sofort wieder abzuscheiden.

11

war also ganz analog .den bereits in der Einleitung erwähnten Fällen folgendermalsen verlaufen:

ı NOs ı NOs CH, CHs CH, CH; Fr 4 CHO+HCH = 4 CHOR eu do CHo ı NOa ı NOs II. ‚ch OH el + H:0 ee U_ch ECHO cno

IH. Überführung des p-Nitro-«-Methylzimmtaldehyds in die

p -Nitro-«-Methylzimmtsäure.

Die Oxydation des Aldehyds zur Säure wurde in der gewöhn- lichen Weise durch feuchtes Silberoxyd bewerkstelligt.

5g p-Nitro-@-Methylzimmtaldehyd wurden mit 7g Silberoxyd einige Tage lang auf dem Wasserbade am Rückflufskühler erwärmt.

as dabei entstehende Silbersalz der »-Nitro-«-Methylzimmt- säure schied sich zum gröfsten Theile als unlöslich ab. Aus der überstehenden Flüssigkeit konnte durch Ansäuern und Ausäthern nur wenig ausgezogen werden.

Der Niederschlag wurde mit verdünnter Natronlauge ausgekocht, wobei die Säure als Natriumsalz in Lösung ging.

Die braune Flüssigkeit wurde nach dem Verdünnen mit Wasser heifs abfiltriert und zur Krystallisation stehen gelassen. Aus ihr schied sich ein Teil des Salzes in kleinen, grünlich glänzenden Blättchen

Tiech: ER desselben mittels verdünnter Schwefelsäure wurde die freie »-Nitro-«-Methylzimmtsäure als ein gelber, krystal- linischer Niederschlag erhalten. Derselbe ist unlöslich in Wasser und Benzol, schwerlöslich in verdünntem Weingeist und Äther.

us der weingeistigen Lösung wird die Säure durch Zusatz von Wasser flockig ausgefüllt; beim Stehenlassen der Lösung scheidet

Eee er menen THREE =

a u a Tl ln nn ll la ma nl ln

135

sie sich hingegen in kleinen Wärzchen ab. Sie wurde durch Kochen mit Tierkohle und Umkrystallisieren aus Weingeist gereinigt.

Sie schmilzt unter Zersetzung bei 201°.

0,1774 g Substanz gaben bei der Verbrennung 0,0732 g HsO und 0,3784 g CO».

0,2665 g Substanz gaben bei 25°C und 724 mm Luftdruck 17 cem N.

Berechnet für Cio Hs NO; Gefunden G=58,0 pe 58,17 pe H= 4,34 pe 46 pe

=6,7 pe 6,8 pe Die so erhaltene Säure ist ihrer Entstehung entsprechend als ein »-Nitroderivat der Phenylerotonsäure oder Phenylmethakryl- säure aufzufassen, die zuerst von W. H. Perkin nach der von ihm entdeckten Synthese ungesättigter Säuren dargestellt wurde.

IV. Reduktion des »-Nitro - «- Methylzimmtaldehyds.

Von den beiden Reduktionsmitteln, welche v. Miller und Kinkelin beim m-Nitro -@-Methylzimmtaldehyd angewandt haben, wurde aus den schon in der Einleitung dargelegten Gründen blols Zinn und Salzsäure in Betracht gezogen.

10 8 Aldehyd wurden mit der zehnfachen Menge Weingeist übergossen, dann 40 g Zinn und 50 g rauchende Salzsäure zu- gegeben. Der Aldehyd löste sich unter starker Wärmeentwicklung mit rotbrauner Farbe. Als dann das Ganze auf dem Wasserbade am Rückflufskühler weiter erhitzt wurde, nahm es nach und nach eine tiefdunkelrote Färbung an und behielt dieselbe auch während fast zweitägigem Kochen bei.

Zur Trennung von Zinn und zur Abscheidung der entstandenen basischen Körper wurde die Flüssigkeit in konzentrierte Natronlauge gegossen, wobei eine gelbbraun gefärbte, pulverige Masse ausfiel.

ie Versuche, aus dem Niederschlage durch Behandlung mit Wasser, Weingeist, Äther, Benzol und Petroleumäther eine kry- stallisierbare Verbindung auszuziehen, blieben ohne Erfolg.

In verdünnten Säuren, in Salzsäure, Schwefelsäure, Essig- säure etc. löst sich die Substanz mit dunkelroter Farbe; doch konnten aus keiner der Lösungen Krystalle erhalten werden. Auch auf Zusatz von Platinchlorid zur salzsauren Lösung erfolgte blols eine amorphe Ausscheidung. Das pikrinsaure Salz, durch Zusatz

126

von Pikrinsäure zum weingeistigen Auszug erhalten, war ebenfalls rot und amorph.

Eine Analyse des erhaltenen Produkts mufste in Anbetracht dieser Umstände unterbleiben.

Es konnte nur das eine mit Sicherheit festgestellt werden, dafs dasselbe eine Amidogruppe enthält, da es die charakteristischen Reaktionen der primären aromatischen Amine gibt. Es läfst sich durch Behandlung der saizsauren Lösung mit salpetrigsaurem Natron diazotieren, wobei eine braungelbe, allerdings ebenfalls amorphe Diazoverbindung ausfällt. Es gibt mit Chloroform und Kalilauge die Hofmannsche Carbylaminprobe. Es vereinigt sich mit Essigsäure- anhydrid zu einem ebenfalls nicht krystallisierenden Acetylderivat. Beim trocknen Erhitzen für sich zeigt es Geruch nach Anilin.

Aus all dem ergibt sich, dafs bei der Reduktion wohl die Nitrogruppe des p-Nitro-«-Methylzimmtaldehyds in die Amido- gruppe übergeführt worden war, dafs aber sonst kein irgendwie gut charakterisierter Körper, mithin auch kein Indonaphtenderivat entstanden war.

Künchan, een Laboratorium der technischen Hochschule, im Juli 1887.

Nachschrift.

Seit dem Abschlusse vorliegender Arbeit sind von W. v. Miller und Rohde Beobachtungen über die Bildung von Indonaphten- (Inden)-derivaten aus Aldehyden veröffentlicht worden ?!), welche das Nichtauftreten eines solehen bei der Reduktion des p-Nitro- «-Methylzimmtaldehyds völlig begreiflich erscheinen lassen. Die Überführbarkeit des aus der m-Verbindung erhaltenen Reduktions- produkts in die 1,2,4-Chlorphtalsäure hat gezeigt, dafs der Eingriff des Aldehydradikals in den Benzolkern in p-Stellung zur Amido- gruppe erfolg. Da aber diese in dem von mir untersuchten p-Nitro-«-Methylzimmtaldehyd durch die Seitenkette besetzt ist, so konnte sich hier ein Indenderivat überhaupt nicht bilden.

Es ist also durch die vorstehende Arbeit der Theorie, die v. Miller und Rohde für die Indenbildung aufgestellt haben, eine neue Stütze gegeben.

21) Berichte, 22. Jahrg. $. 1832 ff.

—o

Über Aluminium- und Silieiumlegierungen.

Vortrag Dr. Hans Stockmeier,

Vorstand des chemischen Laboratoriums am bayerischen Gewerbemuseum zu Nürnberg.

Nachdem durch die bahnbrechenden Studien Lavoisier’s und seiner Zeitgenossen klar gelegt war, dafs die sogenannten »Erden« . Verbindungen von Sauerstoff mit Metallen seien und Davy im Jahre 1807 durch die Anwendung der Elektrizität zur Isolierung der Metalle ungeahnte Erfolge erzielte, versuchte dieser Forscher auch aus der Thonerde das verborgene Metall auf elektrolytischem Wege zu isolieren, ohne dafs hier seine Bestrebungen vom Erfolge gekrönt gewesen wären,

Erst 20 Jahre später gelang es unserem berühmten Lands- manne Wöhler auf rein chemischem Wege durch Einwirkung von Kalium auf Chloraluminium ein graues Metallpulver zu gewinnen, das unter dem Polierstahle Metallglanz annahm, und das neue Wundermetall Aluminium, das Silber aus Lehm, hatte damit seine erste Darstellung gefeiert.

rfüllt von den wertvollen Eigenschaften dieses Metalles und der eminent wichtigen Rolle, welche das Aluminium in der Metall- industrie zu spielen berufen sei, war Wöhler unablässig bemüht, die Darstellungsweise dieses Metalles zu verbessern, und so gelang es ihm im Jahre 1845, das Aluminium in Form von Metall- kügelchen zu erhalten.

Man darf getrost behaupten, dafs die Prinzipien Wöhlers zur Gewinnung des Aluminiums vier Dezennien lang die Industrie dieses Metalles beherrschten, denn die Arbeiten der nachfolgenden Chemiker einschliefslich Deville’s gipfeln nur in der technischen Vervoll-

ommnung der Wöhler’schen Methode und der Ausarbeitung der- selben zu einem Verfahren der Grossindustrie.

Die schöne weilse Farbe des Aluminiums, sein geringes spezifisches Gewicht, die Möglichkeit, ihm die Festigkeit des Gufs- eisens zu verleihen, seine grosse Dehnbarkeit, welche das Alu- minium zum dünnsten Draht auszuziehen, sowie zum dünnsten Blech zu walzen und zur feinsten Folie zu schlagen erlaubt, sein acht-

Abh. d. Naturh, Ges. VII, Ba, 9

130

mal gröfseres Leitungsvermögen für Elektrizität als Eisen, seine - gröfsere Wärmeleitung als Kupfer und Silber, seine Widerstands- fähigkeit gegen die Atmosphärilien, sein wunderbarer weittönender und lange anhaltender Klang liefsen die Hoffnung berechtigt er- scheinen, dafs das Aluminium nicht nur das Eisen, sondern auch vielfach das Silber ersetzen könne und eine Reihe von Legierungen überflüssig mache.

Die besonders dem Eisen gegenüber hervortretenden Eigen- schaften veranlafsten den Kaiser Napoleon IIl., in der Hoffnung, mit dem Aluminium eine leichtere Bewaffnung seiner Armee ein- führen zu können, dem neuen Metalle eine gröfsere Aufmerksamkeit zuzuwenden und deshalb stellte er dem genialen Chemiker St. Claire Deville grofse Summen zur Ausfindigmachung einer rentablen Darstellungsmethode zur Verfügung.

Obwohl es Deville verstand, die Herstellungskosten beträcht- lich herabzudrücken, so erfüllten sich doch die sanguinischen Hofi- nungen nicht, welche man zu jener Zeit für das Aluminium hegte; denn wenn auch Deville das Verfahren soweit vervollkommnete, dafs, nachdem im Jahre 1854 ein Kilogramm Aluminium 2400 Mark kostete, der Preis in den Jahren

855 auf 1000 Mark,

1856 » 30 » 1857 » 240 » 1862. 100.»

herunterging, so war der letztere doch noch ein derartiger, dafs die Verwendung des Aluminiums zu den meisten Gegenständen ausgeschlossen war und es nur zu Schmucksachen und Luxus- gegenständen benützt werden konnte. Das erste Stück dieser Arbeit war eine kunstvoll eiselierte Kinderklapper, welche der im Jahre 1856 geborne Sohn Napoleons als Geschenk Deville’s erhielt.

Trotz der fortwährenden bedeutenden Anstrengungen gelang es auf dem von Wöhler und Deville eingeschlagenen Wege nicht mehr, den Preis des Aluminiums zu erniedrigen und es mufsten mehr als 25 Jahre vergehen, bis die Aluminiumfrage von neuem ventiliert werden sollte. Dank den gewaltigen Fortschritten auf dem Gebiete der Elektrotechnik ist es gelungen, auf dem Wege, den im Jahre 1807 Davy völlig erfolglos einschlug, das Aluminium aus glühender reiner Thonerde durch starke elektrische Ströme unter Anwendung

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von Kohlenelektroden mit Vorteil zu isolieren, so dafs die Alu- minium -Industrie- Aktien-Gesellschaft in a BO (Schweiz) schon Jetzt in der Lage ist, das Aluminium zum Preise von eirca 22—27 Mark pro Kilogshen in den Handel zu bringen, welcher Preis sich bei entsprechender Verwendung noch um zwei Drittel vermindern dürfte.

Das auf elektrolytischem Wege gewonnene Aluminium ist glänzend weils wie Silber; am schönsten erscheint die Farbe bei rascher Abkühlung des Gusses. Längeres Hämmern und Walzen verleiht dem Aluminium einen blauen Schimmer. Gezogenes, ge- schmiedetes und gewalztes Aluminium hat einen seidenglänzenden, feinkörnigen Bruch; im gegossenen Zustande ist es grobfaserig. Seine Zugfestigkeit stimmt mit der des Gufseisens überein; im ge- walztem Zustande erreicht sie sogar die Widerstandsfähigkeit der Geschützbronze. Bei diesen vorzüglichen Eigenschaften zeigt das Aluminium keine Sprödigkeit; es läfst sich ohne Bruce 360° abbiegen und im geglühten Zustande ziehen, walzen und hämmern wie Silber. Eine seiner auffallendsten Eigenschaften ist seine grolse Leichtigkeit. Das spezifische Gewicht beträgt je nach seiner Ver- arbeitung 2,64—2,70. (Gegossen 2,64; gewalzt 2,68; gezogen 2,70.) Dieses geringe spezifische Gewicht gewinnt erst dadurch an techni- scher Bedeutung, wenn man erwägt, dafs bei Metallgegenständen gewöhnlich nur das Volum in Betracht gezogen wird und dem- gemäls der jetzige Preis des Aluminiums durch das geringe spezi- fische Gewicht wesentlich kompensiert wird, wonach sich heute schon Erzeugnisse aus Aluminium nicht höher stellen als solche aus Nickel und 33mal billiger wie solche aus Silber.

Die chemischen Eigenschaften des Aluminiums stehen den phy- sikalischen an Wichtigkeit nicht nach.

Das Aluminium hält sich sowohl an trockener als an feuchter Luft, während die Eisensorten bekanntlich sehr schnell ihr Aus- sehen verlieren und unbrauchbar werden. Wasser ist völlig ohne Einwirkung auf Aluminium; Seewasser greift es nur sehr schwach an. Dem Silber gegenüber ist besonders sein Verhalten zu RT SEEEREN wertvoll. Erfahrungsgemäs laufen die Silber- gegenstände mehr oder minder rasch gelbbräunlich bis braun- schwarz an, Aluminiumgegenstände zeigen dieses Verhalten nicht,

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Verdünnte Schwefelsäure, welche Eisen und Zink stürmisch löst, ist auf Aluminium nur von geringer Einwirkung. Salpeter- säure jeglicher Konzentration wirkt auf Aluminium überhaupt nicht. Dagegen sind Salzsäure und die sonst bei gewöhnlicher Tem- peratur gegen Eisen nahezu indifferenten wässerigen Lösungen der Aetzalkalien energische Lösungsmittel für Aluminium und mufs man deshalb dieses Metall vor den Einwirkungen jener Körper schützen.

Von besonderer Wichtigkeit ist ferner, dafs verdünnte organische Säuren wie Essig u. dgl. selbst bei Anwesenheit von Kochsalz auf Aluminium nur ganz schwach corrodierend wirken; in früheren Jahren, wo teilweise ein sehr unreines Aluminium in den Verkehr gelangte, war dasselbe wegen der öfter beobachteten leichten An- greifbarkeit von obigen Substanzen als Metall zu Efs- und Trink- geschirr ete. verpönt. Indessen hat Clemens Winkler gezeigt, dafs Gegenstände aus gutem Aluminium der Abnützung im Hausgebrauche lange nicht so stark unterworfen sind wie solche